Pressemitteilung: 12.665-256/21

Erwerbspersonenprognose: Anteil der Erwerbspersonen an der Gesamtbevölkerung sinkt

Wien, 2021-11-26 – Die Zahl der Erwerbspersonen in Österreich sollte nach der Prognose von Statistik Austria in den nächsten Jahren relativ konstant bleiben. Laut Trendvariante wird das demographische Angebot an Erwerbspersonen, das ist die Summe aus Selbständigen und mithelfenden Familienangehörigen, unselbständig Beschäftigten und Arbeitslosen sowie Präsenz- und Zivildienern, im Jahr 2050 gegenüber 2020 (4,58 Mio.) bundesweit bloß um 0,6% niedriger sein und somit 4,56 Mio. betragen. Relativ zur Gesamtbevölkerung wird der Anteil der Erwerbspersonen allerdings sinken und zwar von 51,4% im Jahr 2020 auf 47,3% im Jahr 2050.

"Der Arbeitsmarkt wird zunehmend älter und weiblicher. Grund dafür ist die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen und Personen an der Schwelle zum Pensionsalter, dies wirkt dem Rückgang der 15- bis 64-jährigen Bevölkerung ein Stück weit entgegen. Allerdings verändert sich das Verhältnis der Erwerbspersonen zu jenen im Pensionsalter erheblich: Während 1951 auf eine Person im Pensionsalter noch vier Erwerbspersonen kamen, so sind es heute nur noch drei Personen, und bereits 2030 werden es nur noch zwei sein. Das wird umlagefinanzierte Sicherungssysteme, wie Pensionen oder Gesundheit, unter Finanzierungsdruck setzen", erklärt Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Prognosevarianten reichen von 4,35 bis 4,68 Mio. Erwerbspersonen bis 2050

Bliebe die alters- und geschlechtsspezifische Erwerbsbeteiligung konstant auf dem Niveau von 2020, so wäre bis 2050 mit einem Rückgang um 5,2% auf 4,34 Mio. Erwerbspersonen zu rechnen. Bei einer etwas stärkeren Ausschöpfung des Erwerbspotenzials (Aktivierungsvariante) wäre bis dahin ein leichter Zuwachs um 2,4% auf 4,69 Mio. Erwerbspersonen möglich.

2020 Corona-bedingt geringfügig weniger Erwerbspersonen als 2019

Auf Basis der rezenten Trends wäre im vergangenen Jahr 2020 noch mit einem geringfügigen Anstieg an Erwerbspersonen zu rechnen gewesen. Die Corona-Pandemie und der damit verbundene Lockdown führten jedoch zu einem Einbruch am Arbeitsmarkt. Die Zahl der Beschäftigten ist gegenüber dem Vorjahr gesunken, die Arbeitslosigkeit stieg hingegen deutlich. Letztendlich ist die Zahl aller Erwerbspersonen im Jahresdurchschnitt 2020 mit 4,58 Mio. um rund 12.000 unter dem Wert von 2019 mit 4,60 Mio. gelegen. Die Vorausschätzung der Erwerbspersonen rechnet damit, dass die Erwerbsbeteiligung 2021 aufgrund der Erholung des Arbeitsmarktes wieder die langfristig abzusehenden Trends erreicht hat.

Stärker besetzte Jahrgänge rücken ins höhere Erwerbsalter nach

Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung und der langfristigen Trends bei der Erwerbsbeteiligung ist für die konstant bleibende Zahl an Erwerbspersonen ausnahmslos die Altersgruppe der 55- und Mehrjährigen verantwortlich. Dabei handelt es sich um die starken Babyboom-Jahrgänge der 1960er-Jahre. Hier steigt die Zahl der am Arbeitsmarkt aktiven Personen bis 2050 um ein Fünftel (+20%; Tabelle 1). Die Zahl der unter 35-jährigen Erwerbspersonen sinkt bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts hingegen um 7%, jene der 35- bis 54-jährigen wird im selben Zeitraum um 3% zurückgehen.

Langfristig werden knapp vier von fünf Personen zwischen 15 und 64 Jahren am Arbeitsmarkt aktiv sein

Der Anteil der Frauen an den Erwerbspersonen lag 2020 bei 46,6% und wird bis 2040 auf 47,1% anwachsen. Dafür ist die steigende Erwerbsbeteiligung der Frauen im Haupterwerbsalter sowie im Alter von 55 bis 64 Jahren verantwortlich. Die allgemeine Erwerbsquote der 15- bis 64-jährigen Bevölkerung lag 2020 bei 76,5%. Die erwartbaren Veränderungen in der altersspezifischen Erwerbsbeteiligung lassen die allgemeine Erwerbsquote bis zum Jahr 2040 auf 78,8% steigen.

Stärkere Zuwächse an Erwerbspersonen in Wien, in Kärnten ist ein Rückgang zu erwarten

Die Bundeshauptstadt Wien hat das stärkste Bevölkerungswachstum aller Bundesländer zu erwarten. Infolge der Zuwanderung wird hier die Bevölkerung im Erwerbsalter im Gegensatz zu den übrigen Bundesländern deutlich zunehmen. Demnach steigt hier die Zahl der Erwerbspersonen bis 2050 um 8,8% und bis 2080 schließlich um 11,6%. Ab dem Jahr 2022 werden in Wien mehr als 1 Mio. Erwerbspersonen wohnhaft sein. In allen anderen Bundesländern sinkt oder stagniert künftig die Zahl der Erwerbspersonen (Tabelle 2).

Kärnten hat mit einer schrumpfenden Bevölkerung, insbesondere im Erwerbsalter, zu rechnen. Die steigende Erwerbsbeteiligung kann hier die Rückgänge in der Basisbevölkerung nicht kompensieren. Demnach sinkt im südlichsten Bundesland Österreichs die Zahl der Erwerbspersonen am stärksten, und zwar bis 2050 um 13,3% und bis 2080 schließlich um 16,9%. In der Steiermark geht die Zahl der Erwerbspersonen bis 2050 um 6,3% und bis 2080 um 7,7% zurück. Das Bundesland Salzburg hat bis 2050 einen Rückgang von 4,0% und bis 2080 um 5,2% zu erwarten. Im Burgenland beträgt das Minus bis zum Jahr 2050 prognostizierte 2,6%, im Jahr 2080 wird dort die Zahl der Erwerbspersonen um 1,5% niedriger sein als 2020, dem Basisjahr der vorliegenden Prognose.

Nach kurzfristig geringfügigen Zuwächsen wird die Zahl der Erwerbspersonen in Vorarlberg 2050 um 2,5% und 2080 schließlich um 3,6% niedriger sein als 2020. In Tirol bleibt die Zahl der Erwerbspersonen vorerst noch relativ konstant, sinkt aber bis 2050 um 1,8% und bis 2080 um 2,6%. Der Rückgang in Oberösterreich beträgt bis 2050 1,6% und bis 2080 1,8%. In Niederösterreich bleibt die vorausgeschätzte Zahl der Erwerbspersonen über den gesamten Projektionszeitraum relativ konstant (2050: +0,5%; 2080: +2,0%).

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zur Erwerbspersonenprognose sowie die Präsentation des Online-Pressegesprächs (PDF, 1,4 MB) vom 26.11.2021 finden Sie auf unserer Webseite. Eine Aufzeichnung des Pressegesprächs steht auf Youtube zur Verfügung.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die Erwerbsprognose basiert auf einer Extrapolation von alters- und geschlechtsspezifischen Erwerbsquoten nach fünfjährigen Altersgruppen. Multipliziert mit der Hauptvariante der aktuellen Bevölkerungsprognose ergibt dies die vorausgeschätzten Zahlen der Erwerbspersonen. 
Die zugrundeliegenden Erwerbsquoten basieren auf dem ILO-Konzept (ILO: International Labour Organisation), und beinhalten somit alle Personen, die zumindest eine Stunde in der Woche gegen Bezahlung oder als Selbständige bzw. mithelfende Familienangehörige arbeiten oder arbeitslos sind. Präsenz- und Zivildiener gelten auch als erwerbstätig. Die Erwerbsquoten sind auf Österreichebene aus den Jahresdurchschnittswerten der Erwerbspersonen gemäß Arbeitskräfteerhebung/Mikrozensus seit dem Jahr 2004 abgeleitet. Die Abgestimmte Erwerbsstatistik (AEST) wird zur Zuschätzung von Erwerbspersonen in Anstaltshaushalten herangezogen. Die Disaggregation nach Bundesländern basiert auf den regionalen Niveauunterschieden der Erwerbsquoten gemäß AEST.

 

Tabelle 1: Prognose der Erwerbspersonen Österreichs nach Alter und Geschlecht (Trendvariante)
JahrErwerbspersonen,  
absolut, in 1.000
In ProzentFrauen-anteil in ProzentErwerbspersonen in Prozent derAuf 1 Person 65+ ent-fallen … Erwerbs-personen
Ins- 
gesamt
15 bis 34 Jahre35 bis 54 Jahre55 und mehr Jahre15 bis 34 Jahre35 bis 54 Jahre55  
u. m. Jahre
15- bis 64-JährigenGesamt-bevöl-kerung
19713.133,11.493,41.235,5404,347,739,412,938,468,041,83
19813.411,51.698,21.411,0302,449,841,48,940,469,645,23
19913.684,31.863,71.615,2205,350,643,85,641,469,947,33
20013.986,81.666,22.052,9267,741,851,56,744,473,349,63
20114,271,61.535,52.252,0484,135,952,711,346,975,250,83
20204.582,51.573,72.216,9791,934,348,417,346,676,551,43
20254.610,91.520,62.198,3892,033,047,719,346,776,450,62
20304.597,51.451,62.246,2899,631,648,919,646,976,849,72
20404.578,91.447,92.223,4907,631,648,619,847,178,848,42
20504.555,21.465,22.140,6949,432,247,020,846,978,247,32
20604.517,21.456,72.151,0909,432,247,620,147,078,246,62
20704.538,51.465,62.166,2906,732,347,720,047,078,646,32
20804.569,11.483,62.162,3923,332,547,320,246,978,446,02
Tabelle 2: Prognose der Erwerbspersonen Österreichs nach Bundesländern (Trendvariante)
Bundesland20202025203020402050206020702080
Burgenland144.644144.282143.676141.774140.831140.124141.220142.515
Kärnten276.524269.764261.857249.229239.733232.502230.373229.859
Niederösterreich864.707868.352867.523867.799868.708865.817873.411881.959
Oberösterreich782.301778.940775.049773.895769.450760.410763.631768.508
Salzburg294.278293.075289.963286.069282.383278.252278.158279.044
Steiermark635.588628.942620.594607.096595.620584.940584.732586.334
Tirol396.229397.541395.153392.394389.018383.813384.404385.979
Vorarlberg207.529208.319207.188204.850202.276199.447199.473200.161
Wien980.7321.021.6451.036.4991.055.7671.067.1791.071.9011.083.0981.094.777
Österreich4.582.5324.610.8604.597.5024.578.8734.555.1984.517.2064.538.5004.569.136

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Alexander HANIKA, Tel.: +43 1 71128-7279 bzw. alexander.hanika@statistik.gv.at

Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber: 
Bundesanstalt Statistik Österreich 
1110 Wien, Guglgasse 13, Tel.: +43 1 71128-7777 
presse@statistik.gv.at  
© STATISTIK AUSTRIA