Überleben mit Krebs

Jährlich erkranken in Österreich etwa 40.000 Menschen an Krebs, Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Für beide Geschlechter stellen bösartige Tumorerkrankungen, nach den Herz-Kreislauferkrankungen, die zweithäufigste Todesursache dar. Obwohl die absolute Zahl der Krebsneuerkrankungen in den vergangenen zwei Jahrzehnten stieg, hat sich die Krebssterblichkeit verringert. Frühere Diagnosestellungen und neue Therapiemethoden führten zu einer Verlängerung der Überlebensdauer von an Krebs erkrankten Personen in Österreich. Im Rahmen der Eurocare-Studie, der internationalen Studie zum Überleben von Krebspatientinnen und Krebspatienten, wurden Österreich wiederholt Überlebensdauern über dem europäischen Durchschnitt bescheinigt. Nach den neuesten Berechnungen der Eurocare-Studie für die Diagnosejahre 2000 bis 2007 liegt Österreich mit einem relativen 5-Jahres-Überleben von 60,1% nach Schweden (64,8%), Finnland (61,4%), Island (61,2%) und Belgien (60,4) an fünfter Stelle. Die Schlusslichter bilden Polen (40,6%) und Bulgarien (38,7%). Für Österreich stehen durch eine Überlebensdaueranalyse der Statistik Austria wesentlich detailliertere Ergebnisse zur Verfügung.

Das relative 5-Jahres-Überleben nahm in den vergangenen Jahrzenten deutlich zu. Während nach einer Diagnosestellung in der Periode 1990-1994 das relative 5-Jahres-Überleben eines Krebspatienten bei 52% lag, stieg es mit der Diagnoseperiode 2010-2014 auf 61%. Dabei entspricht ein Wert von 100% der Überlebenswahrscheinlichkeit der Gesamtbevölkerung. Je höher das relative Überleben von Krebspatientinnen und Krebspatienten ist, desto eher gelten für sie dieselben Sterbewahrscheinlichkeiten wie für die übrige Bevölkerung. Anders ausgedrückt, verglichen mit der allgemeinen Überlebenswahrscheinlichkeit für einen Zeitraum von fünf Jahren war die Überlebenswahrscheinlichkeit von in den Jahren 1990-1994 an Krebs erkrankten Personen nur 0,52 mal so hoch, von 2010-2014 an Krebs erkrankten Personen dagegen 0,61 mal so hoch.

Für Männer stieg der Wert von 48% in der Diagnoseperiode 1990-1994 auf 58% in der Periode 2010-2014 und für Frauen im selben Zeitraum von 55% auf 63%. Die weitaus schlechteren Überlebensbedingungen für Männer vor knapp 30 Jahren und die positive Entwicklung sind zu einem Großteil auf die verschiedenen Arten der Tumorerkrankungen und deren Anteil an den gesamten Neuerkrankungen zurückzuführen. So tritt zum Beispiel Lungenkrebs, der eine sehr schlechte Prognose hat, bei Männern nicht mehr so häufig auf wie es früher der Fall war.

Für Krebspatientinnen und Krebspatienten, die bei der Diagnose jünger als 45 Jahre waren, betrug das relative 5-Jahres-Überleben 84% (Diagnoseperiode 2010-2014). Im Vergleich dazu betrug es für die älteste Patientengruppe, mit einer Diagnosestellung erst nach dem 75. Geburtstag, nur 46%. Die generell höhere Sterbewahrscheinlichkeit für ältere Menschen wird durch die Methode des relativen Überlebens berücksichtigt. Die Überlebenswahrscheinlichkeiten werden denen der Gruppe der Gesamtbevölkerung gleichen Alters und Geschlechts gegenüber gestellt. Bei den unter 45-jährigen Männern betrug das relative 5-Jahres-Überleben 81%, bei den Frauen 86%. Dahingegen betrug das relative 5-Jahres-Überleben der über 75-jährigen Männer sowie der Frauen 45%. Bei einem Vergleich der Diagnoseperioden 1990-1994 und 2010-2014 wurde der stärkste Zugewinn bei Männern im Alter zwischen 45 und 59 Jahren beobachtet (+17 Prozentpunkte).

Das Tumorstadium bei Diagnose ist ein wichtiger Parameter für die Einschätzung der Überlebenschancen. Je später ein Tumor entdeckt wird, desto schlechter ist seine Prognose. In der Diagnoseperiode 2010-2014 betrug das relative 5-Jahres-Überleben für alle Tumorstadien zusammen 61%. Werden Tumore in einem Stadium entdeckt, in dem die Organgrenzen noch nicht durchbrochen sind (lokalisiert), liegt die Überlebensrate bei 88%. Sind bereits Lymphknoten befallen (regionalisiert), liegt die relative Überlebensrate nach fünf Jahren bei 59%, wenn bereits Metastasen vorhanden sind (disseminiert), sind es nur mehr 10%. Systemische Tumore weisen ein relatives 5-Jahres-Überleben von 61% auf. Zwischen 1990-1994 und 2010-2014 stiegen die entsprechenden Überlebensraten zwischen 7 und 14 Prozentpunkte an, mit Ausnahme der bereits bei der Diagnose metastasierten Tumore, hier stieg der Wert lediglich von 9 auf 10%.

In diese Analyse flossen Informationen von 967.160 Krebsfällen, die zwischen 1990 und 2017 diagnostiziert und vom österreichischen Krebsregister dokumentiert wurden, ein. Die Hauptergebnisse entsprechen den bereits bekannten internationalen Ergebnissen: So zeigte sich eine langfristige deutliche Zunahme des Überlebens nach einer Krebsdiagnose in den letzten 25 Jahren. Das Tumorstadium bei Diagnose sowie Alter und Geschlecht des Patienten hatten den größten Einfluss auf die Überlebensdauer. Positiv ist, dass sich die Überlebenswahrscheinlichkeiten von Männern in den vergangenen Jahren deutlich verbessert haben und nun in etwa denen der Frauen entsprechen. Nicht berücksichtigt wurde in dieser ersten Auswertung, dass Krebs verschiedene Gewebetypen betreffen kann. Der Anteil der verschiedenen Tumoren an allen Tumoren sowie die Veränderung dieser Anteile im Laufe der Zeit haben ebenfalls einen Einfluss auf das Überleben und sind Gegenstand weiterer Analysen. Bei der Interpretation der Überlebenswahrscheinlichkeiten sind allerdings auch einige Schwächen der Methode zu berücksichtigen. So führen frühere Diagnosestellungen, wie zum Beispiel durch Screening, in der Regel zu einem längeren Überleben. Ob der Patient dadurch nur früher um seine Diagnose Bescheid weiß oder ob der Tod dadurch auch hinausgezögert werden kann, kann hier nicht beantwortet werden. Genauso wenig gibt die Überlebensdaueranalyse Aufschluss über die Lebensqualität der Krebspatientinnen und Krebspatienten. Darüber hinaus kann auch die Überlebensdauer auch durch sogenannte „Überdiagnose“ künstlich verlängert sein. ). „Überdiagnose“ ist der Fachbegriff für die Entdeckung einer Veränderung ohne Bedeutung für die weitere Gesundheit bei einer asymptomatischen Person. Das bedeutet, die entdeckte Erkrankung hätte nie zu Beschwerden oder zum Tod geführt. In diesem Fall wäre das ein bösartiger Tumor, der sich spontan zurückbildet, oder dessen Wachstum stagniert oder so langsam voranschreitet, dass er auch bei sehr langem Überleben nicht lebensbedrohlich geworden wäre. Per Definition bringen die Untersuchungen und Behandlungen keinen Nutzen sondern ziehen nur Nebenwirkungen, Komplikationen, Kosten und im schlimmsten Fall sogar einen vorzeitigen Tod nach sich (Marcus et al., 2015; Paci et al., 2006; Etzioni et al. 2002; Carter et al., 2015; Chiolero et al., 2013).

Methodische Hinweise:

Die Analyse bezieht sich auf alle Malignome (ausgenommen nicht-melanotische Tumore der Haut) und wird für beide Geschlechter zusammen als auch für Männer und Frauen getrennt, nach Altersgruppen und nach Tumorstadium bei der Diagnose dargestellt. Neben den 5-Jahres-Überlebensraten wurden auch 1-, 10- und 15-Jahres-Überlebensraten berechnet. Bei der Berechnung von Langzeitüberleben mit herkömmlichen Methoden spiegeln die Ergebnisse allerdings die Situation von Patienten wider, deren Diagnosestellung viele Jahre zurückliegt und die nicht unbedingt der Situation von kürzlich diagnostizierten Patienten entspricht. Es wurden beobachtetes Überleben sowie relative Überlebensraten, bezogen auf die Sterblichkeit der gesamten Bevölkerung, berechnet. Beide Maßzahlen werden einerseits als intervallspezifische Raten pro Erkrankungsjahr und andererseits als kumulierte Raten für den gesamten Beobachtungszeitraum dargestellt. Der Schwerpunkt liegt allerdings auf den relativen 5-Jahres-Überlebensraten, da diese die Qualität des Gesundheitswesens gut abbilden und häufig im internationalen Vergleich und zur Bewertung von Zeitverläufen verwendet werden. Die Basis für die Analyse bildeten die Daten des österreichischen Krebsregisters und der Todesursachenstatistik. Die Diagnosestellung erfolgte zwischen 1990 und 2017, Information zum Vitalstatus der Patienten stand bis zum 31.12.2018 zur Verfügung. Nach dem Ausschluss von Death-Certificate-Only Fällen, standen für die Analyse 967.160 Fälle zur Verfügung. Weitere Informationen zur Berechnung des Überlebens der Krebspatientinnen und Krebspatienten finden sie in Dickman, P. (2004): "Estimating and modeling relative survival using SAS".

Ergebnisse im Überblick: Relatives Überleben
Relative 5-Jahres-Überlebensraten in Österreich 1990 und 2014 nach Altersgruppen und Geschlecht
Relative 5-Jahres-Überlebensraten in Österreich 1990 und 2014 nach Tumorstadium und Geschlecht
Relatives 5-Jahres-Überleben in Österreich zwischen 1990 und 2014 nach Lokalisation und Geschlecht

Relatives 5-Jahres-Überleben im Vergleich 1990-1994 und 2010-2014 nach Lokalisationen
Relatives Überleben 1983-2017
Relatives 5-Jahres-Überleben 1983-2014

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