Pressemitteilung: 11.972-038/19

Spitalsaufenthalte 2017: mehr kürzere und mehr tagesklinische Aufenthalte

Wien, 2019-02-28 – Im Jahr 2017 wurden laut Statistik Austria 2.668.607 stationäre Aufenthalte in den österreichischen Akutkrankenanstalten sowie 163.788 Aufenthalte in der Langzeitversorgung, Rehabilitation und Prävention dokumentiert. Dabei wurden 4.785.218 medizinische Leistungen erbracht, das waren um 1,0% mehr als noch im Vorjahr. Knapp drei Viertel (73,5%) davon entfielen auf nicht-operative Leistungen und gut ein Viertel (26,5% bzw. 1.266.215 Fälle) auf operative Eingriffe. Die durchschnittliche Dauer der stationären Aufenthalte lag 2017 bei 6,4 Tagen. Fast ein Viertel (24,0%) aller stationären Aufenthalte im Jahr 2017 waren sogenannte Null-Tagesaufenthalte, bei denen Aufnahme und Entlassung am selben Tag erfolgen.

Zahl der Spitalsentlassungen stagniert, stationäre Aufenthalte werden immer kürzer

Die Zahl der Spitalsentlassungen stieg in den ersten zwanzig Jahren nach Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1989 um rund 60% an, unter Herausrechnung des Bevölkerungswachstums um rund 47%. Seit dem Jahr 2008 stagniert die Zahl der stationären Aufenthalte; 2017 gab es im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von 1,4%.

Dabei verkürzte sich die durchschnittliche Dauer der stationären Aufenthalte kontinuierlich von 11,0 Tagen im Jahr 1989 auf 6,4 Tage im Jahr 2017. Das lag vor allem an einer Zunahme kürzerer Aufenthalte: Hatte die Hälfte der vollstationär aufgenommenen Personen 1989 noch höchstens 6,9 Tage im Spital verbracht, waren es im Jahr 2017 nur noch 3,5 Tage. Das hängt vor allem damit zusammen, dass sich in den Akutkrankenanstalten Leistungen aus dem stationären in den tagesklinischen Bereich verlagerten. So ist die Zahl der Null-Tagesaufenthalte seit Mitte der 1990er Jahre bis zum Jahr 2016 auf das Fünffache angestiegen (von 127.678 auf 652.186 Aufenthalte). Mit der Einführung eines neuen Abrechnungsmodells im Jahr 2017 werden bislang als tagesklinisch codierte Leistungen nun als spitalsambulant erfasst, was erstmals zu einem Rückgang der Null-Tagesaufenthalte (-2,0% im Vergleich zum Vorjahr) geführt hat.

Die häufigsten Entlassungsdiagnosen bei vollstationären und bei Null-Tagesaufenthalten

Die häufigste Ursache für vollstationäre Aufenthalte in Akutkrankenanstalten waren Erkrankungen des Kreislaufsystems. Sie waren die primäre Entlassungsdiagnose bei 12,5% der Spitalsaufenthalte, gefolgt von Verletzungen und Vergiftungen (11,7% der Aufenthalte), Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und Erkrankungen des Verdauungssystems (jeweils rund ein Zehntel der Aufenthalte). 9,9% der vollstationären Spitalsaufenthalte bezogen sich auf eine Krebserkrankung.

Bei den Null-Tagesaufenthalten in Akutkrankenanstalten hatten mehr als die Hälfte aller Patientinnen und Patienten eine Augenerkrankung (28,6%) oder eine Krebserkrankung (25,0%) als Entlassungsdiagnose. An dritter Stelle folgten Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems (7,2%).

Steigende Zahl an chirurgischen tagesklinischen Eingriffen

Von den insgesamt 1.266.215 im Jahr 2017 durchgeführten Operationen betrafen 23,6% (298.469 Operationen) den Bewegungsapparat, 20,7% (261.552) waren geburtshilfliche Eingriffe und Operationen am Urogenitaltrakt und 13,2% (167.173) betrafen Augen und Orbita. Drei Viertel dieser Augenoperationen wurden im tagesklinischen Setting durchgeführt; sie machten auch fast die Hälfte (47,7%) aller tagesklinisch durchgeführten operativen Eingriffe aus. Insgesamt hat sich die Zahl der chirurgischen Eingriffe während eines Null-Tagesaufenthaltes in den letzten zehn Jahren fast verdreifacht (von 93.581 im Jahr 2007 auf 264.200 im Jahr 2017).

Detaillierte Ergebnisse finden Sie auf unserer Webseite sowie im Jahrbuch der Gesundheitsstatistik.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die Spitalsentlassungsstatistik wird seit 1989 erhoben. Als Sekundärstatistik basiert sie auf der gesetzlich verpflichtenden Diagnosen- und Leistungsdokumentation aller österreichischen Krankenanstalten, seit 1997 im Rahmen der leistungsorientierten Krankenanstalten-Finanzierung (LKF). Statistik Austria veröffentlicht jährlich die Statistik der Spitalsentlassungsfälle nach Hauptdiagnose zum Zeitpunkt der Entlassung sowie die Statistik der medizinischen Einzelleistungen.  
Die Spitalsentlassungsstatistik ist keine personenbezogene, sondern eine fallbezogene Statistik, das heißt Mehrfachaufnahmen einer Person innerhalb eines Berichtsjahrs sind auch mehrfach enthalten.  
Vollstationäre Spitalsaufenthalte sind Aufenthalte mit mindestens einer Übernachtung. Bei den sogenannten Null-Tagesaufenthalten (tagesklinischen Aufenthalten) erfolgen stationäre Aufnahme und Entlassung am gleichen Kalendertag. Leistungen, die ohne eine stationäre Aufnahme erbracht werden, erfolgen spitalsambulant
In der Berechnung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer sind die Null-Tagesaufenthalte nicht berücksichtigt. Dieser Berechnungsmodus entspricht den internationalen Vorgaben.  
Zur Dokumentation der medizinischen Leistungen wurde im Berichtsjahr 2009 ein neuer Leistungskatalog eingeführt, daher sind Zeitreihenvergleiche vor diesem Zeitpunkt nur eingeschränkt möglich. 
Das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz stellt jährlich Daten über die in den Krankenhäusern vorhandenen Ressourcen in personeller, apparativer und räumlicher Hinsicht sowie Kennzahlen zur Inanspruchnahme der Krankenhäuser aus der Krankenanstalten-Statistik zur Verfügung. 
Die Daten zu den Spitalsentlassungen, Spitalsbetten und Personalzahlen werden von Statistik Austria jährlich an die OECD, Eurostat und die WHO gemeldet und in deren Datenbanken und Publikationen veröffentlicht.

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Michaela Prammer-Waldhör, Tel.: +43 (1) 71128-7263 bzw. michaela.prammer-waldhoer@statistik.gv.at 
Mag. Jeannette KLIMONT, Tel.: +43 (1) 71128-8277 bzw. jeannette.klimont@statistik.gv.at

 

Tabelle 1: Stationäre Versorgung 2007, 2016 und 2017
Merkmale der stationären Versorgung200720162017Veränderung in %
2007/20172016/2017
Krankenanstalten1)2702732710,4-0,7
Akut-, Kurzzeitversorgung185162159-14,1-1,9
Langzeitversorgung, Rehabilitation, Prävention8511111231,80,9
Tatsächlich aufgestellte Betten64.30764.83864.8050,8-0,1
Akut-, Kurzzeitversorgung53.12748.81648.275-9,1-1,1
   auf 1.000 der Bevölkerung6,45,65,5-14,1-1,7
Langzeitversorgung, Rehabilitation, Prävention11.18016.02216.53047,93,2
   auf 1.000 der Bevölkerung1,31,81,939,82,5
Medizinisches Personal in Krankenanstalten100.140116.078117.98217,81,6
Ärztinnen und Ärzte20.31824.65924.64621,3-0,1
Nichtärztliches medizinisches Personal79.82291.41993.33616,92,1
Spitalsentlassungen2)2.741.7152.863.7212.832.3953,3-1,1
   auf 1.000 der Bevölkerung330,5327,7322,0-2,6-1,7
Akut-, Kurzzeitversorgung2.632.8472.705.4602.668.6071,4-1,4
   Null-Tagesaufenthalte424.211652.186639.25350,7-2,0
   Vollstationäre Aufenthalte2.208.6362.053.2742.029.354-8,1-1,2
        auf 1.000 der Bevölkerung266,3234,9230,7-13,3-1,8
        durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Tagen5,66,46,414,30,0
        Aufenthaltstage pro Kopf1,81,51,5-18,8-2,4
Langzeitversorgung, Rehabilitation, Prävention108.868158.261163.78850,43,5
Operative medizinische Leistungen3)-1.237.6281.266.215-1,6
Leistungen bei Null-Tagesaufenthalten-244.175264.200-10,0

 

Tabelle 2: Spitalsentlassungen aus Akutkrankenanstalten 2017 nach Diagnose
Diagnosegruppe (ausgewählte ICD-10-Kapitel)Stationäre Aufenthalte 2017Veränderung in %
absolutin %2007/20172016/2017
Stationäre Aufenthalte insgesamt2.668.607-1,4-1,4
Vollstationäre Aufenthalte2.029.354100,0-8,1-1,2
Krankheiten des Kreislaufsystems (I00-I99)252.99312,5-12,3-2,8
Verletzungen, Vergiftungen, Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)238.07811,7-1,82,4
Krankheiten Muskel-Skelett-System, Bindegewebe (M00-M99)206.39710,2-10,3-0,3
Krankheiten des Verdauungssystems (K00-K93)203.32110,0-3,2-1,5
Bösartige Neubildungen (C00-C97)201.1229,93,1-0,2
Krankheiten von Auge und Augenanhangsgebilde (H00-H59)32.4141,6-62,1-9,8
Krankheiten des Urogenitalsystems (N00-N99)125.1116,2-6,20,2
Krankheiten des Atmungssystems (J00-J99)135.9826,7-1,60,7
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)113.3145,63,4-1,3
Psychische und Verhaltensstörungen (F00-F99)103.8235,1-10,0-3,9
Krankheiten des Nervensystems (G00-G99)91.1194,5-4,8-6,6
Bestimmte infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)53.2512,6-7,7-1,4
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)47.2732,3-20,4-3,5
Andere Krankheiten225.15611,1-9,0-0,4
Null-Tagesaufenthalte639.253100,050,7-2,0
Krankheiten des Kreislaufsystems (I00-I99)29.6814,616,7-9,5
Verletzungen, Vergiftungen, Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)26.1984,122,43,2
Krankheiten Muskel-Skelett-System, Bindegewebe (M00-M99)45.7547,226,8-4,7
Krankheiten des Verdauungssystems (K00-K93)27.0584,2-7,9-10,5
Bösartige Neubildungen (C00-C97)159.76525,023,2-3,6
Krankheiten von Auge und Augenanhangsgebilde (H00-H59)183.14128,6479,05,1
Krankheiten des Urogenitalsystems (N00-N99)36.4565,754,7-1,5
Krankheiten des Atmungssystems (J00-J99)8.5081,3-22,7-8,9
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)11.6881,831,7-4,2
Psychische und Verhaltensstörungen (F00-F99)12.2101,9-20,5-7,0
Krankheiten des Nervensystems (G00-G99)18.2492,930,3-3,8
Bestimmte infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)4.3090,7-20,2-8,8
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)7.1201,1-10,7-2,8
Andere Krankheiten69.11610,87,2-5,4

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