Verdienststrukturerhebung

Laut den Hauptergebnissen der Verdienststrukturerhebung 2014 verdienten unselbständig Beschäftigte in Unternehmen mit zehn und mehr Beschäftigten in der Privatwirtschaft 2014 im Mittel (Median) 13,87 Euro brutto pro Stunde. Betrachtet man die Entwicklung der inflationsbereinigten Bruttostundenverdienste seit 2006, dann waren die Löhne und Gehälter 2010 real um insgesamt rund 3% höher als 2006. Nach einem Rückgang um rund einen Indexpunkt zwischen 2010 und 2014 lagen die Bruttostundenverdienste 2014 inflationsbereinigt um rund 2% über dem Niveau des Basisjahres 2006.

Starke Verdienstunterschiede nach Branchen und Berufen

Nach Branchen waren die höchsten Verdienste in den Wirtschaftsabschnitten Energieversorgung (22,60 Euro), Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (20,40 Euro) sowie Information und Kommunikation (19,37 Euro) zu verzeichnen. Am niedrigsten waren die Bruttostundenverdienste 2014 in der Beherbergung und Gastronomie mit 8,67 Euro (ohne Trinkgelder).

Nach Berufsgruppen lagen die Verdienste von Führungskräften mit 29,24 Euro brutto pro Stunde erwartungsgemäß an der Spitze, gefolgt von Beschäftigten in akademischen Berufen mit 20,22 Euro und Fachkräften in technischen und gleichrangigen nichttechnischen Berufen mit 17,12 Euro. Bürokräfte und verwandte Berufe verdienten mit 14,05 Euro etwas weniger als Personen in Handwerksberufen mit 14,47 Euro. Am niedrigsten waren die Verdienste von Beschäftigten in Dienstleistungsberufen mit 10,69 Euro bzw. von Hilfsarbeitskräften mit 9,91 Euro brutto pro Stunde.

Die Bruttostundenverdienste der Frauen waren gemessen am Median in allen erhobenen Branchen und Berufshauptgruppen niedriger als jene der Männer.

14,8% der Beschäftigten arbeiteten zu einem Niedriglohn

Nach Geschlecht betrachtet waren Frauen auch stärker von Niedriglohnbeschäftigung betroffen als Männer. Sowohl mit einem Normalarbeitsverhältnis (16,7%) als auch bei atypischer Beschäftigung (26,8%) waren Frauen überdurchschnittlich oft zu Niedriglöhnen beschäftigt. Bei den Männern verzeichneten dagegen nur atypisch Beschäftigte (23,2%) einen hohen Niedriglohnanteil, während Niedriglohnbeschäftigung bei Männern mit einem Normalarbeitsverhältnis (6,1%) von vergleichsweise geringer Bedeutung war.

Insgesamt lag der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten 2014 bei 14,8%. Zu den Niedriglohnbeschäftigten zählt, wer brutto pro Stunde weniger als zwei Drittel des Medianlohns verdient. Betrachtet man weitere Faktoren, dann lagen allgemein die Verdienste von Jüngeren, gering Qualifizierten, Personen mit kurzer Beschäftigungsdauer oder ohne österreichische Staatsangehörigkeit deutlich häufiger unter der Niedriglohngrenze.

Positiver Einfluss von höherer Ausbildung auf das Verdienstniveau

Einen deutlichen Einfluss auf das Verdienstniveau hat die höchste abgeschlossene Bildung. 2014 verdienten Beschäftigte mit höchstens Pflichtschulabschluss im Mittel 10,47 Euro brutto pro Stunde. Die Verdienste von Personen mit einem Lehrabschluss lagen mit 13,62 Euro um rund 30% darüber. Beschäftigte mit BHS-Matura verdienten mit 16,31 Euro um rund 20% mehr als Absolventinnen und Absolventen einer Lehre. Der Abschluss einer Universität oder Fachhochschule brachte mit 20,59 Euro ein Plus von 26% gegenüber einem BHS-Abschluss. Eine höhere Ausbildung macht sich bei Frauen jedoch nicht so stark bezahlt wie bei Männern.

Verdienste der Männer steigen mit zunehmenden Alter stärker als jene der Frauen

Die Gliederung nach Altersgruppen zeigt weiters insgesamt eine Steigerung der Verdienste mit zunehmendem Alter. Der Anstieg war bei Frauen allerdings nicht so stark wie bei Männern. Insbesondere in den Altersgruppen ab 30 Jahren blieben die Verdienste der Frauen deutlich hinter jenen der Männer zurück. Während 20- bis 29-jährige Frauen im Mittel 10,71 Euro und damit um rund 15,7% weniger verdienten als Männer in dieser Altersgruppe (12,70 Euro), lagen die Verdienste der Frauen im Alter von 50 bis 59 Jahren bei 13,04 Euro und somit um 24,2% unter jenen der Männer mit 17,21 Euro.

Eine starke Zunahme der Verdienste sowohl für Männer als auch Frauen bewirkt hingegen das Senioritätsprinzip, wonach mit der Dauer der Zugehörigkeit zum Unternehmen die Verdienste steigen. Im Vergleich zu Beschäftigten mit einer Unternehmenszugehörigkeit von unter einem Jahr verdienten Beschäftigte mit einer Dauer von 10 bis 19 Jahren um 45% mehr und Beschäftigte mit 30 und mehr Jahren fast das Doppelte. Bei Frauen mit langer Unternehmenszugehörigkeit war der Anstieg stärker als bei Männern, sodass sich die Verdienste von Frauen und Männern mit zunehmender Dauer annähern. Es erreichten jedoch nur rund 2% der Frauen und 6% der Männer eine Zugehörigkeit zum Unternehmen von 30 und mehr Jahren.

Nichtösterreichische Staatsangehörige verdienen um 22,3% weniger

Nach Staatsangehörigkeit verdienten nichtösterreichische Staatsangehörige mit 11,22 Euro brutto pro Stunde um 22,3% weniger als Beschäftigte mit österreichischer Staatsbürgerschaft mit 14,45 Euro. Große Unterschiede zeigen sich zwischen alten und neuen EU-Mitgliedstaaten: Bei Beschäftigten aus den EU-15 Ländern (Beitritt vor 2004) - dies waren zu rund 75% Beschäftigte aus der Bundesrepublik Deutschland – lagen die Verdienste mit 14,14 Euro nur um 2,2% unter dem österreichischen Mittel, während Beschäftigte aus den neuen Beitrittsländern (EU-13) mit 10,54 Euro um 27,1% weniger verdienten. Die Bruttostundenverdienste von Beschäftigen mit einer Staatsangehörigkeit, die dem ehemaligen Jugoslawien (ohne Slowenien und Kroatien) zuzurechnen ist (10,82 Euro), oder von Beschäftigten mit türkischer Staatsangehörigkeit (10,80 Euro) lagen 2014 um jeweils rund 25% unter dem österreichischen Mittel. Die niedrigsten Verdienste verzeichneten Frauen mit türkischer Staatsangehörigkeit mit 8,31 Euro brutto pro Stunde.

Hinweis: Wenn nicht anders ausgewiesen beziehen sich die Angaben zu den Verdiensten auf die Bruttostundenverdienste (ohne Mehr- und Überstunden) der unselbständig Beschäftigten (ohne Lehrlinge) gemessen am Median. Der Median ist jener Wert, unter bzw. über dem die Verdienste von jeweils der Hälfte der Beschäftigten liegen.

Die Ergebnisse der Verdienststrukturerhebung 2014 repräsentieren insgesamt rund 2,5 Mio. unselbständig Beschäftigte. Im Rahmen einer Stichprobenerhebung wurden bei rund 11.800 Unternehmen Informationen zu rund 216.000 Beschäftigten erhoben. Erfasst wurden Unternehmen mit zehn und mehr Beschäftigten im Produzierenden Bereich (Abschnitte B-F der ÖNACE 2008) und im Dienstleistungsbereich (Abschnitte G-N und P-S der ÖNACE 2008). Laut EU-Recht ausgenommen sind die Abschnitte A „Land- und Forstwirtschaft, Fischerei“ und O „Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung“. Die Umsetzung der Verdienststrukturerhebung regelt in Österreich die Verdienststrukturstatistik-Verordnung (BGBl. II Nr. 66/2007, in der Fassung BGBl.  II Nr. 99/2011).

Die Ergebnisse der Verdienststrukturerhebung sind auch kostenlos über die Datenbank STATcube von Statistik Austria abrufbar.

Ergebnisse für alle EU-Mitgliedstaaten stehen in der Eurostat Datenbank unter Lohn- und Gehaltsstrukturerhebung (Structure of Earnings Survey) zur Verfügung. Die Verdienststrukturerhebung wird in der gesamten EU alle vier Jahre nach harmonisierten Standards (EG-Verordnungen Nr. 530/1999, Nr. 1738/2005, Nr. 698/2006) durchgeführt. Die Daten erlauben zuverlässige und aussagekräftige Vergleiche zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten. Unterschiede zu den national publizierten Daten ergeben sich u.a. daraus, dass von Eurostat alle Verdienste inklusive Mehr- und Überstunden gemessen am arithmetischen Mittel für alle unselbständig Beschäftigten (inkl. Lehrlinge) ausgewiesen werden. Monats- und Jahresverdienste werden zudem in Vollzeiteinheiten angegeben. Personen, die weniger als 30 Wochen im Jahr beschäftigt waren, werden von Eurostat bei der Darstellung der Jahresverdienste nicht berücksichtigt.

Ergebnisse im Überblick: Bruttostundenverdienste 2014
Bruttostunden-, Bruttomonats- und Bruttojahresverdienste nach Wirtschaftstätigkeit 2014
Bruttostunden-, Bruttomonats- und Brutojahresverdienste nach Berufsgruppen 2014

Bruttostundenverdienste

Bruttostundenverdienste der Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten nach Wirtschaftstätigkeit und Geschlecht 2014
Bruttostundenverdienste der Vollzeitbeschäftigten nach Wirtschaftstätigkeit und Geschlecht 2014
Bruttostundenverdienste der Teilzeitbeschäftigten nach Wirtschaftstätigkeit und Geschlecht 2014
Bruttostundenverdienste 2014 nach Merkmalen der Unternehmen
Bruttostundenverdienste 2014 nach Merkmalen der Beschäftigten

Bruttomonatsverdienste

Bruttomonatsverdienste der Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten nach Wirtschaftstätigkeit und Geschlecht 2014
Bruttomonatsverdienste der Vollzeitbeschäftigten nach Wirtschaftstätigkeit und Geschlecht 2014
Bruttomonatsverdienste der Teilzeitbeschäftigten nach Wirtschaftstätigkeit und Geschlecht 2014
Bruttomonatsverdienste 2014 nach Merkmalen der Beschäftigten

Bruttojahresverdienste

Bruttojahresverdienste der Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten nach Wirtschaftstätigkeit und Geschlecht 2014
Bruttojahresverdienste der Vollzeitbeschäftigten nach Wirtschaftstätigkeit und Geschlecht 2014
Bruttojahresverdienste der Teilzeitbeschäftigten nach Wirtschaftstätigkeit und Geschlecht 2014
Bruttojahresverdienste 2014 nach Merkmalen der Beschäftigten

VerdienststrukturPreis in € *)Kostenloser Download

 
 

Verdienststrukturerhebung 2014, Struktur und Verteilung der Verdienste in Österreich

Erscheinungsdatum: 4/2017

 
 

30,00

 
 

(PDF, 3 MB)

 
 

Verdienststrukturerhebung 2010, Struktur und Verteilung der Verdienste in Österreich

Erscheinungsdatum: 02/2013

 
 

30,00

 
 

(PDF, 2 MB)

 
 

Verdienststrukturerhebung 2006, Struktur und Verteilung der Verdienste in Österreich

Erscheinungsdatum: 4/2009

 
 

30,00

 
 

(PDF, 1 MB)




Guglgasse 13, 1110 Wien 
Tel.: +43 (1) 71128-7070 
FAX: +43 (1) 71128-7728 
info@statistik.gv.at 
Öffnungszeiten: Mo - Fr 9.00 - 16.00 Uhr