Konjunkturstatistik im Produzierenden Bereich

Ziel und Zweck

Die Harmonisierungsbestrebungen der Europäischen Gemeinschaft sowie der fortschreitende wirtschaftliche und politische Integrationsprozess stellen im Rahmen der kurzfristigen Wirtschaftsbeobachtung immer neue Anforderungen sowohl an die Marktproduzenten als potentielle Lieferanten von Informationen als auch an das gesamte System der Wirtschaftsstatistik. Nicht nur die kurzfristigen Analysen von Politikern, Wissenschaftern, Interessenvertretern und Journalisten müssen sich aufgrund der Intensivierung der Warenströme auf Wirtschaftsstatistiken stützen können, die es ermöglichen, branchenbezogene Aussagen auf gesamteuropäischer Ebene abzuleiten. Auch die Marktproduzenten selbst haben in vermehrtem Ausmaß Entscheidung nicht nur hinsichtlich der Kapazitätsanpassung, sondern vor allem auch in Bezug auf die grenzüberschreitende Standortwahl im Hinblick auf die Erschließung neuer Märkte zu treffen.

Die periodischen Daten bzw. die Zeitreihen der Konjunkturstatistik im Produzierenden Bereich finden in praxi im Besonderen

  • als Basisdaten im Rahmen der Berechnung spezifischer Konjunkturindikatoren im Sinne der Erfüllung der EU-Verpflichtung gegenüber der Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB),
  • als Ergebnisdaten im Sinne der Erfüllung der Lieferverpflichtung im Rahmen der europäischen PRODCOM-Verordnung,
  • als Basisdaten für die Erstellung der Input-/Output-Tabellen im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung,
  • als Basisdaten für diverse Prognosemodellrechnungen von Wirtschaftsforschungsinstituten,
  • als Teil der Basisdaten im Rahmen der Berechnung von Energiebilanzen,
  • als Basisdaten zur Durchführung von Materialflussrechnungen und Abfallstatistiken,
  • als Basisdaten zur Berechnung der EU-relevanten Arbeitskostenindizes,
  • als international vergleichbare branchenspezifische Ergebnisse für Unternehmensplanung und Marketing,
  • als Analysedaten im Sinne von speziellen Kundenwünschen (Sonderauswertungen für Unternehmen, Konzerne, Branchenanalytiker u.ä. Bedarfsträger) sowie
  • als Evaluierungs- und Kontrollgrößen für bestimmte beschäftigungs- und sozialstatistische Indikatoren

ihren Eingang.

Erhebungsbereich

Die Konjunkturstatistik im Produzierenden Bereich erstreckt sich auf alle Unternehmen, Betriebe (fachliche Einheiten), Arbeitsgemeinschaften (ARGEN) und Betriebe gewerblicher Art von Körperschaften des öffentlichen Rechts im Sinne des § 2 KStG 1988, die bis zum Berichtsmonat Dezember 2007 den Abschnitten der ÖNACE 2003

  • Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden (Abschnitt C der ÖNACE 2003),
  • Sachgütererzeugung (Abschnitt D der ÖNACE 2003),
  • Energie- und Wasserversorgung (Abschnitt E der ÖNACE 2003) und
  • Bauwesen (Abschnitt F der ÖNACE 2003)

bzw. ab dem Berichtsmonat Jänner 2008 den Abschnitten der ÖNACE 2008

  • Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden (Abschnitt B der ÖNACE 2008),
  • Herstellung von Waren (Abschnitt C der ÖNACE 2008),
  • Energieversorgung (Abschnitt D der ÖNACE 2008),
  • Wasserversorgung; Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen (Abschnitt E der ÖNACE 2008) und
  • Bau (Abschnitt F der ÖNACE 2008)

zuzuordnen waren (sind) und diese Tätigkeiten oder eine mit diesen Tätigkeiten verbundene Dienstleistung selbständig, regelmäßig und in der Absicht zur Erzielung eines Ertrages oder sonstigen wirtschaftlichen Vorteils ausüb(t)en.

Erhebungskonzepte

Die Konjunkturstatistik ist eine EU-weit durchgeführte Erhebung, welche in Form einer Vollerhebung mit gesetzlich definierten Abschneidegrenzen unter Berücksichtigung eines Deckungsgrads (auch Konzentrationsstichprobe genannt) primärstatistisch durchgeführt wird.

Einschließlich Berichtsjahr 2007:

Basierend auf der national geltenden Konjunkturstatistik-Verordnung, BGBl. II Nr. 210/2003 vom 16. September 2003, geändert durch BGBl. II Nr. 70/2005 vom 16. März 2005) besteht die Konjunkturstatistik im Produzierenden Bereich aus

  • einer Vollerhebung
    • aller Unternehmen (Ein- und Mehrbetriebsunternehmen) und Betriebe (fachlichen Einheiten auf örtlicher Ebene) sowie Betriebe gewerblicher Art von Körperschaften öffentlichen Rechts mit mehr als 19 Beschäftigten sowie
    • aller Arbeitsgemeinschaften und aller Betriebe von Mehrbetriebsunternehmen, unabhängig von der Beschäftigtenzahl sowie
    • aller während der Berichtsperiode neu gegründeten bzw. durch Umstrukturierung entstandenen statistischen Einheiten, unabhängig von ihrer Beschäftigtengröße.
  • Darüber hinaus muss die Stichprobe mindestens 90% des Gesamtumsatzes in einer bestimmten ÖNACE-Abteilung auf nationaler Ebene (2-Steller) enthalten (Repräsentanz bzw. Deckungsgrad). Wird dieses Repräsentanzkriterium mit Hilfe der voll erhobenen Schicht nicht erreicht, so ist die Auskunftspflicht auf Unternehmen mit 10 bis 19 Beschäftigte auszudehnen, beginnend mit den statistischen Einheiten mit 19 Beschäftigten und in der Folge jeweils um einen weniger, bis der Repräsentanzgran (90% des Gesamtumsatzes des Wirtschaftszweiges) erreicht ist.

Ab Berichtsjahr 2008:

Basierend auf der national geltenden Konjunkturstatistik-Verordnung, BGBl. II Nr. 210/2003 vom 16. September 2003, geändert durch BGBl. II Nr. 315/2007 vom 14. November 2007) besteht die Konjunkturstatistik im Produzierenden Bereich aus

  • einer Vollerhebung
    • aller Unternehmen (Ein- und Mehrbetriebsunternehmen) und Betriebe (fachlichen Einheiten auf örtlicher Ebene) sowie Betriebe gewerblicher Art von Körperschaften öffentlichen Rechts mit mehr als 19 Beschäftigten sowie
    • aller Arbeitsgemeinschaften und aller Betriebe von Mehrbetriebsunternehmen, unabhängig von der Beschäftigtenzahl sowie
    • aller während der Berichtsperiode neu gegründeten bzw. durch Umstrukturierung entstandenen statistischen Einheiten, unabhängig von ihrer Beschäftigtengröße.
  • Beträgt der gesamte Umsatz aller durch die Auskunftspflicht erfassten statistischen Einheiten in einem der Wirtschaftszweige gemäß Abteilungen 05 bis 43 nicht mindestens 90% des Gesamtumsatzes aller in diesem Zweig tätigen statistischen Einheiten, so besteht Auskunftspflicht auch über statistische Einheiten mit weniger als 20 Beschäftigten, die am 30. September des der Berichtsperiode vorangegangenen Kalenderjahres im Zeitraum der diesem Stichtag vorangegangenen zwölf Kalendermonate in Summe einen Umsatz (exklusive Umsatzsteuer) von mindesten einer Million Euro hatten.

Ab Berichtsjahr 2014:

Entsprechend der novellierten Konjunkturstatistik-Verordnung (BGBl. II Nr. 210/2003 vom 11. April 2003, zuletzt geändert durch BGBl. II Nr. 327/2013 vom 29. Oktober 2013) kommen im Rahmen der Konjunkturerhebung im Produzierenden Bereich ab dem Berichtsmonat Jänner 2014 folgende normierte Schwellenwerte zur Anwendung:

  • Grundsätzliche Auskunftspflicht aller Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten gemäß den EU-Rechtsnormen (wie bisher!),
  • unterhalb dieser Beschäftigtenschwelle nur dann, wenn durch die bereits im Sinne der grundsätzlichen Auskunftspflicht einbezogenen Unternehmen gemäß den Abteilungen 05 bis 42 der ÖNACE 2008 weniger als 90% sowie gemäß der Abteilung 43 der ÖNACE 2008 weniger als 60% des Gesamtumsatzes (Neu!) repräsentiert werden. In diesen Fällen sind auch alle Unternehmen auskunftspflichtig, welche am 30. September des der Berichtsperiode vorangegangenen Kalenderjahres im Zeitraum der diesem Stichtag vorangegangenen 12 Kalendermonate in Summe einen Umsatz (exkl. USt.) von mindestens
    • einer Million Euro in den Wirtschaftszweigen gemäß den Abteilungen 05 bis 42 der ÖNACE 2008 oder
    • zwei Millionen Euro im Wirtschaftszweig gemäß der Abteilung 43 der ÖNACE 2008 (Neu!)

hatten. Die Bundesanstalt Statistik Österreich hat in weiterer Folge die Umsatzschwellen unter Berücksichtigung der europäischen und nationalen Qualitätskriterien in bis zu fünf Schritten von je 100 000 Euro anzuheben und wieder bis zu diesen Werten abzusenken (NEU!), wenn das Ende September des laufenden Jahres für das Folgejahr vom österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung prognostizierte Wirtschaftswachstum oder die prognostizierte Wirtschaftsrezession in Form der realen Veränderung des Bruttoinlandsproduktes um jeweils 0,5% ansteigt oder fällt.

Durch diese Erhebungskonzepte wurde dem Anliegen der Wirtschaft in höchstmöglichem Ausmaß Rechnung getragen, insbesondere Klein- und Kleinstunternehmen von statistischen Verpflichtungen weitestgehend zu befreien, soweit dem nicht normierte EU-Qualitätsanforderungen widersprechen. Details über die Auskunftspflicht ab dem Referenzjahr 2014 können dem Dokument „Abgrenzung der Erhebungsmasse 2014 ff“ (PDF; 98 KB) , für die Referenzjahre 2008 bis 2013 dem Dokument „Abgrenzung der Erhebungsmasse 2008 bis 2013“ (PDF; 163 KB) sowie für die Referenzjahre 1996 bis 2007 dem Dokument „Abgrenzung der Erhebungsmasse 1996 bis 2007“ (PDF; 42 KB) entnommen werden.

Datenquellen

  1. Primärstatistische Datenquellen:
    1. monatliche Konjunkturerhebung im Produzierenden Bereich (Primärerhebung) für Unternehmen über den Schwellenwerten.
  2. Register- und Verwaltungsdaten:
    1. Identifikations- und Klassifikationsdaten des Unternehmensregisters,
    2. Beschäftigtendaten des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger gegliedert nach Qualifikation (Arbeiter, Angestellte, Lehrlinge) und Geschlecht,
    3. Umsatzdaten der Finanzbehörden.

Erhebungs- und Darstellungsmerkmale

Durch die unterschiedlichen Anforderungen, die an die Konjunkturstatistik als Datenlieferant gestellt sind, werden die einzelnen (Haupt-)Erhebungsmerkmale getrennt nach Aktivitäts- und Güteransatz aufgelistet:

Aktivitätsansatz:

  • Beschäftigte (Unternehmens- und Betriebsebene)
  • Arbeitskosten (Unternehmens- und Betriebsebene)
  • Umsatz (nur Unternehmensebene)
  • Arbeitsvolumen (nur Betriebsebene)
  • Aufträge (nur Betriebsebene)
  • Produktionswert der durchgeführten Lohnarbeit (nur Betriebsebene)
  • Produktionswert der technischen Gesamtproduktion (nur Betriebsebene)
  • Produktionswert der Gesamtproduktion (nur Betriebsebene)
  • Produktionswert aus abgesetzter Produktion (nur Betriebsebene)
  • Produktionswert der vergebenen Lohnarbeit (nur Betriebsebene) ab 2008

Güteransatz (nur Betriebsebene):

  • Menge und Wert der technischen Gesamtproduktion
  • Menge und Wert der Gesamtproduktion
  • Menge und Wert der abgesetzten Produktion
  • Menge und Wert der wirtschaftlichen Gesamtproduktion (ab 2008)

Als Darstellungsmerkmale dienen EU- konforme Indizes über Produktion, Umsätze, Auftragseingänge, Beschäftigte, Arbeitsvolumen und Bruttoverdienste sowie nominelle Ergebnisse über die oben angeführten Merkmale.

Modellbasierte Datenergänzung

Um sowohl die nationalen und europäischen Vorgaben hinsichtlich der Repräsentanz vollständig erfüllen als auch den Bedürfnissen der Datennutzer besser entsprechen zu können, erfolgt seit dem Berichtsjahr 2008 neben der Veröffentlichung der primärstatistischen Jahresergebnisse eine entsprechende Ergebnisberechnung und -darstellung für die statistische Grundgesamtheit des gesamten Produzierenden Bereichs (Abschnitte B bis F der ÖNACE 2008). Um dies bewerkstelligen zu können, wurde ein modellbasierter Ansatz zur Datenergänzung (MDE) entwickelt, welcher einerseits die Merkmalszusammenhänge der monatlichen Konjunkturerhebung einzubinden und andererseits Informationen aus verschiedenen Verwaltungsquellen effizient zu nutzen versucht. Dadurch soll die Struktur der Grundgesamtheit der Konjunkturstatistik im Produzierenden Bereich sowohl auf Aktivitätsebene als auch auf Güterebene als Kombination aus Primärdaten, Sekundärdaten und Modellrechnung ohne grundsätzlichen Informationsverlust dargestellt werden.

Schätzmodell auf Aktivitätsebene:

Die Ergebnisdarstellung auf Aktivitätsebene erfolgt anhand der schwerpunktmäßigen wirtschaftlichen Aktivität einer statistischen Einheit. Im Wesentlichen wird hier das für die Leistungs- und Strukturstatistik entwickelte und seit einigen Jahren verwendete Schätzmodell implementiert, wobei jedoch aufgrund abweichender Merkmalskataloge und der zum Zeitpunkt der Schätzung unterschiedlichen Verfügbarkeit von Verwaltungsdaten diverse Modelladaptierungen erfolgen.

Nach Erstellung und Vervollständigung der Eckdaten („Umsatzerlöse“ und „unselbständig Beschäftigte“) kann die modellbasierte Berechnung der beschäftigtenbezogenen (Brutto-Löhne, Arbeitsstunden usw.) und umsatzbezogenen (abgesetzte Produktion, technische Gesamtproduktion usw.) Merkmale erfolgen.

Für die Parameterschätzung dieser Merkmale wurden vorwiegend jene primärstatistischen erhobenen Unternehmen herangezogen, die den zu schätzenden Unternehmen bezüglich Wirtschaftstätigkeit und Unternehmensgrößen am ähnlichsten waren.

Die Auswahl der „Strukturspender“ erfolgte dabei bottom-up, beginnend auf der tiefstmöglichen ÖNACE-Gliederungsebene (5-Steller) mit Hilfe der kleinsten erhobenen Unternehmen einer Branche. Diese kleinsten Unternehmen werden über das unterste Dezil der primärstatistischen Umsatzverteilung einer Branche bestimmt, welche von mindestens 30 statistischen Einheiten nicht überschritten wird. Bei unzureichender Primärbesetzung bis zum 7. Dezil (dies wurde bei einer Beobachtung von weniger als 30 Unternehmen angenommen) wurde auf die jeweils übergeordnete ÖNACE-Ebene gewechselt.

Durch diese Vorgehensweise konnten sowohl die oftmals unternehmensgrößenabhängigen Merkmalsstrukturen als auch die unterschiedlichen Merkmalsstrukturen der verschiedenen Branchen in die Modellbasis mit einfließen. Es muss aber darauf hingewiesen werden, dass für die überwiegende Mehrheit der beschäftigtenbezogenen Schätzmasse die Parameterberechnung bereits auf Ebene der Unterklassen und Klassen (5- bzw. 4-Steller) der ÖNACE 2008 durchgeführt werden konnte.

Bei detaillierterer Ergebnisdarstellung kam es bei geringer Primärbesetzung und starken Strukturunterschieden auch mit der vorgenommenen Modellbasisabgrenzung vereinzelt zu verzerrten Schätzwerten. Hier trug ein qualifiziertes Expertenrating zur Gewährleistung der erforderlichen Datenqualität bei.

Die Schätzung der Parameter für die beschäftigtenbezogenen Hauptmerkmale wurde branchenspezifisch mit Hilfe des Merkmals „unselbständig Beschäftigte“ als Regressor mittels eines robusten Regressionsmodells durchgeführt. Da wirtschaftsstatistische Daten häufig mit Ausreißern behaftet sind, erscheint hier die Anwendung einer robusten Methode zur Gewährleistung einer stabilen Qualität der Modellanpassung unerlässlich. Für die Schätzung der Teilzeitbeschäftigten wurden die Lohnzetteldaten aus der Lohnsteuerdatenbank des Bundesministeriums für Finanzen herangezogen.

Die aktivitätsbezogene Zuschätzung der umsatzbezogenen Hauptmerkmale erfolgte hier unter Einbindung des Merkmals „Umsatzerlöse“ aus den Verwaltungsquellen. Dabei konnte aufgrund der hohen Korrelation das Gesamtproduktionsvolumen eines Unternehmens über dessen Unternehmensumsatz bestimmt und für die gesamten Wirtschaftszweige eine möglichst plausible Verteilung der Produktionsarten erreicht werden.

Schätzmodell auf Güterebene:

Für die modellbasierte Datenergänzung auf Güterebene sind die einzelnen Produktionsarten, wie z.B. abgesetzte Produktion, zu berechnen. Zusätzlich ist für die Darstellung der Ergebnisse eine Aufgliederung der Produktion nach Produktionsarten erforderlich.

Die Darstellung auf Güterebene erfolgt über alle gleichartig klassifizierten Güter.

Für die modellbasierte Datenergänzung auf Güterebene waren die einzelnen Produktionsarten, wie z.B. abgesetzte Produktion, zu berechnen. Zusätzlich war für die Darstellung der Ergebnisse eine Aufgliederung der Produktion nach ÖPRODCOM-Positionen erforderlich, um eine entsprechende Ergebnisdarstellung im Rahmen der Güterproduktion hinsichtlich des Güteransatzes zu ermöglichen.

Als Ausgangsbasis für die Aufgliederung der Produktionswerte nach Gütern diente eine Matrix, in der den rund 300 Wirtschaftsbereichen (5-Steller der ÖNACE 2008) plausible ÖPRODCOM-Codes zugeordnet wurden. Für alle Gütercodes eines Wirtschaftsbereiches wurden entsprechende branchenspezifische Gewichte, wie z.B. Besetzungsgewichte, mittlere Mengenanteile, mittlere Codegewichte, ermittelt.

Die Schätzung erfolgte auch hier wiederum aktivitätsbezogen und unter Einbindung der Eckdaten aus den Verwaltungsquellen. Dabei konnte – aufgrund des hohen statistischen Zusammenhanges – das Produktionsvolumen einer statistischen Einheit über dessen Unternehmensumsatz bestimmt werden. Dieses wurde in einem weiteren Schritt anhand der branchenspezifischen Gewichte nach ÖPRODCOM-Positionen aufgegliedert. Die Zuweisung erfolgte dabei über die jeweilige schwerpunktmäßige wirtschaftliche Tätigkeit der betreffenden statistischen Einheit unter Berücksichtigung des Besetzungsgewichts mithilfe eines probabilistischen Zuordnungsverfahrens, d.h. dass der Anteil eines Gütercodes am – über den Unternehmensumsatz – geschätzten Produktionswert letztendlich von der per Zufallsauswahl innerhalb einer Branche zugewiesenen Code-Kombination einer statistischen Einheit abhängig war.

Als Modellbasis dienen – wie beim Aktivitätsansatz – jene primärstatistischen erhobenen Unternehmen, die den Unternehmen unterhalb der Schwellen möglichst nahe kamen (Ähnlichkeitsbeziehungen anhand Umsatzklassen und Wirtschaftstätigkeit). Jedoch wurde beim Güteransatz – im Gegensatz zum Aktivitätsansatz – bei unzureichender primärer Belegung (diese wurde bei einer Beobachtung von weniger als 30 Unternehmen angenommen) nicht auf die jeweils übergeordnete ÖNACE-Ebene gewechselt. Stattdessen wurden innerhalb der betreffenden Unterklasse der ÖNACE 2008 schrittweise auch jene großen erhobenen Einheiten (große Einbetriebsunternehmen und Betriebe von Mehrbetriebsunternehmen) in die Modellbasis mit einbezogen, die beim Aktivitätsansatz unberücksichtigt blieben. Diese Einbindung beschränkte sich jedoch nur auf Gütercodes, die dem Kriterium des „wirtschaftlichen Ursprungs“ entsprachen.

Weitere Informationen zur modellbasierten Datenergänzung entnehmen Sie bitte unseren Methodenberichten und Analysen.

Allgemeine Hinweise zur Dateninterpretation

  1. Es ist strikt zwischen Informationen über das Unternehmen und jenen über den Betrieb (fachliche Einheit auf örtlicher Ebene) zu unterscheiden. Unternehmensdaten stellen aggregierte Daten der Teilorganisationen des Unternehmens (Betriebe, Arbeitsstätten) dar, unabhängig davon, ob die Teilorganisation selbst schwerpunktmäßig im Produzierenden Bereich erhoben wird oder nicht. So werden z.B. als Beschäftigte des Unternehmens auch Beschäftigte von Betrieben gezählt, die keine Meldeeinheit im Rahmen der gegenständlichen Statistik sind. Ähnliches trifft auf Verdienste und Umsätze zu. Somit ist eine Vergleichbarkeit zwischen den Gesamtbeschäftigten (bzw. Gesamtverdiensten) auf Betriebs- bzw. Unternehmensebene auf derselben Aggregatebene nur dann gegeben, wenn in dieser Branche nur Einbetriebsunternehmen und/oder Einbereichsunternehmen den Ergebnissen zu Grunde liegen. Zu beachten ist auch, dass mit Ausnahme der Einbetriebsunternehmen die Meldeeinheiten Betrieb durch eine möglicherweise vom Unternehmen unterschiedliche schwerpunktmäßige Tätigkeit klassifiziert sein können, so dass es in diesem Fall bei der Interpretation von Branchenergebnissen zu erheblichen Unterschieden kommen kann. Auch eine Regionaldarstellung der Ergebnisse auf Unternehmensebene scheint keineswegs sinnvoll, da es in diesen Fällen aufgrund des Firmensitzes zu massiven regionalen Klumpungseffekten (z.B. wesentliche Unternehmenssitze in Wien) kommt und weniger die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Standorte – wie auf Betriebsebene – im Vordergrund steht.
  2. Die Unterschiedlichkeit der präsentierten und publizierten Ergebnisse der verschiedenen Aufarbeitungsphasen sind in erster Linie auf folgende Komponenten zurückzuführen:
    1. Veränderung des wirtschaftlichen Schwerpunktes binnen eines Kalenderjahres,
    2. „Geburt“ und „Tod“ (Leben und Sterben) von wirtschaftlichen Einheiten während eines Kalenderjahres,
    3. unterschiedlicher Modellgehalt nach Branchen, Regionen und Zeitpunkten, d.h. im Besonderen, dass die vorläufigen nominellen Ergebnisse wesentlich aktueller, jedoch weniger detailliert und mit wesentlich geringerem Informationsgehalt ausgestattet sind. Dazu kommt, dass aufgrund des Meldeverhaltens zum Zwecke des rechtzeitigen Abschlusses der vorläufigen nominellen Ergebnisse fehlende Erhebungseinheiten (Unternehmen und Betriebe) „substituiert“ werden müssen, d.h. nicht vorliegende Meldungen werden durch die Vormonatsergebnisse ersetzt und originäre Daten der richtigen Periode erst für die Publikation der endgültigen nominellen Ergebnisse (sofern bis dahin vollständig vorliegend) berücksichtigt. Ebenso können unrichtige Firmenangaben hinsichtlich der wirtschaftlichen Tätigkeit(en) oder der produzierten Güter erst ab dem Zeitpunkt der Kenntnisnahme in den Ergebnissen berücksichtigt werden, somit in der Regel erst in den endgültigen kumulierten Jahresergebnissen.
  3. Durch die unterschiedlichen Anforderungen, die an die verschiedenen Wirtschaftsstatistiken als Datenlieferant gestellt werden, ist es notwendig, eindeutig zu unterscheiden, ob und welche Merkmalsgruppen bzw. Merkmale der Konjunkturerhebung nach dem Aktivitätsansatz bzw. Güteransatz dargestellt werden sollen:
    1. Der Aktivitätsansatz geht davon aus, dass Merkmalsgruppen nach den Erhebungseinheiten Unternehmen und Betrieb in Verbindung mit der schwerpunktmäßigen Aktivität derselben dargestellt werden. Somit werden beim Aktivitätsansatz auch die Nebentätigkeiten dieser Meldeeinheiten in den darzustellenden Ergebnissen subsumiert. Mit anderen Worten werden beim Aktivitätsansatz alle von den betrachteten und von ihrer wirtschaftlichen Aktivität als gleich klassifizierten Meldeeinheiten erbrachten Produktionen und Leistungen – unabhängig von ihrer eigentlichen Güterklassifikation – zusammengefasst [(Ö)NACE-Gliederung].
    2. Den Überlegungen des Güteransatzes liegt hingegen nur die für eine bestimmte Wirtschaftsaktivität charakteristische Produktion zugrunde (das bedeutet, dass die produzierten Güter im Sinne einer Aktivität dargestellt werden sollen, für die diese produzierten Güter charakteristisch sind). Daher erfolgt bei der Anwendung des Güteransatzes die Aggregation über alle gleichartig klassifizierten Güter, unabhängig von der Klassifikation ihrer Meldeeinheiten, welche diese Güter erzeugt haben [ÖCPA- oder ÖPRODCOM-Gliederung].
  4. Bei der Interpretation von Jahresdaten muss zwischen Bestandsdaten und Flowinformationen unterschieden werden.
    1. Für Bestandsdaten (Stichtagsdaten) gilt als Beobachtungszeitpunkt das Ende des Berichtsjahres (31. Dezember).
    2. Für Flowinformationen (Verlaufsdaten) gilt als Beobachtungszeitraum das ganze Berichtsjahr.

Publikationsmedien

Im Rahmen der kostenlosen Bereitstellung der Ergebnisse der Konjunkturstatistik im Produzierenden Bereich stehen Ihnen folgende Datenquellen zur Verfügung:

  • Eine Darstellung und Interpretation der Hauptergebnisse sowie grundlegende methodische Hinweise finden sich unter der Rubrik „Statistiken“.
  • In den monatlichen branchenspezifischen Firmennachrichten werden die Hauptdaten der Unternehmen und Betriebe pro ÖNACE 2-Steller dargestellt. Dabei ist es seit dem Berichtsmonat Jänner 2010 möglich, 100% der Gesamtproduktion Österreichs und damit alle Unternehmen des Produzierenden Bereichs (Grundgesamtheit) zu erfassen. Die entsprechenden Ergebnisse werden in der Tabelle 1a der Firmennachrichten präsentiert. Die Darstellung der Ergebnisse in der Tabelle 1b basiert hingegen auf den primärstatistischen Daten der Konjunkturstatistik im Produzierenden Bereich. Des Weiteren werden in den Firmennachrichten auch die wertmäßigen Produktionsergebnisse (abgesetzte Produktion) der Primärstatistik nach CPA, d.h. die Wertsummen aller an der 1. bis 6. Stelle identischer ÖPRODCOM-Codes publiziert (Tabelle 2). Ab dem Berichtsjahr 2008 werden zusätzlich die Produktionsergebnisse (abgesetzte Produktion) der Primärstatistik nach ÖPRODCOM (Tabelle 3) präsentiert.
  • Neben den Firmennachrichten stellen auch die Schnellberichte eine monatliche primärstatistische Datenpublikation der Konjunkturstatistik im Produzierenden Bereich dar. Der Schnellbericht 2.16 präsentiert die Hauptdaten auf Unternehmensebene für den gesamten Produzierenden Bereich (Abschnitte B bis F der ÖNACE 2008). Die Schnellberichte 2.17 bzw. 2.18 beziehen sich hingegen auf die Betriebsergebnisse im Sachgüterbereich (Abschnitte B bis E der ÖNACE 2008) bzw. Bau (Abschnitt F der ÖNACE 2008).
  • Weitere monatliche Kurzinformationen über die Entwicklung des gesamten Produzierenden Bereichs, der Bauproduktion im Hoch- und Tiefbau sowie der Bauauftragsbestände finden Sie in unseren Pressemitteilungen und in unseren Statistischen Übersichten.
  • Zusätzlich stehen Ihnen im Rahmen der kostenlosen Datenbereitstellung im Internet hier die Standardpublikation Konjunkturerhebung im Produzierenden Bereich 2013“ (PDF; MB) im PDF-Format zum Download zur Verfügung. Diese Publikation präsentiert zum einen die endgültigen Jahresergebnisse der Konjunkturstatistik im Produzierenden Bereich in Form kumulierter Daten nach Unternehmen und Betrieben sowie Indizes des Sachgüterbereichs wie auch des Bauwesens und vermittelt somit einen ex-post Überblick über die Entwicklung dieses Kernbereiches der Ökonomie (ehemals Band 1). Des Weiteren beinhaltet diese Publikation die endgültigen Jahresergebnisse der nationalen Güterproduktion, welche ebenfalls im Rahmen der Konjunkturstatistik im Produzierenden Bereich erhoben werden. Dabei wird diese im Sinne des nationalen Güterverzeichnisses ÖPRODCOM, welches strikt kompatibel zur europäischen PRODCOM-Liste ist, wert- und mengenmäßig nach den Produktionsarten technische Gesamtproduktion, Gesamtproduktion, wirtschaftliche Gesamtproduktion sowie abgesetzte Produktion dargestellt (ehemals Band 2).

Diese Publikation bzw. deren Bestellmöglichkeit finden Sie unter der Rubrik „Neuerscheinungen“. Ältere Publikationen können in unserem Publikationskatalog „Produktion und Bauwesen“ recherchiert werden.

Eine kostenpflichtige Bereitstellung der Ergebnisse der Konjunkturstatistik im Produzierenden Bereich finden Sie in folgenden Medien:

  • In den Statistischen Nachrichten werden einmal jährlich (jeweils im Juni-Heft des der Berichtsperiode nachfolgenden Jahres) nach Abschluss der Aufarbeitung die vorläufigen Ergebnisse der Konjunkturstatistik im Produzierenden Bereich präsentiert und textlich interpretiert.
  • Detailergebnisse der Konjunkturstatistik finden Sie darüber hinaus in der neu entwickelten Statistischen Datenbank STATcube. Diese können entweder in grober Gliederung als Gastbenutzer kostenfrei oder in tieferer Gliederung mittels eines kostenpflichtigen Abonnements abgefragt werden. abgefragt werden.
  • Weitere, über die standardisierten Tabellen hinausgehende Daten der Konjunkturstatistik im Produzierenden Bereich können – sofern dem nicht Geheimhaltungsgründe entgegenstehen – jederzeit in anderer, individueller Form und Zusammenstellung gegen Entgelt bezogen werden.

Veröffentlichung der Ergebnisse

Im Rahmen der Konjunkturstatistik im Produzierenden Bereich erfolgt die Publikation (Zugänglichkeit) der Ergebnisse sowohl nach der ersten als auch nach der zweiten Aufarbeitungsphase:

  • Vorläufige Ergebnisse Abschluss der ersten Aufarbeitungs-(Produktions-)phase
    • Bereitstellung von Basisdaten zur Berechnung harmonisierter europäischer Konjunkturindikatoren einschließlich deren Übermittlung an Eurostat sowie deren nationale Veröffentlichung zum Zeitpunkt t+60 Tage bzw. seit dem Berichtsmonat Juli 2007 t+55 Tage nach Ende des Berichtszeitraums (revidierte Werte für den Produktionsindex nach t+85 Tagen).
    • Nationale Veröffentlichung der monatlichen vorläufigen Ergebnisse in Form von Absolutdaten nach t+90 Tagen nach Ende des Berichtszeitraums (Abschluss der ersten Aufarbeitungs- bzw. Produktionsphase).
    • Nationale Veröffentlichung der kumulierten (vorläufigen) konjunkturstatistischen Ergebnisse binnen sechs Monaten (t+6 Monate) nach Ende des Referenzjahres in Form eines Artikels in den Statistischen Nachrichten sowie Bereitstellung von entsprechenden Sonderauswertungen für nationale Bedarfsträger.
    • Übermittlung der kumulierten (vorläufigen) Monatsergebnisse über die Güterproduktion binnen sechs Monaten (t+6 Monate) nach Ende des Referenzjahres an Eurostat gemäß der Verordnung (EWG) Nr. 3924/91 vom 19. Dezember 1991.
  • Endgültige Ergebnisse Abschluss der zweiten Aufarbeitungs-(Produktions-)phase 
    Bereitstellung und Veröffentlichung der endgültigen Ergebnisse sowohl in Form von Absolutdaten als auch in Form von Indizes nach Abschluss der zweiten Aufarbeitungs-(Produktions-)phase, abhängig vom jeweiligen Publikationsmedium neun Monate (t+9 Monate) bis maximal zwölf Monate (t+12 Monate) nach Ende der Referenzperiode.

Kontakte

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