Auslagerung wirtschaftlicher Aktivitäten (Outsourcing-Piloterhebung)

Statistik Austria führte im Jahr 2018 erstmalig eine Piloterhebung zum Thema „Auslagerung wirtschaftlicher Aktivitäten“ (Outsourcing) durch. Die Datenerhebung erfolgte dabei auf freiwilliger Basis und bezog sich in erster Linie auf die Berichtsperiode 2015 bis 2017.

Die Auslagerung wirtschaftlicher Aktivitäten, sogenanntes „Outsourcing“, ist ein weit verbreitetes wirtschaftliches Phänomen. Dieses verändert zunehmend die Art, wie Unternehmen ihre Produktionsprozesse organisieren und bildet einen wichtigen Bestandteil der aktuellen Diskussion zum Thema der wirtschaftlichen Globalisierung. Auslagerungen können sowohl innerhalb des jeweiligen Landes, als auch über Ländergrenzen hinweg organisiert werden („International Sourcing“). Letzteres ist neben Außenhandel oder Auslandsrepräsentanz ein wesentlicher Aspekt, wie Unternehmen an der fortschreitenden Internationalisierung des Wirtschaftslebens teilnehmen bzw. diese weiter vorantreiben. Bisher fehlten allerdings gesicherte und flächendeckende Informationen über Art, Umfang, Richtung und organisatorische Ausprägung dieser Aktivitäten in Österreich.

Ziel dieser von der Europäischen Kommission kofinanzierten Piloterhebung war es daher, Informationen u.a. darüber zu gewinnen, in welchem Ausmaß Unternehmen die Auslagerung von Unternehmensfunktionen durchführten, welche Unternehmensfunktionen davon betroffen waren, in welche Länder vorrangig verlagert wurde oder welche Beschäftigungseffekte damit einhergingen.

Ergebnisse

21,7% der befragten Unternehmen gaben in der Piloterhebung an, zwischen 2015 und 2017 Unternehmensfunktionen ausgelagert zu haben. Dabei war der Anteil der Unternehmen mit Auslagerungen im Inland annähernd doppelt so hoch (17,1% der Unternehmen) wie jener mit Auslandsauslagerungen (8,4% aller Unternehmen). Auslagerungen ins Ausland fanden vermehrt in der Herstellung von Waren statt (ÖNACE-Abschnitt C), während inländische Auslagerungen im Handel und den Dienstleistungsbranchen (ÖNACE-Abschnitte G-N, exkl. K) am häufigsten zu beobachten waren.

Die Auswertung nach Unternehmensgröße zeigt, unabhängig von Richtung (Inland vs. Ausland) und Berichtszeitraum, dass die größten Unternehmen (500 und mehr Beschäftigte) jeweils die größte Intensität an Auslagerungen hatten, gefolgt von Unternehmen mit 100 bis 249 Beschäftigten.

Auslagerungen insgesamt und nach geographischer Orientierung (Anteil der Unternehmen)
 2015-20172017 und davor
Keine Auslagerung78,3%73,2%
Mit Auslagerungen insgesamt21,7%26,8%
Mit Auslagerungen im Inland17,1%21,6%
Mit Auslagerungen ins Ausland8,4%11,4%

Grafik 1

Das erstmals in einer Erhebung von Statistik Austria verwendete Konzept der Unternehmensfunktionen unterscheidet die Tätigkeit von Unternehmen in Kernfunktionen und unterstützende Funktionen (Supportfunktionen). Dabei bezeichnen erstere jene Aktivitäten, mit denen das Unternehmen in erster Linie am Markt auftritt bzw. seine Umsätze generiert (z.B. Produktion und Verkauf von Maschinen, Angebot von Unternehmensdienstleistungen, etc.). Unterstützende Funktionen sind hingegen solche, die zur Erbringung der Kernfunktion erforderlich sind, jedoch nicht direkt am Markt (gegenüber Dritten) angeboten werden, also interne Funktionen wie Management und Verwaltung, Logistik, F&E etc.

Sowohl im Inland (mit einem Anteil von 75% an allen Auslagerungen) als auch ins Ausland (Anteil 65%) wurden 2015-2017 mehrheitlich Supportfunktionen ausgelagert, die vor allem Management und Verwaltung sowie Dienstleistungen der IKT betrafen. Unternehmerische Kernfunktionen wurden rund eineinhalb mal so oft im Inland als ins Ausland ausgelagert. Das für österreichische Unternehmen wichtigste Auslagerungsland ist dabei mit Abstand Deutschland, gefolgt von Polen und Tschechien; als Region sind die NMS-13 (neue EU-Mitgliedsländer) am bedeutendsten.

Bei der Frage nach den Auslagerungsmotiven gaben die Unternehmen in erster Linie strategische Entscheidungen der Konzernleitung, die beabsichtigte Reduktion der Lohn- und Nebenkosten, die Konzentration auf die Kernfunktion und die Reduktion sonstiger Kosten als Beweggründe für eine Auslandsauslagerung an. Als hemmende Faktoren für Auslandsauslagerungen wurden v.a. rechtliche und administrative Barrieren sowie steuerliche Gründe genannt. (Anmerkung: Diese beiden Fragen wurden für Inlandsauslagerungen nicht gestellt.)

Ins Ausland auslagernde Unternehmen gaben im Durchschnitt einen damit verbundenen gesamten Beschäftigungseffekt von 7,3 Beschäftigten je Unternehmen an, wobei sich diese insgesamt zu je 50% auf Kern- und Supportfunktionen verteilten.

Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass es sich um eine freiwillige Erhebung handelte, die aufgrund der Rücklaufquote größere statistische Unsicherheiten enthält und nicht in allen Teilen auf die Grundgesamtheit hochgerechnet werden konnte. Es ist auch anzumerken, dass sich die neu eingeführten Konzepte und Fragestellungen nach wie vor in einem Erprobungs- und Überarbeitungsprozess befinden.

Die Pilotstudie wurde neben Österreich von 16 weiteren EU-Mitgliedstaaten durchgeführt. Sobald Ergebnisse einer ausreichenden Anzahl an Ländern vorliegen, werden auf dieser Seite entsprechende Hinweise zur Verfügung gestellt.

Erhebungskonzept

Die Grundgesamtheit der Piloterhebung bildeten Unternehmen (rechtliche Einheiten) mit 50 und mehr Beschäftigten der ÖNACE-2008-Abschnitte B-N ohne Abschnitt K. In diesem Erfassungsbereich, der abgesehen von der Ausklammerung des NACE-Abschnittes K (Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen) im Wesentlichen mit der Leistungs- und Strukturstatistik identisch war, bildeten damit im relevanten Zeitraum rund 6.000 Einheiten die Erhebungspopulation.

Die Piloterhebung wurde auf freiwilliger Basis durchgeführt, weshalb die Meldeaufforderungen zur Erreichung eines ausreichend hohen Rücklaufs an alle Einheiten der Grundgesamtheit übermittelt wurden (Vollerhebung). Die Datenübermittlung an Statistik Austria erfolgte ausschließlich mittels elektronischem Fragebogen.

Ablauf der Erhebung

Die Meldeaufforderungen wurden im März 2018 mittels E-Mail an die Auskunftserteilenden versendet. Rund sechs Wochen nach Aussendung folgte zwecks Erhöhung des Rücklaufs ein Erinnerungsschreiben per E-Mail. Um auch in bis dahin unterrepräsentierten ÖNACE-Bereichen einen ausreichenden Rücklauf zu gewährleisten, wurden Unternehmen zusätzlich telefonisch kontaktiert. Die Erhebung konnte nach fünf Monaten, Ende Juli 2018, mit einem Gesamtrücklauf von rund 24% abgeschlossen werden. Für die Auswertung bzw. für eine Hochrechnung wurden die Daten nach ÖNACE-Klassifikation und Beschäftigtengrößenklassen gewichtet und die hochgerechneten Ergebnisse unter anderem nach Branchenaggregaten zusammengefasst.

Fragebogen

Der Fragebogen beinhaltete Fragen zu Unternehmenssitz, wirtschaftliche Aktivität, Beschäftigte usw., wobei Fragen zu inländischen als auch internationalen Auslagerungsaktivitäten den Kern der Fragestellung bildeten. Zusätzlich zur Referenzperiode 2015-2017 standen, um zeitliche Vergleichswerte zur Referenzperiode zu erhalten, auch Fragen zu Auslagerungsaktivitäten in der Vergangenheit bzw. vor 2015 im Blickpunkt der Erhebung. Darüber hinaus waren auch die mit der Auslagerung einhergehenden Beschäftigungseffekte (Beschäftigungsrückgang bzw. -zunahme), das Auslagerungsland sowie die ausgelagerten Unternehmensfunktionen von Interesse. Weitere qualitative Fragen beschäftigten sich mit Beweg- und Hinderungsgründen für Auslagerungsaktivitäten.

Weitere Informationen zur Erhebung

Detailliertere Ergebnisse finden Sie in der Download-Tabelle unten bzw. im Artikel „Auslagerung wirtschaftlicher Aktivitäten von Unternehmen und Unternehmensgruppen - Piloterhebung über den Berichtszeitraum 2015 bis 2017“ im März 2019-Heft der Publikationsreihe Statistische Nachrichten.

Auf europäischer Ebene ist dies bereits die dritte Piloterhebung zum Thema Auslagerung wirtschaftlicher Aktivitäten. Informationen dazu sowie Ergebnisse der ersten beiden Piloterhebungen, die ohne Teilnahme Österreichs stattfanden, finden Sie auf der Eurostat-Website.

Auslagerung von Unternehmensfunktionen durch österreichische Unternehmen, 2015-2017

Auslagerungen nach Orientierung, 2015-2017
Auslagerungen nach Branchen, 2015-2017
Auslagerungen nach Funktionen, 2015-2017
Auslagerungen von Supportfunktionen, 2015-2017
Motivatoren Auslandsauslagerungen, 2015-2017
Hemmnisse Auslandsauslagerungen, 2015-2017


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