Pressemitteilung: 12.744-042/22

Landwirtschaftliche Einkommen 2021 laut vorläufigen Schätzungen moderat gestiegen

Wien, 2022-02-22 – Trotz starker Kostensteigerungen zeichnet sich bei den Einkommen aus landwirtschaftlicher Tätigkeit für 2021 ein leichter Anstieg ab. Laut der zweiten Vorschätzung im Rahmen der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung (LGR) von Statistik Austria nahm das durchschnittliche landwirtschaftliche Einkommen je Arbeitskraft (gemessen als Faktoreinkommen, d. h. als Nettowertschöpfung zu Faktorkosten) im Vorjahresvergleich real um 3,3% zu, nach einem Zuwachs um 1,5% im Jahr 2020. Zurückzuführen war diese Entwicklung auf einen kräftigen Anstieg des Produktionswerts des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs in Verbindung mit einem weiteren Rückgang des landwirtschaftlichen Arbeitseinsatzes.

Preisbedingte Zuwächse vor allem in der pflanzlichen Produktion

Der Produktionswert der heimischen Landwirtschaft stieg laut vorläufigen Berechnungen auf rund 8,5 Mrd. Euro, mit einem Plus von 10,3% gegenüber dem Vorjahr. Bedingt durch einen Anstieg der Erzeugerpreise nahm insbesondere der Wert der pflanzlichen Erzeugung stark zu (+19,0%). Preisanstiege gab es in praktisch allen pflanzlichen Produktgruppen, vor allem jedoch bei Getreide, Ölsaaten und Zuckerrüben. Dem Volumen nach blieb die pflanzliche Erzeugung gegenüber dem Vorjahr stabil, allerdings mit deutlich gestiegenen Produktionsvolumina bei Zuckerrüben und Ölsaaten und Rückgängen bei Kartoffeln, Futterpflanzen und Getreide. Der Obstbau litt unter Spätfrösten bzw. dem kalten Blühwetter.

Im Unterschied zur pflanzlichen Erzeugung fiel der Zuwachs des tierischen Produktionswerts deutlich schwächer aus (+4,4%), nach einem leichten Rückgang im Jahr zuvor (-0,6%). Während der Wert der Rinderproduktion dank besserer Preise erstmals seit vier Jahren wieder stieg und auch für Milch höhere Erzeugerpreise erzielt wurden, verzeichnete die Schweineproduktion – vor dem Hintergrund teurer Futtermittel – weitere preisbedingte Einbußen.

Erheblicher Kostenanstieg; niedrigere öffentliche Gelder

Mit geschätzten 5,0 Mrd. Euro erreichten die Aufwendungen der Landwirtschaft für Vorleistungen einen neuen Höchststand (gegenüber 2020: +9,9%). Wesentlich zu diesem sprunghaften Anstieg trugen die stark gestiegenen Futtermittelkosten bei. Auch die Preise für Düngemittel und Energie schnellten in die Höhe.

Die ebenfalls deutliche Zunahme der Abschreibungen für das Anlagevermögen (+7,2%) war vor allem durch die kräftig gestiegenen Baupreise und das höhere Investitionsvolumen bedingt.

Die in der Einkommensberechnung berücksichtigten öffentlichen Gelder wurden auf rund 1,5 Mrd. Euro beziffert, mit einem Rückgang um 2,2% gegenüber 2020.

Faktoreinkommen leicht über dem Vorjahresergebnis

Den vorläufigen Berechnungen zufolge konnte der Anstieg des Produktionswerts die Kostensteigerungen kompensieren. Das im landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereich insgesamt generierte Faktoreinkommen, welches die Entlohnung der eingesetzten Produktionsfaktoren Boden, Arbeit (Familien- und Fremdarbeitskräfte) und Kapital misst, belief sich voraussichtlich auf rund 2,6 Mrd. Euro (+3,9%). Bei einem weiteren geschätzten Rückgang des landwirtschaftlichen Arbeitseinsatzes um 0,9% betrug der durchschnittliche Einkommensanstieg je Arbeitskraft nominell +4,9% bzw. real +3,3%.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zu den Ergebnissen der zweiten LGR-Vorschätzung für 2021 finden Sie auf unserer Webseite.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die vorliegenden Einkommensergebnisse für die Landwirtschaft beruhen auf Daten der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung, die auf Basis der Verordnung (EG) Nr. 138/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 5. Dezember 2003 zur Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung in der Gemeinschaft in der geltenden Fassung erstellt wird. 
Gegenstand der vorliegenden Veröffentlichung sind die Ergebnisse der zweiten Vorschätzung für 2021, welchen die Ende Jänner 2022 verfügbare Datenbasis zugrunde liegt, ergänzt durch Fortschreibungen und Schätzungen unter Einbindung einschlägiger Expertinnen und Experten. 
Änderungen der Preise und Werte wurden in dieser Pressemitteilung – sofern nicht anders angegeben – in nominellen Werten ausgedrückt. Sofern Daten in realen Werten angeführt sind, handelt es sich um mit dem impliziten Preisindex des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu Marktpreisen deflationierte Angaben. 
Das als Einkommensmaßstab herangezogene landwirtschaftliche Faktoreinkommen errechnet sich aus dem Produktionswert des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs inklusive öffentlicher Gelder (mit Ausnahme von Vermögenstransfers), abzüglich der Vorleistungen, Abschreibungen und Produktionsabgaben. 
Bei der Ergebnisinterpretation ist zu beachten: 
• Die LGR definiert das landwirtschaftliche Einkommen als das in einem bestimmten Buchungszeitraum aus landwirtschaftlichen Tätigkeiten (sowie nicht trennbaren Nebentätigkeiten) hervorgegangene Einkommen. Gemäß dem Grundsatz der periodengerechten Zuordnung erfolgt die Verbuchung zu dem Zeitpunkt, zu dem ein wirtschaftlicher Wert geschaffen, umgewandelt oder aufgelöst wird bzw. Forderungen oder Verbindlichkeiten entstehen, umgewandelt oder aufgehoben werden, und nicht zu dem Zeitpunkt, zu dem die Zahlung erfolgt. Es handelt sich demnach nicht um das im Berichtszeitraum empfangene Einkommen. 
• Die Einkommensaggregate und-indikatoren der LGR stellen auf das Einkommen aus landwirtschaftlicher Tätigkeit (inkl. nicht trennbarer Nebentätigkeiten) ab und liefern demnach keine Informationen zum Gesamteinkommen bzw. zum verfügbaren Einkommen der in der Landwirtschaft tätigen Haushalte, welche neben ihrem rein landwirtschaftlichen Einkommen auch Einkommen aus anderen Quellen (sonstigen Tätigkeiten, Löhnen und Gehältern, Sozialleistungen, Einkommen aus Vermögen) erzielen können. 
• Die LGR stellt die aggregierte bzw. durchschnittliche Entwicklung der landwirtschaftlichen Einkommen dar. Die Einkommensentwicklung für einzelne Regionen bzw. Betriebstypen kann davon erheblich abweichen.

 

Tabelle 1: Hauptkomponenten des landwirtschaftlichen Faktoreinkommens 2021
Wertangaben zu laufenden Preisen2021Veränderung
2021 zu 2020
Veränderung
2021 zu 2020
in Mio. Euroin Mio. Euroin %
Erzeugung des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs1)8.451+792+10,3
Davon   
     Pflanzliche Erzeugung3.952+631+19,0
     Tierische Erzeugung3.740+157+4,4
- Vorleistungen5.014+450+9,9
= Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen3.437+341+11,0
- Abschreibungen2.069+140+7,2
= Nettowertschöpfung zu Herstellungspreisen1.368+201+17,3
+ Sonstige Subventionen1.490-33-2,2
- Sonstige Produktionsabgaben239+69+40,4
= Nettowertschöpfung zu Faktorkosten (Faktoreinkommen)2.619+99+3,9
Landwirtschaftlicher Arbeitseinsatz (in 1.000 JAE)2)112,3-1,1-0,9
Tabelle 2: Entwicklung von Produktionswert, Vorleistungen, Bruttowertschöpfung und Faktoreinkommen des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs 2012–2021
 2012201320142015201620172018201920202021
2015=100
Produktionswert zu Herstellungspreisen, nominell105,6102,5102,1100,0101,2106,5107,3108,8111,6123,2
Vorleistungen, nominell102,6102,9102,9100,098,398,1102,1105,9109,8120,7
Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen, nominell110,2101,8100,9100,0105,8119,3115,4113,1114,4127,0
Faktoreinkommen, nominell125,3111,2104,8100,0114,0127,5121,0114,1116,0120,5
Arbeitseinsatz104,5103,1101,5100,099,298,597,296,294,193,2
Faktoreinkommen pro Arbeitskraft, nominell120,0107,9103,2100,0114,9129,5124,4118,6123,2129,3
Faktoreinkommen pro Arbeitskraft, real127,4112,8105,6100,0112,8125,9118,8111,5113,2116,9
Jährliche Veränderung in %
Faktoreinkommen pro Arbeitskraft, real -11,5-6,4-5,312,811,6-5,6-6,21,53,3

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Raumwirtschaft, Statistik Austria:  
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