Das BIP und mehr – die Messung des Fortschritts in einer Welt im Wandel

Im November 2007 veranstaltete die Europäische Kommission gemeinsam mit dem Europäischen Parlament, dem Club of Rome, dem WWF und der OECD eine Konferenz mit dem Titel „Beyond GDP“ („Jenseits des BIP“). Es herrschte breite Zustimmung seitens politischer EntscheidungsträgerInnen, Wirtschafts- und UmweltexpertInnen sowie der Zivilgesellschaft, dass die Notwendigkeit bestünde Indikatoren als Ergänzung zum BIP zu entwickeln, die dazu beitragen sollen, die politische Entscheidungsfindung durch umfassendere Informationen zu unterstützen.

Am 20. August 2009 veröffentlichte die Europäische Kommission ihre Mitteilung "Das BIP und mehr: Die Messung des Fortschritts in einer Welt im Wandel". Die Mitteilung - ein direktes Ergebnis der "Beyond GDP" Konferenz - skizziert in fünf Schlüsselaktionen wie Fortschrittsindikatoren so verbessert werden können, dass sie soziale, technische und politische Entwicklungen optimal abbilden.

Am 21. September 2009 bestätigte der Umweltrat, dass zunehmend Einigkeit darüber bestünde, das BIP durch zusätzliche Indikatoren zu ergänzen, die ein genaueres Bild der sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Fortschritte zeichnen. Er beauftragte daher die Kommission mit Arbeiten zu diesem Thema.

Am 21. Oktober 2009 betonte der Rat der Wirtschafts- und Finanzminister (ECOFIN), dass die Bemühungen um eine bessere Verzahnung wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Statistiken verstärkt werden müssten, und begrüßte den Beitrag, den die Mitteilung der Kommission und der Bericht der Stiglitz-Kommission leisteten.

Über das BIP hinaus

Wissen 
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist die bekannteste Kennziffer für gesamtwirtschaftliche Aktivität. In den 1930er Jahren entwickelt, wurde es von politischen EntscheidungsträgerInnen in der ganzen Welt wie in der öffentlichen Debatte nicht zuletzt als Maßstab für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung und den Fortschritt im Allgemeinen herangezogen. Seiner Beschaffenheit nach liefert das BIP jedoch nicht für jedes Problem die geeignete politische Entscheidungsgrundlage. Weder misst es Umweltverträglichkeit oder die Verteilung der Güter und Einkommen noch soziale Teilhabe oder Ungleichheit. Aus diesem Grund setzte sich nach und nach die Überzeugung durch, dass das BIP durch Daten und Indikatoren ergänzt werden müsse, die wesentliche gesellschaftliche Aspekte besser abbilden. Diese Überlegung steht im Mittelpunkt einer Reihe internationaler Initiativen, die auch die veränderten gesellschaftlichen und politischen Prioritäten widerspiegeln.

Beyond GDP – Startkonferenz 2007

Zentrales Ziel der Beyond-GDP Konferenz war es zu klären, welche Kennzahlen Fortschritt am ehesten zu messen vermögen und wie man sie bestmöglich in den politischen Entscheidungsprozess integrieren und in der öffentlichen Debatte verankern könne. The objectives were to clarify which indices are most appropriate to measure progress, and how these can best be integrated into the decision-making process and taken up by public debate. Eine kurze Zusammenfassung der Konferenz finden sie hier.

EU Roadmap 2009

In der Mitteilung der Kommission wurde ein Aktionsplan für die EU mit fünf wesentlichen Handlungsfeldern vorgestellt, die unmittelbar oder in naher Zukunft umgesetzt werden sollen. Die fünf Handlungsfelder unterstützen das Ziel der Kommission, zeitgemäße Indikatoren zu entwickeln, die den politischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts Rechnung tragen und eine bessere Grundlage für öffentliche Debatten und politische Entscheidungen bieten:

  • Ergänzung des BIP durch ökologische und soziale Indikatoren (d. h. einen umfassenden Index, der die Bereiche Umwelt, Lebensqualität und Wohlergehen abdeckt)
  • Informationen in Beinahe-Echtzeit für die Entscheidungsfindung (möglichst zeitnahe ökologische und soziale Indikatoren)
  • Informationen in Beinahe-Echtzeit für die Entscheidungsfindung (möglichst zeitnahe ökologische und soziale Indikatoren)
  • Genauere Berichterstattung über Verteilung und Ungleichheiten
  • Entwicklung eines europäischen Anzeigers für nachhaltige Entwicklung (koordiniert von der Generaldirektion Umwelt)
  • Einbeziehung von ökologischen und sozialen Anliegen in die volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen

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