Pressemitteilung: 11.963-029/19

Höhe des Einkommens beeinflusst Umweltverhalten und Wahrnehmung von Umweltproblemen

Wien, 2019-02-20 – Das Haushaltseinkommen hat einen wesentlichen Einfluss auf das Umweltverhalten und die Wahrnehmung von Umweltproblemen. Das geht aus einer Publikation von Statistik Austria hervor, die sozioökonomische Unterschiede bei der Betroffenheit von Umwelteinflüssen und im Umweltverhalten untersucht. So beurteilten 5,3% der Personen im untersten Einkommensdrittel, aber nur 1,3% im obersten ihre Lebensqualität als weniger gut oder sogar als schlecht. Auch gaben Personen mit niedrigem Einkommen häufiger an, von Lärmbelästigung betroffen zu sein (40,4%) als jene mit hohem Einkommen (36,9%). Ebenso zeigten sich Unterschiede im Umweltverhalten: Personen im obersten Einkommensdrittel gaben deutlich häufiger an, Bio-Lebensmittel zu kaufen, als jene der mittleren oder niedrigen Einkommensgruppe. Umweltverträgliches Mobilitätsverhalten (häufige Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel/geringe Verwendung des Autos) sank hingegen mit steigendem Einkommen.

Einschätzung der Lebensqualität variiert nach Einkommensgruppen

Nach Haushaltseinkommen betrachtet beurteilten 59,6% der befragten Personen im obersten Einkommensdrittel ihre Lebensqualität als "sehr gut"; dies traf nur auf 38,5% der Personen im unteren Drittel zu. Betrachtet man hingegen das Einkommen nach Fünfteln des Äquivalenzeinkommens (siehe Informationen zur Methodik und Grafiken), gaben 60,6% der befragten Personen im obersten Einkommensfünftel ihre Lebensqualität als "sehr gut" an, im untersten Fünftel waren es 43,2%. In der Gruppe der armutsgefährdeten Personen empfanden nur noch 40,6% ihre Lebensqualität als "sehr gut". Der Einfluss des Einkommens auf die Lebensqualität bleibt auch dann aufrecht, wenn weitere Merkmale wie Alter oder Schulbildung berücksichtigt werden: Je höher das verfügbare Haushaltseinkommen, desto höher schätzten die Personen ihre Lebensqualität ein.

Beziehende niedriger Einkommen häufiger von Umweltbelastungen betroffen

Personen im untersten Einkommensdrittel fühlten sich deutlich häufiger sehr stark oder stark durch Lärm gestört als die beiden anderen Einkommensgruppen: 14,5% waren von starker Lärmstörung betroffen, während dies nur auf rund 10% der Personen mit mittlerem oder hohem Haushaltseinkommen zutraf. Unter den armutsgefährdeten Personen fühlten sich 14,9% (sehr) stark durch Lärm beeinträchtigt. Die vertiefende Analyse weist allerdings Faktoren wie die Anzahl der Wohnungen im Gebäude oder der Urbanisierungsgrad als wesentlicher für den Grad der Lärmbelastung aus als die Höhe des Einkommens. Auch die Belastung durch Geruch oder Staub war jedenfalls für das unterste Einkommensdrittel am höchsten.

Einkauf von Bio-Lebensmitteln nimmt mit steigendem Einkommen zu

Personen mit hohem Haushaltseinkommen gaben generell öfter an, im Vorjahr Bio-Lebensmittel gekauft zu haben als Personen mit mittlerem Haushaltseinkommen. Die Gruppe im untersten Einkommensdrittel kaufte am seltensten Bio-Produkte.

Umweltverträgliches Mobilitätsverhalten nimmt mit steigendem Einkommen ab

Umweltverträgliches Mobilitätsverhalten – also die häufige Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel kombiniert mit seltener Nutzung des Autos – nimmt mit steigendem Haushaltseinkommen deutlich ab. Personen mit höherem Haushaltseinkommen verhalten sich generell weniger umweltfreundlich was ihre Mobilität betrifft als Personen mit niedrigerem Haushaltseinkommen.

Die Beurteilung der öffentlichen Verkehrsmittel zeigt ein eher differenziertes Bild: 75% der Personen mit niedrigem Haushaltseinkommen fanden Bahn, Bus, Straßenbahn oder U-Bahn attraktiv; gleiches galt für die Gruppe der Armutsgefährdeten, die das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln zu 73,8% als attraktiv empfand. Bei Personen mit hohem Haushaltseinkommen traf dies nur auf 66,1% zu. Betrachtet man jedoch nur jene Personen, die häufig öffentliche Verkehrsmittel benutzen ("täglich" oder "mehrmals die Woche"), dann verschwanden die signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen finden Sie in der Studie sowie auf unserer Webseite.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Um die Unterschiede bei von Umwelteinflüssen Betroffenen und im Umweltverhalten von Personengruppen nach dem Einkommen darstellen zu können, wurde mittels Einkommensinformationen aus Verwaltungsdaten sowie Statistical Matching (Datenverknüpfung) der danach noch fehlenden Einkommenskomponenten aus EU-SILC 2016 eine Einkommensvariable für das Mikrozensus-Sonderprogramm "Umweltbedingungen, Umweltverhalten" (2015) generiert. Da für Entscheidungen, die beispielsweise das Umweltverhalten zu Einkauf oder Verkehrsmittelwahl betreffen, das gesamte Haushaltseinkommen und nicht das Personeneinkommen als relevant anzusehen ist, wurde als zu verknüpfende Variable das "gesamte verfügbare Haushaltseinkommen aus EU-SILC" festgelegt. Zudem wurden das Äquivalenzeinkommen sowie die Gruppe der armutsgefährdeten Personen unter Berücksichtigung der Haushaltsgröße gebildet. 
Das Äquivalenzeinkommen stellt das verfügbare Haushaltseinkommen dividiert durch die Summe der sogenannten Konsumäquivalente des Haushalts dar: Für jeden Haushalt wird ein Grundbedarf angenommen, die erste erwachsene Person eines Haushalts erhält daher ein Gewicht von 1. Für jede weitere erwachsene Person wird ein Gewicht von 0,5 und für Kinder unter 14 Jahren ein Gewicht von 0,3 angenommen. 
Als armutsgefährdet werden jene Personen bezeichnet, deren äquivalisiertes Nettohaushaltseinkommen unter der nach EU-Konvention festgelegten Armutsgefährdungsschwelle von 60% des Medians liegt (für 2016 14.217 Euro für einen Einpersonenhaushalt). 2016 machten die Armutsgefährdeten rund 14% der Bevölkerung aus. 
Die deskriptiven Ergebnisse werden nach verschiedenen Einkommensgruppen analysiert und dargestellt: Terzile (Drittel) des gesamten verfügbaren Haushaltseinkommens, Gruppe der Armutsgefährdeten, 1., 2. bis 4. sowie 5. Quintil (Fünftel) des Äquivalenzeinkommens.

Rückfragen zum Thema beantworten:  
Mag. Alexandra WEGSCHEIDER-PICHLER, Tel.: +43 (1) 71128-7916, alexandra.wegscheider-pichler@statistik.gv.at, Stabsstelle Analyse und  
Mag. Sacha BAUD, Tel.: +43 (1) 71128-7304, sacha.baud@statistik.gv.at, Direktion Raumwirtschaft

 

Grafik 5

Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber: 
Bundesanstalt Statistik Österreich, Redaktion: Mag. Beatrix Tomaschek 
1110 Wien, Guglgasse 13, Tel.: +43 (1) 71128-7851 
presse@statistik.gv.at © STATISTIK AUSTRIA