Erwerbspersonenprognose

Die Erwerbspersonenprognose verknüpft die Hauptvariante der Bevölkerungsprognose mit unterschiedlichen Erwerbsquotenextrapolationen. Die Zahl der Erwerbspersonen ist die Summe aus selbständig und unselbständig Beschäftigten sowie Arbeitslosen; Präsenz- und Zivildiener werden ebenfalls eingerechnet. Die Erwerbstätigkeit wird nach dem ILO-Konzept gemessen. Die Vorausschätzung liegt in insgesamt drei Varianten vor, nämlich einer Trend-, einer Aktivierungs- und einer konstanten Variante. Letztere misst den demographischen Einfluss der künftigen Bevölkerungsentwicklung auf die Veränderung der Zahl der Erwerbspersonen unter der Annahme, dass die alters- und geschlechtsspezifischen Erwerbsquoten auf dem Niveau von 2019 konstant bleiben.

Ergebnisse der Erwerbspersonenprognose 2021

Die Zahl der Erwerbspersonen in Österreich sollte nach der Prognose von Statistik Austria in den nächsten Jahren relativ konstant bleiben. Laut Trendvariante wird das demographische Angebot an Erwerbspersonen, das ist die Summe aus Selbständigen und mithelfenden Familienangehörigen, unselbständig Beschäftigten und Arbeitslosen sowie Präsenz- und Zivildienern, im Jahr 2050 gegenüber 2020 (4,58 Mio.) bundesweit bloß um 0,6% niedriger sein, und somit 4,56 Mio. betragen. Relativ zur Gesamtbevölkerung wird der Anteil der Erwerbspersonen allerdings sinken und zwar von 51,4% im Jahr 2020 auf 47,3% im Jahr 2050.

Prognosevarianten reichen von 4,35 bis 4,68 Mio. Erwerbspersonen bis 2050

Bliebe die alters- und geschlechtsspezifische Erwerbsbeteiligung konstant auf dem Niveau von 2020, so wäre bis 2050 mit einem Rückgang um 5,2% auf 4,34 Mio. Erwerbspersonen zu rechnen. Bei einer etwas stärkeren Ausschöpfung des Erwerbspotenzials (Aktivierungsvariante) wäre bis dahin ein leichter Zuwachs um 2,4% auf 4,69 Mio. Erwerbspersonen möglich.

2020 Corona-bedingt geringfügig weniger Erwerbspersonen als 2019

Auf Basis der rezenten Trends wäre im vergangenen Jahr 2020 noch mit einem geringfügigen Anstieg an Erwerbspersonen zu rechnen gewesen. Die Corona-Pandemie und der damit verbundene Lockdown führten jedoch zu einem Einbruch am Arbeitsmarkt. Die Zahl der Beschäftigten ist gegenüber dem Vorjahr gesunken, die Arbeitslosigkeit stieg hingegen deutlich. Letztendlich ist die Zahl aller Erwerbspersonen im Jahresdurchschnitt 2020 mit 4,58 Mio. um rund 12.000 unter dem Wert von 2019 mit 4,60 Mio. gelegen. Die Vorausschätzung der Erwerbspersonen rechnet damit, dass die Erwerbsbeteiligung 2021 aufgrund der Erholung des Arbeitsmarktes wieder die langfristig abzusehenden Trends erreicht hat.

Stärker besetzte Jahrgänge rücken ins höhere Erwerbsalter nach

Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung und der langfristigen Trends bei der Erwerbsbeteiligung ist für die konstant bleibende Zahl an Erwerbspersonen ausnahmslos die Altersgruppe der 55- und Mehrjährigen verantwortlich. Dabei handelt es sich um die starken Babyboom-Jahrgänge der 1960er-Jahre. Hier steigt die Zahl der am Arbeitsmarkt aktiven Personen bis 2050 um ein Fünftel (+20%; Tabelle 1). Die Zahl der unter 35-jährigen Erwerbspersonen sinkt bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts hingegen um 7%, jene der 35- bis 54-jährigen wird im selben Zeitraum um 3% zurückgehen.

Langfristig werden knapp vier von fünf Personen zwischen 15 und 64 Jahren am Arbeitsmarkt aktiv sein

Der Anteil der Frauen an den Erwerbspersonen lag 2020 bei 46,6% und wird bis 2040 auf 47,1% anwachsen. Dafür ist die steigende Erwerbsbeteiligung der Frauen im Haupterwerbsalter sowie im Alter von 55 bis 64 Jahren verantwortlich. Die allgemeine Erwerbsquote der 15- bis 64-jährigen Bevölkerung lag 2020 bei 76,5%. Die erwartbaren Veränderungen in der altersspezifischen Erwerbs-beteiligung lassen die allgemeine Erwerbsquote bis zum Jahr 2040 auf 78,8% steigen.

Stärkere Zuwächse an Erwerbspersonen in Wien, in Kärnten ist ein Rückgang zu erwarten

Die Bundeshauptstadt Wien hat das stärkste Bevölkerungswachstum aller Bundesländer zu erwarten. Infolge der Zuwanderung wird hier die Bevölkerung im Erwerbsalter im Gegensatz zu den übrigen Bundesländern deutlich zunehmen. Demnach steigt hier die Zahl der Erwerbspersonen bis 2050 um 8,8% und bis 2080 schließlich um 11,6%. Ab dem Jahr 2022 werden in Wien mehr als 1 Mio. Erwerbspersonen wohnhaft sein. In allen anderen Bundesländern sinkt oder stagniert künftig die Zahl der Erwerbspersonen (Tabelle 2).

Kärnten hat mit einer schrumpfenden Bevölkerung, insbesondere im Erwerbsalter, zu rechnen. Die steigende Erwerbsbeteiligung kann hier die Rückgänge in der Basisbevölkerung nicht kompensieren. Demnach sinkt im südlichsten Bundesland Österreichs die Zahl der Erwerbspersonen am stärksten, und zwar bis 2050 um 13,3% und bis 2080 schließlich um 16,9%. In der Steiermark geht die Zahl der Erwerbspersonen bis 2050 um 6,3% und bis 2080 um 7,7% zurück. Das Bundesland Salzburg hat bis 2050 einen Rückgang von 4,0% und bis 2080 um 5,2% zu erwarten. Im Burgenland beträgt das Minus bis zum Jahr 2050 prognostizierte 2,6%, im Jahr 2080 wird dort die Zahl der Erwerbspersonen um 1,5% niedriger sein als 2020, dem Basisjahr der vorliegenden Prognose.

Nach kurzfristig geringfügigen Zuwächsen wird die Zahl der Erwerbspersonen in Vorarlberg 2050 um 2,5% und 2080 schließlich um 3,6% niedriger sein als 2020. In Tirol bleibt die Zahl der Erwerbspersonen vorerst noch relativ konstant, sinkt aber bis 2050 um 1,8% und bis 2080 um 2,6%. Der Rückgang in Oberösterreich beträgt bis 2050 1,6% und bis 2080 1,8%. In Niederösterreich bleibt die vorausgeschätzte Zahl der Erwerbspersonen über den gesamten Projektionszeitraum relativ konstant (2050: +0,5%; 2080: +2,0%).

Ergebnisse im Überblick: Erwerbspersonen (Trendvariante)
Ergebnisse im Überblick: Erwerbspersonen (Aktivierungsvariante)
Ergebnisse im Überblick: Erwerbspersonen (Konstante Variante)
Altersstruktur der Erwerbspersonen (alle Varianten)
Alters- und geschlechtsspezifische Erwerbsquoten 2020-2050 nach Bundesländern (Trend- und Aktivierungsvariante)
Erwerbspersonen 2020 bis 2080 nach breiten Altersgruppen und Geschlecht (alle Varianten)
Erwerbspersonen nach Alter, Geschlecht und Bundesländern 2020 bis 2080 (alle Varianten)

Alters- und geschlechtsspezifische Erwerbsquoten 2020, 2030 und 2050 (laut Trendvariante)
Entwicklung der Erwerbspersonen nach breiten Altersgruppen 2020-2080 (laut Trendvariante)
Entwicklung der Erwerbspersonen nach Bundesländern 2020 bis 2080 (laut Trendvariante)



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