Pressemitteilung: 11.965-031/19

Rückgang bei Agrareinkommen 2018 erwartet

Wien, 2019-02-22 – Nach einer wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung in den vorangegangenen zwei Jahren zeichnet sich für 2018 ein Rückgang der landwirtschaftlichen Einkommen ab. Laut den Ergebnissen der zweiten Vorschätzung der landwirtschaftlichen Gesamtrechnung von Statistik Austria sank das landwirtschaftliche Einkommen je Arbeitskraft (gemessen als Faktoreinkommen, d. h. als Nettowertschöpfung zu Faktorkosten) gegenüber dem Vorjahr durchschnittlich real um 4,1%, nach einem Anstieg um 13,9% im Jahr zuvor. Zurückzuführen war der Einkommensrückgang vor allem auf die hitze- und trockenheitsbedingten Mindererträge im Acker- und Futterbau, preisbedingte Einbußen auf dem Schweinemarkt und gestiegene Produktionskosten, die durch gute Ernten im Obst- und Weinbau sowie höhere Erlöse im Getreidebau nur teilweise ausgeglichen werden konnten.

Hauptfaktoren für die Einkommensentwicklung 2018

Den vorläufigen Berechnungen im Rahmen der landwirtschaftlichen Gesamtrechnung zufolge erzielte die heimische Landwirtschaft 2018 einen Produktionswert von rund 7,4 Mrd. Euro, mit einem leichten Plus von 0,9% gegenüber dem Vorjahr. Dabei gab es gegenläufige Entwicklungen in der pflanzlichen und tierischen Produktion: Der Wert der tierischen Erzeugung nahm im Vorjahresvergleich um 2,6% ab, was vor allem eine Folge der deutlich gesunkenen Schweinepreise war. Niedriger als 2017 fiel aber auch der Produktionswert von Rindern aus, während die Milchproduktion das Vorjahresniveau dank eines höheren Erzeugungsvolumens wertmäßig leicht übertraf. Der Wert der pflanzlichen Erzeugung erhöhte sich hingegen um 5,0%. Ursache dieser Zunahme waren vor allem die hohen Erntemengen im Obst- und Weinbau. Die langanhaltenden Hitzeperioden und die gebietsweise extreme Trockenheit des Jahres 2018 führten im Acker- und Futterbau allerdings zu Ertragsverlusten, bei Zuckerrüben und Kartoffeln wurden zudem schädlingsbedingt massive Ausfälle verzeichnet.

Zum Einkommensrückgang im Jahr 2018 trugen auch die gestiegenen Produktionskosten bei. Erste Schätzungen gehen von einem Anstieg des Werts der Vorleistungen um 3,0% aus, primär eine Folge der höheren Aufwendungen für Futtermittel sowie der Verteuerung von Energie. Die Abschreibungen für das Anlagevermögen erhöhten sich um 2,0%.

Die im Rahmen der Einkommensberechnung berücksichtigten öffentlichen Gelder beliefen sich für 2018 auf rund 1,5 Mrd. Euro, um 1,7% mehr als für das Jahr zuvor. Dieser Anstieg war vor allem eine Folge der Gewährung von Dürrehilfen.

Das im landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereich erzielte Faktoreinkommen – das die Entlohnung der in der Landwirtschaft eingesetzten Produktionsfaktoren Boden, Arbeit (Familien- und Fremdarbeitskräfte) und Kapital misst – lag den vorläufigen Berechnungen und Schätzungen zufolge mit rund 2,6 Mrd. Euro um 3,1% unter dem Vorjahresniveau. Der durch den fortgesetzten Strukturwandel bedingte Rückgang der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte wurde für 2018 auf 0,5% geschätzt. Je Arbeitskraft betrug der durchschnittliche Einkommensrückgang demzufolge nominell 2,6% und real 4,1%.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zu den Ergebnissen der zweiten Vorschätzung der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung für 2018 finden Sie auf unserer Webseite.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die vorliegenden Einkommensergebnisse für die Landwirtschaft beruhen auf Daten der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung (LGR), welche auf Basis der Verordnung (EG) Nr. 138/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 5. Dezember 2003 zur Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung in der Gemeinschaft, in der geltenden Fassung erstellt wird. Die LGR-Verordnung verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten zur Erstellung von zwei Vorschätzungen über die voraussichtlichen Wert-, Preis- und Volumenänderungen der für das Einkommen aus landwirtschaftlicher Tätigkeit bestimmenden Variablen.  
Gegenstand der vorliegenden Veröffentlichung sind die Ergebnisse der zweiten Vorschätzung für 2018, denen die Mitte Februar 2019 verfügbare Datenbasis zugrunde liegt. Da zu diesem Zeitpunkt die für die Berechnung der LGR notwendigen Basisdaten erst teilweise vorlagen, wurden die vorhandenen Daten durch Fortschreibungen und Schätzungen unter Einbindung einschlägiger Expertinnen und Experten ergänzt und vervollständigt.  
Änderungen der Preise und Werte wurden in dieser Pressemitteilung – sofern nicht anders angegeben – in nominellen Werten ausgedrückt. Sofern Daten in realen Werten angeführt sind, handelt es sich um mit dem impliziten Preisindex des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu Marktpreisen deflationierte Angaben. 
Das als Einkommensmaßstab herangezogene landwirtschaftliche Faktoreinkommen errechnet sich aus dem Produktionswert des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs inklusive öffentlicher Gelder (mit Ausnahme von Vermögenstransfers), abzüglich der Vorleistungen, Abschreibungen und Produktionsabgaben. 
Bei der Ergebnisinterpretation ist zu beachten, dass das Faktoreinkommen als Saldo der LGR überproportional betroffen ist von den zu diesem Berechnungszeitpunkt unvermeidbaren Unschärfen in der Berechnung der Teilaggregate (wie Produktionswerte, Vorleistungen, etc.). Zu berücksichtigen ist zudem, dass die Ergebnisse auf den gesamten landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereich Österreichs abzielen, während die Entwicklung nach einzelnen Regionen und Betriebstypen stark vom Gesamtdurchschnitt abweichen kann. Weiters dürfen die im Rahmen der LGR ermittelten Kennzahlen und Indikatoren zum Einkommen des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs nicht als das Einkommen der landwirtschaftlichen Haushalte betrachtet werden, u. a., da letztere neben ihren rein landwirtschaftlichen Einkommen auch Einkommen aus anderen Quellen beziehen (nichtlandwirtschaftliche Tätigkeiten, Löhne oder Gehälter, Sozialleistungen, Einkommen aus Vermögen).

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Raumwirtschaft, Statistik Austria:  
DI Christina MAYER, Tel.: +43 (1) 71128-7108 bzw. christina.mayer@statistik.gv.at

 

Tabelle 1: Hauptkomponenten des landwirtschaftlichen Faktoreinkommens 2018/2017
Wertangaben zu laufenden Preisen2018Veränderung 2018 gegenüber 2017
in Mio. Euroin Mio. Euroin %
Erzeugung des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs1)7.366+63+0,9
Davon   
     Pflanzliche Erzeugung3.213+152+5,0
     Tierische Erzeugung3.480-94-2,6
- Vorleistungen4.197+122+3,0
= Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen3.169-58-1,8
- Abschreibungen1.914+38+2,0
+ Sonstige Subventionen1.470+28+2,0
- Sonstige Produktionsabgaben168+14+9,0
= Faktoreinkommen2.557-82-3,1
Landwirtschaftlicher Arbeitseinsatz (in 1.000 JAE)2)118,2-0,6-0,5
Tabelle 2: Entwicklung von Produktionswert, Vorleistungen, Bruttowertschöpfung und Faktoreinkommen des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs 2009-2018
 2009201020112012201320142015201620172018
2010=100
Produktionswert zu Herstellungspreisen, nominell93,0100,0113,4114,8111,2110,8108,3109,3115,3116,3
Vorleistungen, nominell96,9100,0110,5113,8114,2114,2110,9108,8108,6111,9
Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen, nominell87,2100,0117,6116,2106,9105,8104,5109,9124,9122,7
Faktoreinkommen, nominell84,5100,0116,1110,997,791,686,598,1112,5109,0
Arbeitseinsatz102,7100,098,998,597,195,694,193,592,992,4
Faktoreinkommen pro Arbeitskraft, nominell82,3100,0117,4112,6100,695,891,9104,9121,1118,0
Faktoreinkommen pro Arbeitskraft, real83,1100,0115,3108,495,388,883,493,9106,9102,5
Jährliche Veränderung in %
Faktoreinkommen pro Arbeitskraft, real 20,415,3-6,0-12,1-6,8-6,112,513,9-4,1

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