Pressemitteilung: 12.435-026/21

Österreich 2019 mit den vierthöchsten Gesundheitsausgaben der EU-Staaten innerhalb der OECD

Wien, 2021-02-10 – Die laufenden Gesundheitsausgaben einschließlich der Ausgaben für Langzeitpflege lagen laut Statistik Austria in Österreich im Jahr 2019 bei 10,4% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) oder 41,48 Mrd. Euro. Im Vergleich zu 2018 erhöhten sich die nominellen Ausgaben für Gesundheitsleistungen und -güter um 1,72 Mrd. Euro bzw. um 4,3%. Auch der Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP ist im Vergleich zu 2018 (10,3%) leicht gestiegen.

"In Österreich wurde 2019 jeder zehnte Euro für die laufenden Gesundheitsausgaben aufgebracht. Der stationäre Bereich machte dabei mit 40,5% den größten Anteil aus. Im Vergleich der 22 EU-Mitgliedstaaten in der OECD lag Österreich bei den Gesundheitsausgaben auf dem vierten Platz, lediglich in Deutschland, Frankreich und Schweden waren die Ausgaben im Verhältnis zum BIP noch höher", so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Im OECD-Vergleich belegt Österreich den neunten Platz und ist somit im oberen Drittel der 37 OECD-Mitgliedstaaten zu finden. Angeführt wird der OECD-Vergleich erneut von den USA mit laufenden Gesundheitsausgaben in Höhe von 17,0% des BIP, gefolgt von der Schweiz (12,1%) und Deutschland (11,7%). Der OECD-Durchschnitt der laufenden Gesundheitsausgaben beträgt 8,8% des BIP, jener der 22 EU-Mitgliedstaaten in der OECD beläuft sich auf 8,5% des BIP.

75,2% der laufenden Gesundheitsausgaben werden öffentlich finanziert

Bund, Länder, Gemeinden sowie die Sozialversicherungsträger kamen 2019 für 75,2% bzw. 31,21 Mrd. Euro der laufenden Gesundheitsausgaben auf. Die restlichen Ausgaben in Höhe von 10,27 Mrd. Euro wurden von privaten Haushalten, freiwilligen Krankenversicherungen, privaten Organisationen ohne Erwerbszweck sowie Unternehmen getragen.

Stationäre Versorgung mit Abstand bedeutendste Ausgabenkategorie

Für stationäre Leistungen (inkl. tagesklinischer Fälle) in Krankenanstalten, Kur- und Pflegeheimen sowie Rehabilitationseinrichtungen wurden 2019 öffentliche sowie private Mittel in Höhe von 16,79 Mrd. Euro bzw. 40,5% aller laufenden Gesundheitsausgaben ausgegeben, davon entfielen 3,24 Mrd. Euro auf die stationäre Langzeitpflege. Die stationäre Versorgung ist somit mit deutlichem Abstand die bedeutendste Ausgabenkategorie im österreichischen Gesundheitssystem. Im Vergleich zum Jahr 2018 sind diese Ausgaben um 2,7% angestiegen. Mit 11,64 Mrd. Euro bzw. 28,1% der laufenden Gesundheitsausgaben sind ambulante Leistungen (u. a. im niedergelassenen Bereich, in Spitalsambulanzen, Laboren und Diagnosezentren) die zweitgrößte Ausgabenkategorie. Die Steigerungsrate im Vergleich zum Vorjahr belief sich auf 7,4%. Ein Ausgabenwachstum von 4,0% verzeichneten pharmazeutische Erzeugnisse und medizinische Ge- und Verbrauchsgüter (u. a. Arzneimittel, Sehbehelfe, Hörhilfen, orthopädische Hilfsmittel), für die im Jahr 2019 in Summe 7,01 Mrd. Euro (16,9%) ausgegeben wurden. Die restlichen laufenden Gesundheitsausgaben verteilten sich auf die Bereiche häusliche Pflege (2,76 Mrd. Euro bzw. 6,6%), Verwaltung (1,68 Mrd. Euro bzw. 4,1%), Prävention (0,87 Mrd. Euro bzw. 2,1%) sowie Krankentransport und Rettungsdienste (0,74 Mrd. Euro bzw. 1,8%).

Rund 12,57 Mrd. Euro an öffentlichen Mitteln wurden für Fondskrankenanstalten aufgewendet

Die öffentlichen Ausgaben für die Fondskrankenanstalten inklusive Spitalsambulanzen betrugen 2019 12,57 Mrd. Euro. Den Großteil finanzierten die Sozialversicherungsträger mit einem Ausgabenanteil von 44,7% (5,63 Mrd. Euro), gefolgt von den Bundesländern mit 33,7% (4,24 Mrd. Euro) sowie dem Bund mit 11,1% (1,39 Mrd. Euro) und den Gemeinden mit 10,5% (1,32 Mrd. Euro).

Die höchsten öffentlichen Ausgaben für Fondskrankenanstalten im Jahr 2019 wurden in Wien (3,51 Mrd. Euro) verzeichnet, die niedrigsten im Burgenland (0,27 Mrd. Euro). Dies spiegelt in erster Linie die unterschiedliche Einwohnerzahl der Bundesländer bzw. die Anzahl der versorgten Patientinnen und Patienten wider.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die Gesundheitsausgabenrechnung folgt den Regeln des "System of Health Accounts" (SHA) und wird seit 2005 im Auftrag des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz erstellt. Dieses System von umfassenden, konsistenten und international vergleichbaren Gesundheitskonten wurde im Mai 2000 erstmals von der OECD in Form des Manuals "A System of Health Accounts" veröffentlicht. Inzwischen liegt eine von OECD, Eurostat und WHO revidierte Fassung des Manuals vor (A System of Health Accounts, 2011 Edition). 
Die laut Durchführungsverordnung der Europäischen Kommission (EU 2015/359) von den EU-Mitgliedstaaten verpflichtend zu erhebenden Daten umfassen die laufenden Gesundheitsausgaben, also jene Gesundheitsausgaben, welche keine Investitionen im Gesundheitsbereich beinhalten, untergliedert nach den drei SHA-Dimensionen Finanzierung (HF), Leistungserbringer (HP) sowie Gesundheitsleistungen und -güter (HC). Die Daten werden jährlich aktualisiert, von Statistik Austria publiziert und an OECD, EUROSTAT und WHO gemeldet und in deren Datenbanken und Publikationen veröffentlicht. 
Die laufenden Gesundheitsausgaben nach System of Health Accounts umfassen auch Ausgaben für Langzeitpflege. Unter Langzeitpflege gemäß SHA werden pflegerische Tätigkeiten sowie Unterstützung bei den Aktivitäten des täglichen Lebens (sich bewegen, essen und trinken, sich waschen und ankleiden, etc.) verstanden. Hingegen werden u. a. Haushaltshilfe oder betreutes Wohnen als außerhalb der Gesundheitsversorgung betrachtet. 
Bei Fondskrankenanstalten handelt es sich um Akutkrankenanstalten in öffentlicher und privater Trägerschaft, welche über die neun Landesgesundheitsfonds (teil-)finanziert werden. Mit 86,3% (2019) der stationären Aufenthalte von Patientinnen und Patienten repräsentieren sie die wichtigste Gruppe der österreichischen Spitäler.

 

Tabelle 1: Laufende Gesundheitsausgaben in Österreich laut SHA1) 2000–2019, in Mio. Euro
Öffentliche und private laufende Gesundheitsausgaben2)20002005201020152016201720182019
Laufende Gesundheitsausgaben19.66024.46030.24435.69237.02138.35539.76041.483
Öffentliche Ausgaben14.85018.09422.57626.43327.38128.39029.75531.209
Private Ausgaben4.8096.3667.6689.2599.6409.96510.00410.274
Öffentliche Ausgaben, in % der laufenden Gesundheitsausgaben75,574,074,674,174,074,074,875,2
Private Ausgaben, in % der laufenden Gesundheitsausgaben24,526,025,425,926,026,025,224,8
Laufende Gesundheitsausgaben, in % des BIP9,29,610,210,410,410,410,310,4
Bruttoinlandsprodukt (BIP)213.606254.075295.897344.269357.608369.341385.362397.575
Laufende Gesundheitsausgaben für Langzeitpflege2.5883.1694.4265.3025.5375.7005.8295.976
Öffentliche Ausgaben für Langzeitpflege2.1962.5473.4593.9664.0194.0714.3554.524
Private Ausgaben für Langzeitpflege3926239661.3361.5181.6291.4751.452
Tabelle 2: Laufende öffentliche Gesundheitsausgaben für Fondskrankenanstalten 2019, in Mio. Euro
 BundLänderGemeindenSV-TrägerStaatWachstum Staat
2018 bis 2019
Österreich1.3954.2361.3195.62512.5754,9%
Burgenland2892121412747,1%
Kärnten82210984168064,0%
Niederösterreich2335954147802.0224,3%
Oberösterreich2225503959772.1445,0%
Salzburg87279763507926,2%
Steiermark170572257941.5603,1%
Tirol1202521654379755,8%
Vorarlberg50141812224943,9%
Wien4031.544531.5093.5095,7%

Grafik 1

Grafik 5

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Volkswirtschaft, Statistik Austria:  
DI Waltraud KAVLIK, Tel.: +43 1 71128-8262 bzw. waltraud.kavlik@statistik.gv.at

Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber: 
Bundesanstalt Statistik Österreich 
1110 Wien, Guglgasse 13, Tel.: +43 1 71128-7777 
presse@statistik.gv.at  
© STATISTIK AUSTRIA