Pressemitteilung: 10.485-061/13

Bildung in Zahlen: Anteil der Personen mit Tertiärabschluss steigt weiter an, aber langsamer als im EU-Schnitt

Wien, 2013-03-19 – Laut Statistik Austria verfügten im Jahr 2010 bereits 14,9% der Personen im Haupterwerbsalter von 25 bis 64 Jahren über einen Hochschul-, Akademie- oder Kollegabschluss. Wie Analysen in der aktuellen Publikation "Bildung in Zahlen 2011/12" zeigen, ist die Zunahme der vergangenen Jahre insbesondere auf die gestiegene Beteiligung von Frauen am tertiären Bildungsbereich zurückzuführen. 2010 hatten 15,8% der 25- bis 64-jährigen Frauen und 14,1% der Männer dieser Altersgruppe einen Tertiärabschluss. Österreich liegt allerdings weiterhin deutlich hinter dem EU-Schnitt.

Anstieg der Tertiärquote

2010 hatten 14,9% der 25- bis 64-Jährigen eine Universität, Fachhochschule, Akademie oder ein Kolleg erfolgreich abgeschlossen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einer Zunahme von 0,3 Prozentpunkten. Im Vergleich zur Volkszählung im Jahr 2001 hat sich der Anteil der Personen mit Tertiärabschluss um 4,4 Prozentpunkte erhöht. In den letzten 30 Jahren hat sich der Anteil sogar mehr als verdreifacht.

Frauen tragen den Hauptteil des Anstiegs der Tertiärquote

In der Vergangenheit war der Anteil der 25- bis 64-Jährigen mit Tertiärabschluss bei Männern höher. Bis 2001 konnten Frauen aufholen und seither die Gruppe der Männer sogar deutlich überholen. Unter den Frauen im Haupterwerbsalter hatten 2010 bereits 15,8% einen Tertiärabschluss. Bei den Männern betrug der Anteil 14,1%.

Tertiärquote im internationalen Vergleich aber weiterhin niedrig

Trotz Anstiegs der Tertiärquote liegt Österreich auch weiterhin deutlich unter dem EU-Schnitt. Bei internationalen Vergleichen zählen neben Hochschul-, Akademie- und Kollegabschlüssen auch Meister- und Werkmeisterprüfungen zu den Tertiärabschlüssen. Im Sinne dieser Klassifikation konnten im Jahr 2010 19,3% der österreichischen Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren einen Tertiärabschluss vorweisen. Im Schnitt jener 21 EU-Staaten, die auch gleichzeitig OECD-Mitglied sind, verfügten allerdings 27,6% dieser Altersgruppe über einen Tertiärabschluss. Da die Tertiärquote in vielen Ländern rascher ansteigt als in Österreich vergrößerte sich der Abstand zum EU21-Durchschnitt in den letzten Jahren kontinuierlich. Betrachtet man allerdings die aus Sicht des Europa 2020-Ziels relevante Gruppe der 30 bis 34-Jährigen, so liegt die Tertiärquote unter Einbeziehung äquivalenter Bildungsabschlüsse mit 36,8% knapp über dem EU-Durchschnitt und in Reichweite des Zielwerts von 40%.

An öffentlichen Universitäten wurden 28% der Studien im Bereich Geisteswissenschaften belegt

28% der an öffentlichen Universitäten belegten Studien entfielen im Studienjahr 2011/12 auf Geisteswissenschaften, 18% auf Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, 15% auf Naturwissenschaften, 14% auf Technik, 12% auf Rechtswissenschaften, 4% auf Medizin, 3% auf Bodenkultur und 6% auf andere Bereiche.

Zahl der belegten naturwissenschaftlichen Studien seit 1998 verdoppelt – starke Rückgänge hingegen bei Medizin

Seit dem Studienjahr 1998/99 stieg die Zahl der belegten geisteswissenschaftlichen Studien von rund 71.000 auf rund 98.000 (2011/12). Die Zahl der naturwissenschaftlichen Studien verdoppelte sich in diesem Zeitraum beinahe von rund 26.000 auf rund 51.000. Die Zahl der rechtswissenschaftlichen Studien ging zunächst von rund 28.000 im Jahr 1998/99 auf rund 20.000 im Jahr 2002/03 zurück, verzeichnet seither aber wieder starke Zuwächse auf zuletzt rund 41.000. Auch die technischen Studien fielen von 1998/99 bis 2002/03 und zwar von rund 44.000 belegten Studien auf nur 34.000, stiegen jedoch seither wieder auf zuletzt rund 51.000. Die Zahl der belegten sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Studien entwickelte sich stagnierend von rund 64.000 im Jahr 1998/99 auf zuletzt rund 61.000. Rückgänge gab es bei den belegten Medizinstudien infolge der im Studienjahr 2006/07 eingeführten Zugangsbeschränkungen und zwar von knapp 20.000 auf zuletzt nur mehr rund 13.000.

Im beobachteten Zeitraum nahmen insbesondere Fachhochschulen eine fulminante Entwicklung. Die Zahl der belegten Studien an Fachhochschulen stieg von rund 8.000 (1998/99) auf zuletzt rund 39.000. Es handelt sich dabei überwiegend um Studien aus den Bereichen Wirtschaft und Technik.

Insgesamt stieg die Zahl der belegten Studien an öffentlichen Universitäten seit dem Studienjahr 1998/99 von rund 276.000 auf rund 346.000 im Jahr 2011/12. Allein im Jahr der Einführung der Studiengebühren 2001/02 verzeichneten alle Studienrichtungen einen vorübergehenden Rückgang der belegten Studien.

Detaillierte Ergebnisse zum Bildungsstand und zur Hochschulstatistik 2011/12 finden Sie auf unserer Webseite bzw. in der Publikation "Bildung in Zahlen". Informationen zur Entwicklung der Klassenschülerzahl finden Sie in der Pressemitteilung "Durchschnittliche Klassengröße sank ab dem Schuljahr 2007/08 vor allem im Pflichtschulbereich".

Methodische Informationen, Definitionen:  
Sekundarabschluss: Unter Sekundarabschluss werden die Abschlüsse einer allgemein bzw. berufsbildenden höheren Schule, Lehrabschlüsse sowie die Abschlüsse einer mehrjährigen berufsbildenden mittleren Schule zusammengefasst. 
Tertiärabschluss: Die Abschlüsse des Tertiärbereichs (Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogische Hochschulen, Akademien und Kollegs) werden zusammenfassend als Tertiärabschlüsse bezeichnet. Werkmeister- und Meisterabschlüsse werden bei internationalen Vergleichen dem Tertiärbereich zugeordnet.  
EU21: Für einige internationale Indikatoren wurde der EU21-Durchschnitt berechnet. Dies entspricht dem ungewichteten Mittel der 21 OECD-Staaten, welche gleichzeitig Teil der EU-27-Staaten sind.  
Das Bildungsstandregister enthält Informationen über formale Bildungsabschlüsse der österreichischen Wohnbevölkerung im Alter von 15 Jahren und älter. Es ermöglicht eine regional gegliederte Darstellung des Bildungsstandes sowie seiner Veränderungen. Erstbefüllt wurde das Register mit den Daten über die höchste abgeschlossene Ausbildung aus der Volkszählung 2001. Aktualisiert wird es jährlich mit Abschlussdaten der österreichischen Schulen und Hochschulen, der Wirtschaftskammer (Lehrabschlüsse und Meisterprüfungen), der Landwirtschaftskammern (Meister- und Facharbeiterprüfungen) und des Bundesministeriums für Gesundheit (Diplomprüfungen im kardiotechnischen Dienst). Darüber hinaus meldet das Arbeitsmarktservice (AMS) jährlich Daten zur höchsten abgeschlossenen Ausbildung der Leistungsempfänger. Ergebnisse beziehen sich auf den Stichtag 31.10.

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Regina RADINGER, Tel. +43 (1) 71128-7457 bzw. Regina.Radinger@statistik.gv.at

 

Tabelle: Bildungsniveau der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren
Höchste abgeschlossene Ausbildung (in %)199120012010
insg.männl.weibl.insg.männl.weibl.insg.männl.weibl.
Tertiärabschluss6,97,86,010,510,510,514,914,115,8
Hochschule5,36,93,77,58,86,211,412,110,7
Akademien1,60,92,32,31,13,52,71,44,1
Kolleg---0,60,50,80,80,61,0
Sekundarabschluss59,067,050,963,470,356,465,771,160,3
Berufsbild. höhere Schule4,75,73,76,27,15,38,18,67,6
Allgemein bild. höhere Schule4,74,64,84,74,64,95,75,36,2
Berufsbild. mittlere Schule 1)12,58,117,013,17,518,615,612,718,5
Lehre37,048,625,439,451,127,736,344,528,1
Pflichtschule34,225,343,126,219,333,119,414,823,9

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