Pressemitteilung: 12.351-191/20

Drei von vier Personen fühlen sich gesundheitlich gut oder sehr gut; chronische Krankheiten dennoch weit verbreitet

Wien, 2020-10-19 – Drei Viertel der österreichischen Bevölkerung sind mit dem eigenen Gesundheitszustand zufrieden, gleichzeitig sind zwei Drittel der Bevölkerung von mindestens einer chronischen Krankheit betroffen. Das sind zwei zentrale Ergebnisse der von Statistik Austria im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit sowie der Bundesgesundheitsagentur durchgeführten "Österreichischen Gesundheitsbefragung 2019".

"Österreich wird immer gesünder: Der Anteil der Personen, die mit ihrem Gesundheitszustand zufrieden sind, hat sich in den letzten drei Jahrzehnten um 8 Prozentpunkte erhöht. Gleichzeitig ist gerade im höheren Alter der Anteil derer hoch, die an chronischen Krankheiten leiden", sagt Tobias Thomas, Generaldirektor von Statistik Austria.

Drei Viertel der Bevölkerung in subjektiv guter Gesundheit, mit zunehmendem Alter Verschlechterung des gesundheitlichen Wohlbefindens

75% der österreichischen Bevölkerung ab 15 Jahren beurteilen ihren eigenen Gesundheitszustand als sehr gut oder gut, 1991 hatten lediglich 67% ihren Gesundheitszustand als sehr gut oder gut eingeschätzt. Laut der aktuellen Erhebung fühlen sich nur 6% gesundheitlich schlecht oder sehr schlecht, 1991 waren es 8%. Frauen sehen ihren Gesundheitszustand generell etwas pessimistischer als Männer.

Mit zunehmendem Alter verschlechtert sich der subjektive Gesundheitszustand: Während 92% der jungen Bevölkerung (bis 29 Jahre) die eigene Gesundheit als sehr gut oder gut bewerten, tun dies nur noch 40% der 75-Jährigen und Älteren. Jede fünfte Person in dieser Gruppe stufte ihren allgemeinen Gesundheitszustand sogar als schlecht oder sehr schlecht ein.

Häufigste Gesundheitsprobleme: Rückenschmerzen, Allergien und Bluthochdruck

Insgesamt gaben zwei Drittel der österreichischen Bevölkerung ab 15 Jahren an, zumindest an einer chronischen Krankheit zu leiden. Am häufigsten wurden Kreuzschmerzen, Allergien und Bluthochdruck genannt. Diabetes mellitus, Herz- oder Krebserkrankungen waren deutlich seltener.

Der Anteil der Personen mit mindestens einer chronischen Krankheit nimmt mit dem Alter zu. Ist bei den 15- bis 44-Jährigen noch eine knappe Mehrheit (52%) frei von chronischen Krankheiten, sind in der Altersgruppe 45 bis 59 Jahre bereits 73% von zumindest einer Erkrankung betroffen. Bei der Bevölkerung ab 60 Jahren sind es sogar 86%, wobei in diesem Alter viele Personen mehrere gesundheitliche Probleme gleichzeitig haben.

Mehr als ein Viertel der Bevölkerung hat chronische Kreuzschmerzen oder ein anderes chronisches Rückenleiden (26% bzw. 1,9 Mio. Personen). In der Altersgruppe 75+ sind sogar jede zweite Frau und jeder dritte Mann betroffen.

Ähnlich häufig sind Allergien (1,7 Mio. Betroffene). Frauen berichteten etwas öfter über dieses Gesundheitsproblem als Männer (24% bzw. 21%). Im Gegensatz zu den meisten anderen chronischen Erkrankungen kommen Allergien häufiger bei jungen Menschen und im mittleren Erwachsenenalter vor. An dritter Stelle der gesundheitlichen Probleme steht der Bluthochdruck: 1,6 Mio. Menschen sind davon betroffen, das ist jede fünfte Person ab 15 Jahren. Auch hier ist steigt die Zahl der Betroffenen mit zunehmendem Alter: In der Altersgruppe 75+ gaben mehr als die Hälfte einen Bluthochdruck an. Chronische Nackenschmerzen betreffen wesentlich mehr Frauen (25%) als Männer (14%).

Der Erhebung zufolge haben österreichweit rund 450.000 Personen (6% der Bevölkerung) Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), wobei 66% der Diabetiker und 74% der Diabetikerinnen 60 Jahre und älter sind.

9% der Bevölkerung im Alltag stark eingeschränkt

660.000 Menschen (9% der Bevölkerung) sind aufgrund eines dauerhaften gesundheitlichen Problems bei ihren Alltagstätigkeiten stark eingeschränkt. Weitere 1,6 Mio. Personen (21% der Bevölkerung) sind etwas eingeschränkt. Besonders betroffen ist erwartungsgemäß die ältere Bevölkerung: Rund ein Drittel der über 74-Jährigen ist stark, ein weiteres Drittel etwas eingeschränkt.

Die Bevölkerung ab 55 Jahren wurde genauer zu den empfundenen Einschränkungen befragt. Über Probleme bei der selbständigen Ausübung der täglichen Körperpflege und Versorgung der eigenen Person berichteten rund 450.000 Personen (13% der Männer und 18% der Frauen ab 55 Jahren). Der Großteil benötigt Unterstützung (71%), bei 114.000 Betroffenen (25% der Personen mit Einschränkungen) ist diese nicht oder nicht ausreichend vorhanden.

Etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung mit der Qualität der medizinischen Versorgung zufrieden

Erstmals wurde auch die Zufriedenheit mit der medizinischen Versorgung in Österreich abgefragt. Sechs von zehn Personen ab 15 Jahren bezeichnen deren Qualität als hervorragend oder sehr gut. Weniger zufrieden sind vor allem Frauen zwischen 45 und 59 Jahren – 17% vergaben die Noten ausreichend oder sehr schlecht. Ebenfalls weniger zufrieden sind Personen, die unter chronischen Krankheiten litten.

Knapp zwei Drittel der Männer (63%) und etwas mehr als die Hälfte der Frauen (55%) sehen im österreichischen Gesundheitssystem allenfalls die Notwendigkeit kleiner Verbesserungen. Wesentliche Änderungen wünscht sich gut ein Drittel der österreichischen Bevölkerung, eine grundlegende Neugestaltung halten 5% für notwendig.

Detaillierte Ergebnisse zur Gesundheitsbefragung finden Sie auf unserer Webseite sowie in der Publikation "Gesundheitsbefragung 2019 – Hauptergebnisse und methodische Dokumentation"(PDF, 3,7 MB).

Methodische Informationen, Definitionen: Statistik Austria führte im Auftrag des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz sowie der Bundesgesundheitsagentur von Oktober 2018 bis September 2019 eine auf der Europäischen Gesundheitsbefragung basierende österreichweite Erhebung zum Thema Gesundheit durch. Insgesamt wurden 15.461 zufällig ausgewählte Personen im Rahmen eines persönlichen Interviews befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Bevölkerung ab 15 Jahren in Privathaushalten (hochgerechnet 7,4 Mio. Personen). 
Themen der Befragung waren zum einen der Gesundheitszustand der Bevölkerung, also das Auftreten bestimmter Krankheiten und Gesundheitsprobleme, Schmerzen, funktionaler Beeinträchtigungen sowie das Ausmaß bzw. der Bedarf an Unterstützung bei Aktivitäten des täglichen Lebens. Ein zweiter Themenbereich betraf das Gesundheitsverhalten. Hier wurden Daten zu Risikofaktoren (Rauchen, Alkohol, Adipositas) sowie zu Ernährung, körperlicher Aktivität und Gesundheitsvorsorge erhoben. Ein dritter Aspekt betraf die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen. Eltern lieferten Informationen zum Gesundheitszustand ihrer im Haushalt lebenden Kinder. 
Zumindest eine chronische Krankheit: Für die Befragung stand eine Liste von 19 häufigen oder schwerwiegenden chronischen Krankheiten zur Auswahl. 
Für Zeitreihenvergleiche wurden altersstandardisierte Häufigkeiten berechnet, um Effekte auszuschalten, die auf Unterschiede in der Altersstruktur der Vergleichsgruppen zurückzuführen sind. 
Die Interviews wurden überwiegend persönlich und computerunterstützt durchgeführt (CAPI – Computer Assisted Personal Interviewing). Die Erhebung über die Lebensqualität und körperliche Aktivität erfolgte mittels eines selbst auszufüllenden Fragebogens im Anschluss an das persönliche Interview. Rund 10% füllten einen webbasierten Fragebogen aus. Die österreichweite Ausschöpfung lag bei 50,5%. 
Die Teilnahme an der Befragung war freiwillig. Zu beachten ist ein möglicherweise sozial erwünschtes Antwortverhalten besonders bei einzelnen, möglicherweise sensiblen oder für die Zielperson unangenehmen Fragen, wie zum Alkoholkonsum oder zum Rauchen.

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Jeannette KLIMONT, Tel.: +43 (1) 71128-8277 bzw. jeannette.klimont@statistik.gv.at

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