Pressemitteilung: 11.706-017/18

Krebserkrankungen in Österreich 2015: 340.840 Betroffene, 39.906 Neuerkrankungen

Wien, 2018-02-01 – Zum Jahresende 2015 lebten laut Statistik Austria 340.840 Personen mit einer Krebsdiagnose in Österreich. Zugleich wurden 39.906 Neuerkrankungen für das Jahr 2015 verzeichnet. Bei etwas mehr als der Hälfte aller neuen Fälle wurde Lungen-, Darm-, Brust- oder Prostatakrebs diagnostiziert (siehe Tabelle 1). Insgesamt führte bei rund 11.000 Männern und 9.400 Frauen im Jahr 2015 eine Krebserkrankung zum Tod. Damit waren Krebserkrankungen für etwa ein Viertel der jährlichen Todesfälle verantwortlich.

Häufigste Krebsneuerkrankungen: Prostatakrebs bei Männern, Brustkrebs bei Frauen

Pro Jahr erhalten in Österreich rund 21.000 Männer und 19.000 Frauen eine Krebsdiagnose. Die häufigste Krebsneuerkrankung war im Jahr 2015 bei Männern Prostatakrebs, der mit rund 4.900 Fällen knapp ein Viertel aller bösartigen Neubildungen (23%) ausmachte. Auch rund jeder zehnte Krebstodesfall war 2015 bei Männern auf Prostatakrebs zurückzuführen (rund 1.100 Männer).

Brustkrebs war 2015 mit etwa 5.400 jährlichen Neuerkrankungsfällen (29%) weiterhin die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Mit 1.600 Sterbefällen (17% aller Krebssterbefälle bei Frauen) war Brustkrebs auch die häufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen.

An zweiter Stelle der Krebsneuerkrankungen bei Männern – und seit 2015 auch bei Frauen – folgte Lungenkrebs mit etwa 4.900 Fällen (rund 3.000 Männer und knapp mehr als 1.900 Frauen, 14% bzw. 10%). Lungenkrebs nahm mit etwa jedem fünften Krebssterbefall bei Männern den ersten Rang unter den krebsbedingten Todesursachen ein (etwa 2.400 Männer). Bei Frauen stand er mit rund 1.500 Sterbefällen (16%) an zweiter Stelle nach Brustkrebs. Sowohl das Erkrankungs- als auch das Sterberisiko an Lungenkrebs nahmen in den vergangenen Jahren bei Frauen massiv zu, was eine Folge der zunehmenden Häufigkeit regelmäßigen Rauchens bei Frauen ist.

Die dritthäufigste Lokalisation bei den Neuerkrankungen war mit etwa 4.400 Fällen (rund 2.500 Männer und etwas weniger als 1.900 Frauen, 12% bzw. 10%) Dickdarmkrebs, der für rund 10% der Krebssterbefälle verantwortlich war.

Trotz sinkendem Risiko für Neuerkrankungen und Sterblichkeit nimmt die Prävalenz von Krebs zu

Wie die Daten von Statistik Austria zeigen, gehen im Zeitverlauf sowohl das Risiko einer Neuerkrankung als auch das Sterblichkeitsrisiko tendenziell zurück, während die Überlebenswahrscheinlichkeit steigt (siehe Tabelle 2). Trotz sinkendem Neuerkrankungsrisiko wird gemäß einer aktuellen Prognose von Statistik Austria die Zahl der an Krebs erkrankten Personen bis 2030 gegenüber 2014 um 39% steigen. Dies ist im Wesentlichen eine Folge der absehbaren Zunahme älterer Personen durch die demographische Alterung, da Krebserkrankungen vorrangig im fortgeschrittenen Lebensalter auftreten, sowie der gestiegenen Überlebenswahrscheinlichkeiten. Somit wird es, trotz sinkendem Erkrankungsrisiko, 2030 bereits 457.700 an Krebs erkrankte Personen geben, während es 2014 329.200 waren. Dieser spürbare Anstieg der Krebsprävalenz ist seit etwa der Jahrtausendwende zu beobachten: Lebten im Jahr 2000 191.200 Personen mit einer Krebsdiagnose in Österreich, was 2,4% der damaligen Bevölkerung entsprach, werden zum 31.12.2030 bereits 4,9% aller Österreicherinnen und Österreicher an Krebs erkrankt sein.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zu Krebserkrankungen finden Sie auf unserer Webseite.

 

Methodische Informationen, Definitionen: Das Österreichische Krebsregister von Statistik Austria liefert Ergebnisse zu Krebsneuerkrankungen. Die Ergebnisse umfassen Daten zur Inzidenz, zur Prävalenz und zum Überleben nach einer Krebsdiagnose. Basis dafür sind die gesetzlich verpflichtenden Krebsmeldungen, welche neben Informationen zur Krebserkrankung auch Angaben zum Alter, Geschlecht und Wohnort der Patientinnen und Patienten enthalten. 
Die Krebsinzidenz bezeichnet die Anzahl an Krebsneuerkrankungen pro Kalenderjahr. 
Altersstandardisierte Inzidenzraten sind um Effekte einer im Zeitverlauf sich ändernden Altersstruktur bzw. unterschiedlicher Alterszusammensetzungen der jeweiligen Bezugsbevölkerungen bereinigt und können im Sinne eines Erkrankungsrisikos interpretiert werden. 
Als Krebsprävalenz bezeichnet man die Anzahl der Personen (oder den Anteil in einer Bevölkerung), die mit einer vorangegangenen Krebsdiagnose zu einem bestimmten Zeitpunkt am Leben sind. In diese Messgröße fließen alle Krebsdiagnosen ein, unabhängig vom jeweiligen Gesundheitszustand der Person. Die Daten zur Prävalenz basieren auf den Zahlen des Österreichischen Krebsregisters sowie eines Follow-up des Überlebensstatus aller registrierten Personen. Da Personen auch an mehreren Krebsarten erkranken können, wird die Prävalenz einerseits nach Personen mit Krebserkrankungen (unabhängig von der Anzahl der Malignome) sowie andererseits nach Tumorlokalisationen ausgewiesen. Die Gesamtprävalenz nach Tumorlokalisationen ist folglich höher als nach Personen. 
Das relative Überleben setzt das beobachtete Überleben von Krebspatientinnen und -patienten nach einem bestimmten Zeitraum (kumuliert, z. B. fünf Jahre) in Beziehung zum Überleben der Gesamtbevölkerung unter Berücksichtigung der Alters- und Geschlechtsverteilung. Eine relative Überlebensrate von 100% bedeutet, dass die Sterblichkeit unter den Erkrankten genauso hoch ist wie die Sterblichkeit der allgemeinen Bevölkerung gleichen Alters und Geschlechts. Das relative Überleben ist somit eine von der Kenntnis der wahren Todesursache unabhängiger Schätzer des krebsspezifischen Überlebens. Weitere Informationen zur Berechnung des Überlebens mit Krebs finden sich in Dickman, P. (2004): "Estimating and modeling relative survival using SAS" unter http://www.pauldickman.com. 
Zahlen zu den Krebssterbefällen stammen aus der Todesursachenstatistik. Im Unterschied zur dortigen Klassifikation zählen zur Krebsinzidenz alle ICD-10 C-Kodes – "Bösartige Neubildungen", jedoch ohne C44 "Sonstige bösartige Neubildungen der Haut ", aber inkl. B21 "Bösartige Neubildungen infolge HIV-Krankheit". Um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten, wurden die Daten aus der Todesursachstatistik entsprechend diesem Vorgehen ausgewählt. Die Sterbedaten beziehen sich ebenfalls auf das Berichtsjahr 2015. 
Die zukünftige Entwicklung der Krebsprävalenz wird generell von drei Faktoren beeinflusst: Zum Ersten führt die demographische Alterung, verursacht durch das Aufrücken der geburtenstarken Jahrgänge in höhere Altersklassen, zu einem Anstieg der Krebsprävalenz, da Krebserkrankungen vorrangig im fortgeschrittenen Lebensalter auftreten. Zum Zweiten treten Entwicklungen im individuellen Neuerkrankungsrisiko auf. Dieses kann prinzipiell in unterschiedliche Richtungen verlaufen (beispielsweise wird das Risiko einer Lungenkrebsneuerkrankung bei Frauen in Zukunft steigen, bei Männern hingegen sinken) und war in der Vergangenheit auch durch die Einführung von Screenings beeinflusst. Über alle Entitäten zusammen betrachtet wird das individuelle Erkrankungsrisiko in Zukunft aber rückläufig sein, was den demographisch bedingten Anstieg der Krebsprävalenz bremst. Und zum Dritten werden durch den medizinischen Fortschritt die Überlebenschancen der an Krebs erkrankten Personen über die Zeit verbessert, was wiederum für sich genommen zu einem stärkeren Anstieg der Krebsprävalenz führen wird. Ob eine Zunahme der Krebsprävalenz in den kommenden Jahren aus gesundheitspolitischer Sicht als positiv, neutral oder negativ zu bewerten ist, kann aus der Gesamtentwicklung alleine also nicht unmittelbar beurteilt werden.

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Dr. Monika HACKL, Tel.: +43 (1) 71128-7355 bzw. monika.hackl@statistik.gv.at und  
Petra IHLE, BA, Tel.: +43 (1) 71128-7533 bzw. petra.ihle@statistik.gv.at

 

Tabelle 1: Inzidenz, Mortalität, 5-Jahres-Überleben und Prävalenz zu Krebserkrankungen 2015
Lokalisationen1)InzidenzMortalität2)Überleben3)Prävalenz4)
Absolute ZahlenAbsolute ZahlenIn %Absolute Zahlen
Kopf- u. Halsbereich (C00–C14)1.28352548,77.830
Speiseröhre (C15)41833418,71.191
Magen (C16)1.15982533,76.907
Dickdarm und Enddarm (C18–C21)4.3862.04462,542.777
Leber (C22)94191713,31.710
Bauchspeicheldrüse (C25)1.7571.6719,22.418
Kehlkopf (C32)32813362,52.860
Lunge (C33–C34)4.8603.88919,213.242
Haut (C43)1.77936284,720.778
Brust (C50)5)5.3901.56886,374.170
Gebärmutterhals (C53)39513966,08.482
Gebärmutterkörper (C54)85615677,813.796
Eierstock (C56)65944543,96.617
Prostata (C61)4.8541.12891,861.348
Hoden (C62)3491495,88.992
Niere (C64)1.25842576,214.891
Harnblase (C67)1.57853368,815.596
Gehirn (C70–C72)76353328,93.991
Schilddrüse (C73)7626496,513.976
Hodgkin Lymphom (C81)1512887,43.555
Non-Hodgkin-Lymphom (C82–C86, C96)1.31859067,011.799
Plasmozytom und Myelom (C90)40936045,62.140
Leukämie (C91–C95)1.02569051,47.737
Andere Malignome6)3.1382.833-16.844
Alle Malignome (C00–C97, ohne C44)39.906 60,9364.294
Alle Personen mit einer Krebsdiagnose 20.209 340.840

 

Tabelle 2: Altersstandardisierte Inzidenzraten und 5-Jahres-Überleben zu Krebserkrankungen ab 1995
BerichtsjahrAltersstandardisierte Inzidenzraten1)Überleben2)
InsgesamtMännerFrauenInsgesamtMännerFrauen
1995539,2694,3457,455,952,758,9
1996548,8715,5457,255,452,358,5
1997559,4721,2468,955,553,058,0
1998556,0721,8462,156,754,658,8
1999537,5700,7440,356,455,557,5
2000555,6721,2453,858,457,759,2
2001545,5706,6445,959,058,659,5
2002540,0697,0438,859,959,660,3
2003549,2713,5441,560,160,260,1
2004548,2704,3445,760,860,261,4
2005524,7663,4431,360,759,861,8
2006531,2677,5432,161,560,462,8
2007526,1661,8433,361,560,462,8
2008516,9644,8430,561,360,262,6
2009504,4623,4421,460,659,561,7
2010502,8610,2429,461,058,663,5
2011495,0597,6424,761,259,163,5
2012493,7586,9428,560,357,563,3
2013479,0566,7417,2   
2014480,2572,1415,3   
2015471,0566,4401,2   
Tabelle 3: An Krebs erkrankte Personen nach Geschlecht und Alter zu Jahresende
BerichtsjahrAbsolute ZahlenIn Prozent der Bevölkerung
200020172030200020172030
Insgesamt191.179357.990457.7062,384,054,85
Männer84.431170.889220.2842,183,934,74
Frauen106.748187.101237.4222,584,164,94
Bis 44 Jahre18.12221.91921.4910,370,470,45
45 bis 59 Jahre38.41966.41756.4762,583,283,09
60 bis 74 Jahre73.852124.576161.1176,719,218,90
75 und mehr Jahre60.786145.078218.62210,5617,7421,27

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