Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Die Ergebnisse zum Thema Familie und Arbeitsmarkt zeigen, dass es vor allem Mütter sind, die vor der Herausforderung stehen Beruf und Familie zu vereinbaren. Im Gegensatz zu Frauen wird das berufliche Engagement von Männern von der Geburt eines Kindes häufig kaum beeinflusst.

Erwerbstätigkeit

Betrachtet man die Entwicklung der aktiven Erwerbstätigenquote der Frauen im Alter von 25 bis 49 Jahren (ohne Elternkarenz), dann stieg die Erwerbsbeteiligung zwischen 2000 und 2020 um insgesamt 5,5 Prozentpunkte von 70,2% auf 75,7%. Im Vergleich dazu sank die Erwerbstätigenquote der Männer in dieser Altersgruppe um 5,7 Prozentpunkte, ausgehend von einem sehr hohen Ausgangsniveau von 92,4% im Jahr 2000 auf 86,7% im Jahr 2020. Somit reduzierte sich der Unterschied zwischen den Erwerbstätigenquoten von Frauen und Männern von 22,2 Prozentpunkten vor 20 Jahren auf 10,9 Prozentpunkte im Jahr 2020.

Bei den Personen ohne Kinder waren die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Erwerbsbeteiligung deutlich geringer. Die aktive Erwerbstätigenquote der Frauen erhöhte sich von 81,8% (2000) auf 82,5% (2020) und lag damit um 0,2 Prozentpunkte knapp über jener der Männer mit 82,3%.

Leben Kinder im betreuungspflichtigen Alter (bis unter 15 Jahre) im Haushalt, so treten maßgebliche Unterschiede in den Erwerbstätigenquoten zu Tage. Betreuungspflichten für zumindest ein Kind unter 15 Jahren verursachen eine deutlich niedrigere Erwerbstätigkeit von Frauen und gegenläufig dazu eine leicht höhere Erwerbstätigkeit von Männern. Im Jahr 2020 nahmen 91,9% der Männer und 68,0% der Frauen mit betreuungspflichtigen Kindern unter 15 Jahren aktiv am Arbeitsmarkt teil. Die Differenz der Erwerbstätigenquoten von Frauen und Männern mit Kindern unter 15 Jahren lag damit bei 23,9 Prozentpunkten. Vor 20 Jahren war diese allerdings noch wesentlich höher: 2000 betrug der Unterschied 35,0 Prozentpunkte (Frauen: 60,9%; Männer: 95,9%).

Die Annäherung der Erwerbstätigenquoten ist somit zu großen Teilen auf die höhere Erwerbsbeteiligung der Mütter zurückzuführen. Im Vergleich stieg die Erwerbstätigenquote bei den Frauen mit betreuungspflichtigen Kindern unter 15 Jahren zwischen 2000 und 2020 um 7,1 Prozentpunkte. Bei den Männern mit unter 15-jährigen Kindern kam es im Vergleichszeitraum sogar zu einer leichten Reduktion der Erwerbstätigkeit von 4,0 Prozentpunkten.

Teilzeiterwerbstätigkeit

Der Anstieg der Erwerbsbeteiligung der Frauen ist allerdings fast ausschließlich eine Folge der Zunahme von Teilzeitarbeit. Teilzeitarbeit und geringfügige Beschäftigung prägen die Erwerbsbeteiligung vieler Frauen, vor allem jener mit betreuungspflichtigen Kindern. Vor allem für Frauen mit Kindern unter 15 Jahren ist Teilzeitbeschäftigung die dominierende Form der Erwerbsarbeit, um Betreuungsaufgaben und Erwerbstätigkeit zu vereinbaren. Im Vergleich stieg die Teilzeitquote der 25- bis 49-jährigen Frauen mit Kindern unter 15 Jahren um mehr als 21 Prozentpunkte von 51,6% im Jahr 2000 auf 72,8% im Jahr 2020.

Der Trend zur Teilzeitarbeit betrifft allerdings nicht nur Frauen mit betreuungspflichtigen Kindern. Zwischen 2000 und 2020 wurden auch bei Frauen und Männern ohne Kinder ein Anstieg der Teilzeitquoten beobachtet. Insgesamt arbeiteten mehr als ein Viertel der Frauen (25,8%) und fast ein Achtel der Männer (11,4%) ohne Kinder Teilzeit. Die Teilzeitquote der Männer mit Kindern unter 15 Jahren lag deutlich darunter: Obwohl sich deren Teilzeitquote im Zeitraum von 2000 bis 2020 ebenfalls erhöht hatte, lag sie 2020 bei nur 6,9% (2000: 2,3%). Insgesamt waren 2020 49,1% der Frauen im Alter von 25 bis 49 Jahren teilzeitbeschäftigt, bei den Männern waren es 9,0%.

Aufteilung der Erwerbsarbeit zwischen Müttern und Vätern

Spätestens mit der Geburt des Kindes müssen Eltern die Entscheidung über die Aufteilung der Hausarbeit und den Umfang der Erwerbstätigkeit treffen. Dabei werden in Österreich vorwiegend Modelle gewählt, die auf die Haupterwerbstätigkeit von Männern abzielen. Bei 44,3% der Paare mit Kindern unter 15 Jahren im selben Haushalt war 2020 der Mann auf Vollzeitbasis und die Frau auf Teilzeitbasis erwerbstätig, bei 17,8% war ausschließlich der Mann erwerbstätig. Bei etwa jedem siebenten Paar (14,4%) mit Kindern unter 15 Jahren im selben Haushalt waren beide Partner vollzeiterwerbstätig. In 11,2% der Fälle war einer der Partner, meistens jedoch die Frau, in Elternkarenz. Arbeitszeitmodelle, die auf eine Haupterwerbstätigkeit der Frau oder Teilzeiterwerbstätigkeiten beider Partner abzielen, wurden in weniger als 8,3% der österreichischen Partnerschaften mit Kindern unter 15 Jahren im selben Haushalt gelebt.

Beim Vergleich der Erwerbsbeteiligung von Paaren mit Kindern konnten in den letzten zehn Jahren gleich mehrere Entwicklungen beobachtet werden: Der Anteil der Paarfamilien mit Kindern unter 15 Jahren, in denen nur der Mann erwerbstätig war, wurde um 5,4 Prozentpunkte geringer und sank von 23,2% im Jahr 2010 auf 17,8% im Jahr 2020. Dieser Rückgang zeigte sich unabhängig vom Alter des Kindes. Ebenfalls sank der Anteil der Paare, in denen beide Partner in Vollzeit erwerbstätig waren, im Vergleichszeitraum um 1,8 Prozentpunkte. Im Lauf der Zeit ergab sich somit eine sinkende Verbreitung des männlichen Alleinverdiener-Modells wie auch der doppelten Vollzeiterwerbstätigkeit. Beide Modelle wurden großteils von einer Vollzeiterwerbstätigkeit des Mannes gekoppelt mit einer Teilzeiterwerbstätigkeit der Frau abgelöst. Ab dem dritten Geburtstag des jüngsten Kindes teilen sich mehr als die Hälfte der Paare die Erwerbsarbeit in dieser Form auf. Unkonventionelle Arten der Aufteilung der Erwerbsarbeit, wie z.B. eine Vollzeiterwerbstätigkeit der Frau in Verbindung mit einer Teilzeiterwerbstätigkeit des Mannes oder eine Teilzeiterwerbstätigkeit beider Partner, waren in Österreich auch im Jahr 2020 relativ selten anzutreffen (4,3%), wenngleich deren Verbreitung seit 2010 um rund 1,2 Prozentpunkte angestiegen ist.

Weitere Informationen befinden sich unter Familie und Arbeitsmarkt sowie unter Haushalte, Familien und Lebensformen.

Aufgrund der generell geringeren Erwerbstätigenquoten bei jüngeren und älteren Personen dient der Vergleich der aktiven Erwerbstätigen- und Teilzeitquoten von Personen im Alter von 25 bis 49 Jahren vor allem dazu, den Einfluss von Betreuungspflichten auf das Erwerbsleben besser darstellen zu können.

Zudem gilt insbesondere bei Müttern zu beachten, dass nach gängiger Praxis der Erwerbsstatistik auch Personen in Elternkarenz zu den Erwerbspersonen gezählt werden, obwohl diese ihre Erwerbstätigkeit nicht aktiv ausgeübt haben. Dies betrifft vor allem Mütter kleiner Kinder und erhöht die Erwerbstätigenquote. Für die Darstellung der Erwerbstätigen- und Teilzeitquoten wird daher die „Aktivquote“ verwendet, d.h. Frauen und Männer in Elternkarenz werden zu den Nicht-Erwerbstätigen gezählt.

Entwicklung der aktiven Erwerbstätigen- und Teilzeitquoten (ILO) der 25- bis 49-Jährigen nach Familientyp und Geschlecht, 1994 - 2020
Paare mit Kindern unter 18 Jahren nach Merkmalen der Erwerbstätigkeit (ILO) und Alter des jüngsten Kindes, 2020

Aktive Erwerbstätigenquoten der 25- bis 49-Jährigen
Aktive Teilzeitquoten der 25- bis 49-Jährigen
Erwerbsbeteiligung von Müttern und Vätern mit Kindern unter 15 Jahren
Erwerbsbeteiligung von Paaren mit Kindern unter 15 Jahren

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