Pressemitteilung: 12.138-204/19

Sozialausgaben im Jahr 2018 auf 29,1% der österreichischen Wirtschaftsleistung gesunken

Wien, 2019-11-29 – Im Jahr 2018 beliefen sich die Sozialausgaben in Österreich laut Statistik Austria auf insgesamt 112 Mrd. Euro. Die Sozialquote – also der Anteil der Sozialausgaben am Bruttoinlandsprodukt – lag bei 29,1%. Da das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorjahr stärker gestiegen war (+4,2%) als die Sozialausgaben (+3,1%), ging die Sozialquote nach dem bisherigen Höchststand 2015/2016 (jeweils 29,9%) weiter zurück (siehe Tabelle 1).

Einen ersten Ausgaben-Höchstwert hatte es Mitte der 1990er Jahre gegeben (1994: 29,0%). Danach folgte eine Phase niedrigerer Sozialquoten (2007: 27,0%), bevor es aufgrund der Wirtschaftskrise 2008/2009 und den damit verbundenen erhöhten Sozialausgaben zu einem erneuten Anstieg kam (2009/2010: jeweils 29,6%). Das durchschnittliche nominelle Wachstum der Sozialausgaben lag in den 1990er (+5,3%) und 2000er Jahren (+3,9%) deutlich über jenem der Wirtschaftsleistung (+4,6% bzw. +3,3%); zwischen 2010 und 2018 war der Anstieg der Sozialausgaben (+3,1%) hingegen geringer als das BIP-Wachstum (+3,4%).

Anteil der Alterssicherung an allen Sozialleistungen liegt bei 44%

109 Mrd. Euro der Sozialausgaben entfielen im Jahr 2018 auf Sozialleistungen. 44% davon wurden für die Alterssicherung beansprucht, wozu die Geld- und Sachleistungen für Personen über dem Pensionsalter zählen (normale Alterspensionen, Betriebspensionen, Pflegeleistungen etc.; ausgenommen Hinterbliebenenpensionen und Gesundheitsleistungen). Für den Bereich Krankheit bzw. Gesundheitsversorgung aller Altersgruppen wurden 26% der Sozialleistungsausgaben verwendet. Deutlich geringere Anteile entfielen auf die anderen Lebenslagen, in denen Sozialleistungen in Anspruch genommen werden: 9% auf Familien/Kinder; jeweils 6% auf Invalidität/Gebrechen, Hinterbliebene und Arbeitslosigkeit; 2% auf Wohnen und Bekämpfung sozialer Ausgrenzung (siehe Tabelle 1).

Die restlichen 3 Mrd. Euro der Sozialausgaben insgesamt waren Verwaltungskosten und sonstige Ausgaben (z. B. Zinsen).

Zwei Drittel Geldleistungen – ein Drittel Sachleistungen; 91% ohne Bedürftigkeitsprüfung

Im österreichischen Sozialstaat dominieren die Geldleistungen. Zwei Drittel (74 Mrd. Euro) der Sozialleistungsausgaben 2018 waren Geldleistungen, die vor allem als Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebenenleistungen, aber auch als Familien- und Arbeitslosentransfers erfolgen; dementsprechend hoch ist auch der Geldleistungsanteil in diesen Bereichen des Sozialschutzes (siehe Tabelle 2). Einen überwiegenden Anteil an Sachleistungen (insgesamt 32%; 35 Mrd. Euro) gab es hingegen in den Bereichen Krankheit/Gesundheitsversorgung (ambulante und stationäre Leistungen) und Wohnen/soziale Ausgrenzung (Wohnunterstützung, stationäre und mobile soziale Dienste).

Die Prüfung der Einkommens- und/oder Vermögensverhältnisse auf Bedürftigkeit spielt insgesamt eine geringe Rolle im Sozialleistungssystem, sie war lediglich bei 9% der Ausgaben (2018: 10 Mrd. Euro) Voraussetzung für den Leistungsanspruch (dies betrifft vor allem die Ausgleichszulage bei den Pensionen, die Notstandshilfe in der Arbeitslosenversicherung und die Leistungen der Sozialhilfe/Mindestsicherung).

55% der Sozialausgaben von Sozialversicherung getragen, 40% von Bund, Ländern und Gemeinden

Mehr als die Hälfte (55%) der Sozialausgaben entfiel 2018 auf den Bereich der Sozialversicherung (Pensions-, Unfall- und Krankenversicherung, Krankenfürsorgeanstalten, Arbeitslosenversicherung). Bund (21%; Beamtenpensionen, Familienbeihilfen, Kinderabsetzbeträge etc.) sowie Länder und Gemeinden (19%; Krankenanstalten, Sozialhilfe/Mindestsicherung, Kinderbetreuung etc.) hatten zusammen einen Ausgabenanteil von 40%. Der Rest (5%) waren Sozialleistungen von Unternehmen (betriebliche Pensionsvorsorge, Arbeitgeberlohnfortzahlung bei Krankheit). Während die Anteile von Sozialversicherung und Unternehmen über die Jahrzehnte relativ konstant blieben (siehe Tabelle 1), gab es bei den Gebietskörperschaften eine Verschiebung vom Bund (1990: 25%) zu den Ländern und Gemeinden (1990: 14%).

Sozialausgaben zu 36% durch Arbeitgeber, zu 35% aus Steuermitteln finanziert

Die Finanzierung der Sozialausgaben erfolgt im Wesentlichen aus drei Quellen: 2018 lagen die Arbeitgeber-Sozialbeiträge (inkl. Staat als Arbeitgeber) mit einem Anteil von 36% (40 Mrd. Euro) leicht über den Steuermitteln von Bund, Ländern und Gemeinden (35%); die Sozialbeiträge der geschützten Personen (Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Selbständige, Pensionistinnen und Pensionisten) trugen etwas mehr als ein Viertel (27%) zur Finanzierung bei (siehe Tabelle 3). Während der Arbeitgeber-Anteil im Zeitverlauf abgenommen hat (1990: 39%), ist jener der geschützten Personen gestiegen (1990: 25%); relativ unverändert blieb der Staatsanteil.

Österreich bei den Sozialausgaben EU-weit im vorderen Feld

Österreich zählt in der Europäischen Union (EU) zu den Mitgliedstaaten mit den höchsten Sozialausgaben. Im Jahr 2017, dem aktuellsten verfügbaren Jahr für den internationalen Vergleich, lagen die Sozialquoten der EU 28-Staaten zwischen 14,4% (Rumänien) und 34,1% (Frankreich); Österreich befand sich an fünfter Stelle (29,4%). Noch stärker kommen die großen Unterschiede zwischen den ärmeren und reicheren Staaten zum Ausdruck, wenn die um Preisniveauunterschiede bereinigten Sozialausgaben pro Einwohner (ausgedrückt in Kaufkraftstandards/KKS) herangezogen werden. Österreich zählte zu den fünf Ländern mit den höchsten Pro-Kopf-Ausgaben (knapp 11.000 KKS oder mehr); in den ärmsten Mitgliedstaaten standen demgegenüber jeder Person nur etwa ein Viertel davon (weniger als 3.000 KKS) an Sozialleistungen zur Verfügung.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zu den Sozialausgaben und ihrer Finanzierung finden Sie auf unserer Webseite.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen:  
Die Ausgaben und Einnahmen des Sozialschutzes werden in der EU nach der Methodik des ESSOSS (Europäisches System der Integrierten SOzialSchutzsstatistik) berechnet. Zu den Sozialschutzausgaben (ident mit dem oben verwendeten Begriff der Sozialausgaben) zählen Sozialleistungen, Verwaltungskosten und sonstige Ausgaben im Rahmen von Sozialschutzsystemen (in Österreich z. B. die gesetzliche Pensionsversicherung oder der Familienlastenausgleichsfonds). Als ESSOSS-Sozial(schutz-)ausgaben gelten Ausgaben mit Umverteilungscharakter, d. h. keine privaten Ausgaben, keine Anspar- und Lebensversicherungssysteme, keine privaten Zuzahlungen und keine betrieblichen Sozialleistungen ohne Umverteilungscharakter. Ebenfalls nicht zu den Sozialschutzausgaben zählen Bildungsausgaben, Wohnbauförderung und steuerliche Umverteilungen, die nicht primär sozialen Zwecken dienen.  
Sozialleistungen werden als "Bruttoleistungen" berechnet: ihr Wert entspricht dem Auszahlungsbetrag des jeweiligen Sozialschutzsystems, vor Abzug von Einkommenssteuern oder anderen von den Empfängerinnen und Empfängern zu leistenden Abgaben. Sozialleistungen sind von den Sozialschutzsystemen an private Haushalte und Einzelpersonen erbrachte Leistungen, die zur Abdeckung der durch eine Reihe von Risiken oder Bedürfnissen entstandenen Lasten dienen. Im ESSOSS sind es vereinbarungsgemäß acht Risiken bzw. Bedürfnisse (sogenannte Funktionen), die den Sozialschutz begründen (Wohnen und Bekämpfung sozialer Ausgrenzung sind in der Darstellung zu einer Funktion zusammengefasst). Direkte Zahlungen der Leistungsbezieherinnen und -bezieher zur Deckung der Kosten von Sozialleistungen sind keine Einnahmen der Sozialschutzsysteme, sondern der institutionellen Einheiten, die diese Leistungen bereitstellen, und werden vom Wert der Sozialleistung abgezogen (z. B. die Rezeptgebühren oder die im Fall der Pflegeheimunterbringung geleisteten Eigenbeiträge).  
Statistik Austria berechnet die ESSOSS-Daten für Österreich im Auftrag des Sozialministeriums. Die Zeitreihe umfasst derzeit die Jahre 1980, 1985 und 1990 bis 2018.

Tabelle 1: Sozialausgaben, Sozialquote und Sozialleistungen in Österreich 1990–2018
 1990200020052010201520172018
Sozialausgaben in Mio. Euro35.50559.67571.05687.640102.803108.732112.103
Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Mio. Euro1)136.135213.606254.075295.897344.269370.296385.712
Sozialquote (Sozialausgaben in % des BIP)26,127,928,029,629,929,429,1
Sozialausgaben nach Trägern in %
- Sozialversicherung55,053,953,753,754,754,854,9
- Bund24,825,325,523,621,920,920,7
- Länder und Gemeinden14,115,516,117,718,419,219,2
- Unternehmen6,15,34,75,05,15,15,3
Sozialleistungen in Mio. Euro2)34.47357.92368.83285.272100.136105.882109.283
Sozialleistungen nach Funktionen in %
- Krankheit/Gesundheitsversorgung26,425,625,525,325,325,826,2
- Invalidität/Gebrechen9,79,38,37,46,66,26,5
- Alter37,039,340,042,444,444,444,5
- Hinterbliebene10,48,27,46,66,05,85,6
- Familie/Kinder10,411,311,210,89,69,59,5
- Arbeitslosigkeit4,74,85,85,65,75,85,6
- Wohnen/soziale Ausgrenzung1,61,41,71,92,42,62,2
Tabelle 2: Ausgaben für Sozialleistungen nach Funktionen und Leistungsarten in Österreich 2018
Funktion/Leistungsartinsgesamtdavondavon
GeldleistungenSachleistungenohne Bedürftigkeitsprüfungmit Bedürftigkeitsprüfung
Sozialleistungen in Mio. Euro
Krankheit/Gesundheitsversorgung28.5864.03024.55628.419167
Invalidität/Gebrechen7.0835.1071.9765.1701.914
Alter48.59045.9432.64745.6932.897
Hinterbliebene6.1656.131345.859306
Familie/Kinder10.3327.3602.9729.1611.171
Arbeitslosigkeit6.1304.5051.6254.7671.363
Wohnen/soziale Ausgrenzung2.3969201.4762722.124
Insgesamt109.28373.99635.28699.3419.941
Sozialleistungen in Prozentanteilen
Krankheit/Gesundheitsversorgung100,014,185,999,40,6
Invalidität/Gebrechen100,072,127,973,027,0
Alter100,094,65,494,06,0
Hinterbliebene100,099,40,695,05,0
Familie/Kinder100,071,228,888,711,3
Arbeitslosigkeit100,073,526,577,822,2
Wohnen/soziale Ausgrenzung100,038,461,611,488,6
Insgesamt100,067,732,390,99,1
Tabelle 3: Finanzierung der Sozialausgaben in Österreich 1990–2018
Finanzierungsart1990200020052010201520172018
Einnahmen in Mio. Euro
Arbeitgeber-Sozialbeiträge13.95623.01625.88930.95036.57538.99940.173
Sozialbeiträge der geschützten Personen8.81115.82418.87922.14626.52128.89229.888
- Arbeitnehmerbeiträge7.45913.12815.24217.81021.07523.03023.749
- Selbständigenbeiträge7601.5802.0212.3113.0403.3223.536
- Pensionistenbeiträge5921.1151.6162.0252.4052.5412.604
Allgemeine Steuermittel12.29119.74024.39631.15037.09337.84939.415
Sonstige Einnahmen3997059971.4341.2481.3691.597
Insgesamt35.45759.28570.16085.679101.436107.108111.074
Einnahmen in %
Arbeitgeber-Sozialbeiträge39,438,836,936,136,136,436,2
Sozialbeiträge der geschützten Personen24,926,726,925,826,127,026,9
- Arbeitnehmerbeiträge21,022,121,720,820,821,521,4
- Selbständigenbeiträge2,12,72,92,73,03,13,2
- Pensionistenbeiträge1,71,92,32,42,42,42,3
Allgemeine Steuermittel34,733,334,836,436,635,335,5
Sonstige Einnahmen1,11,21,41,71,21,31,4
Insgesamt100,0100,0100,0100,0100,0100,0100,0
Tabelle 4: Sozialquote und Sozialausgaben pro Kopf in Kaufkraftstandards (KKS)1) in der EU 2017
ReihungLandSozialquote2)ReihungLandSozialausgaben pro Kopf2)
1.Frankreich34,11.Luxemburg14.901
2.Dänemark32,22.Dänemark11.743
3.Finnland30,63.Deutschland11.263
4.Deutschland29,74.Niederlande11.015
5.Österreich29,45.Österreich10.966
6.Niederlande29,36.Frankreich10.917
7.Italien29,17.Schweden10.219
    
22.Bulgarien16,822.Ungarn3.965
23.Malta16,123.Kroatien3.930
24.Estland16,024.Estland3.909
25.Litauen15,125.Litauen3.755
26.Irland14,926.Lettland2.997
27.Lettland14,827.Rumänien2.869
28.Rumänien14,428.Bulgarien2.756

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