Statistik der Auslandsunternehmenseinheiten (FATS)

Ergebnisse für 2017 im Überblick

Zum Jahresende 2017 waren in Österreich knapp 11.500 Unternehmen tätig, deren Eigentümer bzw. Mutterkonzern den Sitz im Ausland hatte. Sie beschäftigten im Jahresdurchschnitt mehr als 620.000 Personen (Beschäftigungsverhältnisse) und erwirtschafteten einen Umsatz von 263 Mrd. Euro. Gleichzeitig befanden sich im Ausland 6.000 Unternehmen unter österreichischer (wirtschaftlicher) Kontrolle. Diese Auslandstöchter boten mehr als 1,1 Millionen Jobs an und erreichten einen Gesamtumsatz von knapp 410 Mrd. Euro.

Während die rund 11.500 auslandskontrollierten Unternehmen in Österreich 2017

  • nur 3,4 Prozent der österreichischen Unternehmen im marktwirtschaftlich bestimmten Bereich darstellten (definiert auf Basis des Erfassungsbereichs der österreichischen Leistungs- und Strukturstatistik, also ÖNACE-Abschnitte B – N sowie Abteilung S95),
  • beschäftigten sie rund ein Fünftel (21,0%) der dortigen Beschäftigten und
  • erwirtschafteten mehr als ein Drittel (34,6%) der erfassten Umsatzerlöse,
  • sowie mehr als ein Viertel (27,4%) der gesamten Bruttowertschöpfung des Bereiches.

Die bestimmenden Unternehmenszentralen für österreichische Unternehmen unter ausländischer Kontrolle hatten ihren Sitz hauptsächlich in Deutschland (in 39% der Fälle), der Schweiz (11%) und in Italien (6%). Danach folgten 2017 das Vereinigte Königreich, die Niederlande und die USA mit jeweils rund 4½% Anteil.

Neben ihren inländischen Tätigkeiten (siehe dazu die jährliche Leistungs- und Strukturstatistik der Statistik Austria) erwirtschafteten in Österreich ansässige Unternehmen durch ihre ausländischen Töchter im Jahr 2017 Umsätze im Wert von 409 Mrd. Euro.

Nach wie vor nahm dabei Deutschland mit mehr als 12% der Auslandsbeschäftigten (in insgesamt 14% der gemeldeten Auslandstochterunternehmen) die Spitzenposition als Zielland österreichischer Unternehmensansiedlungen bzw. –beteiligungen ein. Danach folgen jedoch bereits die jüngeren EU-Mitgliedsländer mit der Tschechischen Republik an der Spitze (9,2% der Auslandsbeschäftigten, was über 100.000 Jobs entspricht); weiters Rumänien (6,9% Anteil), Ungarn (6,7%), Polen (4,9%) und die Slowakei (4,3% aller Auslandsbeschäftigten oder nur noch knapp 50.000 Jobs).

Etwas bedeutender als die beiden Letztgenannten waren 2017 jedoch die USA (5,3% Anteil bzw. rund 60.000 Auslandsbeschäftigte) und das Vereinigte Königreich (4,7% der Auslandsbeschäftigten). Bei den Nicht-EU-Ländern folgte nach Russland mit 3,9% Anteil bereits China mit knapp 37.000 Auslandsbeschäftigten (3,2% Anteil), und danach die Ukraine mit 2,7%.

Ergebnisse 2016 – 2017 im Vergleich

Nach eher moderaten nominellen Anstiegen im Berichtsjahr 2016 nahmen die Werte zu den auslandskontrollierten Unternehmen 2017 wieder stärker zu. Sowohl die Anzahl der Auslandstöchter (+2% ggü. dem Vorjahr), aber noch viel stärker jene der auslandskontrollierten Unternehmen im Inland  (+5,9%) wiesen einen deutlich positiven Trend auf. Während sich die weiteren zentralen Indikatoren bei den auslandskontrollierten Unternehmen im Inland ähnlich wie deren Gesamtanzahl verhielten (Beschäftigte + 4,7%, Umsatzerlöse +6,8%), wiesen sie bei den Auslandstöchtern einen deutlich über den Anstieg bei der Anzahl der Einheiten liegenden Trend auf: Beschäftigte +6,1%, Umsatzerlöse +7,2% (s. Tabelle).

Der Anstieg bei den Beschäftigten der Auslandstöchter stammte dabei fast zur Hälfte aus dem Einzelhandel (+26.000 Beschäftigte), jener bei den Umsatzerlösen zu etwa gleichen Teilen aus dem Einzel- und dem Großhandel (jeweils rund 1/5 des gesamten Nettozuwachses), sowie aus dem Kfz-Handel und aus den Sonstigen Finanz- und Versicherungsleistungen (jeweils rund 1/6 des Gesamtzuwachses). Negative Beiträge (Rückgänge der Absolutzahlen), allerdings in weit geringerem Ausmaß, waren in erster Linie bei den Beschäftigten der Kokerei und Mineralölverarbeitung und bei der Herstellung von Papier etc., sowie bei den Umsatzerlösen der Herstellung von chemischen Erzeugnissen und der Gewinnung von Erdöl und Erdgas zu verzeichnen.

Bei den auslandskontrollierten Unternehmen im Inland tragen neben dem generell positiven wirtschaftlichen Trend im Jahr 2017 (Anstieg bei den Beschäftigten aller inländischen Unternehmen um +2,4%, Umsatzerlöse +5,7%) in geringem Masse auch Qualitätsverbesserungen, v.a. in Hinsicht auf die Vollständigkeit der Statistik, zu den starken Anstiegen im Berichtsjahr bei.

Größe2014201520162017Veränderung 
2015-2016
Veränderung 
2016-2017
Auslandskontrollierte Unternehmen in Österreich
Anzahl der Auslandsunternehmenseinheiten10.37710.73110.83311.472+1,0%+5,9%
Beschäftigte im Jahresdurchschnitt566.414576.212595.073622.998+3,3%+4,7%
Umsatzerlöse in Mio. EUR244.951237.292246.181263.010+3,7%+6,8%
Auslandstöchter inländischer Unternehmen
Anzahl der Auslandsunternehmenseinheiten5.9795.8635.8795.997+0,3%+2,0%
Beschäftigte im Jahresdurchschnitt1,064.9101,075.2011,078.2821,144.408+0,3%+6,1%
Umsatzerlöse in Mio. EUR417.297354.798381.511408.796+7,5%+7,2%

Gemessen an der Anzahl der kontrollierten Unternehmen nahm 2017in Österreich, wie im Jahr davor, v.a. der Einfluss deutscher und Schweizer Konzerne weiter zu. Weiters konnten das Vereinigte Königreich, die Niederlande und die Vereinigten Staaten die Anzahl ihrer kontrollierenden Beteiligungen merkbar ausweiten. Nach Beschäftigung gab es die größten Zunahmen unter deutscher, französischer und spanischer Kontrolle (jeweils mehr als 2.000 Beschäftigungsverhältnisse). Insgesamt wurden in der Statistik österreichische Töchter von Unternehmen aus 93 verschiedenen Ländern der Welt erfasst.

Bei den Auslandstöchtern wurde der geringfügige Rückgang von Beteiligungen im UK, der Slowakei, Kroatien und Bulgarien durch neue Auslandstöchter u.a. in Deutschland, der Tschechischen Republik, den USA und Serbien mehr als kompensiert (netto +118 Auslandstöchter).

Die kräftigsten Beschäftigtenzuwächse gab es in Deutschland, den USA, der Tschechischen Republik, Brasilien (v.a. Auslandstöchter brasilianischer Konzerne, die über deren Regionalzentralen in Österreich gesteuert werden) und in Serbien. Insgesamt wurden Auslandstöchter in 115 verschiedenen Ländern erfasst.

Weitere Details

Für weitere Details siehe auf den beiden thematischen Unterseiten zu Inward-FATS (hier finden sie auch Informationen zu den F&E-Aktivitäten der auslandskontrollierten Unternehmen) und Outward-FATS.

Für internationale Daten sowie Informationen Eurostats zur Auslandsunternehmenseinheitenstatistik siehe „Links“ (unten).

Informationen zur Statistik

Eine wesentliche, in der wirtschaftlichen Analyse immer wichtiger werdende Eigenschaft einer nationalen (Volks-)Wirtschaft ist die Verflechtung ihrer Wirtschaftseinheiten mit der übrigen Welt. Diese äußert sich neben dem internationalen Austausch von Waren und Dienstleistungen vor allem in grenzüberschreitenden Unternehmensbeteiligungen. Dies betrifft sowohl die Beteiligungen der Unternehmen eines Landes an Unternehmenseinheiten im Ausland (= „aktive“ Beteiligungen), als auch die Beteiligungen ausländischer Unternehmen (Investoren) im Inland (= „passive“ Beteiligungen). Um dieses Phänomen, das eng mit dem Schlagworten der (wirtschaftlichen) Globalisierung, der Verlagerung von Produktionsressourcen, etc. in Zusammenhang steht, genauer zu beschreiben, werden seit geraumer Zeit Daten über Auslandsbeteiligungen gesammelt und publiziert, insbesondere im Rahmen der Direktinvestitionsstatistiken.

Um die Statistiken verstärkt auf den realwirtschaftlichen Aspekt dieses Phänomens auszurichten und zugleich auf eine international vergleichbare Basis zu stellen, wurde auf EU-Ebene im Jahr 2007 eine Verordnung über Statistiken zu Auslandsunternehmenseinheiten verabschiedet (Verordnung (EG) Nr. 716/2007 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Juni 2007 zu gemeinschaftlichen Statistiken über die Struktur und Tätigkeit von Auslandsunternehmenseinheiten, ABl. 2007 L 171/17). Deren Umsetzung wird in Österreich zusätzlich durch eine nationale Auslandsunternehmenseinheitenstatistik-Verordnung konkretisiert (Verordnung des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit über die Statistik der Struktur und Tätigkeit von Auslandsunternehmenseinheiten (Auslandsunternehmenseinheitenstatistik-Verordnung), BGBl. II Nr. 345/2008 idgF). Im internationalen Gebrauch hat sich für diesen Statistikbereich die Bezeichnung „FATS“ etabliert, wobei FATS für „Foreign AffiliaTes Statistics“ steht.

Beginnend mit dem Berichtsjahr 2007, dem ersten laut EU-Verordnung verpflichtenden Berichtsjahr der Auslandsunternehmenseinheitenstatistik, wird die FATS-Statistik von Statistik Austria – in enger Zusammenarbeit mit der Oesterreichischen Nationalbank – erstellt. Dies gilt sowohl für die „Inward“-, als auch für „Outward“-Richtung:

  • Inward-FATS: in Österreich ansässige Unternehmen, die von ausländischen Einheiten kontrolliert werden („auslandskontrollierte Einheiten“);
  • Outward-FATS: im Ausland ansässige Unternehmen, die von in Österreich ansässigen Einheiten kontrolliert werden („Auslandstöchter“)

Kontrolle bezieht sich dabei – gemäß internationalen Konventionen – auf die Möglichkeit, die allgemeine Unternehmenspolitik eines Unternehmens zu bestimmen, indem gegebenenfalls die Personen der Unternehmensleitung festgelegt werden können. Dies kann durch die Ausübung einer Mehrheit an Stimmrechten, durch die Kontrolle einer Mehrheit von Gesellschaftsanteilen oder durch anderweitig (rechtlich) eingeräumte Möglichkeiten, die Geschäftsführung eines Unternehmens zu bestimmen, geschehen. 
Ausländische Kontrolle liegt vor, wenn die kontrollierende Einheit in einem anderen Land ansässig ist als die Unternehmenseinheit, über die sie die Kontrolle ausübt. 
Es sind dabei sowohl direkte als auch indirekte (das heißt, über weitere, zwischengeschaltete Unternehmenseinheiten ausgeübte) Kontrollbeziehungen zu berücksichtigen. In der FATS-Statistik ist dabei die „letztendliche“ Kontrolle relevant, d.h. als Kontrollland in einer Kette von Kontrollbeziehungen gilt jenes Land, in dem die Unternehmenseinheit (bzw. natürliche Person) ansässig ist, die von keiner weiteren Einheit kontrolliert wird.

In Übereinstimmung mit der europäischen Rechtsgrundlage sieht die nationale Verordnung die Erstellung und Übermittlung der jährlichen Auslandsunternehmenseinheitenstatistik 20 Monate nach Ablauf des Berichtszeitraumes vor. Diese Frist trägt dem Umstand Rechnung, dass die Erstellung der FATS-Statistiken aus Gründen der Respondentenentlastung in erster Linie auf der Nutzung anderer Statistiken aufbaut; dies sind insbesondere die jährliche Leistungs- und Strukturerhebung, die F&E-Erhebung (Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung), sowie die Statistik der Direktinvestitionsbestände. Zusätzlich sind Informationen aus dem nationalen statistischen Unternehmensregister von wesentlicher Bedeutung.

Die Datenübermittlung an Eurostat erfolgt daher jeweils mit Ende August des 2. dem Berichtsjahr folgenden Jahres; dies ist nur wenige Wochen nach Vorliegen der Ergebnisse der Leistungs- und Strukturerhebungen bzw. (im zweijährigen Rhythmus) der F&E-Erhebung.

Nach Erstellung der erforderlichen Tabellen und Texte erfolgt die nationale Publikation üblicherweise Anfang Oktober jeden Jahres (somit z.B. Anfang Oktober 2019 die Daten über das Berichtsjahr 2017).

Auslandsunternehmenseinheiten 2017: Hauptergebnisse nach Wirtschaftsbereichen
Auslandsunternehmenseinheiten 2017: Hauptergebnisse nach ausgewählten Partnerländern
Auslandsunternehmenseinheiten 2016: Hauptergebnisse nach Wirtschaftsbereichen
Auslandsunternehmenseinheiten 2016: Hauptergebnisse nach ausgewählten Partnerländern
Auslandsunternehmenseinheiten 2015: Hauptergebnisse nach Wirtschaftsbereichen
Auslandsunternehmenseinheiten 2015: Hauptergebnisse nach ausgewählten Partnerländern
Auslandsunternehmenseinheiten 2014: Hauptergebnisse nach Wirtschaftsbereichen
Auslandsunternehmenseinheiten 2014: Hauptergebnisse nach ausgewählten Partnerländern
Auslandsunternehmenseinheiten 2013: Hauptergebnisse nach Wirtschaftsbereichen
Auslandsunternehmenseinheiten 2013: Hauptergebnisse nach ausgewählten Partnerländern
Auslandsunternehmenseinheiten 2012: Hauptergebnisse nach Wirtschaftsbereichen
Auslandsunternehmenseinheiten 2012: Hauptergebnisse nach ausgewählten Partnerländern
Auslandsunternehmenseinheiten 2011: Hauptergebnisse nach Wirtschaftsbereichen
Auslandsunternehmenseinheiten 2011: Hauptergebnisse nach ausgewählten Partnerländern
Auslandsunternehmenseinheiten 2010: Hauptergebnisse nach Wirtschaftsbereichen
Auslandsunternehmenseinheiten 2010: Hauptergebnisse nach ausgewählten Partnerländern
Auslandsunternehmenseinheiten 2009: Hauptergebnisse nach Wirtschaftsbereichen
Auslandsunternehmenseinheiten 2009: Hauptergebnisse nach ausgewählten Partnerländern
Auslandsunternehmenseinheiten 2008: Hauptergebnisse nach Wirtschaftsbereichen (ÖNACE 2008)
Auslandsunternehmenseinheiten 2008: Hauptergebnisse nach ausgewählten Partnerländern
Auslandsunternehmenseinheiten 2007: Hauptergebnisse nach Partnerländern
Auslandsunternehmenseinheiten 2007: Hauptergebnisse nach Wirtschaftsbereichen (ÖNACE 2003)

Auslandskontrollierte Unternehmen in Österreich und Auslandstochtergesellschaften inländischer Unternehmen 2017 im Vergleich
Beschäftigte in auslandskontrollierten Unternehmen in Österreich und in Auslandstochtergesellschaften inländischer Unternehmen 2017 im Vergleich
Umsatzerlöse in auslandskontrollierten Unternehmen in Österreich und in Auslandstochtergesellschaften inländischer Unternehmen 2017 im Vergleich
Auslandskontrollierte Unternehmen in Österreich und Auslandstochtergesellschaften inländischer Unternehmen 2017: Wirtschaftsstruktur
Infografik Auslandsunternehmenseinheiten 2016
Auslandskontrollierte Unternehmen in Österreich und Auslandstochtergesellschaften inländischer Unternehmen 2016 im Vergleich
Beschäftigte in auslandskontrollierten Unternehmen in Österreich und in Auslandstochtergesellschaften inländischer Unternehmen 2016 im Vergleich
Umsatzerlöse in auslandskontrollierten Unternehmen in Österreich und in Auslandstochtergesellschaften inländischer Unternehmen 2016 im Vergleich
Auslandskontrollierte Unternehmen in Österreich und Auslandstochtergesellschaften inländischer Unternehmen 2016: Wirtschaftsstruktur


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