Methodik der Statistik zur Demografie von Arbeitgeberunternehmen

Datenquellen

Das statistische Unternehmensregister der Bundesanstalt stellt die zentrale Datenbasis für die Arbeitgeberunternehmensdemografiestatistik dar.

Folgende Verwaltungsdatenquellen wurden ergänzend (zur Vollständigkeitskontrolle sowie für die genaue Abgrenzung der demografischen Zeitpunkte von Unternehmen) genutzt:

  • Steuergrunddaten und Umsatzsteuerdaten aus den Umsatzsteuererklärungen, Umsatzsteuervoranmeldungen an die Finanzbehörden und Einkommensteuerdaten
  • Dienstgeberdaten und Beschäftigtendaten des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger

Als Jahr der Gründung wird jenes Jahr herangezogen, in dem das Unternehmen erstmals mindestens eine(n) unselbständig Beschäftigte(n) hatte und damit zum Arbeitgeberunternehmen wurde, umgekehrt wird das Jahr der Schließung mit jenem Jahr festgelegt, in dem das Arbeitgeberunternehmen letztmals unselbständig Beschäftigte hatte, unabhängig davon, ob das Unternehmen (ohne unselbständig Beschäftigte) weitergeführt wurde oder nicht.

Die beiden Datenbestände wurden mittels record linkage miteinander verknüpft. Danach wurde versucht, „falsche“ Neugründungen und Schließungen über den paarweisen Vergleich von Name, wirtschaftlicher Haupttätigkeit und Adresse auszuschließen. Weiters wurde eine Stichprobe von Neugründungen mit weniger als 20 Beschäftigten gezogen - diese wurden manuell anhand des Unternehmensregisters der Statistik Austria geprüft und davon der Anteil echter Neugründungen auf die Gesamtmasse übertragen.

Erhebungseinheit und Definitionen

Die Erhebungseinheit der Arbeitgeberunternehmensdemografie ist das Arbeitgeberunternehmen. Dieses ist definiert als eine rechtliche (organisatorische) Einheit zur Erzeugung von Waren und Dienstleistungen und verfügt insbesondere in Bezug auf die ihm zufließenden laufenden Mittel über eine gewisse Entscheidungsfreiheit. Das Arbeitgeberunternehmen kann seine Tätigkeit(en) an einem oder mehreren Standorten (Arbeitsstätten) ausüben.

Aktivität

Ein Arbeitgeberunternehmen gilt dann als wirtschaftlich aktiv, wenn es zu einem beliebigen Zeitpunkt zwischen 1.1. und 31.12. eines Berichtsjahres mindestens einen(n) unselbständig Beschäftigte(n) hat, unabhängig davon, ob das Arbeitgeberunternehmen das ganze Jahr oder nur Teile davon bestanden hat.

Neugründung eines Arbeitgeberunternehmens

Es können zwei Arten einer Arbeitgebergründung („Employer enterprise birth“) unterschieden werden.  Einerseits die Neugründung eines Unternehmens, das zum Zeitpunkt der Gründung mindestens einen unselbständig Beschäftigten hatte; andererseits „Entry by growth“, d.h. Zugang eines Unternehmens, das schon ohne unselbständig Beschäftigte aktiv war und im Referenzjahr die Schwelle von einem unselbständig Beschäftigten erreicht hat. Voraussetzung ist, dass das Unternehmen in zwei dem Referenzjahr vorausgehenden Jahren keine unselbständig Beschäftigten hatte (um Reaktivierungen auszuschließen). Das Wachstum darf nicht auf die Übernahme eines Unternehmens mit Beschäftigten zurückgehen.

Schließung eines Arbeitgeberunternehmens

Bei den Arbeitgeberschließungen („Employer enterprise deaths“) können zwei Formen unterschieden werden. Zum einen die Schließung eines Unternehmens, das zum Zeitpunkt der Schließung zumindest einen unselbständig Beschäftigten hatte, zum anderen „Exit by decline“, d.h. aktive Arbeitgeberunternehmen, deren Beschäftigtenzahl im Referenzjahr unter die Schwelle von einem unselbständig Beschäftigten fällt (=Abgang eines Arbeitgeberunternehmens), und dies während der folgenden zwei Jahre.

Überleben

Ein Arbeitgeberunternehmen hat dann überlebt, wenn es im Jahr der Gründung und in den darauffolgenden Jahren wirtschaftlich aktiv im Sinne von Beschäftigung ist (also weiterhin mindestens einen unselbständig Beschäftigten hat).

Unselbständig Beschäftigte

Unselbständig Beschäftigte sind Angestellte, Arbeiter(innen) und Lehrlinge, welche in einem aufrechten Arbeitsverhältnis zum Unternehmen stehen und von diesem Lohn oder Gehalt beziehen. Das Beschäftigungsausmaß spielt dabei keine Rolle; es zählen daher auch Teilzeitbeschäftigte, geringfügig Beschäftigte, Saison- und Aushilfskräfte und Ferialpraktikanten und –praktikantinnen zu dieser Gruppe. Außerdem zählen auch im Urlaub oder Krankenstand befindliche Personen, im Mutterschutz befindliche Frauen sowie Personal auf Bau- und Montagestellen und vorübergehend im Ausland Tätige dazu, solange die Bezugsauszahlung vom Unternehmen erfolgt.

Beschäftigte

Die Zahl der Beschäftigten entspricht der Anzahl aller für die Beobachtungseinheit arbeitenden Personen (Selbständige und unselbständig Beschäftigte).

Darstellungsmerkmale

Die Statistik zur Demografie von Arbeitgeberunternehmen wird nach Wirtschaftszweigen und Rechtsform, nach Wirtschaftszweigen und Beschäftigtengrößenklasse, nach Wirtschaftszweigen und Bundesland sowie bei den Einzelunternehmen nach Wirtschaftszweigen und Geschlecht ausgewertet und dargestellt.

Wirtschaftszweige (gemäß ÖNACE 2008):

  • B Bergbau
  • C Herstellung von Waren
  • D Energieversorgung
  • E Wasserversorgung und Abfallentsorgung
  • F Bau
  • G Handel
  • H Verkehr
  • I Beherbergung und Gastronomie
  • J Information und Kommunikation
  • K Finanz- und Versicherungsleistungen
  • L Grundstücks- und Wohnungswesen
  • M Freiberufliche/technische Dienstleistungen
  • N Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen
  • P Erziehung und Unterricht
  • Q Gesundheits- und Sozialwesen
  • R Kunst, Unterhaltung und Erholung
  • S Sonst. Dienstleistungen

Rechtsformen:

  • Einzelunternehmen
  • Kapitalgesellschaften (AG, GmbH)
  • Personengesellschaften und andere Rechtsformen (OEG, KEG etc.)

Beschäftigtengrößenklassen:

  • 1-4 unselbständig Beschäftigte
  • 5-9 unselbständig Beschäftigte
  • 10 oder mehr unselbständig Beschäftigte

Bundesländer und NUTS3-Einheiten:

  • AT11 Burgenland
  • AT111 Mittelburgenland
  • AT112 Nordburgenland
  • AT113 Südburgenland
  • AT21 Kärnten
  • AT211 Klagenfurt-Villach
  • AT212 Oberkärnten
  • AT213 Unterkärnten
  • AT12 Niederösterreich
  • AT121 Mostviertel-Eisenwurzen
  • AT122 Niederösterreich-Süd
  • AT123 Sankt Pölten
  • AT124 Waldviertel
  • AT125 Weinviertel
  • AT126 Wiener Umland/Nordteil
  • AT127 Wiener Umland/Südteil
  • AT31 Oberösterreich
  • AT311 Innviertel
  • AT312 Linz-Wels
  • AT313 Mühlviertel
  • AT314 Steyr-Kirchdorf
  • AT315 Traunviertel
  • AT32 Salzburg
  • AT321 Lungau
  • AT322 Pinzgau-Pongau
  • AT323 Salzburg und Umgebung
  • AT22 Steiermark
  • AT221 Graz
  • AT222 Liezen
  • AT223 östliche Obersteiermark
  • AT224 Oststeiermark
  • AT225 West- und Südsteiermark
  • AT226 Westliche Obersteiermark
  • AT33 Tirol
  • AT331 Außerfern
  • AT332 Innsbruck
  • AT333 Osttirol
  • AT334 Tiroler Oberland
  • AT335 Tiroler Unterland
  • AT34 Vorarlberg
  • AT341 Bludenz-Bregenzer Wald
  • AT342 Rheintal-Bodenseegebiet
  • AT13 Wien

Geschlecht des Unternehmers:

  • Männlich
  • Weiblich

Die Konzepte und Begriffe der Unternehmensdemografie können im von Eurostat und der OECD gemeinsam entwickelten Manual on Business Demography Statistics nachgelesen werden.

Eine ausführlichere Methodenbeschreibung kann in einem Artikel der Statistischen Nachrichten (PDF, 540KB) nachgelesen werden.