Pressemitteilung: 12.044-110/19

Standardisierte Reife- und Diplomprüfung führt zu Verschiebung der Erfolgsquoten von den Sommerterminen in den Herbst und Winter

Wien, 2019-06-18 – Mit der Einführung der standardisierten Reife- und Diplomprüfung (SRDP) – an den AHS im Schuljahr 2014/15 und an den BHS im Schuljahr 2015/16 – kam es an den höher bildenden Schulen zu einem Rückgang der Erfolgsquote bei den Sommerterminen. Das zeigen Auswertungen der Statistik Austria. Während beim Sommertermin 2014 87,7% der AHS-Schülerinnen und -Schüler in den Abschlussklassen die Reifeprüfung bestanden haben, sank dieser Anteil beim Sommertermin der ersten SRDP im Jahr 2015 auf 82,0% (2018: 77,3%). Ähnlich verhielt es sich an den BHS nach der Einführung der SRDP: Die Erfolgsquote der Abschlussklassen sank von 89,9% beim Sommertermin 2015 auf 80,8% beim Sommertermin 2016 (2018: 78,9%).

Teilweise Verschiebungen auf die Nebentermine

Die niedrigeren Erfolgsquoten des Sommertermins werden durch höhere Erfolgsquoten bei den Nebenterminen im Herbst und Winter teilweise kompensiert. Nach beiden Nebenterminen stieg die Erfolgsquote an den AHS (2014/15) auf 93,1% und an den BHS auf 93,2% (2015/16). Im Schuljahr vor der Einführung der SRDP der jeweiligen Schultypen lag die Erfolgsquote der jeweiligen Abschlussklassen nach drei Antrittsterminen an den AHS bei 95,2% (2013/14) und an den BHS bei 96,3% (2014/15). Seit der Einführung der SRDP ist also für einen Teil der Schülerinnen und Schüler eine zeitliche Verschiebung der Reifeprüfungsabschlüsse zu den Nebenterminen zu erkennen, die sich auch auf den Eintritt ins Hochschulsystem auswirkt.

Veränderungen beim Übertritt ins Hochschulsystem

Rund 27,2% der männlichen AHS-Absolventen und 75,9% der AHS-Absolventinnen des Abschlussjahrgangs 2007/08 traten im ersten Wintersemester nach ihrer Matura ins Hochschulsystem über. Die unterschiedlichen Anteile bei Männern und Frauen erklären sich großteils durch den Grundwehr- bzw. Zivildienst. Beim Abschlussjahrgang 2010/11, drei Jahre später, stieg dieser Anteil auf 33,3% der AHS-Absolventen und 78,0% der AHS-Absolventinnen, während der Anteil jener, die erst nach dem zweiten Wintersemester oder gar nicht studieren wollten, recht stabil blieb. Deutliche Veränderungen zeigten sich nach Einführung der SRDP: Der Anteil der Personen, die erst nach dem zweiten Wintersemester oder gar nicht immatrikulierten, stieg an. Von 2014/15 bis 2015/16 stieg dieser Anteil bei den männlichen Absolventen an den AHS von 17,9% auf 21,0% (Frauen: 14,0% auf 16,6%) und an den BHS von 51,2% auf 54,7% (Frauen: 46,2% auf 48,6%).

Das Zusammenspiel von mehreren Faktoren beeinflusst den Erfolg

Mittels eines multivariaten Modells wurden soziodemographische Faktoren ermittelt, die das Bestehen der Reifeprüfung beim ersten Termin (Sommer 2017) wesentlich beeinflussen. Ein wichtiger Faktor ist der höchste Bildungsabschluss der Eltern: Je höher der Bildungstand der Eltern desto höher ist die Wahrscheinlichkeit die Reifeprüfung beim Sommertermin zu bestehen. Ebenso hat das Geburtsland der Eltern einen Einfluss auf das Bestehen, wobei jenes der Mutter einen größeren Effekt als das des Vaters hat: Ist die Mutter nicht in Österreich geboren, so ist die Wahrscheinlichkeit beim Sommertermin positiv zu bestehen geringer. Weitere Einflussfaktoren auf individueller Ebene sind das Geschlecht (höhere Wahrscheinlichkeit für Schülerinnen) und die absolvierte Schulform auf Sekundarstufe I (Abschluss einer AHS erhöht die Wahrscheinlichkeit im Vergleich zu einer HS/NMS). Darüber hinaus zeigen sich eher geringe Effekte für die Merkmale Umgangssprache und das Bundesland. Das Geburtsland der Schülerin bzw. des Schülers oder das Einkommen der Eltern verlieren im multivariaten Modell ebenso ihre Bedeutung. Eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielt auch welche Schule bzw. welche Klasse die Schülerin bzw. der Schüler besucht. Es existiert also kein einzelner "Erfolgsfaktor", vielmehr ist es das Zusammenwirken vieler kleinerer Effekte, die den Erfolg einer Schülerin bzw. eines Schülers positiv oder negativ beeinflussen.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zur standardisierten Reife- und Diplomprüfung (SRDP) finden Sie auf unserer Webseite sowie in der Präsentation zum Pressegespräch. Die Publikation "Bildung in Zahlen 2017/18" und der ergänzende Tabellenband stehen als Downloads auf unserer Webseite zur Verfügung.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die Ergebnisse der standardisierten Reife- und Diplomprüfung (SRDP) wurden für die Schuljahre 2016/17 und 2017/18 von Statistik Austria im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) erhoben. Im Rahmen der SRDP wurde Statistik Austria für das Schuljahr 2016/17 zusätzlich mit tiefergehenden Analysen beauftragt. Für die multivariaten Analysen wurden Daten aus der Bildungsverlaufsstatistik und einer Reihe weiterer Statistikdaten (z. B. Informationen über das Geburtsland der Eltern) herangezogen. Um zeitliche Entwicklungen darstellen zu können, wurden bis zum Sommertermin 2016/17 Daten aus der Schulstatistik verwendet. Die Ergebnisse der Nebentermine des Schuljahres 2017/18 werden voraussichtlich im September 2019 veröffentlicht. 
Erfolgsquote: Anteil der Schülerinnen und Schüler mit erfolgreich bestandener Reife- und Diplomprüfung des jeweiligen Abschlussjahrgangs 
Multivariates Modell: Das Modell ermöglicht eine gleichzeitige Betrachtung, welche Faktoren dazu beitragen, dass Personen bereits beim erstmöglichen Antritt die Reife- bzw. Diplomprüfungen bestehen. Dazu werden die vorliegenden Daten aus dem Schuljahr 2016/17 verwendet und Schülerinnen und Schüler betrachtet, die im Sommer 2017 ihren ersten Antritt bei der Reife- bzw. Diplomprüfung hatten.

 

Anteil der Schülerinnen und Schüler in den Abschlussklassen, die die Reifeprüfung erfolgreich bestanden haben, nach Schultyp und Termin in Prozent
SchuljahrTermin des erfolgreichen Abschlusses
InsgesamtSommerterminHerbstterminWintertermin
absolutIn %absolutin %absolutin %absolutin %
AHS
2017/18..14.44777,3....
2016/1717.25790,914.93278,71.8389,74872,6
2015/1617.41791,614.78777,82.10111,05292,8
2014/151)18.24693,116.07482,01.6878,64852,5
2013/1418.24995,216.80687,71.1546,02891,5
2012/1317.55694,216.00985,91.3387,22091,1
2011/1217.53994,815.88985,91.2927,03581,9
2010/1117.18092,415.66184,21.1986,43211,7
2009/1017.65593,415.80883,71.4987,93491,8
2008/0917.67894,015.81584,11.5288,13351,8
2007/0816.69393,714.77983,01.5598,83552,0
2006/0716.41393,914.56783,31.5008,63462,0
BHS
2017/18..16.51878,9....
2016/1719.33392,416.90480,81.9679,44622,2
2015/162)19.51693,216.92380,82.17010,44232,0
2014/1520.89696,319.50589,91.1575,32341,1
2013/1421.00095,319.75889,71.0945,01480,7
2012/1320.93895,019.81289,91.0294,7970,4
2011/1221.29394,720.10889,41.1315,0540,2
2010/1120.59594,219.44689,01.0955,0540,2
2009/1020.34494,319.22289,11.0684,8540,3
2008/0919.49494,218.42289,01.0214,9510,2
2007/0819.74093,918.64788,71.0334,9600,3
2006/0719.79093,918.57788,11.1645,5490,2

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