Pressemitteilung: 12.153-219/19

Betreuungs- und Pflegedienste 2018: 153.500 Personen zuhause, 95.100 in Heimen betreut

Wien, 2019-12-17 – Im Jahr 2018 wurden laut Statistik Austria 153.486 ältere Menschen durch professionelle mobile Dienste (z. B. Hauskrankenpflege, Heimhilfe) zu Hause betreut bzw. gepflegt; 1.326 Personen nahmen mehrstündige Alltagsbegleitungen im häuslichen Umfeld in Anspruch. Damit entfiel der Großteil (57%) der von den Ländern und Gemeinden über die Sozialhilfe oder Mindestsicherung finanziell unterstützten Betreuungs- und Pflegeverhältnisse (insgesamt 271.456) auf den häuslichen Bereich. Knapp drei Viertel (74%) der hier betreuten/gepflegten Personen waren 75 oder mehr Jahre alt (Stand Ende 2018).

Im außerhäuslichen Bereich sind die stationären Dienste die größten Leistungserbringer: 95.100 Personen waren in Pflegeheimen, Pflegewohnhäusern und ähnlichen Einrichtungen untergebracht, weitere 9.871 nahmen eine stationäre Kurzzeitpflege in Anspruch. In alternativen Wohnformen ohne ständige Betreuung (betreubares/betreutes Wohnen) lebten 3.485 Personen. Für 8.188 zu Hause wohnende Menschen erbrachten teilstationäre Dienste tagsüber Betreuungs- und Verpflegsleistungen in ihren Einrichtungen (Tagesstätten, Tageszentren; siehe Tabelle 1). Der Anteil der 75-Jährigen oder Älteren lag in der außerhäuslichen Betreuung und Pflege bei 80%.

Starke Bundesländerunterschiede bei der Entwicklung seit 2013 und den Betreuungsquoten

Die Entwicklung der letzten fünf Jahre (2013 bis 2018) zeigt, dass die Anzahl der betreuten Personen in den mobilen und stationären Diensten (inkl. alternative Wohnformen) ungefähr gleich stark zugenommen hat (mobil: +17.400; stationär: +17.500). Gemessen am prozentuellen Zuwachs lagen die stationären (+19%) vor den mobilen Diensten (+13%). Beim vergleichsweise kleinen Bereich der teilstationären Tagesbetreuung war der relative Anstieg noch stärker (+23%).

Sehr unterschiedlich verlief dabei die Entwicklung in den Bundesländern: Im Bereich der mobilen Dienste gab es Zuwächse von 4% (Kärnten) bis 35% (Burgenland), im stationären Bereich reichte die Bandbreite der Veränderung von 0% (Wien) bis 61% (Burgenland; siehe Tabelle 2).

Auch beim Verhältnis zwischen der Anzahl betreuter/gepflegter Personen (Stand: Ende 2018) und der Zahl der Pflegegeldempfängerinnen und -empfänger (Stand: Dezember 2018) zeigen sich große Bundesländerunterschiede: Bei mobilen Diensten lag Vorarlberg mit einer Betreuungsquote von 46% deutlich vor den anderen Bundesländern (Gesamtdurchschnitt: 21%), während im stationären Bereich Wien mit 21% den höchsten Versorgungsgrad hatte (Durchschnitt: 16%).

Sowohl die betreuten Personen (68%) als auch das Pflegepersonal (88%) sind großteils weiblich

Frauen stellen nicht nur als zu betreuende/pflegende Personen die große Mehrheit, sondern sind in noch stärkerem Ausmaß selbst als Betreuungs- und Pflegepersonen tätig. Ende 2018 waren mehr als zwei Drittel der Betreuten (Gesamtdurchschnitt: 68%; darunter mobil: 66%, stationär inkl. alternative Wohnformen: 71%) und fast 90% des Personals weiblich (gesamt: 88%; mobil: 92%, stationär: 85%).

Der Personalstand der Betreuungs- und Pflegedienste lag Ende des Jahres bei insgesamt 68.417 Voll- und Teilzeitbeschäftigten, das entsprach 48.977 Vollzeitäquivalenten (siehe Tabelle 3). Knapp zwei Drittel der Beschäftigten (knapp drei Viertel in Vollzeitäquivalenten) arbeiteten im stationären Bereich, während in den mobilen Diensten weniger als halb so viele Personen beschäftigt waren, bei einem gleichzeitig höheren Anteil von in Teilzeit tätigem Personal.

59% der Ausgaben durch Sozialhilfe/Mindestsicherung, 36% aus Eigenmitteln finanziert

Für die Erbringung der Betreuungs- und Pflegedienste insgesamt (inkl. Case- und Caremanagement) wurden im Jahr 2018 rund 3,9 Mrd. Euro ausgegeben. Mehr als die Hälfte davon (59%) steuerten die Länder und Gemeinden aus Mitteln der Sozialhilfe oder Mindestsicherung bei, 36% hatten die betreuten Personen selbst zu bestreiten (vor allem aus ihren Pensionen und Pflegegeldern), der Rest (5%) stammte aus anderen Quellen (z. B. Landesgesundheitsfonds oder Krankenversicherung; siehe Tabelle 4). Über 80% der Ausgaben entfielen auf die teilstationären und stationären Dienste (inkl. alternative Wohnformen), 16% auf den häuslichen Bereich (mobilen Dienste und Alltagsbegleitungen).

Bei der Zusammensetzung der Finanzierung auf Bundesländerebene war der von der Sozialhilfe/Mindestsicherung getragene Anteil in Wien mit 64% am höchsten und in Oberösterreich mit 51% am niedrigsten. Dementsprechend stark variierte auch der Eigenanteil der unterstützten Personen zwischen 31% (Wien) und 44% (Oberösterreich). Die Beiträge und Ersätze fielen bei den mobilen Diensten (20%) anteilsmäßig im Durchschnitt um die Hälfte geringer aus als im stationären Bereich (40%). Allerdings sind die mobilen Dienste hier untererfasst, weil sie in einigen Ländern (Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Salzburg) zur Gänze oder großteils mit den leistungserbringenden Diensten direkt verrechnet werden und damit nicht in den öffentlichen Budgets aufscheinen.

Im Zeitraum von 2013 bis 2018 stiegen die Bruttoausgaben für die Betreuungs- und Pflegedienste um 25% (+771 Mio. Euro), die Nettoausgaben um 36% (+607 Mio. Euro). Die Bruttoausgaben wuchsen prozentuell schwächer als die Nettoausgaben, weil die Einnahmen aus Beiträgen und Ersätzen nur um 12% (+153 Mio. Euro) anstiegen – nicht zuletzt wegen der Anfang Jänner 2018 in Kraft getretenen Abschaffung des Pflegeregresses bei der Unterbringung in stationären Einrichtungen. Auch in der Ausgaben- und Einnahmenentwicklung der letzten fünf Jahre gab es große Unterschiede zwischen den Bundesländern (z. B. Anstieg der Nettoausgaben: +20% in Wien, +64% im Burgenland; Rückgang/Anstieg der Beiträge und Ersätze: -3% in Niederösterreich, +40% in Tirol).

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zur Statistik der Betreuungs- und Pflegedienste (Pflegedienstleistungsstatistik) finden Sie auf unserer Webseite.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Neben dem Pflegegeld sind die Betreuungs- und Pflegedienste die wichtigsten Leistungen der öffentlichen Pflegevorsorge. Während das Pflegegeld in der Kompetenz des Bundes liegt, sind für die Organisation und Bereitstellung der Betreuungs- und Pflegedienste die Länder und Gemeinden zuständig. Die Daten werden im Rahmen der Pflegedienstleistungsstatistik, die auf den Bestimmungen des Pflegefondsgesetzes (PFG) und der Pflegedienstleistungsstatistik-Verordnung basiert, seit dem Berichtsjahr 2011 erhoben. Diese Statistik erfasst die folgenden sieben Dienstleistungsbereiche der Langzeitpflege, soweit ihre (Mit-)Finanzierung aus Mitteln der Sozialhilfe bzw. Mindestsicherung oder sonstigen öffentlichen Mitteln erfolgt: mobile, stationäre und teilstationäre Betreuungs- und Pflegedienste, mehrstündige Alltagsbegleitungen und Entlastungsdienste (erstmals 2018 statistisch erhoben), Kurzzeitpflege in stationären Einrichtungen, alternative Wohnformen sowie Case- und Caremanagement (siehe dazu § 3 Abs. 4 bis 11 PFG). Soziale Dienste der Langzeitpflege, die in der Behindertenhilfe oder der Grundversorgung zum Leistungsangebot gehören, zählen ebenso wie die 24-Stunden-Betreuung nicht zum Erfassungsbereich der Pflegedienstleistungsstatistik.  
Die von den Ländern verpflichtend an Statistik Austria zu meldenden Daten betreffen Angaben zu den Leistungsstunden, Verrechnungs- und Besuchstagen, Plätzen, betreuten/gepflegten Personen, Betreuungs- und Pflegepersonen sowie Brutto- und Nettoausgaben, Beiträgen und Ersätzen, Zuschüssen der Krankenversicherung und sonstigen Einnahmen. Die meisten Erhebungsmerkmale beziehen sich auf das gesamte Berichtsjahr (Jahressummen); mit Stand zum Jahresende werden die Plätze, das Personal und die betreuten bzw. gepflegten Personen erfasst (letztere zusätzlich zum Berichtsjahr), ebenso die Merkmalsausprägungen Geschlecht, Altersgruppen und Pflegegeldstufen (verpflichtend seit dem Berichtsjahr 2013). Die veröffentlichten Daten der Pflegedienstleistungsstatistik weisen einige Qualitätsdefizite im Hinblick auf Vergleichbarkeit, Genauigkeit und Vollständigkeit auf, die bei der Interpretation der Ergebnisse ebenso mit zu berücksichtigen sind wie die historisch gewachsenen, föderalen Unterschiede in den Dienstleistungsstrukturen selbst (diese betreffen z. B. die Zugangskriterien für die Leistungsinanspruchnahme, die Ausgestaltung und Höhe der Tarife, die Regelung der Kostenbeteiligungen oder die Organisation der Dienste).

 

Tabelle 1: Anzahl der betreuten/gepflegten Personen nach Art der professionellen Dienste1) 20182)
BundeslandMobile DiensteAlltagsbegleitungen/ 
Entlastungsdienste
Teilstationäre TagesbetreuungStationäre DiensteKurzzeitpflege in stationären EinrichtungenAlternative Wohnformen
Burgenland6.1512683082.791324248
Kärnten11.597-2298.138307110
Niederösterreich31.80922466613.1444.169-
Oberösterreich21.0122331.40515.5282.52240
Salzburg3)8.040-9175.609525-
Steiermark4)25.23457386717.045.1.427
Tirol11.420-9928.355201-
Vorarlberg5)8.293.6042.910653150
Wien6)29.930282.20021.5801.1701.510
Insgesamt153.4861.3268.18895.1009.8713.485
Tabelle 2: Betreute/gepflegte Personen nach Art der professionellen Dienste1) 2013–20182), absolute und relative Veränderung
BundeslandMobile DiensteTeilstationäre TagesbetreuungStationäre Dienste, Kurzzeitpflege und alternative Wohnformen3)
absolutin %absolutin %absolutin %
Burgenland1.58434,7160108,11.27260,8
Kärnten4243,8-82-26,41.61223,2
Niederösterreich5.05818,915630,61.63710,4
Oberösterreich1.1465,841642,14.60134,1
Salzburg4)1.20217,618024,41.51132,7
Steiermark5)3.63616,8334,03.60824,3
Tirol2.00221,3524112,02.35037,9
Vorarlberg6)3133,98315,990932,4
Wien2.0407,3703,3400,2
Insgesamt17.40512,81.54023,217.54019,3

 

Tabelle 3: Anzahl der Betreuungs- und Pflegepersonen nach Art der professionellen Dienste1) Ende 20182)
BundeslandMobile DiensteAlltagsbegleitungen/ 
Entlastungsdienste
Teilstationäre Tages-betreuungStationäre DiensteKurzzeitpflege in stationären EinrichtungenAlternative Wohnformen
Voll- und Teilzeitbeschäftigte (Personen)
Burgenland3)515128641.217.49
Kärnten3)1.779-273.158.41
Niederösterreich4)4.54918325.98613-
Oberösterreich4)2.29191537.849.18
Salzburg5)1.250-1092.964.-
Steiermark3)2.74974898.011.163
Tirol3)1.806-2684.086.-
Vorarlberg6)2.032.1201.860.69
Wien7)4.60741979.531176150
Insgesamt21.5782331.05944.662189490
Vollzeitäquivalente
Burgenland3)323,428,142,01.006,2.29,2
Kärnten3)860,3-19,72.483,2.16,8
Niederösterreich4)2.985,710,822,14.871,28,9-
Oberösterreich4)1.301,55,974,45.834,9.9,6
Salzburg5)730,5-44,02.290,6.-
Steiermark3)1.295,563,953,86.168,0.91,6
Tirol3)872,0-89,83.077,5.-
Vorarlberg6)614,2.35,51.307,8.40,5
Wien7)3.564,31,7144,68.340,2151,7108,1
Insgesamt12.547,4110,4525,835.379,7160,6295,9

 

Tabelle 4: Ausgaben und Einnahmen im Bereich der Betreuungs- und Pflegedienste1)
BundeslandBruttoausgabenBeiträge und Ersätze2)Sonstige Einnahmen3)Nettoausgaben4)
Ausgaben in Mio. Euro im Jahr 2018
Burgenland10339856
Kärnten2309021118
Niederösterreich5)53817436328
Oberösterreich56725129287
Salzburg16967399
Steiermark61022713370
Tirol6)2671152150
Vorarlberg169611197
Wien1.26139461806
Insgesamt3.9141.4171842.312
Veränderung gegenüber 2013 in %
Burgenland45,726,238,564,3
Kärnten7)....
Niederösterreich23,1-2,512,244,9
Oberösterreich31,223,82,342,6
Salzburg40,831,7-27,952,5
Steiermark35,19,678,356,1
Tirol46,140,4166,150,1
Vorarlberg50,736,064,460,2
Wien10,30,2-22,620,1
Insgesamt8)24,512,16,535,6

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