Pressemitteilung: 12.719-017/22

Krebserkrankungen in Österreich: 375.749 Betroffene, 41.775 Neuerkrankungsfälle, 20.337 Sterbefälle

Wien, 2022-01-27 – Zum Jahresanfang 2020 lebten laut Statistik Austria 375.749 Personen mit einer Krebsdiagnose in Österreich. Die Zahl der Neuerkrankungsfälle lag im Jahr 2019 bei 41.775. Bei etwa der Hälfte aller 2019 diagnostizierten Fälle waren Brust, Prostata, Darm oder Lunge betroffen.

"375.749 Menschen in Österreich lebten zu Jahresbeginn 2020 mit einer Krebsdiagnose. Bei einem Fünftel der Betroffenen (20,4%) wurde die Diagnose in den drei Jahren zuvor gestellt, fast die Hälfte der Betroffenen (46,7%) lebt bereits mehr als zehn Jahre mit Krebs. Die Daten des Österreichischen Nationalen Krebsregisters von Statistik Austria sind ein wesentlicher Bestandteil des künftig jährlich erscheinenden Österreichischen Krebsreports, der im Vorfeld des Weltkrebstags erstmals veröffentlicht wird. Die Zahlen, Daten und Fakten, die im Kapitel Epidemiologie des Berichts versammelt sind, sind beispielhaft für die Kompetenz von Statistik Austria in der Führung von Registern", so Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Häufigste Krebsneuerkrankungen: Brustkrebs bei Frauen, Prostatakrebs bei Männern

2019 erhielten in Österreich 19.161 Frauen und 22.614 Männer eine Krebsdiagnose. Die häufigsten Diagnosen waren bösartige Tumore der Brust bei Frauen (5.682 Fälle) und bösartige Tumore der Prostata bei Männern (6.039 Fälle), gefolgt von bösartigen Tumoren der Lunge (4.831 Fälle, beide Geschlechter zusammen) und bösartigen Tumoren des Dickdarms bzw. Enddarms (4.444 Fälle, beide Geschlechter zusammen).

Auf Brustkrebs entfielen 2019 rund 30% der Neuerkrankungsfälle bei Frauen sowie 18% aller Krebssterbefälle. Damit war Brustkrebs bei Frauen auch die häufigste krebsbedingte Todesursache. Prostatakrebs machte etwas mehr als ein Viertel (27%) aller 2019 neu diagnostizierten bösartigen Neubildungen bei Männern aus und war 2019 für etwa jeden achten Krebstodesfall (12%) bei Männern verantwortlich.

Lungenkrebs stand 2019 mit 2.061 Fällen (11%) bei Frauen und 2.770 Fällen (12%) bei Männern jeweils an zweiter Stelle der Krebsneuerkrankungen. Mit etwa jedem fünften Krebssterbefall nahm Lungenkrebs bei Männern den ersten Rang unter den krebsbedingten Todesursachen ein (21%), bei Frauen stand er nach Brustkrebs an zweiter Stelle (17%). Sowohl das Erkrankungs- als auch das Sterberisiko an Lungenkrebs nahmen in den vergangenen Jahren bei Frauen stark zu.

Die dritthäufigste Lokalisation bei den Neuerkrankungen 2019 war mit 1.910 Fällen (10%) bei Frauen und 2.534 Fällen (11%) bei Männern Dickdarmkrebs. Dickdarmkrebs war für rund 10% der Krebssterbefälle verantwortlich. Das Risiko einer Darmkrebserkrankung ist für Frauen deutlich geringer als für Männer und sank in den vergangenen Jahren für Frauen und Männer gleichermaßen.

Immer mehr Menschen leben mit Krebs

Im Zeitraum von 1983 bis 2019 wurden im Österreichischen Krebsregister rund 1,350 Mio. Krebsneuerkrankungen bei rund 1,250 Mio. Personen mit Hauptwohnsitz in Österreich verzeichnet. Von diesen Personen lebten zum Jahresende 2019 noch 375.749, davon 196.097 Frauen und 179.652 Männer. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung machten an Krebs erkrankte Personen 4% aus. Diese Personen hatten insgesamt rund 404.933 Tumore.

In den vergangenen zehn Jahren nahm die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen von rund 39.000 auf etwa 42.000 zu. Dementsprechend steigt die Krebsprävalenz (die Anzahl der mit Krebs lebenden Personen an einem bestimmten Stichtag) seit Jahren kontinuierlich an. 2009 lebten 290.240 Personen mit einer Krebsdiagnose in Österreich, das waren um etwa 85.500 weniger als 2019. Daraus ergab sich ein Anstieg der Prävalenz von 2009 bis 2019 um 29% (Frauen 28% und Männer 31%). Dieser ist vor allem dadurch bedingt, dass es absolut gesehen in Folge der demographischen Alterung sowie steigender Lebenserwartung der Bevölkerung immer mehr Personen in höherem Lebensalter gibt und die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken, mit steigendem Lebensalter zunimmt. Auch verstärktes Screening sowie verbesserte Diagnosemethoden tragen dazu bei, Krebserkrankungen vermehrt und frühzeitiger zu erkennen und erhöhen somit die Zahl der registrierten Neuerkrankungen.

Verbesserte Überlebenswahrscheinlichkeiten

Nicht zuletzt verbessern sich aber auch die Überlebenswahrscheinlichkeiten im Falle von Krebserkrankungen, wodurch sich die Zahl der mit Krebs lebenden Personen weiter erhöht. Bei rund 20.300 Personen führte im Jahr 2019 eine Krebserkrankung zum Tod, das relative Fünf-Jahres-Überleben (Definition siehe "Informationen zur Methodik") liegt bei 61%. Das heißt, der Überlebensnachteil von Personen mit einer Krebserkrankung im Vergleich zur Gesamtbevölkerung liegt bei 39%.

Die Prognose bei einer Krebserkrankung hängt unter anderem vom betroffenen Organ und vom Tumorstadium bei Diagnose ab. Die größten Zugewinne bei der Überlebensdauer wurden beim Plasmozytom/Myelom und den Non-Hodgkin Lymphomen verzeichnet. Darüber hinaus verbesserten sich die Überlebenswahrscheinlichkeiten besonders bei Tumoren der Prostata, der Speiseröhre und der Schilddrüse.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zu Krebserkrankungen, finden Sie auf unserer Webseite.

Der erste Österreichische Krebsreport wurde von der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie & Medizinische Onkologie (OeGHO) und der Österreichischen Krebshilfe initiiert und entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Nationalen Krebsregister von Statistik Austria. Der Bericht erscheint im Vorfeld des heurigen Weltkrebstags und wird im Rahmen einer Pressekonferenz am 1. Februar 2022 vorgestellt.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen: Das Österreichische Krebsregister von Statistik Austria liefert Ergebnisse zu Krebsneuerkrankungen. Die Ergebnisse umfassen Daten zur Inzidenz, zur Prävalenz und zum Überleben nach einer Krebsdiagnose. Basis dafür sind die gesetzlich verpflichtenden Krebsmeldungen, welche neben Informationen zur Krebserkrankung auch Angaben zum Alter, Geschlecht und Wohnort der Patientinnen und Patienten enthalten. 
Die Krebsinzidenz bezeichnet die Anzahl an Krebsneuerkrankungen pro Kalenderjahr. 
Altersstandardisierte Inzidenzraten sind um Effekte einer im Zeitverlauf sich ändernden Altersstruktur bzw. unterschiedlicher Alterszusammensetzungen der jeweiligen Bezugsbevölkerungen adjustiert und können im Sinne eines Erkrankungsrisikos interpretiert werden. 
Als Krebsprävalenz bezeichnet man die Anzahl der Personen (oder den Anteil in einer Bevölkerung), die mit einer vorangegangenen Krebsdiagnose zu einem bestimmten Zeitpunkt am Leben sind. In diese Messgröße fließen alle Krebsdiagnosen ein, unabhängig vom jeweiligen Gesundheitszustand der Person. Die Daten zur Prävalenz wurden auf Basis der Zahlen des Österreichischen Krebsregisters sowie eines Follow-up des Überlebensstatus aller registrierten Personen berechnet. Da Personen auch an mehreren Malignomen erkranken können, wird die Prävalenz nach Personen mit Krebserkrankungen (unabhängig von der Anzahl der Malignome) sowie nach Tumorlokalisationen ausgewiesen. Die Gesamtprävalenz nach Tumorlokalisationen ist folglich höher als nach Personen. 
Das relative Überleben setzt das beobachtete Überleben der Krebspatienten nach einem bestimmten Zeitraum (kumuliert, z. B. fünf Jahre) in Beziehung zum Überleben der Gesamtbevölkerung unter Berücksichtigung der Alters- und Geschlechtsverteilung. Eine relative Überlebensrate von 100% bedeutet, dass die Sterblichkeit unter den Erkrankten genauso hoch ist wie die Sterblichkeit der allgemeinen Bevölkerung gleichen Alters und Geschlechts. Das relative Überleben ist somit ein von der Kenntnis der wahren Todesursache unabhängiger Schätzer des krebsspezifischen Überlebens. Weitere Informationen zur Berechnung des Überlebens der Krebspatienten finden sie in Dickman, P. (2004): "Estimating and modeling relative survival using SAS" unter https://www.pauldickman.com
Die Übermittlung der Krebsregistermeldungen an Statistik Austria erfolgt teilweise mit größerer Verzögerung. Die Veröffentlichung der Statistik über Krebsneuerkrankungen in den Jahren 2019 und 2020 erfolgt daher aufgrund der derzeit noch unvollständigen Datenlage erst zu einem späteren Zeitpunkt. 
Die Ergebnisse zu den Krebssterbefällen stammen aus einer Verknüpfung der Daten des Krebsregisters mit den Daten der Todesursachenstatistik. Die Definition der Krebssterbefälle folgt hier Regeln der internationalen Vereinigung der Krebsregister (International Association of Cancer Registries, IACR). Daher weichen die Ergebnisse etwas von den Ergebnissen der Todesursachenstatistik ab.

 

Inzidenz, Mortalität, 5-Jahres-Überleben und Prävalenz zu Krebserkrankungen 2019
Lokalisationen1)InzidenzMortalitätÜberleben2)Prävalenz3)
Absolute ZahlenAbsolute ZahlenIn %Absolute Zahlen
Kopf- u. Halsbereich (C00-C14)1.21155250,98.775
Speiseröhre (C15)45136421,31.335
Magen (C16)1.24673134,77.282
Dickdarm und Enddarm (C18-C21)4.4442.08062,144.521
Leber (C22)1.02586716,22.068
Bauchspeicheldrüse (C25)1.8291.78910,92.958
Kehlkopf (C32)33214060,42.956
Lunge (C33-C34)4.8313.97822,215.155
Haut (C43)1.52136685,523.828
Brust (C50)5.7481.66586,883.217
Gebärmutterhals (C53)34014765,98.654
Gebärmutterkörper (C54)86318478,314.180
Eierstock (C56)66148643,56.934
Prostata (C61)6.0391.35292,070.415
Hoden (C62)4081696,010.301
Niere (C64)1.36443477,616.365
Harnblase (C67)1.42655565,915.471
Gehirn (C70-C72)62957128,44.237
Schilddrüse (C73)8349795,316.092
Hodgkin Lymphom (C81)1613486,73.935
Non-Hodgkin Lymphom (C82-C86, C96, B21.2)1.43861467,313.462
Plasmozytom u. Myelom (C90)50137945,92.613
Leukämie (C91-C95)1.11878452,29.413
Andere Malignome (restl. C-Codes und B21 excl. B21.2)3.3552.152-20.766
Alle Malignome (C00-C97, ohne C44, inkl. B21)41.775-60,8404.933
Alle Personen mit einer Krebsdiagnose (C00-C97, ohne C44, inkl. B21)-20.337 375.749

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Dr. Monika HACKL, Tel.: +43 1 71128-7355 bzw. monika.hackl@statistik.gv.at und  
Petra IHLE, BA, Tel.: +43 1 71128-7533 bzw. petra.ihle@statistik.gv.at

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