Europäisches Statistisches System (ESS)

Um den Informationsbedürfnissen in Bezug auf gesellschaftlichen Fortschritt Rechnung zu tragen und den Herausforderungen aktiv zu begegnen, initiierte das Komitee des Europäischen Statistischen Systems (ESSC) ein gemeinschaftliches Projekt mit dem Ziel die Empfehlungen des Stiglitz-Sen-Fitoussi Reports sowie die Kommunikation der Europäischen Kommission (GDP & Beyond) in konkrete Handlungsfelder für das ESS zu übersetzen. Organisiert wurde dieses Projekt in Form einer sogenannten Sponsorship Group „Measuring Progress, Well-being and Sustainable Development“, in der hohe Repräsentanten der Mitgliedstaaten mit dem Ziel zusammenarbeiten, das offizielle statistische System den sich verändernden Bedürfnissen anzupassen.

Im Rahmen der Sponsorship Group wurden drei Task Forces beauftragt, konkrete Vorschläge in den Feldern Haushaltsperspektive & Verteilungsaspekte, Lebensqualität und Nachhaltigkeit und Umwelt auszuarbeiten, bestehende Statistiken besser zu nutzen oder neue Statistiken und Indikatoren zu entwickeln. Task Force 4 wurde zur Überwachung von Querschnitts- und übergreifenden Themen sowie zur Konsolidierung des abschließenden Berichts eingesetzt. Eurostat stellt alle Dokumente unter „Measuring Progress“ zur Verfügung.

Der Abschlussbericht wurde im Jahr 2011 vom ESSC verabschiedet. Der Bericht fasst etwa 50 spezifische Aktionen für das ESS zusammen. Seit 2012 werden diese Aktionen im Europäischen Statistischen Programm integriert und schrittweise umgesetzt.

Haushaltsperspektive und Verteilungsaspekte von Einkommen, Konsum und Vermögen

Wissen 
Vorhandene Daten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung sollen künftig so genutzt werden, dass die Entwicklung des materiellen Lebensstandards eines durchschnittlichen Haushalts widergespiegelt wird. Einkommens- und Konsumaggregate sollen um soziale Sachtransfers (z.B. gratis Kindergarten) erweitert und somit die Vergleichbarkeit von Haushaltsaggregaten verschiedener Länder mit unterschiedlicher sozialer Infrastruktur und Staatsquote verbessert werden.

In Bezug auf die bessere Darstellung der Haushaltsperspektive und der Verteilungswirkungen von Einkommen, Konsum und Vermögen wurden von Seiten der Europäischen Statistik vier Prioritäten in Bezug auf die Darstellung der nationalen Gesamtrechnungen identifiziert:

  1. Darstellung vorhandener Daten der nationalen volkswirtschaftlichen Konten nach Haushalten, Einkommen und Konsum
  2. Bereitstellung von Information zur Verteilung von Einkommen, Konsum und Vermögen
  3. Förderung der Erstellung von Bestandskonten für Haushalte
  4. Erweiterung der Einkommensmessung auf häusliche „Nicht-Markt“- und Freizeitaktivitäten

Haushaltsperspektive und Verteilungsaspekte in Österreich

Lebensqualität

Wissen 
Lebensqualität soll so vollständig wie möglich und konzise wie nötig dargestellt, objektive und subjektive Aspekte des Wohlbefindens berücksichtigt und in acht Schlüsseldimensionen abgebildet werden. Die ausgewählten Indikatoren sollen in allen Dimensionen Ungleichheiten in umfassender Weise bewerten. Zusätzlich soll ein verstärkter Fokus in den nationalen Befragungen auf die Themen „Lebensbeurteilung“, „lustvolle Erfahrungen“ und „Prioritäten“ gelegt werden.

Acht Dimensionen und eine Zusatzkategorie der Lebensqualität wurden mit Bezug auf die Empfehlungen des Stiglitz-Berichts im Sponsorship Group Bericht festgelegt:

  1. Materielle Lebensbedingungen
  2. produktive und wertgeschätzte Aktivitäten (inkl. Arbeit)
  3. Gesundheit
  4. Bildung
  5. Freizeit & soziale Teilhabe
  6. ökonomische & physische Unsicherheit
  7. Governance und Grundrechte
  8. natürliche Umgebung & Wohnumfeld
  9. umfassende Lebenszufriedenheit

Zentrales Erhebungsinstrument für die Indikatoren in den Dimensionen ist EU-SILC. Wo bestimmte Dimensionen nicht abgedeckt sind, sollen zusätzliche Datenquellen ergänzend herangezogen werden. In vertiefenden Analysen sollen zudem Erkenntnisse über die Zusammenhänge der verschiedenen Dimensionen gewonnen werden.

Lebensqualität in Österreich

Nachhaltige Entwicklung und Umwelt

Wissen 
Die wachsende Bedeutung von Umweltfaktoren begründet die Notwendigkeit, effektivere Kennzahlen bereitzustellen, welche die Umwelt und ihrer Fähigkeit für zukünftige Generationen verfügbar zu bleiben, umfassend abbilden. Umwelt-Nachhaltigkeit ist somit ein zentraler Faktor und robuste Daten ein unverzichtbares Erfordernis, um die Ressourcen der Umwelt und ihren Erhalt für die Zukunft vollständig beurteilen zu können. 

Einige Indikatoren können aus der Umweltgesamtrechnung abgeleitet werden, was den Vorteil hat mit der VGR kompatibel zu sein und somit eine integrierte ökologisch-ökonomische Analyse der wechselseitigen Auswirkungen von Ökonomie und Ökologie aufeinander. In Mangel klar definierter und etablierter statistischer Methoden zur Bewertung bestimmter Umweltphänomene, werden Nachhaltigkeitsindikatoren bevorzugt, die in physischen und nicht in monetären Größen ausgedrückt werden. Auf Grundlage von aktuellen Aktivitäten und politischen Bedürfnissen wurden von Seiten der Europäischen Statistikfünf Prioritäten mit kurz- bis mittelfristiger Zeitplanung formuliert:

  • Die Entwicklung von Energieflusskonten auf Basis von bereits bestehenden Energiestatistiken sowie die Ableitung von Indikatoren auf dieser Basis wie beispielsweise der Energieverbrauch nach wirtschaftlicher Aktivität
  • Die Entwicklung weiterer Indikatoren zum Klimawandel (ebenfalls mit Daten aus der Gesamtrechnung)
  • Verbesserung der Zeitnähe klimabezogener Indikatoren mittels der Entwicklung von Frühschätzern von CO2-Emmissionen auf Basis monatlicher Energiestatistiken
  • Regelmäßige Erstellung von um umweltbezogene Faktoren erweiterte Supply und Use Input/Output-Tabellen zur Erforschung der Konsumentenperspektive globalen Klimawandels und von Luftverschmutzung.
  • Eruierung der Möglichkeiten zur Erstellung eines Indikators zum Verbrauch von Rohstoffen

Nachhaltige Entwicklung und Umwelt in Österreich


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