Dies ist eine archivierte Pressemitteilung vom 14. Jänner 2022. Sie gibt den Stand von damals wieder und wird an dieser Stelle nicht aktualisiert.    
Tabellen mit wöchentlich aktualisierten Zahlen zu Gestorbenen finden Sie auf unserer Webseite.

Pressemitteilung: 12.710-008/22

Mehr als 90.000 Sterbefälle im Jahr 2021; Lebenserwartung bleibt unter dem Niveau vor Pandemie-Beginn

Wien, 2022-01-14 – Nach ersten vorläufigen Ergebnissen von Statistik Austria wurden für den 1. Jänner bis 31. Dezember 2021 bislang 90.054 Sterbefälle gemeldet. Diese Zahl liegt um 8,7% über dem Fünfjahresdurchschnitt vor Beginn der Corona-Pandemie (2015–2019) und damit auf ähnlichem Niveau wie im ersten Pandemie-Jahr 2020. In den kommenden Wochen wird die Zahl der gemeldeten Todesfälle des Jahres 2021 allerdings noch etwas ansteigen, da die Standesämter weiterhin Sterbefälle des Vorjahres nachmelden. Außerdem sind in der vorliegenden Zahl noch keine Sterbefälle der österreichischen Bevölkerung enthalten, die sich im Ausland zugetragen haben.

Berücksichtigt man die gestiegene Bevölkerungszahl und Veränderungen in der Altersstruktur, so wären im Jahr 2021 aber auch ohne Corona-Pandemie etwas mehr Sterbefälle als in den Jahren 2015 bis 2019 zu erwarten gewesen. Im Rahmen der Hauptvariante der von Statistik Austria im Herbst 2019 – also vor Beginn der Pandemie – erstellten Bevölkerungsprognose wurden für das Jahr 2021 insgesamt 85.217 Sterbefälle prognostiziert.

"2021 sind in Österreich mehr Menschen verstorben als im Schnitt der letzten fünf Jahre vor Ausbruch der Pandemie und auch mehr als aufgrund der Alterung der Bevölkerung zu erwarten gewesen wäre: Im zweiten Corona-Jahr lag die Sterblichkeit nach derzeitigem Stand um 8,7% über dem Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019 und um 5,7% über der vor der Corona-Pandemie prognostizierten Zahl der Sterbefälle für 2021", so Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Die vorliegenden Daten ermöglichen nun auch eine erste vorläufige Schätzung der Lebenserwartung des Jahres 2021. Im zweiten Jahr der Corona-Pandemie liegt die durchschnittliche Lebenserwartung für Männer bei 78,8 Jahren und für Frauen bei 83,8 Jahren. Gegenüber dem Vorjahr ging die Lebenserwartung bei Männern leicht zurück (2020: 78,9 Jahre), während sie bei Frauen geringfügig anstieg (2020: 83,7 Jahre). Bei beiden Geschlechtern liegt die Lebenserwartung jedoch merklich unter dem Niveau vor Beginn der Corona-Pandemie (2019: 79,5 Jahre bei Männern und 84,2 Jahre bei Frauen).

Ein Blick auf die vorläufige Zahl der Sterbefälle nach einzelnen Kalenderwochen zeigt, dass in der letzten Woche des Jahres 2021 (52. Kalenderwoche von 27. Dezember 2021 bis 2. Jänner 2022) insgesamt 1.814 Personen starben. In der Woche davor (51. Kalenderwoche von 20. bis 26. Dezember 2021) gab es mit 1.836 Verstorbenen ähnlich viele Sterbefälle. Im Vergleich zum Fünfjahresdurchschnitt der gleichen Kalenderwochen der Jahre vor Beginn der Corona-Pandemie (2015–2019) starben in der 52. Kalenderwoche 2021 um rund 5%, in der 51. Kalenderwoche 2021 um 11% mehr Personen. Verglichen mit der 51. und 52. Kalenderwoche des ersten Pandemie-Jahres 2020, starben jedoch um rund 15% (Kalenderwoche 52/2020: 2.123 Sterbefälle) bzw. 19% (Kalenderwoche 51/2020: 2.255 Sterbefälle) weniger Menschen.

Die altersstandardisierte Sterberate, bei der die Zahl der Sterbefälle anhand einer Standardbevölkerung um die Altersstruktur der Bevölkerung bereinigt wird, lag in der 50. Kalenderwoche 2021 (13. bis 19. Dezember 2021) über dem Niveau der gleichen Kalenderwoche im Durchschnitt der letzten fünf Jahre vor Beginn der Corona-Pandemie, aber unter dem Vorjahreswert, der durch die zweite Pandemie-Welle geprägt war. Würde die Altersstruktur Österreichs der Standardbevölkerung von Eurostat entsprechen, wären in der 50. Kalenderwoche 2021 rund 21 von 100.000 Menschen verstorben, während es in der gleichen Kalenderwoche des Vorjahres 27 Personen und in den Jahren 2016 bis 2019 jeweils zwischen 18 und 20 Personen gewesen wären. Vergleiche mit länger zurückliegenden Jahren sind aufgrund des Anstiegs in der Lebenserwartung und den damit verbundenen sinkenden altersstandardisierten Sterberaten nur bedingt aussagekräftig.

Weitere Informationen zu Sterbefällen finden Sie auf unserer Webseite, wo auch eine interaktive Web-Applikation – der Atlas der Sterbefälle – die Entwicklung und regionale Verteilung grafisch anschaulich darstellt. Detaillierte Ergebnisse können im Open-Data-Bestand von Statistik Austria abgerufen werden.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Statistik Austria verarbeitet alle von den Personenstandsbehörden gelieferten Sterbefälle. Innerhalb der geplanten Veröffentlichungsfrist stehen Statistik Austria jedoch noch nicht alle Sterbefälle zur Verfügung. Daher werden die zu erwartenden Sterbefälle der jeweils aktuellsten zwei Wochen geschätzt. Dafür werden die Erfahrungswerte zurückliegender Jahre genutzt, um die verzögerten Meldungen in den Zahlen methodisch bestmöglich zu berücksichtigen. Das zugrundeliegende Schätzmodell wird regelmäßig evaluiert und gegebenenfalls angepasst. Es handelt sich jedenfalls um vorläufige Ergebnisse, die einer Unsicherheit unterliegen, d. h. die endgültigen Werte der Sterbefälle in den jeweils aktuellsten beiden Wochen können sowohl geringfügig höher als auch geringfügig niedriger sein. Der Anteil an eingelangten Meldungen liegt aber in allen Wochen, für die Ergebnisse veröffentlicht werden, bei zumindest 90% aller Todesfälle für diese Woche. 
Sterbefälle von in Österreich wohnhaften Personen, die sich im Ausland ereignet haben, sind sowohl in den aktuellen vorläufigen Ergebnissen als auch in den Vergleichszahlen nicht enthalten. 
Die altersstandardisierte Sterberate gibt an, wie viele Sterbefälle aufgrund der jeweils herrschenden Sterblichkeitsverhältnisse auf 100.000 Lebende entfallen wären, wenn der Altersaufbau der Bevölkerung in der betreffenden Berichtsperiode dem einer sogenannten Standardbevölkerung entsprochen hätte. Um diese altersstandardisierten Raten zu berechnen, werden die rohen Sterberaten (Sterbefälle je 100.000 der Bevölkerung) der beobachteten Altersgruppe mit dem Anteil der Bevölkerung derselben Altersgruppe laut Europäischer Standardbevölkerung multipliziert. Für die Berechnung der hier dargestellten Raten wurde die 2013 von Eurostat festgelegte Standardbevölkerung verwendet; eine "künstliche Bevölkerung" mit einer geschätzten Altersstruktur für die europäische Bevölkerung. Die altersstandardisierten Sterberaten beziehen die Sterbefälle somit auf eine fiktive Bevölkerung, die über die Zeit im Hinblick auf die Personenzahl sowie ihre Zusammensetzung nach Alter und Geschlecht unverändert belassen wird. Damit können Veränderungen, die sich nur aufgrund einer Zunahme der Einwohnerzahl ergeben (bei mehr Einwohnerinnen und Einwohnern sterben auch mehr Personen) oder durch das Aufrücken von mehr Personen in höhere Altersgruppen mit entsprechend höherer Sterbewahrscheinlichkeit, ausgeschlossen werden. Die Veränderung in der Lebenserwartung wird bei der Berechnung der altersspezifischen Raten nicht berücksichtigt. Die über die Zeit beobachteten Niveauunterschiede in der Sterblichkeit sind somit weitestgehend Konsequenz der steigenden Lebenserwartung und erschweren die Vergleichbarkeit mit weiter zurückliegenden Jahren. Da für die Berechnung eine fiktive Standardbevölkerung herangezogen wird, sind die altersstandardisierten Sterberaten nur im Vergleich zueinander interpretierbar, nicht jedoch in der Höhe ihrer einzelnen absoluten Werte.  
Die für ein Kalenderjahr berechnete Lebenserwartung bei der Geburt gibt an, wie viele Jahre ein neugeborenes Kind im Durchschnitt leben würde, wenn sich die im Kalenderjahr beobachteten altersspezifischen Sterberaten in Zukunft nicht mehr ändern würden. Im Rahmen der Schätzung der Lebenserwartung 2021 wurde der zu erwartende Effekt durch die noch ausstehenden Nachmeldungen sowie im Ausland verstorbene Personen berücksichtigt, so dass die Ergebnisse mit den vorangegangenen Jahren vergleichbar sind.

 

Tabelle 1: Sterbefälle nach Kalenderwochen im Vergleich zum Durchschnitt der fünf Vorjahre
Kalender-wocheSterbefälle im Jahr 2021Sterbefälle im Jahr 2020Abweichung der Sterbefälle 2021 gegenüber 2020 in %Sterbefälle im Durchschnitt der letzten 5 Jahre (2016–2020)Abweichung der Sterbefälle 2021 gegenüber 2016–2020 in %Sterbefälle im Durchschnitt der letzten 5 Jahre vor der Corona-Pandemie (2015–2019)Abweichung der Sterbefälle 2021 gegenüber 2015–2019 in %
52. KW *1.8142.123-14,61.851-2,01.7354,5
51. KW *1.8362.255-18,61.7972,21.65411,0
50. KW1.9212.478-22,51.7996,81.60719,5
49. KW2.1282.544-16,41.81017,61.60332,8
48. KW2.2052.428-9,21.73427,11.54642,6
47. KW2.1552.401-10,21.72225,21.53940,1
46. KW2.1192.283-7,21.70424,41.55336,5
45. KW2.0622.0042,91.61827,41.51036,6
44. KW1.9461.8863,21.60421,41.51328,6
43. KW1.8951.7726,91.56421,21.50925,6
42. KW1.7271.6127,11.53112,81.50514,7
41. KW1.6361.6201,01.5614,81.5197,7
40. KW1.6071.5732,21.5275,31.5116,4
39. KW1.6751.5319,41.49611,91.47213,8
38. KW1.5811.5601,31.4449,51.42311,1
37. KW1.5841.5621,41.4489,41.42511,1
36. KW1.6321.5187,51.40416,31.37818,4
35. KW1.5551.4884,51.4298,81.4279,0
Tabelle 2: Altersstandardisierte Sterberaten * nach Kalenderwochen der Jahre 2016 bis 2021
 201620172018201920202021
50. Kalenderwoche201819192721
49. Kalenderwoche191919182823
48. Kalenderwoche191817182724
47. Kalenderwoche181818172624
46. Kalenderwoche191718172523
45. Kalenderwoche181717172222
44. Kalenderwoche171818172121
43. Kalenderwoche181717171921
42. Kalenderwoche191717171819
41. Kalenderwoche181817181818
40. Kalenderwoche171718171718
39. Kalenderwoche171716181718
38. Kalenderwoche161616161717
37. Kalenderwoche161717161717
36. Kalenderwoche161516161718
35. Kalenderwoche171516171617
Tabelle 3: Lebenserwartung 2011 bis 2021 * nach Geschlecht
JahrMännerFrauen
2021 *78,883,8
202078,983,7
201979,584,2
201879,384,0
201779,383,9
201679,184,0
201578,683,6
201478,983,7
201378,583,6
201278,383,3
201178,183,4

Rückfragen zum Thema beantwortet das Demographie-Team in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria: demographie@statistik.gv.at

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