Pressemitteilung: 12.480-071/21

Öffentliche Finanzen 2020: öffentliches Defizit 8,9%, öffentlicher Schuldenstand 83,9% des BIP

Wien, 2021-04-01 – Im Jahr 2020 betrug das öffentliche Defizit 8,9% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bzw. 33,2 Mrd. Euro und war damit das höchste Defizit seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1954. Ende 2019 wurde noch ein Überschuss von 2,4 Mrd. Euro bzw. von 0,6% der Wirtschaftsleistung erzielt. Wie aus vorläufigen Ergebnissen von Statistik Austria weiter hervorgeht, stiegen die Staatsausgaben im Vergleich zu 2019 um 12,6% bzw. 24,4 Mrd. Euro, die Staatseinnahmen verringerten sich um 5,8% bzw. 11,3 Mrd. Euro. Der öffentliche Schuldenstand erhöhte sich in absoluten Zahlen um 34,8 Mrd. Euro und betrug am Jahresende 315,2 Mrd. Euro. Die Schuldenquote – das Verhältnis der Staatsschulden zum BIP – stieg auf 83,9% (Ende 2019: 70,5% des BIP bzw. 280,3 Mrd. Euro).

"Die Corona-Krise hat Österreich vom Konsolidierungspfad gedrängt. Der Einbruch der Wirtschaftsleistung aufgrund der Pandemie und die Maßnahmen zur Eindämmung haben die öffentlichen Einnahmen deutlich gesenkt und die Staatsausgaben massiv anwachsen lassen. Österreich musste im Jahr 2020 mit -8,9% ein Defizit in historischem Ausmaß verbuchen. Die Staatschuldenquote stieg – nach einem Rückgang um 14,4 Prozentpunkte in den Jahren 2015 bis 2019 – im Corona-Jahr 2020 um 13,4 Punkte auf 83,9% der Wirtschaftsleistung. Der Anstieg fiel damit deutlich kräftiger aus als im Jahr der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009, als die Schuldenquote um 11,2 Punkte zulegte", so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Staatsausgaben 2020 aufgrund der Maßnahmen zur Bewältigung der Coronakrise stark angestiegen

Die Staatsausgaben stiegen im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr um 12,6% oder 24,4 Mrd. Euro auf insgesamt 217,4 Mrd. Euro. Die deutlichste Steigerung ist bei den Subventionen zu beobachten (+14,1 Mrd. Euro bzw. +240,7%). Dies ist vor allem auf die staatlichen Corona-Hilfspakete zurückzuführen (Kurzarbeit, Fixkostenzuschuss, Umsatzersatz etc.).

43,0% der Ausgaben des Staates entfielen auf Sozialausgaben, die gegenüber 2019 eine Steigerung von 7,5% auswiesen. Die nächstgrößeren Positionen waren mit einigem Abstand der Personalaufwand mit rund 20% (+2,1% bzw. +0,9 Mrd. Euro) und der Sachaufwand mit rund 12% (+3,4% bzw. +0,9 Mrd. Euro). Die Investitionen zeigten 2020 einen Anstieg auf 12,9 Mrd. Euro. Die Zinsausgaben waren auch 2020 stark rückläufig (-10,0% bzw. -0,6 Mrd. Euro).

Staatseinnahmen 2020 deutlich gesunken

Die Staatseinnahmen 2020 betrugen insgesamt 184,2 Mrd. Euro und sanken im Vergleich zum Vorjahr um 11,3 Mrd. Euro (-5,8%). Der stärkste Rückgang ist mit 9,8 Mrd. Euro bei den Steuern und Sozialbeiträgen zu beobachten, die 2020 161,0 Mrd. Euro ausmachen. Die Produktions- und Importabgaben (inklusive Mehrwertsteuer) verringerten sich um 6,4% bzw. 3,5 Mrd. Euro. Die Einnahmen aus Einkommen- und Vermögensteuern zeigten einen Rückgang von 11,3% bzw. 6,2 Mrd. Euro. Dieser ist vor allem auf geringere Einnahmen aus der Körperschaftsteuer (-2,8 Mrd. Euro), aus der veranlagten Einkommensteuer (-1,8 Mrd. Euro) und aus der Lohnsteuer (-1,0 Mrd. Euro) zurückzuführen.

Defizit in allen Teilsektoren des Staates

Im Jahr 2020 verzeichneten alle vier Teilsektoren des Staates ein Defizit. Die Bundesebene (Gebietskörperschaft, Bundeskammern und sonstige Bundeseinheiten) erzielte mit 29,3 Mrd. Euro ein Defizit (2019: Überschuss von 1,8 Mrd. Euro). Auf der Landesebene (Gebietskörperschaft, Landeskammern und sonstige Landeseinheiten) ist ein Defizit von 1,9 Mrd. Euro zu beobachten (2019: Überschuss von 543 Mio. Euro). Die Gemeindeebene einschließlich Wien verzeichnete ein Defizit von 1,7 Mrd. Euro (2019: Defizit von 93 Mio. Euro). Ein Defizit von 228 Mio. Euro ist beim Sektor Sozialversicherung zu beobachten (2019: Überschuss von 197 Mio. Euro).

Schuldenquote auf 83,9% des Bruttoinlandsprodukts gestiegen

Ende 2020 betrug der öffentliche Schuldenstand 315,2 Mrd. Euro oder 83,9% des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Damit lag die Staatsverschuldung um 34,8 Mrd. Euro über dem Vorjahreswert, das entspricht einer Erhöhung der Schuldenquote – dem Verhältnis der Staatsschulden zum BIP – um 13,4 Prozentpunkte. Von der Art der Verschuldung entfielen im Jahr 2020 1,7 Mrd. Euro auf Einlagen, 266,5 Mrd. Euro auf Anleihen und 46,9 Mrd. Euro auf Kredite.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zum öffentlichen Defizit und zum öffentlichen Schuldenstand sowie zu den Einnahmen und Ausgaben des Staates finden Sie auf unserer Webseite.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Grundlage für das Berichtsjahr 2020 sind der vorläufige Rechnungsabschluss des Bundes, die Quartalsdaten der Länder und Gemeinden, die vorläufige Finanzstatistik des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger sowie erste Informationen zu außerbudgetären Einheiten. Statistik Austria erstellt als Teil der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) zweimal pro Jahr Daten über den Sektor Staat und publiziert sie jeweils Ende März und Ende September. Diese Termine entsprechen auch den Verpflichtungen gemäß den EU-Verordnungen Nr. 549/2013 ("ESVG 2010") und Nr. 222/2014 ("Maastricht-Statistiken"), diese Daten sowie Statistiken über das öffentliche Defizit und den öffentlichen Schuldenstand an die Europäische Kommission (Eurostat) zu notifizieren. Die Daten gemäß der angeführten EU-Verordnungen werden erstellt für den Sektor Staat insgesamt und die vier Teilsektoren Bundesebene, Landesebene, Gemeindeebene und Sozialversicherung. Die Staatseinnahmen und -ausgaben werden nach dem Europäischen System für Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (ESVG 2010) kategorisiert. Das öffentliche Defizit bzw. der öffentliche Überschuss ergeben sich aus der Differenz von Staatseinnahmen und Staatsausgaben.

 

Tabelle 1: Öffentliche Finanzen – Eckdaten des Staates 2019/2020
 Jahr
20192020
Staatseinnahmen in Mrd. Euro195,5184,2
davon  
   Steuereinnahmen109,7100,0
   Sozialbeiträge61,161,0
   Produktionserlöse17,416,4
   Sonstige7,36,8
Staatsausgaben in Mrd. Euro193,1217,4
davon  
   Sozialausgaben87,093,6
   Personalaufwand41,942,7
   Sachaufwand24,925,7
   Subventionen5,920,0
   Investitionen12,612,9
   Zinsen5,65,1
   Sonstige15,317,4
Defizit/Überschuss und Schuldenstand
Defizit/Überschuss in % des BIP+0,6-8,9
Schuldenstand in % des BIP70,583,9
BIP in Mrd. Euro397,6375,6
Tabelle 2: Staatsverschuldung 2019/2020 nach Teilsektoren
Sektor / TeilsektorenEnde des Jahres
2019202020192020
 in Mrd. Euroin % des BIP
Staat insgesamt280,3315,270,583,9
Bundesektor241,9272,860,872,6
Landessektor21,022,45,36,0
Gemeindesektor16,417,94,14,8
Sozialversicherungssektor1,02,00,30,5

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Volkswirtschaft, Statistik Austria:  
Mag. Agnes SINGER-PESAU, Tel.: +43 1 71128-7169 bzw. agnes.singer-pesau@statistik.gv.at und  
Mag. Lukas DÖRFLER, Tel.: +43 1 71128-7816 bzw. lukas.doerfler@statistik.gv.at

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