Pressemitteilung: 12.808-106/22

Insolvenzen im 1. Quartal 2022 auf Vorkrisenniveau gestiegen; Registrierungen zurückgegangen

Wien, 2022-05-10 – Im 1. Quartal 2022 wurden laut vorläufigen Zahlen von Statistik Austria 1.050 Insolvenzen gezählt. Gegenüber den ersten drei Monaten des Vorjahres, in denen 483 Insolvenzen verzeichnet wurden, entspricht das einem Anstieg von rund 117%. Damit liegt die Zahl der Insolvenzen wieder auf dem Vor-Corona-Niveau vom 1. Quartal 2020 mit 1.118 Insolvenzen. Im Jahr 2021 gab es insgesamt 3.017 Insolvenzen, ähnlich viele wie im ersten Pandemiejahr (2020: 2.993).

"Nachdem in der zweiten Jahreshälfte die Insolvenzantragspflicht bei Überschuldung wieder in Kraft getreten ist und ein Großteil der staatlichen Corona-Hilfen für Unternehmen auslief, hat sich bereits zu Jahresende 2021 ein gewisser Nachholeffekt bei den Insolvenzen gezeigt", erklärt Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas. "Im 1. Quartal 2022 haben sich die Firmenpleiten im Vergleich zum Vorjahr nun mehr als verdoppelt und liegen damit wieder auf Vor-Corona-Niveau", so Thomas weiter.

Gleichzeitig wurden im 1. Quartal 2022 15.393 Registrierungen rechtlicher Einheiten verzeichnet, das sind etwas mehr als ein Drittel weniger (-36%) als im 1. Quartal 2021 mit 24.038 Registrierungen. Gegenüber dem Vergleichsquartal vor Pandemiebeginn (1. Quartal 2020) sind die Registrierungen hingegen weniger stark gesunken (-12%). Im Gesamtjahr 2021 wurden 69.669 Registrierungen gezählt, rund 12% mehr als im Jahr 2020 (62.454 Registrierungen). Stärkere Rückgänge im 1. Quartal 2022 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres waren insbesondere in den Bereichen Handel (-47%), persönliche Dienstleistungen (-41%) und bei Finanzdienstleistungen/sonstigen Dienstleistungen (-38%) zu verzeichnen.

Insolvenzen im Dienstleistungsbereich und Handel am höchsten

Die meisten Insolvenzen im 1. Quartal 2022 gab es bei den Finanzdienstleistungen/sonstigen Dienstleistungen (245), im Handel (204), im Bau (173) sowie in der Beherbergung und Gastronomie (133), wobei die Anzahl der Insolvenzen grundsätzlich von der Anzahl der in den einzelnen Wirtschaftsbereichen aktiven Unternehmen abhängig ist. Eine vergleichsweise geringe Anzahl an Insolvenzen weisen die Bereiche Information und Kommunikation (30), Sachgütererzeugung (58) und Verkehr (89) auf. Für das 1. Quartal 2021 zeigt sich eine ähnliche Verteilung der Insolvenzen auf die Wirtschaftsbereiche (siehe Tabelle 1).

Meiste Registrierungen im Dienstleistungsbereich und Handel

Im 1. Quartal 2022 wurden für die Bereiche Finanzdienstleistungen/sonstige Dienstleistungen (4.840), persönliche Dienstleistungen (3.497) und Handel (2.798) die höchste Anzahl an Registrierungen gezählt. Relativ geringe Registrierungsanzahlen weisen die Bereiche Verkehr (630) und Beherbergung und Gastronomie (731) auf. Für das 1. Quartal 2021 zeigt sich dieselbe Verteilung der Registrierungen auf die Wirtschaftsbereiche (siehe Tabelle 2).

Ergebnisse bzw. weitere Informationen zu Insolvenzen und Registrierungen finden Sie auf unserer Webseite.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die Verordnung (EU) 2019/2152 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. November 2019 über europäische Unternehmensstatistiken sowie die Unternehmensdemografiestatistik-Verordnung, BGBl. II Nr. 270/2009 idF. BGBl. II Nr. 138/2021 verpflichtet Statistik Austria, ab dem 1. Quartal 2021 quartalsweise Daten über Insolvenzen und Registrierungen zu erstellen. 
 
Um die Auswirkungen der Corona-Krise in den Daten abbilden zu können, starten die Zeitreihen bereits mit 2019. Die Statistik wird nach aggregierten Wirtschaftsbereichen (ÖNACE 2008) ausgewertet. Erfasst sind alle marktwirtschaftlichen Tätigkeiten in den Abschnitten B bis S (ohne Abschnitt O und Abteilung S94) der ÖNACE 2008. Für Einheiten, für die keine ÖNACE vorhanden ist, wird die Fachzuordnung zur WKÖ als Quelle herangezogen bzw. es erfolgt eine Schätzung anhand einer ÖNACE-Verteilung basierend auf den Neuaufnahmen in das statistische Unternehmensregister (URS). 
 
Die Daten der jeweils letzten vier Berichtsquartale werden als vorläufig ausgewiesen und bei der Veröffentlichung eines neuen Quartals revidiert. 
 
Insolvenzen 
Die Daten zu den Insolvenzen basieren auf den gerichtlichen Insolvenzverfahren. Gezählt wird die Einleitung eines Insolvenzverfahrens einer rechtlichen Einheit gemäß Insolvenzordnung – IO, RGBl. Nr. 337/1914. Berücksichtigt werden: Konkursverfahren, Konkurseröffnungsverfahren, Sanierungsverfahren mit und ohne Eigenverwaltung. Hauptdatenquelle ist die Justiz-Ediktsdatei. Die dort erfassten Daten werden Statistik Austria vom Bundesministerium für Justiz zur Verfügung gestellt, in das URS und das Unternehmensregister für Zwecke der Verwaltung (URV) eingelagert sowie mit für die Statistik notwendigen Merkmalen angereichert. Verfahrenswechsel (Einheiten, die in einem Zeitraum von zwölf Monaten mehrmals in den Edikten aufscheinen) werden nicht gezählt, d. h. es kommt zu keinen Doppelzählungen. Nachtragsverteilungen werden ausgeschlossen. 
 
Hinweis: In Österreich gibt es vergleichbare Insolvenzzahlen u. a. vom Kreditschutzverband von 1870. Obwohl die verwendete Datenquelle ident ist, gibt es geringfügige Abweichungen zu den von Statistik Austria veröffentlichten Zahlen. Ursachen sind u. a. abweichende Erfassungsbereiche bzw. Zeitpunkte für die Auswertungen oder die Zuordnung der Einheiten zu den Wirtschaftsbereichen nach ÖNACE 2008.  
 
Registrierungen 
Als Registrierung wird die Aufnahme einer rechtlichen Einheit in das Unternehmensregister für Zwecke der Verwaltung (URV) gezählt. Neben dem URV stellt das URS die zentrale Datenbasis für die quartalsweise Statistik über Registrierungen von rechtlichen Einheiten dar. 
 
Aus dem URV werden folgende Quellen zur Bestimmung der Anzahl der Registrierungen, des Registrierungsdatums und zur Ermittlung weiterer Merkmale herangezogen: Ergänzungsregister für sonstige Betroffene, Firmenbuch, Dachverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, Wirtschaftskammer, Kammern der freien Berufe sowie Steuergrunddaten, Umsatzsteuervoranmeldungen und Einkommensteuerdaten. Als Datum der Registrierung zählt das erste Lebenszeichen einer Einheit in den Quellen, d. h. die erste Registrierung wird gezählt.

 

Tabelle 1: Insolvenzen 2020 bis 1. Quartal 2022 nach Wirtschaftsbereichen, vorläufig
ÖNACE 200820202021Veränderung  
in %  
2020-2021
Q1
2020
Q1
2021
Q1
2022
Veränderung in %
Q1/2021–Q1/2022
Veränderung in %
Q1/2020–Q1/2022
Sachgütererzeugung186173-7,0732358152,2-20,5
Bau56065717,318313617327,2-5,5
Handel495475-4,017479204158,217,2
Verkehr und Lagerei25534736,198458997,8-9,2
Beherbergung und Gastronomie434405-6,717556133137,5-24,0
Information und Kommunikation10674-30,2441030200,0-31,8
Finanzdienstleistungen/  
Sonstige Dienstleistungen
664647-2,6255108245126,9-3,9
Persönliche Dienstleistungen293239-18,411626118353,81,7
Insgesamt2.9933.0170,81.1184831.050117,4-6,1
Tabelle 2: Registrierungen 2020 bis 1. Quartal 2022 nach Wirtschaftsbereichen, vorläufig
ÖNACE 200820202021Veränderung  
in %  
2020-2021
Q1
2020
Q1
2021
Q1
2022
Veränderung in %
Q1/2021–Q1/2022
Veränderung in %
Q1/2020–Q1/2022
Sachgütererzeugung3.1263.49211,77921.208940-22,218,7
Bau3.6883.9436,91.0821.2471.081-13,3-0,1
Handel12.98613.1441,23.2055.2322.798-46,5-12,7
Verkehr und Lagerei1.7952.23624,6488708630-11,029,1
Beherbergung und Gastronomie3.0273.0851,9922859731-14,9-20,7
Information und Kommunikation2.9683.46316,78301.103876-20,65,5
Finanzdienstleistungen/  
Sonstige Dienstleistungen1)
18.49023.08524,95.4417.7854.840-37,8-11,0
Persönliche Dienstleistungen16.37417.2215,24.8045.8963.497-40,7-27,2
Insgesamt62.45469.66911,617.56424.03815.393-36,0-12,4

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Unternehmen, Statistik Austria:  
Mag. Valerie MAYR-BIRKLBAUER, Tel. +43 1 71128-7448 bzw. valerie.mayr-birklbauer@statistik.gv.at

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