Profiling

In den vergangenen Jahrzehnten haben Marktkonkurrenz, Innovation sowie die Tendenz zur verstärkten Internationalisierung einen tiefgreifenden Veränderungsprozess durch komplexe Verflechtungen in unserer Wirtschaft bewirkt. Dabei ist festzustellen, dass sich die rechtlichen Strukturen unserer Ökonomie in zunehmendem Ausmaß von den tatsächlich vorherrschenden autonomen Organisations- und Entscheidungsstrukturen unterscheiden. Gegenwärtig werden in den Unternehmensstatistiken alle rechtlichen Einheiten einer Unternehmensgruppe isoliert voneinander betrachtet. In diesem Zusammenhang sind vor allem multinationale Unternehmensgruppen hervorzuheben, die einen entscheidenden Beitrag zur europäischen und globalen Wirtschaft erbringen und daher für die Wirtschaftsstatistik von besonderer Bedeutung sind. Um diese komplexen Unternehmensgruppen in der Wirtschaftsstatistik realitätsnäher abbilden zu können, wurde zur korrekten Anwendung der Europäischen Einheitenverordnung die Methode des „Profilings“ entwickelt.

Profiling ist eine Methode zur Analyse der rechtlichen, operationellen und buchhalterischen Strukturen einer Unternehmensgruppe auf nationaler und globaler Ebene, um die statistischen Unternehmen innerhalb der Gruppe zu bilden, deren Beziehungen zueinander zu definieren und effiziente Strukturen für die Sammlung von statistischen Daten zu schaffen.

Statistik Austria ist stets bestrebt, einerseits die Belastung der Respondentinnen und Respondenten durch nationale statistische Erhebungen zu reduzieren und andererseits die Qualität der erhobenen statistischen Daten laufend zu verbessern. Eine verstärkte Kooperation mit den Unternehmensgruppen bzw. Unternehmen sowie ein verbesserter Support von Statistik Austria im Rahmen der Meldungserstellung sollen die Konsistenz und die Kohärenz der Unternehmensstatistiken erhöhen.

Konsistente Daten und Statistiken über Struktur, Output und Leistungsfähigkeit der Wirtschaft stellen eine fundamentale Entscheidungsgrundlage für Politik, Gesellschaft und die vielen Unternehmerinnen und Unternehmer in Österreich dar. Die Leistungs- und Strukturerhebung, welche eine detaillierte Strukturanalyse der österreichischen Unternehmen ermöglicht, ist mit dem Berichtsjahr 2018 auf das „statistische Unternehmen“ als mögliche Kombination mehrerer rechtlicher Einheiten (wie z.B. GmbHs und AGs) umzustellen. Statistik Austria wird daher im Rahmen des Profiling-Projektes mit großen und komplexen Unternehmensgruppen in Österreich in Kontakt treten, um gemeinsam eine Struktur unter Wahrung der wirtschaftsstatistischen Erfordernisse zu erarbeiten.

Was ist der Nutzen?

  • Realitätsnähere Abbildung der österreichischen Wirtschaft und ihrer internationalen Verflechtungen
  • Verbesserung der Konsistenz wirtschaftsstatistischer Ergebnisse
  • Evaluierung von Entlastungspotentialen in Zusammenarbeit mit der Unternehmensgruppe
  • Verbesserung des Services und des Supports durch Statistik Austria (Erarbeitung von Lösungswegen bei Problemen mit statistischen Meldungen)
  • Verbesserung der Konformität zwischen Rechnungswesen / Reporting der Unternehmensgruppen und den statistischen Meldungen

Statistik Austria wird die Informationen laufend ergänzen.

Detailinformationen

Eurostat ist seit einigen Jahren bestrebt das Konzept des „statistischen Unternehmens“ systematisch anzuwenden, um die Auswirkungen der Globalisierung und Internationalisierung multinationaler Unternehmensgruppen angemessen und möglichst realitätsnahe in der europäischen Unternehmensstatistik abbilden zu können. Als zentrale Betrachtungseinheit wird das statistische Unternehmen laut EU-Einheitenverordnung 1993 wie folgt definiert: „Das Unternehmen entspricht der kleinsten Kombination rechtlicher Einheiten, die eine organisatorische Einheit zur Erzeugung von Waren und Dienstleistungen bildet und insbesondere in Bezug auf die Verwendung der ihr zufließenden laufenden Mittel über eine gewisse Entscheidungsfreiheit verfügt. Ein Unternehmen übt eine Tätigkeit oder mehrere Tätigkeiten an einem oder mehreren Standorten aus. Ein Unternehmen kann einer einzigen rechtlichen Einheit entsprechen.“

Seit dem Jahr 2014 werden Projekte von Eurostat initiiert, die den nationalen statistischen Institutionen erlauben, anhand der entwickelten Methode des „Profilings“ Unternehmensgruppen gemäß den EU-Definitionen zu analysieren und in weiterer Folge die statistischen Unternehmen in den nationalen Unternehmensregistern zu implementieren und in den Unternehmensstatistiken anzuwenden.

Gegenwärtig wird jede rechtliche Einheit als jeweils ein Unternehmen dargestellt. Im Gegensatz dazu definiert die EU-Einheitenverordnung, dass nicht jede Einheit ein Unternehmen im Sinne der Statistik darstellt. Oftmals sind Tätigkeiten rechtlicher Einheiten innerhalb einer Unternehmensgruppe bloß als unterstützende Leistungen zu den Tätigkeiten anderer Einheiten zu betrachten. Wie in Grafik 1 verdeutlicht, können Leistungen von rechtlichen Einheiten (Geschäftsleitung, Immobilienverwaltung, Personalverwaltung) nur unternehmensintern der Produktionseinheit zur Verfügung gestellt werden. Marktwirtschaftlich tritt letztendlich nur das Produktionsunternehmen in Erscheinung.

Zur Analyse einer Unternehmensgruppe wird die Methode des „Profilings“ herangezogen. Dabei werden vor allem die Organisation und die Rechnungslegung von Konzernen und deren Interdependenzen analysiert. Im Rahmen von Profiling werden innerhalb der Unternehmensgruppe die statistischen Einheiten identifiziert und eine angemessene Struktur für die Datenermittlung erarbeitet.

Für die unterschiedlich strukturierten und organisierten Unternehmensgruppen kann Profiling in verschiedenen Varianten eingesetzt werden. Große und komplex strukturierte Unternehmen werden dem sogenannten „intensive Profiling“ unterzogen. In diesem Rahmen werden im direkten Kontakt mit der Zentrale der Unternehmensgruppe die statistischen Unternehmen innerhalb des jeweiligen Konzerns gebildet und die Möglichkeiten der Datenerhebung mit den betroffenen Stellen festgelegt. In der abgeschwächten Form des „light Profiling“ entfällt bei kleinen bis mittelgroßen Unternehmensgruppen der direkte Kontakt. Die Bildung der statistischen Unternehmen wird weitestgehend auf Grundlage öffentlich zugänglicher Informationen (Geschäftsberichte, Unternehmenswebseiten, Verwaltungsdatenquellen, etc.) durchgeführt, soweit die notwendigen Informationen vorhanden sind. Grafik 2 zeigt die Festlegung der statistischen Unternehmen innerhalb einer Unternehmensgruppe, die anhand der Informationen des Konzernabschlusses und der dort aufscheinenden funktionalen Segmentberichterstattung gemäß IFRS durchgeführt wurde. In kleinen und wenig komplexen Unternehmensgruppen werden statistische Unternehmen anhand eines automatischen Algorithmus („automatic Profiling“) erstellt.

Beispiel von Leistungen rechtlicher Einheiten
Bildung statistischer Unternehmen


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