Methodik der Statistik zu schnellwachsenden Unternehmen

Definitionen und Konzepte

Datenquellen

Die Datenbasis für die Statistik zu den schnellwachsenden Unternehmen ist dieselbe wie jene für die Statistik der Arbeitgeberunternehmensdemografie; die Statistik zu den schnellwachsenden Unternehmen ist eine Auswertung aus der Arbeitgeberunternehmensdemografie. Die Unternehmensregister der Bundesanstalt (Unternehmensregister für Zwecke der Verwaltung und statistisches Unternehmensregister) stellen die zentralen Datenquellen dar.

Folgende Verwaltungsdatenquellen werden ergänzend (zur Vollständigkeitskontrolle sowie für die genaue Abgrenzung der demografischen Zeitpunkte von Unternehmen) genutzt:

  • Steuergrunddaten und Umsatzsteuerdaten aus den Umsatzsteuererklärungen, Umsatzsteuervoranmeldungen an die Finanzbehörden und Einkommensteuerdaten
  • Dienstgeberdaten und Beschäftigtendaten des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger

Einbezogene Wirtschaftsbereiche

Es wurden alle Abschnitte der ÖNACE 2008 berücksichtigt, mit Ausnahme der Abschnitte A (Land- und Forstwirtschaft), O (Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung), T (Private Haushalte mit Hauspersonal; Herstellung von Waren und Erbringung von Dienstleistungen durch private Haushalte für den Eigenbedarf ohne ausgeprägten Schwerpunkt) und U (Exterritoriale Organisationen und Körperschaften).

Erhebungseinheit und Definitionen

Die Erhebungseinheit für diese Statistik bilden die aktiven Arbeitgeberunternehmen. Diese sind definiert als rechtliche Einheiten, die Waren oder Dienstleistungen erzeugen, und im Jahresdurchschnitt über mindestens einen unselbständig Beschäftigten (>=1) verfügen. Ein Arbeitgeberunternehmen kann seine Tätigkeit(en) an einem oder mehreren Standorten ausüben.

Unselbständig Beschäftigte

entspricht der jährlichen durchschnittlichen Anzahl aller für die Beobachtungseinheit arbeitenden unselbständig Beschäftigten

Beitragskonto

Jeder Dienstgeber, der Versicherte bei der Sozialversicherung gemeldet hat, hat zumindest ein Beitragskonto mit einer entsprechenden Beitragskontonummer. Einem Unternehmen können mehrere Beitragskontonummern zugewiesen werden. Diese dienen als zentrale Ordnungsbegriffe für die Abrechnung der Sozialversicherungsbeiträge.

Schnellwachsende Unternehmen

Als schnellwachsende Unternehmen gelten solche Arbeitgeberunternehmen, die über einen dreijährigen Zeitraum (hier: 2005 bis 2008, 2006 bis 2009, 2007 bis 2010, 2008 bis 2011, 2009 bis 2012, 2010 bis 2013, 2011 bis 2014, 2012 bis 2015, 2013 bis 2016, 2014 bis 2017 und 2015 bis 2018) ein durchschnittliches jährliches Wachstum von mind. 10% der Anzahl ihrer unselbständig Beschäftigten aufweisen. Alle Arbeitgeberunternehmen, die zu Beginn der Beobachtungsperiode weniger als 10 Beschäftigte haben, werden ausgeschieden. Ebenso werden Unternehmen, die im Startjahr (t-3) Neugründungen sind, im Berichtsjahr (t) nicht berücksichtigt. Das Wachstum eines Unternehmens muss dabei nicht kontinuierlich über den ganzen Zeitraum stattfinden, sondern wird über den Gesamtzeitraum gemessen (Eurostat-OECD Manual).

Unechtes Wachstum

Unechtes Wachstum ist dann gegeben, wenn der Beschäftigtenzuwachs eines Unternehmens primär durch Zukäufe von Unternehmen oder Fusionen erfolgte. Fälle von „unechtem“ Wachstum müssen daher von der Masse der schnellwachsenden Unternehmen ausgeschieden werden.

Darstellungsmerkmale

Die Statistik zu den schnellwachsenden Unternehmen wird gegliedert nach Rechtsformen, Abschnitten und Abteilungen der ÖNACE 2008,  Bundesländern und NUTS-Regionen dargestellt.

Wirtschaftszweige (gemäß ÖNACE 2008)

  • B Bergbau
  • C Herstellung von Waren
  • D Energieversorgung
  • E Wasserversorgung und Abfallentsorgung
  • F Bau
  • G Handel
  • H Verkehr
  • I Beherbergung und Gastronomie
  • J Information und Kommunikation
  • K Finanz- und Versicherungsleistungen
  • L Grundstücks- und Wohnungswesen
  • M Freiberufliche/technische Dienstleistungen
  • N Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen
  • P Erziehung und Unterricht
  • Q Gesundheits- und Sozialwesen
  • R Kunst, Unterhaltung und Erholung
  • S Sonst. Dienstleistungen a.n.g.

Rechtsformen:

  • Einzelunternehmen
  • Kapitalgesellschaften (AG, GmbH)
  • Personengesellschaften und andere Rechtsformen (OG, KG etc.)

Bundesländer und NUTS3-Einheiten:

  • AT11 Burgenland
  • AT111 Mittelburgenland
  • AT112 Nordburgenland
  • AT113 Südburgenland
  • AT21 Kärnten
  • AT211 Klagenfurt-Villach
  • AT212 Oberkärnten
  • AT213 Unterkärnten
  • AT12 Niederösterreich
  • AT121 Mostviertel-Eisenwurzen
  • AT122 Niederösterreich-Süd
  • AT123 Sankt Pölten
  • AT124 Waldviertel
  • AT125 Weinviertel
  • AT126 Wiener Umland/Nordteil
  • AT127 Wiener Umland/Südteil
  • AT31 Oberösterreich
  • AT311 Innviertel
  • AT312 Linz-Wels
  • AT313 Mühlviertel
  • AT314 Steyr-Kirchdorf
  • AT315 Traunviertel
  • AT32 Salzburg
  • AT321 Lungau
  • AT322 Pinzgau-Pongau
  • AT323 Salzburg und Umgebung
  • AT22 Steiermark
  • AT221 Graz
  • AT222 Liezen
  • AT223 östliche Obersteiermark
  • AT224 Oststeiermark
  • AT225 West- und Südsteiermark
  • AT226 Westliche Obersteiermark
  • AT33 Tirol
  • AT331 Außerfern
  • AT332 Innsbruck
  • AT333 Osttirol
  • AT334 Tiroler Oberland
  • AT335 Tiroler Unterland
  • AT34 Vorarlberg
  • AT341 Bludenz-Bregenzer Wald
  • AT342 Rheintal-Bodenseegebiet
  • AT13 Wien

Behandlung vertraulicher Daten

Daten, die sich auf weniger als drei Beobachtungseinheiten (Unternehmen) beziehen, werden unterdrückt und stattdessen im entsprechenden Feld mit einem „G" ausgewiesen (primäre Geheimhaltung). Darüber hinaus sind zusätzlich Ergebnisse für mehr als zwei Meldeeinheiten zu unterdrücken, um zu verhindern, dass durch Differenzbildung gegenüber Summen (Aggregaten) auf durch primäre Geheimhaltung unterdrückte Ergebnisse geschlossen werden kann oder diese errechnet werden können (defensive oder sekundäre Geheimhaltung). Einzige Ausnahme bildet die Anzahl der statistischen Einheiten selbst: Für diese Variable wird auf eine Unterdrückung verzichtet, da keine Schutzwürdigkeit angenommen wird.

Methodik

Sämtliche Berechnungen wurden für die jeweiligen Randjahre durchgeführt (2005-2008, 2006-2009, 2007-2010, 2008-2011, 2009-2012, 2010-2013, 2011-2014, 2012-2015, 2013-2016, 2014-2017, 2015-2018), da für die Erstellung der Statistik nicht erheblich ist, was in den Zwischenjahren passiert.

Die Erfassung schnell wachsender Unternehmen erfolgte stufenweise:

  • Ermittlung der Unternehmen, die im Startjahr bereits mehr als 10 unselbständig Beschäftigte aufweisen und keine Neugründungen sind.
  • Bestimmung des durchschnittlichen Wachstums an unselbständig Beschäftigten für die jeweiligen Beobachtungszeiträume. Jene Unternehmen, deren Wachstum weniger als durchschnittlich jährlich 10% beträgt, wurden von den weiteren Berechnungen ausgeschlossen.
  • Zuweisung von Wirtschaftszweig und Rechtsform: hier wurden die Werte vom Ende der Periode benutzt, weil davon ausgegangen wird, dass die NACE-Klassifikation und Rechtsform am Ende des Beobachtungszeitraums das Wachstum bestimmen.

Um Fälle von unechtem Wachstum auszuschließen, wurden manuelle Prüfungen durchgeführt. Hierfür wurde eine geschichtete Zufallsstichprobe aus der Masse der schnellwachsenden Unternehmen gezogen. Des Weiteren wurden alle Unternehmen mit außergewöhnlich hohem Wachstum geprüft. Es wurden auch alle Unternehmen geprüft, die laut Firmenbuch übernehmender Teil einer Übernahme, Verschmelzung, Übertragung o.ä. waren. Es zeigte sich, dass rund 9 Prozent aller Wachstumsunternehmen ein unechtes Wachstum aufweisen, d.h. ihr Beschäftigtenwachstum wurde primär durch Firmenzusammenschlüsse, Fusionen o.ä. verursacht. Dieses Ergebnis wurde auf alle schnellwachsenden Unternehmen anteilsmäßig übertragen, d.h. unechte Wachstumsunternehmen wurden ausgeschieden.

Hinweis

Seit 2015 gelangt eine überarbeitete, verbesserte Methode zur Anwendung. Die Daten wurden ab 2015 (für das Berichtsjahr 2014) und rückwirkend bis einschließlich 2008 mit der neuen Methode gerechnet.

Die Zahlen sind für die letzten beiden Berichtsjahre (hier: 2017 und 2018) vorläufig.

In den Gesamtzahlen der Tabellen ist bis inkl. 2012 die Gruppe 64.2 der ÖNACE 2008 nicht enthalten.