Pressemitteilung: 10.492-068/13

Öffentliche Finanzen 2012: Öffentliches Defizit bei 2,5% des BIP, öffentlicher Schuldenstand bei 73,4% des BIP

Wien, 2013-03-28 – Die Staatshaushalte sind im Jahr 2012 von einer Stagnation des Defizites bei steigendem Schuldenstand gekennzeichnet. Die vorläufigen Daten für das Berichtsjahr 2012 zeigen im Vergleich zum Jahr 2011 steigende Staatseinnahmen mit 4,4% bzw. 6,4 Mrd. Euro sowie steigende Staatsausgaben um ebenfalls 4,4% bzw. 6,8 Mrd. Euro, sodass sich ein Defizit von 2,5% bzw. 7,7 Mrd. Euro für das Jahr 2012 ergibt (2011: 2,5% bzw. 7,4 Mrd. Euro). Der Schuldenstand beträgt mit Ende des Jahres 2012 73,4% bzw. 227,4 Mrd. Euro (2011: 72,5% bzw. 217,9 Mrd. Euro).

Die Steuereinnahmen steigen kräftig an…

Die Staatseinnahmen 2012 in Höhe von insgesamt 150,9 Mrd. Euro steigen im Vergleich zum Jahr 2011 um 6,4 Mrd. Euro oder 4,4% an. Gut 91% der Staatseinnahmen stammen aus Steuern und Sozialbeiträgen, die 2012 in Summe rund 136,9 Mrd. Euro ausmachen (Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahr 4,7% bzw. 6,1 Mrd. Euro). Bei den Produktions- und Importabgaben (darin enthalten ist die Mehrwertsteuer) liegt die Steigerungsrate 2012 bei 4,0% bzw. 1,7 Mrd. Euro. Die Einnahmen aus Einkommen- und Vermögenssteuern, die im Jahr 2009 – aufgrund der stark gesunkenen Einnahmen aus der Lohn-, Körperschaft-, Kapitalertragssteuer und Kapitalertragssteuer auf Zinsen – um 11,1% zurückgingen, steigen nach 3,6% im Jahr 2010 und 7,1% im Jahr 2011 wiederum deutlich um 5,5% im Jahr 2012 an. Weitere Steuereinnahmen brachten die Vorwegbesteuerung der Pensionskassen (246,9 Mio. Euro) und die Sonderbeitrag zur Stabilitätsabgabe (71,7 Mio. Euro).

… während die Staatsausgaben mit ebenfalls 4,4% gegenüber dem Vorjahr steigen

Die Staatsausgaben steigen im Jahr 2012 um 4,4% oder 6,8 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahr an. Dieser Anstieg ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass die Zahlungen für das Bankenpaket i.H.v. 2,8 Mrd. Euro in die Position Förderungen einfließen (siehe Tabelle 1). Rund 48% der Ausgaben des Staates entfielen auf Sozialausgaben, die 2012 eine Steigerung von 3,8% gegenüber dem Vorjahr ausweisen. Die nächstgrößeren Positionen sind mit einigem Abstand der Personalaufwand mit rund 18% der Staatsausgaben (Steigerung 2,6% bzw. rund 700 Mio. Euro) und Förderungen mit rund 17% der Staatsausgaben (Anstieg 10,1% bzw. rund 2,5 Mrd. Euro).

Bundes-, Landes- und Gemeindeebene mit unterschiedlichen Maastricht Ergebnissen;

Während die Landes- und Gemeindeebenen ihr Maastricht-Defizit im Jahr 2012 verringern bzw. ihren Überschuss noch weiter steigern konnten, erzielt die Bundesebene – Gebietskörperschaft, Bundeskammern und sonstige Bundeseinheiten – ein Maastricht-Defizit von rund 8,1 Mrd. Euro und liegt somit um rund 0,9 Mrd. Euro über dem Vorjahresergebnis von 7,2 Mrd. Euro Maastricht-Defizit. Die Landesebene – Gebietskörperschaft, Landeskammern und sonstige Landeseinheiten – erzielt ein Maastricht-Defizit von 240 Mio. Euro, was einen Rückgang um 455 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Die Gemeindeebene einschließlich Wien verzeichnet 2012 einen Maastricht-Überschuss von rund 237 Mio. Euro, damit dreht sich der Saldo von einem Maastricht-Defizit von 128 Mio. Euro im Jahr zuvor.

Schuldenstand

Nach neuesten Berechnungen von Statistik Austria betrug die Staatsverschuldung mit 31.12.2012 227,4 Mrd. Euro oder 73,4 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Damit liegt die Staatsverschuldung um 9,6 Mrd. Euro über dem Vorjahreswert, was einer Steigerung der BIP-Quote von 0,9 Prozentpunkten entspricht. Von der Art der Verschuldung entfielen im Jahr 2012 185,1 Mrd. Euro auf Anleihen und 42,3 Mrd. Euro auf Kredite.

Tabelle 1: Eckdaten des Staates
 Jahr
20112012
Staatseinnahmen in Mrd. Euro144,5150,9
   davon  
   Steuereinnahmen82,186,0
   Sozialbeiträge48,750,9
   Sonstige13,714,0
Staatsausgaben in Mrd. Euro151,8                                  158,6
   davon  
   Sozialausgaben73,976,8
   Personalaufwand28,329,0
   Sachaufwand13,914,3
   Förderungen25,027,5
   Zinsen7,88,1
   Investitionen2,93,0
Defizit und Schuldenstand 
nach der Maastricht-VO
  
Defizit in % des BIP-2,5-2,5
Schuldenstand in % des BIP72,573,4
BIP in Mrd. Euro300,7309,9
Tabelle 2: Staatsverschuldung 2011 / 2012 nach Gebietskörperschaften und Sozialversicherung
Sektor / TeilsektorenJahr
2011201220112012
 in Mrd. €in % des BIP
Staat insgesamt217,9227,472,573,4
Bund189,1198,862,964,2
Bundesländer (ohne Wien)17,917,45,95,6
Gemeinden (einschl. Wien)9,19,53,03,1
Sozialversicherungsträger1,81,70,60,6

Detaillierte Ergebnisse und Tabellen bzw. weitere Informationen zum öffentlichen Defizit und zum öffentlichen Schuldenstand sowie zu den Einnahmen und Ausgaben des Staates finden Sie auf unserer Webseite.

Methodische Informationen, Definitionen: Grundlage für das Berichtsjahr 2012 sind der vorläufige Rechnungsabschluss des Bundes, die Quartalsdaten der Länder und Wiens, die Gemeindehochrechnung und die vorläufige Finanzstatistik des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger sowie erste Informationen zu außerbudgetären Einheiten. Statistik Austria erstellt als Teil der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) zweimal pro Jahr Daten über den Sektor Staat und publiziert sie jeweils Ende März und Ende September. Diese Termine entsprechen auch den Verpflichtungen gemäß den EU-Verordnungen Nr. 1392/2007 ("ESVG 95") und Nr. 679/2010 ("Maastricht-Statistiken"), diese Daten sowie Statistiken über das Öffentliche Defizit und den Öffentlichen Schuldenstand an die Europäische Kommission (Eurostat) zu notifizieren. Die Daten gemäß den angeführten EU-Verordnungen betreffen den Sektor Staat insgesamt und die vier Teilsektoren Bundesebene, Landesebene, Gemeindeebene und Sozialversicherung. Die Staatseinnahmen und -ausgaben werden nach dem Europäischen System für Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (ESVG 95) kategorisiert. Nach dieser Klassifikation werden Defizit/Finanzierungssaldo und Schuldenstand des Staates berechnet. Österreichs Steuereinnahmen werden klassifiziert nach "Gütersteuern", "Sonstige Produktionsabgaben", "Einkommensteuern", "Sonstige direkte Steuern und Abgaben" und "Vermögenswirksame Steuern".

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Volkswirtschaft, Statistik Austria:  
Mag. Tommaso GERSTGRASSER, Tel.: +43 (1) 71128-7238 bzw. tommaso.gerstgrasser@statistik.gv.at und 
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