Pressemitteilung: 12.229-069/20

Der Arbeitsmarkt zu Beginn der Corona-Krise – Arbeitsmarktdaten März 2020

Wien, 2020-04-29 – Die Corona-Krise hat enorme Auswirkungen auf den österreichischen Arbeitsmarkt. Seit dem Corona-Shutdown Mitte März 2020 ist die Zahl der Beschäftigungsbeendigungen auf mehr als 35.000 allein am 15. März sprunghaft angestiegen (mehr als das Zehnfache im Vergleich zu Monatsmitte Jänner bzw. Februar dieses Jahres) und das Arbeitsmarktservice (AMS) verzeichnet massive Zuströme (+65,7% im Vergleich zum März des Vorjahres) in das Arbeitslosenregister. Auf die Arbeitslosigkeit nach internationaler Definition hat diese Situation laut Statistik Austria noch keine Auswirkungen. Es zeigt sich jedoch ein deutlicher Rückgang der Erwerbstätigenzahl um 77.500 (-1,8%) und ein entsprechender Anstieg der sogenannten "stillen Arbeitsmarktreserve" um 51,3% auf 160.500. Gleichzeitig gaben schon im Monatsdurchschnitt März 2020 173.100 Personen an, aufgrund von Kurzarbeit gar nicht oder weniger als in einer normalen Arbeitswoche gearbeitet zu haben, das Siebzehnfache im Vergleich zum März des Vorjahres.

Arbeitslosigkeit im März 2020 – Unterschied von nationaler und internationaler Betrachtung

Seit Mitte März 2020 verzeichnete das AMS massive Zuströme in das Arbeitslosenregister, während die sonst üblichen Arbeitsaufnahmen weitgehend ausblieben. Die Folge war ein Anstieg der registrierten Arbeitslosigkeit bis Ende März auf 504.345 (+199.934), die Arbeitslosenquote lag nach nationaler Definition zu diesem Zeitpunkt bei 12,3%.

Demgegenüber stehen die März-Ergebnisse der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung: Auf Basis der internationalen Definition von Arbeitslosigkeit gab es im Monatsdurchschnitt rund 219.000 arbeitslose Personen. Damit ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum März des Vorjahres sogar leicht gesunken. Die bereinigte Arbeitslosenquote für März 2020 beträgt 4,5% und ist damit um 0,2 Prozentpunkte niedriger als im Vergleichszeitraum.

Erklären lässt sich diese Diskrepanz mit unterschiedlichen Definitionen und Konzepten. So handelt es sich bei der Arbeitslosigkeit nach internationaler Definition um einen Monatsdurchschnitt, beim AMS hingegen um einen Monatsendstand. Weiters reicht eine Arbeitslosenmeldung bei den nationalen Arbeitsmarktagenturen (in Österreich beim AMS) nicht aus, um Arbeitslosigkeit international zu vergleichen. Die Kriterien für Arbeitslosigkeit laut internationaler Definition sind vielmehr die aktive Suche nach Arbeit und die Bereitschaft, eine Arbeitsstelle innerhalb von zwei Wochen anzutreten. Es ist davon auszugehen, dass in unmittelbarer Folge des Corona-Shutdowns ab Mitte März 2020 nur wenige Personen, die ihren Job kurzfristig verloren haben, sofort mit der Arbeitssuche begonnen haben oder innerhalb von zwei Wochen eine Arbeit antreten hätten können.

Massiver Rückgang bei Erwerbstätigen, Anstieg der "stillen Arbeitsmarktreserve"

Deutliche Anzeichen einer beginnenden Krise sind dennoch bereits in den März-Ergebnissen der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung zu erkennen. Allein aufgrund der letzten beiden Märzwochen ist die Zahl der Erwerbstätigen im Haupterwerbsalter (15 bis 64 Jahre) um 77.500 auf 4,15 Mio. Personen eingebrochen, während die Anzahl der Nicht-Erwerbspersonen um 97.200 (auf 1,46 Mio.) gestiegen ist.

Ein markanter Anstieg zeichnet sich damit bei der sogenannten "stillen Arbeitsmarktreserve" ab: Insgesamt 160.500 Personen gaben bei der Mikrozensus-Befragung an, zwar keine Arbeit zu suchen, jedoch arbeiten zu wollen und für eine Arbeitsaufnahme auch zur Verfügung zu stehen (März 2019: 106.100).

Aufnahmen und Beendigungen unselbständiger Beschäftigung

Die Daten des Dachverbands der Sozialversicherungsträger zeigen üblicherweise eine hohe Zahl an Beschäftigungsaufnahmen zu Monatsbeginn und dann auch jeweils an Montagen, während vor allem zu Monatsende viele Erwerbstätigkeiten beendet werden. Speziell im Frühjahr überwiegen die Beschäftigungsaufnahmen dabei typischerweise deutlich, wodurch es zu einem Anstieg der Erwerbstätigen kommt.

Im März 2020 stellte sich die Situation anders dar. Am Sonntag, dem 15.3.2020, und am darauffolgenden Montag – dem Tag, an dem der Shutdown in Österreich in Kraft trat – wurden jeweils mehr als 35.000 unselbständige Erwerbstätigkeiten beendet. Das waren fast 50% mehr als Ende Februar und rund zehnmal so viele wie an einem "normalen" Sonntag oder Montag. Auch in den darauffolgenden Tagen war die Zahl der Beschäftigungsbeendigungen im Vergleich zur Situation im Jänner und Februar dieses Jahres stark erhöht. Am 31.3., der dieses Jahr auf einen Dienstag fiel, wurden schließlich mehr als 45.000 Beendigungen unselbständiger Erwerbstätigkeiten verzeichnet. Das sind fast 80% mehr als zu Monatsende Jänner bzw. Februar diesen Jahres. Insgesamt gab es damit in der zweiten Märzhälfte rund 195.000 Beendigungen unselbständiger Erwerbstätigkeiten gegenüber 31.000 Arbeitsaufnahmen im gleichen Zeitraum.

Branchen unterschiedlich stark betroffen

Besonders betroffen war die "Beherbergung und Gastronomie". Allein in Kalenderwoche 12 (16.3. bis 22.3.) gab es hier fast 13 Mal so viele Beschäftigungsbeendigungen wie im Durchschnitt der ersten zehn Kalenderwochen des Jahres 2020. Für den Wirtschaftsabschnitt der "sonstigen Dienstleistungen" lag dieses Verhältnis bei 9:1, beim "Verkehr" sowie beim "Bau" bei 5:1 und bei den "sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen" bei 4:1. Auf der anderen Seite gab es in den Wirtschaftsabschnitten "Energieversorgung", "Information und Kommunikation", "Finanz- und Versicherungsdienstleistungen", "öffentliche Verwaltung", "Erziehung und Unterricht" sowie "Gesundheits- und Sozialwesen" in etwa gleich viele Beschäftigungsbeendigungen wie in der Zeit davor.

Anstieg bei Kurzarbeit, deutliche Rückgänge bei den Wochenarbeitsstunden

Bei der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung waren nach ersten vorläufigen Ergebnissen im März deutliche Anstiege bei der Kurzarbeit zu erkennen. So gaben im März des Vorjahres lediglich 9.900 unselbständig Erwerbstätige an, aufgrund von Kurzarbeit (aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen) gar nicht oder weniger als in einer normalen Arbeitswoche gearbeitet zu haben. Im März 2020 waren es durchschnittlich bereits 173.100, also mehr als das Siebzehnfache.

Auch hinsichtlich der in der Haupttätigkeit tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden zeichnen sich aufgrund der letzten beiden Märzwochen bereits deutliche Rückgänge ab. So ist die durchschnittliche tatsächliche Arbeitszeit zwischen der ersten und der dritten Märzwoche um 8,5 Stunden eingebrochen. Im Monatsdurchschnitt ergab das eine durchschnittliche Wochenarbeitsleistung von 29,6 Stunden, um 4,6 Stunden weniger als im März des Vorjahres.

Am deutlichsten zeigten sich die Rückgänge der Wochenarbeitsleistung erwartungsgemäß im Wirtschaftssektor "Dienstleistungen", am stärksten dabei im Wirtschaftsabschnitt "Beherbergung und Gastronomie". Zwischen der ersten Märzwoche und der dritten Märzwoche haben sich hier die durchschnittlich geleisteten Wochenarbeitsstunden von 32,5 auf 11,8 Stunden extrem reduziert. Auch in den Abschnitten "Handel" und "Bau" ist die Wochenarbeitsleistung stark zurückgegangen (­11,0 bzw. -7,6 Stunden).

 

Informationen zur Methodik, Definitionen:  
Erwerbstätige nach internationaler Definition:
Personen, die in der Referenzwoche mindestens eine Stunde gearbeitet haben oder die wegen Urlaub, Krankheit usw. nicht gearbeitet haben, aber normalerweise einer Beschäftigung nachgehen. Präsenz- und Zivildiener sind ausgeschlossen. 
Unselbständig Beschäftigte nach nationaler Definition: Personen, die beim Dachverband der österreichischen Sozialversicherungsträger ein aufrechtes Beschäftigungsverhältnis über der Geringfügigkeitsgrenze haben (dazu zählen auch Lehrlinge, Personen mit Bezug von Karenz- oder Kinderbetreuungsgeld oder Präsenz- und Zivildiener, sofern ein aufrechtes Dienstverhältnis besteht).  
Arbeitslose nach internationaler Definition: Personen, die im Sinne der internationalen Definition nicht erwerbstätig sind, die weiters innerhalb der nächsten beiden Wochen nach der Referenzwoche eine Arbeit aufnehmen könnten und in der Referenzwoche oder den drei vorhergehenden Wochen aktiv eine Arbeit gesucht oder nur deshalb nicht gesucht haben, weil sie bereits eine Arbeit gefunden haben, die sie innerhalb von drei Monaten aufnehmen werden.  
Arbeitslose nach nationaler Definition: Personen, die beim Arbeitsmarktservice (AMS) als arbeitslos, lehrstellensuchend oder in Schulung vorgemerkt sind. Eine parallele geringfügige Beschäftigung (laut Dachverband der österreichischen Sozialversicherungsträger) ist möglich, d.h. eine arbeitslose Person kann gleichzeitig geringfügig beschäftigt sein.  
Arbeitslosenquote nach internationaler Definition: Anteil der Arbeitslosen nach internationaler Definition an der Zahl der Erwerbspersonen nach internationaler Definition (das sind Arbeitslose plus Erwerbstätige), jeweils im Alter von 15 bis 74 Jahren.  
Arbeitslosenquote nach nationaler Definition: Anteil der Arbeitslosen nach nationaler Definition am Arbeitskräftepotential (das sind Arbeitslose plus unselbständig beschäftigte Personen laut Dachverband der österreichischen Sozialversicherungsträger).  
"Stille Arbeitsmarktreserve" (auch "Stille Reserve") nach internationaler Definition: Nicht-Erwerbspersonen (Personen, die laut internationaler Definition weder erwerbstätig noch arbeitslos sind) im Alter von 15 bis 64 Jahren, die in der Referenzwoche und den drei Wochen davor nicht nach Arbeit suchen, aber grundsätzlich gerne arbeiten würden und innerhalb der nächsten beiden Wochen nach der Referenzwoche zu arbeiten beginnen könnten.  
Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung (AKE)  Die europäische Arbeitskräfteerhebung findet in allen Mitgliedsländern der EU statt. Dabei werden in zufällig ausgewählten privaten Haushalten in standardisierter Form Informationen zu Erwerbstätigkeit und Arbeitssuche erhoben. In Österreich wird die AKE im Rahmen des Mikrozensus durchgeführt – eine Stichprobenerhebung, bei der wöchentlich rund 1.500 Haushalte befragt werden. Diese Daten werden auf die Bevölkerungszahl hochgerechnet. Für die Monatsergebnisse wird ein Durchschnitt über alle Wochen eines Monats gebildet.  
Die hier präsentierten Ergebnisse für März 2020 sind vorläufig, sie basieren auf den Daten, wie sie eine Woche vor Veröffentlichung verfügbar waren. Sie stellen einen Durchschnitt über alle vier Märzwochen dar. Allerdings decken die Daten nicht alle Wochen des Berichtszeitraums in gleicher Weise ab, da noch nicht alle Befragungen abgeschlossen sind.  
Details zur Berechnung der monatlichen Arbeitslosenzahlen nach internationaler Definition finden sich auf unserer Website zum Thema Arbeitslose
Registerbasierte Erwerbsverläufe  
Die Daten der Registerbasierten Erwerbsverläufe werden aus strukturiert aufbereiteten Verwaltungsdaten von Statistik Austria gewonnen. Dabei werden aus den für die Registerzählung bzw. die Abgestimmte Erwerbsstatistik nutzbar gemachten Administrativdatenquellen überschneidungsfreie Erwerbskarrieren gebildet. Die Konzepte der Abgestimmten Erwerbsstatistik werden soweit wie möglich übernommen. Damit entstehen nicht nur überschneidungsfreie, sondern auch lückenlose Erwerbskarrieren für alle Personen, die in einer der Datenquellen irgendwann einmal vorgekommen sind – unabhängig davon, ob sie jemals einen Hauptwohnsitz in Österreich hatten oder nicht. Dieses Projekt ermöglicht es somit, die Erwerbsbiographie von Personen im Laufe ihres Lebens statistisch auszuwerten und Analysen zur Stabilität von Erwerbsbiographien und zu typischen Erwerbsmustern verschiedener Personengruppen durchzuführen. Die Auswertungen basieren auf den aktuellsten verfügbaren Daten mit Stand Ende März 2020. Da Beschäftigungsaufnahmen bzw. -beendigungen mitunter mit einigen Tagen Verspätung in den Daten des Dachverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger gemeldet werden, sind die Zahlen v.a. in Bezug auf die Beschäftigungsbeendigungen am 31.3. vermutlich noch etwas unterschätzt. Genauere Analysen können daher erst in einigen Monaten vorgenommen werden.  
Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website zu den registerbasierten Erwerbsverläufen.

 

Tabelle 1: Monatsergebnisse zu Erwerbstätigen und Nicht-Erwerbspersonen (15 bis 64 Jahre)
 ErwerbstätigeDarunterNicht-Erwerbspersonen
Darunter
UnselbständigeDarunterRückkehr auf den alten ArbeitsplatzStille Reserve
Angabe Kurzarbeit
in 1.000
Jänner 20194.225,43.740,114,01.373,457,6133,4
Februar 20194.217,43.710,513,91.363,960,0124,9
März 20194.232,13.775,79,91.361,837,4106,1
Jänner 20204.240,33.759,717,81.389,355,5126,8
Februar 20204.238,33.748,428,51.373,945,8127,9
März 20204.154,73.682,1173,11.459,082,7160,5
Veränderung in 1.000 
   zum Vormonat Februar-83,7-66,3144,685,136,932,6
   zum März des Vorjahres-77,5-93,6163,297,245,354,4
Tabelle 2: Durchschnittliche tatsächliche Wochenarbeitszeit im März 2020 nach Wirtschaftsbereichen und Kalenderwochen
 März 2020
Monatsdurchschnitt1. Märzwoche2. Märzwoche3. Märzwoche 4. Märzwoche
Stunden pro Person und Woche (arithmetisches Mittel)
Insgesamt29,633,532,525,027,0
Wirtschaftsbereich ÖNACE08
Land- und Forstwirtschaft41,440,641,240,143,2
Industrie und Gewerbe31,235,934,227,926,8
Dienstleistungen28,532,431,723,325,9
Darunter: 
     Bau29,433,934,026,223,6
     Handel, Instandhaltung und Reparatur von KFZ27,533,430,122,423,4
     Beherbergung und Gastronomie24,432,532,111,816,2
Tabelle 3: Arbeitslosigkeit März 2020 – internationale (Mikrozensus) und nationale (AMS) Betrachtung
 ArbeitsloseArbeitslosenquoten
international1)national2)international1)national2)
in 1.000in %
März 2019220,8304,44,77,5
März 2020219,0504,34,512,3

 

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