Pressemitteilung: 11.958-024/19

Laufende Gesundheitsausgaben liegen im Jahr 2017 unverändert bei 10,4% des Bruttoinlandsprodukts

Wien, 2019-02-12 – Die laufenden Gesundheitsausgaben einschließlich der Ausgaben für Langzeitpflege lagen in Österreich 2017 wie seit 2014 bei 10,4% des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Insgesamt betrugen 2017 die Ausgaben für Gesundheitsleistungen und -güter laut Statistik Austria 38.457 Mio. Euro. Im Vergleich zu 2016 erhöhten sich die Gesundheitsausgaben nominell (zu laufenden Preisen) um 1.341 Mio. Euro. Diese Daten wurden gemäß der Berechnungsmethode des international vergleichbaren System of Health Accounts (SHA) ermittelt.

Österreich auf Platz 8 im internationalen Vergleich der Gesundheitsausgaben 2017

Im OECD-Vergleich liegt Österreich mit einem Anteil der laufenden Gesundheitsausgaben am BIP von 10,4% auf dem achten Platz, somit im oberen Mittelfeld der 36 OECD-Mitgliedstaaten und nahezu gleichauf mit Kanada und Norwegen. Angeführt wird der OECD-Vergleich erneut von den USA mit laufenden Gesundheitsausgaben in der Höhe von 17,2% des BIP, gefolgt von der Schweiz mit 12,3%. Der OECD-Durchschnitt der laufenden Gesundheitsausgaben beträgt 8,8% des BIP, jener der 23 EU-Mitgliedstaaten in der OECD beläuft sich auf 8,6% des BIP.

Unterschiedlicher Finanzierungsmix der Gesundheitsausgaben

Für Krankenanstalten, Unfallkrankenhäuser und Kur- sowie Rehabilitationseinrichtungen wurden 2017 in Österreich 14.816 Mio. Euro ausgegeben, dies entspricht 38,5% der laufenden Gesundheitsausgaben. Der Großteil davon (90,5%) wurde öffentlich durch die Sozialversicherungsträger sowie durch Bund, Länder und Gemeinden finanziert. Die privaten Finanziers (private Haushalte und Versicherungsunternehmen sowie private Organisationen ohne Erwerbszweck) trugen hier nur 9,5% oder 1.413 Mio. Euro zur Finanzierung bei.

Im Jahr 2017 wurden pharmazeutische Erzeugnisse und medizinische Ge- und Verbrauchsgüter (z. B. Medikamente, Seh- und Hörbehelfe, orthopädische Hilfsmittel etc.) um 6.586 Mio. Euro (17,1% der laufenden Gesundheitsausgaben) erworben. Diese Güter wurden zu rund 59,7% von den Sozialversicherungsträgern finanziert, 40,3% entfielen auf Ausgaben der privaten Haushalte und Versicherungsunternehmen.

Die Ausgaben für Langzeitpflege (gemäß SHA, siehe Informationen zur Methodik) lagen bei 5.663 Mio. Euro bzw. 14,7% der laufenden Gesundheitsausgaben. Sie verteilten sich zu 52,7% auf die Versorgung in Pflegeheimen (2.987 Mio. Euro) und zu 47,3% auf die häusliche Pflege (2.676 Mio. Euro). Die öffentliche Finanzierung der Langzeitpflege betrug 4.069 Mio. Euro bzw. 71,8%. Die private Finanzierung (private Haushalte und private Organisationen ohne Erwerbszweck) belief sich auf 28,2% bzw. 1.594 Mio. Euro.

Die Mittel zur zahnärztlichen Gesundheitsversorgung in Höhe von 2.185 Mio. Euro wurden mehrheitlich privat aufgebracht (54,7%). Die Ausgaben für Facharztpraxen beliefen sich auf 1.757 Mio. Euro, 75,2% davon wurden öffentlich finanziert, 24,8% privat.

Rund 11,5 Mrd. Euro an öffentlichen Mitteln wurden für Fondskrankenanstalten aufgewendet

Die öffentlichen Ausgaben für die Fondskrankenanstalten inklusive Spitalsambulanzen betrugen 2017 11.479 Mio. Euro. Den Großteil der Ausgaben trugen die Sozialversicherungsträger mit einem Ausgabenanteil von 45,5% (5.218 Mio. Euro), danach folgten die Bundesländer mit 32,6% (3.744 Mio. Euro) sowie der Bund mit 11,3% (1.299 Mio. Euro) und die Gemeinden mit 10,6% (1.219 Mio. Euro).

Die höchsten öffentlichen Ausgaben für Fondskrankenanstalten im Jahr 2017 wurden mit 3.156 Mio. Euro in Wien, die niedrigsten im Burgenland mit 245 Mio. Euro verzeichnet. Dies spiegelt in erster Linie die unterschiedliche Einwohnerzahl der Bundesländer bzw. die Anzahl der versorgten Patientinnen und Patienten wider. Die Ausgaben stiegen zwischen 2016 und 2017 in den jeweiligen Bundesländern unterschiedlich stark: In Oberösterreich (+7,2%) und Tirol (+6,8%) stiegen die Ausgaben am stärksten, die niedrigsten Wachstumsraten gab es im Burgenland (+0,5%) und in Wien (+1,6%).

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zu den Gesundheitsausgaben nach System of Health Accounts finden Sie auf unserer Webseite.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die Gesundheitsausgabenrechnung folgt den Regeln des "System of Health Accounts" (SHA) und wird seit 2005 im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz erstellt. Dieses System von umfassenden, konsistenten und international vergleichbaren Gesundheitskonten wurde im Mai 2000 erstmals von der OECD in Form des Manuals "A System of Health Accounts" veröffentlicht. Inzwischen liegt eine von OECD, Eurostat und WHO revidierte Fassung des Manuals vor (A System of Health Accounts, 2011 Edition). 
Die laut Durchführungsverordnung der Europäischen Kommission (EU 2015/359) von den EU-Mitgliedstaaten verpflichtend zu erhebenden Daten umfassen die laufenden Gesundheitsausgaben, also jene Gesundheitsausgaben, welche keine Investitionen im Gesundheitsbereich beinhalten, untergliedert nach den drei SHA-Dimensionen Finanzierung (HF), Leistungserbringer (HP) sowie Gesundheitsleistungen und -güter (HC). Die Daten werden jährlich aktualisiert, von Statistik Austria publiziert und an OECD, EUROSTAT und WHO gemeldet und in deren Datenbanken und Publikationen veröffentlicht. 
Die laufenden Gesundheitsausgaben nach System of Health Accounts umfassen auch Ausgaben für Langzeitpflege. Unter Langzeitpflege gemäß SHA werden pflegerische Tätigkeiten sowie Unterstützung bei den Aktivitäten des täglichen Lebens (sich bewegen, essen und trinken, sich waschen und ankleiden, etc.) verstanden. Hingegen werden u. a. Haushaltshilfe oder betreutes Wohnen als außerhalb der Gesundheitsversorgung betrachtet. 
Bei Fondskrankenanstalten handelt es sich um Akutkrankenanstalten in öffentlicher und privater Trägerschaft, welche über die neun Landesgesundheitsfonds (teil-)finanziert werden. Mit 87,9% (2017) der stationären Aufenthalte von Patientinnen und Patienten repräsentieren sie die wichtigste Gruppe der österreichischen Spitäler.

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Volkswirtschaft, Statistik Austria:  
DI Waltraud KAVLIK, Tel.: +43 (1) 71128-8262 bzw. waltraud.kavlik@statistik.gv.at

 

Tabelle 1: Laufende Gesundheitsausgaben in Österreich laut SHA1) 1990–2017, in Mio. Euro
Öffentliche und private laufende Gesundheitsausgaben2)1990200020052010201520162017
Laufende Gesundheitsausgaben10.61619.66024.46030.24435.69237.11738.457
Öffentliche Ausgaben7.89614.85018.09422.57626.43327.39828.459
Private Ausgaben2.7204.8096.3667.6689.2599.7199.998
Öffentliche Ausgaben, in % der laufenden Gesundheitsausgaben74,475,574,074,674,173,874,0
Private Ausgaben, in % der laufenden Gesundheitsausgaben25,624,526,025,425,926,226,0
Laufende Gesundheitsausgaben, in % des BIP7,89,29,610,210,410,410,4
Bruttoinlandsprodukt (BIP)136.135213.606254.075295.897344.259356.238369.899
Laufende Gesundheitsausgaben für Langzeitpflege1.2932.5883.1694.4265.3025.5325.663
Öffentliche Ausgaben für Langzeitpflege1.0502.1962.5473.4593.9664.0204.069
Private Ausgaben für Langzeitpflege2433926239661.3361.5121.594
Tabelle 2: Laufende öffentliche Gesundheitsausgaben für Fondskrankenanstalten 2017, in Mio. Euro
 BundLänderGemeindenSV-TrägerStaatWachstum Staat
2016 bis 2017
Österreich1.2993.7441.2195.21811.4794,2%
Burgenland2587101212450,5%
Kärnten79189923847455,1%
Niederösterreich2185383957271.8773,9%
Oberösterreich2054903469011.9437,2%
Salzburg80262743217376,1%
Steiermark163518227531.4564,3%
Tirol1161881524038586,8%
Vorarlberg44136772054634,7%
Wien3671.334501.4033.1561,6%

Grafik 1

Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber: 
Bundesanstalt Statistik Österreich, Redaktion: Mag. Beatrix Tomaschek 
1110 Wien, Guglgasse 13, Tel.: +43 (1) 71128-7851 
presse@statistik.gv.at © STATISTIK AUSTRIA