Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Die Ergebnisse zum Thema Familie und Arbeitsmarkt zeigen, dass es vor allem Mütter sind, die vor der Herausforderung stehen Beruf und Familie zu vereinbaren. Im Gegensatz zu Frauen wird das berufliche Engagement von Männern von der Geburt eines Kindes häufig kaum beeinflusst.

Erwerbstätigkeit

Betrachtet man die Entwicklung der aktiven Erwerbstätigenquote der Frauen im Alter von 25 bis 49 Jahren (ohne Elternkarenz), dann stieg die Erwerbsbeteiligung zwischen 1999 und 2019 um insgesamt 7,7 Prozentpunkte von 69,5% auf 77,2%. Im Vergleich dazu sank die Erwerbstätigenquote der Männer in dieser Altersgruppe um mehr als drei Prozentpunkte, ausgehend von einem sehr hohen Ausgangsniveau von 91,8% im Jahr 1999 auf 88,6% im Jahr 2019. Somit reduzierte sich der Unterschied zwischen den Erwerbstätigenquoten von Frauen und Männern von 22,2 Prozentpunkten vor 20 Jahren auf 11,3 Prozentpunkte im Jahr 2019.

Bei den Personen ohne Kinder waren die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Erwerbsbeteiligung deutlich geringer. Die aktive Erwerbstätigenquote der Frauen erhöhte sich von 82,3% (1999) auf 84,4% (2019) und lag damit nur 0,3 Prozentpunkte unter jener der Männer mit 84,7%.

Leben Kinder im betreuungspflichtigen Alter (bis unter 15 Jahre) im Haushalt, so treten maßgebliche Unterschiede in den Erwerbstätigenquoten zu Tage. Betreuungspflichten für zumindest ein Kind unter 15 Jahren verursachen eine deutlich niedrigere Erwerbstätigkeit von Frauen und gegenläufig dazu eine leicht höhere Erwerbstätigkeit von Männern. Im Jahr 2019 nahmen 93,3% der Männer und 68,8% der Frauen mit betreuungspflichtigen Kindern unter 15 Jahren aktiv am Arbeitsmarkt teil. Die Differenz der Erwerbstätigenquoten von Frauen und Männern mit Kindern unter 15 Jahren lag damit bei 24,4 Prozentpunkten. Vor 20 Jahren war diese allerdings noch wesentlich höher: 1999 betrug der Unterschied 35,9 Prozentpunkte (Frauen: 59,7%; Männer: 95,6%).

Die Annäherung der Erwerbstätigenquoten ist somit zu großen Teilen auf die höhere Erwerbsbeteiligung der Mütter zurückzuführen. Im Vergleich stieg die Erwerbstätigenquote bei den Frauen mit betreuungspflichtigen Kindern unter 15 Jahren zwischen 1999 und 2019 um 9,1 Prozentpunkte. Bei den Männern mit unter 15-jährigen Kindern kam es im Vergleichszeitraum sogar zu einer leichten Reduktion der Erwerbstätigkeit von 2,3 Prozentpunkten.

Teilzeiterwerbstätigkeit

Der Anstieg der Erwerbsbeteiligung der Frauen ist allerdings fast ausschließlich eine Folge der Zunahme von Teilzeitarbeit. Teilzeitarbeit und geringfügige Beschäftigung prägen die Erwerbsbeteiligung vieler Frauen, vor allem jener mit betreuungspflichtigen Kindern. Vor allem für Frauen mit Kindern unter 15 Jahren ist Teilzeitbeschäftigung die dominierende Form der Erwerbsarbeit, um Betreuungsaufgaben und Erwerbstätigkeit zu vereinbaren. Im Vergleich stieg die Teilzeitquote der 25- bis 49-jährigen Frauen mit Kindern unter 15 Jahren um knapp 25 Prozentpunkte von 51,3% im Jahr 1999 auf 74,3% im Jahr 2019.

Der Trend zur Teilzeitarbeit betrifft allerdings nicht nur Frauen mit betreuungspflichtigen Kindern. Zwischen 1999 und 2019 wurden auch bei Frauen und Männern ohne Kinder ein Anstieg der Teilzeitquoten beobachtet. Insgesamt arbeiteten mehr als ein Viertel der Frauen (25,3%) und fast ein Achtel der Männer (11,3%) ohne Kinder Teilzeit. Die Teilzeitquote der Männer mit Kindern unter 15 Jahren lag deutlich darunter: Obwohl sich deren Teilzeitquote im Zeitraum von 1999 bis 2019 ebenfalls erhöht hatte, lag sie 2019 bei nur 5,6% (1999: 2,7%). Insgesamt waren 2019 49,4% der Frauen im Alter von 25 bis 49 Jahren teilzeitbeschäftigt, bei den Männern waren es 8,4%.

Aufteilung der Erwerbsarbeit zwischen Müttern und Vätern

Spätestens mit der Geburt des Kindes müssen Eltern die Entscheidung über die Aufteilung der Hausarbeit und den Umfang der Erwerbstätigkeit treffen. Dabei werden in Österreich vorwiegend Modelle gewählt, die auf die Haupterwerbstätigkeit von Männern abzielen. Bei 46,0% der Paare mit Kindern unter 15 Jahren im selben Haushalt war 2019 der Mann auf Vollzeitbasis und die Frau auf Teilzeitbasis erwerbstätig, bei 18,4% war ausschließlich der Mann erwerbstätig. Bei etwa jedem siebenten Paar (14,6%) mit Kindern unter 15 Jahren im selben Haushalt waren beide Partner vollzeiterwerbstätig. In 10,4% der Fälle war einer der Partner, meistens jedoch die Frau, in Elternkarenz. Arbeitszeitmodelle, die auf eine Haupterwerbstätigkeit der Frau oder Teilzeiterwerbstätigkeiten beider Partner abzielen, wurden in weniger als 10% der österreichischen Partnerschaften mit Kindern unter 15 Jahren im selben Haushalt gelebt.

Weitere Informationen befinden sich unter Familie und Arbeitsmarkt sowie unter Haushalte, Familien und Lebensformen.

Aufgrund der generell geringeren Erwerbstätigenquoten bei jüngeren und älteren Personen dient der Vergleich der aktiven Erwerbstätigen- und Teilzeitquoten von Personen im Alter von 25 bis 49 Jahren vor allem dazu, den Einfluss von Betreuungspflichten auf das Erwerbsleben besser darstellen zu können.

Zudem gilt insbesondere bei Müttern zu beachten, dass nach gängiger Praxis der Erwerbsstatistik auch Personen in Elternkarenz zu den Erwerbspersonen gezählt werden, obwohl diese ihre Erwerbstätigkeit nicht aktiv ausgeübt haben. Dies betrifft vor allem Mütter kleiner Kinder und erhöht die Erwerbstätigenquote. Für die Darstellung der Erwerbstätigen- und Teilzeitquoten wird daher die „Aktivquote“ verwendet, d.h. Frauen und Männer in Elternkarenz werden zu den Nicht-Erwerbstätigen gezählt.

Entwicklung der aktiven Erwerbstätigen- und Teilzeitquoten (ILO) der 25- bis 49-Jährigen nach Familientyp und Geschlecht, 1994 - 2019
Paare mit Kindern unter 18 Jahren nach Merkmalen der Erwerbstätigkeit (ILO) und Alter des jüngsten Kindes, 2019

Aktive Erwerbstätigenquoten der 25- bis 49-Jährigen
Aktive Teilzeitquoten der 25- bis 49-Jährigen
Infografik Frauentag 2020

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