Pressemitteilung: 12.571-162/21

Anteil des Tourismus am BIP lag im Jahr 2019 bei etwa 7,5%; Ausgaben in- und ausländischer Gäste beliefen sich auf 38 Mrd. Euro

Wien, 2021-07-20 – Im Jahr 2019 beliefen sich die direkten und indirekten Wertschöpfungseffekte des Tourismus (einschließlich Dienst- und Geschäftsreisen) in Österreich auf 29,7 Mrd. Euro. Damit leistete der Tourismus einen direkten und indirekten Beitrag von 7,5% zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Wie die Ergebnisse des aktuell verfügbaren Tourismus-Satellitenkonto (TSA) für Österreich weiter zeigen, wurden im Jahr 2019 von in- und ausländischen Gästen in Österreich 37,65 Mrd. Euro ausgegeben, im Jahr 2018 waren es 35,60 Mrd. Euro.

"Der Tourismus hat im Vorkrisenjahr 2019 in Österreich 5,5% zum Bruttoinlandsprodukt direkt beigetragen, z. B. durch Ausgaben der Reisenden in Beherbergung und Gastronomie. Gemeinsam mit dem indirekten Beitrag, z. B. durch Bäcker- oder Getränkelieferungen an Hotels, machte der Tourismus insgesamt 7,5% des BIP aus. Damit liegt Österreichs Tourismus im EU-Ländervergleich im oberen Drittel. Dies ist nicht zuletzt eine Erklärung, warum Österreich wirtschaftlich vergleichsweise kräftig von der Corona-Krise getroffen wurde", so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Mehr als die Hälfte der Ausgaben entfiel auf ausländische Gäste

Von den fast 38 Mrd. Euro Gesamtausgaben für Urlaubs- und Geschäftsreisen von Tagesgästen und nächtigenden Touristinnen und Touristen in Österreich waren mit 20,78 Mrd. Euro mehr als die Hälfte (55,2%) auf ausländische Gäste zurückzuführen. Gäste aus Österreich gaben insgesamt 16,65 Mrd. Euro aus (Anteil: 44,2%) aus. Ausgaben in Wochenendhäusern bzw. Zweitwohnungen erreichten rund 0,23 Mrd. Euro (Anteil: 0,6%).

Berücksichtigt man die Ausgaben von Tagesgästen, so tragen diese mit 7,72 Mrd. rund ein Fünftel (20,5%) zu den Gesamtausgaben bei. Ein Viertel der gesamten Ausgaben inländischer Gäste (25,3%) entfällt auf Tagesgäste, bei den Ausgaben ausländischer Gäste beträgt dieser Anteil 16,8%.

Rund 200.000 Personen (VZÄ) im Tourismus beschäftigt

Im Jahr 2019 können laut Ergebnissen des TSA-Beschäftigungsmoduls (TSA BM) 253.700 selbständige und unselbständige Beschäftigungsverhältnisse bzw. 200.100 Vollzeitäquivalente dem Tourismus direkt zugeordnet werden. Setzt man diese Zahlen mit der durchschnittlichen Zahl von Erwerbstätigen der Gesamtwirtschaft im Jahr 2019 in Beziehung, ergibt sich rein rechnerisch ein Anteil von 5,3% bzw. 5,1%.

Weitere Informationen zum Tourismus-Satellitenkonto (TSA) finden Sie auf unserer Webseite unter "Tourismus-Satellitenkonto", im "Tourismusbericht 2020" des BMLRT sowie auf der WIFO-Webseite (Download-Button: STAT/WIFO-Studie).

 

Informationen zur Methodik: Das Tourismus Satellitenkonto (TSA) wird seit dem Berichtsjahr 2000 in einem gemeinsamen Projekt von Statistik Austria und dem Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT) umgesetzt. Mit dem TSA können die Verflechtungen der Tourismuswirtschaft mit anderen Wirtschaftsbereichen und die Dimension des touristischen Konsums von in- und ausländischen Gästen in Österreich verdeutlicht werden. 
Das TSA basiert auf von UNWTO, OECD und Eurostat empfohlenen methodologischen Grundlagen (Tourism Satellite Account: Recommended Methodological Framework 2008; TSA:RMF2008); damit wird die internationale Vergleichbarkeit der Berechnungen zur wirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus in den Ländern weitgehend gewährleistet. 
Herkömmliche Tourismusstatistik
, zumeist "Beherbergungsstatistik" zur Erhebung der Nächtigungen in den gewerblichen und privaten Beherbergungsbetrieben, kann der Vielfältigkeit und der Querschnittsdisziplin "Tourismus" nicht oder nur zum Teil gerecht werden, da nur wenige, wenn auch wichtige Facetten des Tourismus erfasst werden. Der "Tourist" kommt nur zum Teil und nicht integriert als statistische Bezugsgröße vor, da die volle Breite des touristischen Verhaltens – z. B. Tagesreiseverkehr und Reisen zu Verwandten bzw. Freunden – nicht erfasst und nur der physische, nicht aber der monetäre Aspekt betrachtet wird. Auch angebotsseitig wird die Situation betreffend Tourismus nur wenig befriedigend abgebildet, da die statistische Basis zwar umfangreicher ist, aber die Bausteine (z. B. Beherbergung und Verpflegung) nicht oder nur teilweise zu einem tourismusstatistischen Ganzen zusammenfügbar (z. B. Nächtigungen und Umsatz) bzw. -gefügt sind. 
Aufgrund der unzureichenden statistischen Erfassung des Tourismus rücken über die traditionelle Statistik hinausgehende, den Systemgesichtspunkt zur Geltung bringende modellartige Ansätze in den Vordergrund. Eine umfassende statistische Erfassung des Phänomens "Tourismus" kann daher nur über "Tourismus-ökonomische Konten" oder "Satellitensysteme" zu den "Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen" (VGR) gelingen, welche auf Basis VGR-naher Konten den Tourismus in all seinen Facetten darzustellen und damit die touristische Angebots- mit der Nachfrageseite (bzw. vice versa) zu integrieren versucht. Dementsprechend stellt das TSA ein makro- und kein mikroökonomisches Modell dar, und es handelt sich bei den TSA-Ergebnissen um Global- und Eckgrößen, welche Analysen auf kleinstrukturierter Ebene nicht bzw. nur sehr bedingt zulassen.  
Das "TSA für Österreich" verwendet in den Berechnungen eine Vielzahl von Datenquellen. Grundsätzlich werden Daten der Statistik Austria und externer Institutionen (bzw. eine Kombination aus beiden) herangezogen; darüber hinaus werden Verwaltungsdaten und ggf. Einzelinformationen (z. B. Geschäftsberichte) verwendet. Die zur Verfügung stehenden Quellen sind oft unterschiedlich hinsichtlich der Begrifflichkeiten und Definitionen sowie des zugrunde liegenden Einheitenkonzepts. Diese werden entweder so transformiert, dass eine unmittelbare Verwendung für die TSA-Berechnungen erfolgen kann oder dienen als Grundlage für Schätzungen bzw. den diesbezüglich zugrunde gelegten Annahmen. 
Beginnend mit dem Berichtsjahr 2000 haben Statistik Austria und WIFO die Entwicklung eines TSA für Österreich übernommen. Seit geraumer Zeit werden von beiden Instituten auch Regionale TSAs (RTSA) für einige Bundesländer (Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich und Wien) erstellt; beginnend mit dem Berichtsjahr 2018 werden nunmehr für acht Bundesländer RTSAs ausgearbeitet, dies erstmals die Schaffung eines bundesweit konsistenten und mit dem TSA für Österreich abgestimmten Tourismus-Satellitensystems ermöglicht.   
Betreffend die durchzuführenden Arbeiten zeichnet sich STAT für die Erstellung des Basis-Satelliten und der TSA-Standardtabellen gemäß TSA:RMF2008 verantwortlich, wobei dieser nur die direkten Effekte (Wertschöpfung und Beschäftigung) umfasst. Das WIFO macht Schätzungen betreffend die indirekten Effekte des Tourismus (Wertschöpfung und Beschäftigung), Schätzungen für das laufende Jahr und das Folgejahr (darüber hinaus werden ggf. die direkten und indirekten Effekte der Freizeitwirtschaft geschätzt). 
Weitere Informationen zur Methodik
sind in der "Standard-Dokumentation zum Tourismus-Satellitenkonto für Österreich" (PDF, 700 KB) zu finden.

 

Touristischer Konsum 2019 nach in- und ausländischen Gästen
Touristische NachfrageTouristischer Konsum
Insgesamt
in Mio. €
Anteil in %
Bezogen auf InsgesamtBezogen auf aus- und inländische Gäste gesamt
Ausländische Gäste gesamt20.77855,2100,0
Übernachtende Touristinnen und Touristen17.28145,983,2
Tagesbesucherinnen und Tagesbesucher3.4979,316,8
    
Inländische Gäste gesamt16.64744,2100,0
Davon:   
Urlaubsreisende14.49038,587,0
Übernachtende Touristinnen und Touristen10.97629,165,9
Tagesbesucherinnen und Tagesbesucher3.5159,321,1
Geschäftsreisende2.1575,713,0
Übernachtende Touristinnen und Touristen1.4513,98,7
Tagesbesucherinnen und Tagesbesucher7051,94,2
    
Wochenendhäuser und Zweitwohnungen2280,6.
    
INSGESAMT37.653100,0.

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Raumwirtschaft, Statistik Austria:  
Dr. Peter LAIMER, Tel.: +43 1 71128-7849 bzw. peter.laimer@statistik.gv.at und  
Ines Orsolic, BSc MSc, Tel.: +43 1 71128-7085 bzw. ines.orsolic@statistik.gv.at

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