Konsumerhebung 2014/15

Hauptergebnisse

Die durchschnittlichen monatlichen Ausgaben aller privaten Haushalte betragen 2.990 Euro. Den größten Anteil an den Haushaltsausgaben hat die Gruppe „Wohnen, Energie“ mit 26,1%, gefolgt von „Verkehr“ mit 14,2%, „Ernährung, Alkoholfreie Getränke“ mit 11,8% und der Gruppe „Freizeit, Sport, Hobby“ mit 11,5%.

In den Haushaltsausgaben enthalten sind sämtliche Ausgaben aller Haushalte, unabhängig von der Haushaltsgröße, also von Einpersonenhaushalten bis hin zu sehr großen Haushalten. Einen direkten Vergleich der Ausgaben unterschiedlich großer und verschieden zusammengesetzter Haushalte ermöglichen die Äquivalenzausgaben (gewichtete „Pro-Kopf“-Ausgaben): Sie betragen rund 1.970 Euro pro Monat.

Bei der Interpretation der Ergebnisse muss berücksichtigt werden, dass die Ausgaben nicht zwangsläufig aus dem laufenden Einkommen bezahlt werden, sondern dabei auch Sonderzahlungen, wie das 13. oder 14. Monatsgehalt oder etwaige Belohnungen, z.B. zu Weihnachten, eine Rolle spielen. Insbesondere größere Anschaffungen (z.B. ein Auto) werden wohl häufig durch andere Geldquellen, wie Erspartes, Vermögen, Schenkungen oder Erbschaften, Abfertigungen aber auch durch Kredite oder Ratenzahlungen, finanziert.

Vergleich mit den Ergebnissen 2009/10

Der Vergleich der Ergebnisse der Konsumerhebung 2014/15 mit der Erhebung 2009/10 zeigt bei den durchschnittlichen monatlichen Haushaltsausgaben einen geringen Anstieg von rund 2.910 Euro auf 2.990 Euro, dies entspricht einem nominellen Zuwachs von 3,1%. Betrachtet man die Äquivalenzausgaben, also jenen Wert, der die (langfristig sinkende) Haushaltsgröße und Struktur der Haushalte berücksichtigt, so zeigt sich eine Steigerung von rund 1.880 Euro auf 1.970 Euro, dies entspricht einem nominellen Anstieg um 4,7%.

Regionalergebnisse

Haushalte in Regionen mit geringerer Einwohnerzahl (bis 10.000 Einw.) weisen im Schnitt die höchsten Haushaltsausgaben auf. Mit 3.210 Euro pro Monat liegen sie rund 7% über dem Österreichschnitt und rund 21% über den Haushaltsausgaben der größten Gemeinde Wien (2.660 Euro). Anders bei den Äquivalenzausgaben, diese weichen in sämtlichen Gemeindegrößenklassen nur geringfügig voneinander ab.

Innerhalb der Ausgabenstruktur zeigen sich die deutlichsten Unterschiede zwischen Haushalten auf dem Land und Haushalten in der Stadt im Bereich „Verkehr“. Während Wiener Haushalte rund 11% ihrer Gesamtverbrauchsausgaben für diesen Bereich aufwenden, sind es in ländlichen Gemeinden knapp 16%. Noch deutlicher der Unterschied bei den Absolutwerten: Die Ausgaben für „Verkehr“ sind auf dem Land über 80% höher als in der Stadt (509 Euro : 281 Euro).

Die Stichprobe für die Konsumerhebung 2014/15 wurde repräsentativ für Österreich gezogen. Durch die Hochrechnung werden die Ergebnisse für die Verteilung auf die Grundgesamtheit geschätzt. Diese Schätzungen unterliegen Zufallsschwankungen. Ergebnisse auf Bundesländerebene weisen eine höhere Schwankungsbreite auf, daher müssen bei der Interpretation der Werte und etwaiger Differenzen zu früheren Erhebungen immer die Stichprobengröße und der daraus resultierende Stichprobenfehler berücksichtigt werden. Je kleiner die untersuchten Gruppen, desto ungenauer sind auch die auf die Grundgesamtheit hochgerechneten Werte. Aufgrund der Schwankungsbreiten kann bei Bundesländerergebnissen keine Rangfolge abgelesen werden.

Sozialstatistische Ergebnisse

Haushaltsgröße

Erwartungsgemäß steigen die monatlichen Haushaltsausgaben mit zunehmender Anzahl der im Haushalt lebenden Personen. Gegenüber dem Durchschnitt aller Haushalte geben große Haushalte mit fünf oder mehr Personen rund 48% mehr aus, während Einpersonenhaushalte ein Drittel weniger aufwenden. Dieses Ergebnis relativiert sich unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Haushaltsgrößen. Die monatlichen Äquivalenzausgaben sinken mit zunehmender Haushaltsgröße. Verglichen mit alleinlebenden Personen und auch dem Durchschnitt aller Haushalte weisen große Haushalte rund 21% niedrigere Äquivalenzausgaben auf.

Da es sich bei Konsumerhebungen um Haushaltserhebungen handelt, ist eine Zuordnung der Ausgaben zu einzelnen Haushaltsmitgliedern nicht möglich. Auswertungen auf Haushaltsebene nach dem Geschlecht der Referenzperson erweisen sich bei Mehrpersonenhaushalten als wenig aussagekräftig, da sowohl Höhe als auch Struktur der Ausgaben weniger vom Geschlecht als von der Zusammensetzung des Haushalts abhängig sind. Merkliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern zeigen sich allerdings in der Ausgabenhöhe und vor allem in der Ausgabenstruktur von Einpersonenhaushalten.

Mit rund 2.070 Euro monatlich geben alleinlebende Männer um 8% mehr aus als alleinlebende Frauen (1.910 Euro). Bei Singlehaushalten bis 59 Jahre reduziert sich der „Vorsprung“ der Männer gegenüber den Frauen auf 1,5%, bei der Generation 60+ vergrößert sich der Abstand auf rund 14%. Alleinlebende Männer geben mehr aus für Kfz-Anschaffung und Erhaltung, den Kaffeehaus- bzw. Restaurantbesuch, alkoholische Getränke und Tabakwaren sowie Unterhaltungselektronik, Film-, Foto- und IT-Geräte, während alleinlebende Frauen mehr für Körperpflegeprodukte, Bekleidung und Gesundheit aufwenden.

Äquivalenzeinkommen

Das monatliche Nettoeinkommen (1/12 des Jahresnettoeinkommens) der Konsumerhebung umfasst sämtliche monetäre Einkommen der Haushalte sowie Entnahmen aus dem eigenen Garten/Betrieb und den einkommenswirksamen Teil der imputierten Mietwerte (d.s. 60%).

Der Median der äquivalisierten Einkommen liegt bei 1.990 Euro monatlich, jener der äquivalisierten Ausgaben bei 1.700 Euro; das arithmetische Mittel der Äquivalenzeinkommen beträgt 2.200 Euro, die durchschnittlichen Äquivalenzausgaben liegen bei 1.970 Euro pro Monat.

Definitionen

Verbrauchsausgaben

Die Verbrauchsausgaben umfassen sämtliche Ausgaben der privaten Haushalte - sowohl für Waren als auch für Dienstleistungen - und zwar unabhängig von Verbrauch oder Inanspruchnahme. Das heißt es sind nicht nur die laufenden Ausgaben, etwa für Ernährung oder Körperpflege, darin enthalten, sondern auch jene für größere und große Anschaffungen, beispielsweise eine Waschmaschine oder ein Auto. Bedingt durch den einjährigen Erhebungszeitraum ist zudem gewährleistet, dass auch saisonabhängige Ausgaben (z.B. Gartenartikel im Frühjahr, Winterschuhe) sowie Ausgaben für bestimmte Anlässe, etwa vor Weihnachten oder zu Schulbeginn, erfasst werden.

Zu den Verbrauchsausgaben zählen außerdem Naturalentnahmen aus dem eigenen Garten und/oder Betrieb. Darunter versteht man einerseits für den Eigenbedarf selbst erzeugte Konsumgüter, andererseits Sachbezüge (Deputate). Darüber hinaus sind in den Verbrauchsausgaben sog. imputierte Mietwerte enthalten, die - auf internationale Empfehlung hin - für Erstwohnungen errechnet werden, für die keine realen Mietausgaben existieren (Haus- oder Wohnungseigentum, mietfreie Objekte). Damit wird die Nutzung einer Wohnung durch den Eigentümer als Dienstleistung für den Eigenverbrauch eingestuft, während Investitionen (wie z.B. ein Haus- oder Wohnungskauf oder Ausgaben für die Errichtung von Gebäuden) nicht berücksichtigt werden. Durch die „unterstellten“ Mieten wird somit ein Vergleich des Wohnungsaufwands zwischen Haushalten mit unterschiedlichen Wohnformen (Eigentümer/Nicht-Eigentümer) möglich.

Die Verbrauchsausgaben setzen sich also zusammen aus:

  • Ausgaben für Waren und Dienstleistungen,
  • Entnahmen aus dem eigenen Garten/Betrieb und
  • imputierte Mieten für eigentümergenütztes Wohnen.

Nicht dazu zählen hingegen:

  • Ausgaben von Personen in Anstaltshaushalten (z.B. Seniorenheime, Gefängnisse),
  • betriebliche Ausgaben, etwa in der Landwirtschaft,
  • Geldtransfers zwischen oder innerhalb von Haushalten, z.B. Alimentationszahlungen, Taschengeld,
  • Rückzahlungsverpflichtungen,
  • Sparen, Wertanlage (z.B. Münzen, Goldbarren), Altersvorsorge oder Lebensversicherungen und
  • Investitionen (z.B. Haus- oder Wohnungskauf) sowie Ausgaben für die Errichtung von Gebäuden oder Umbauten, die eine wesentliche Wertsteigerung bewirken.

Zur Darstellung der Ausgabenstruktur wird die Ausgabenklassifikation COICOP (Classification of Individual Consumption Expenditures by Purpose) herangezogen. Diese Nomenklatur besteht aus insgesamt 13 Hauptgruppen und – in der österreichischen Version – aus insgesamt sechs Hierarchieebenen, die den nationalen Anforderungen von H/VPI und VGR angepasst wurden.

Äquivalenzausgaben

Wie viel ein Haushalt ausgibt, hängt in erster Linie von der Anzahl, aber auch dem Alter der darin lebenden Personen ab. Um Haushalte unterschiedlicher Größe besser vergleichen zu können, werden „gewichtete Pro-Kopf-Ausgaben“, sogenannte Äquivalenzausgaben, berechnet.

Da in Mehrpersonenhaushalten gewisse Einsparungseffekte angenommen werden können – dies vor allem bei Wohnungs- und Ernährungsausgaben, und insbesondere dann, wenn es sich bei den weiteren Personen um Kinder handelt, ist es nicht zweckmäßig, die Haushaltsausgaben durch die Zahl der Haushaltsmitglieder zu dividieren. So wird ein Haushalt, der aus zwei Erwachsenen und zwei Kindern besteht, in der Regel zwar mehr Geld für Lebensmittel aufwenden als ein Einpersonenhaushalt, aber wohl nicht viermal so viel. Aus diesem Grund werden bei der Berechnung der Äquivalenzausgaben den einzelnen Haushaltsmitgliedern Gewichte zugewiesen. Diese sollen den Mehrbedarf pro weitere Person bewerten, und zwar unterschiedlich für Erwachsene und Kinder.

In den Auswertungen der Konsumerhebung 2014/15 wird für die Berechnung der Äquivalenzausgaben die sogenannte EU-Skala („modified OECD-scale“) herangezogen. Die erste erwachsene Person im Haushalt wird dabei als Referenz (Konsumäquivalent) betrachtet und erhält ein Gewicht von 1,0. Für jeden weiteren Erwachsenen steigt der unterstellte Bedarf um 0,5 Konsumäquivalente, Kinder unter 14 Jahren werden mit dem Faktor 0,3 gewichtet. Durch diese Berechnung wird unterstellt, dass mit zunehmender Haushaltsgröße und abhängig vom Alter der Kinder eine Kostenersparnis im Haushalt durch gemeinsames Wirtschaften erzielt wird.

Erhebungsablauf

Die Konsumerhebung 2014/15 wurde als Stichprobenerhebung bei Privathaushalten konzipiert und von Ende Oktober 2014 bis Anfang November 2015 durchgeführt. Die Mitwirkung der Haushalte war freiwillig, eine erfolgreiche Teilnahme wurde mit einem Einkaufsgutschein honoriert.

Ziel der Erhebung war die möglichst detaillierte Erfassung sämtlicher Ausgaben eines Haushalts. Aus diesem Grund wurden die – zufällig ausgewählten – Haushalte ersucht, 14 Tage lag ein Haushaltsbuch zu führen und zusätzlich Fragen zum Haushalt und den darin lebenden Personen zu beantworten.

Insgesamt konnte die Erhebung in 7.162 Haushalten erfolgreich abgeschlossen werden; dies entspricht einer Ausschöpfungsquote von 28,4%.

Ergebnisse im Überblick: Monatliche Verbrauchsausgaben 2014/15
Monatliche Verbrauchsausgaben der privaten Haushalte - Haushaltsausgaben
Monatliche Verbrauchsausgaben der privaten Haushalte - Äquivalenzausgaben
Vergleich der Ergebnisse 2009/10 und 2014/15
Monatliche Verbrauchsausgaben der privaten Haushalte - Bundesländerergebnisse
Durchschnittliche monatliche Verbrauchsausgaben mit Schwankungsbreite für Österreich und die Bundesländer
Monatliche Verbrauchsausgaben der privaten Haushalte - Gemeindegrößenklassen
Monatliche Verbrauchsausgaben der privaten Haushalte - Anzahl der Personen im Haushalt
Monatliche Verbrauchsausgaben der privaten Haushalte - Einpersonenhaushalte
Monatliche Verbrauchsausgaben nach Quartilen der Äquivalenzeinkommen
Monatliche Verbrauchsausgaben nach Dezilen der Äquivalenzeinkommen
Durchschnittlicher monatlicher Verbrauch ausgewählter Lebensmittel und Getränke
Konsumerhebungen 1974 und 2014/15: Durchschnittlicher monatlicher Pro-Kopf-Verbrauch ausgewählter Lebensmittel und Getränke
Lebensmittel und Getränke: Verteilung der Ausgabenanteile

Tabellenband "Sozialstatistische Ergebnisse der Konsumerhebung 2014/15"

Glossar und Methodik
Kapitel 1: Verbrauchsausgaben nach ausgewählten soziodemographischen Merkmalen der Referenzperson
Kapitel 2: Verbrauchsausgaben nach unterschiedlicher Haushaltszusammensetzung
Kapitel 3: Verbrauchsausgaben nach Haushaltseinkommen
Kapitel 4: Ausgaben für Ernährung, Getränke und in der Gastronomie

Konsumerhebung 2014/15
Konsumerhebung 2014/15

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Verbrauchsausgaben - Hauptergebnisse der Konsumerhebung 2014/15

Erscheinungsdatum: 03/2017

 
 

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Verbrauchsausgaben 2014/15 Sozialstatistische Ergebnisse der Konsumerhebung

Erscheinungsdatum: 01/2018

 
 

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