Pressemitteilung: 11.988-054/19

3% der österreichischen Haushalte von Energiearmut betroffen

Wien, 2019-03-26 – Die Belastung durch Energiekosten ist für sogenannte energiearme Haushalte besonders hoch: Wurden im Jahr 2016 insgesamt durchschnittlich 4,2% des Einkommens für Wohnenergie ausgegeben, mussten energiearme Haushalte knapp das Fünffache, nämlich 20% ihres verfügbaren Einkommens, für Heizen, Warmwasser und Strom aufwenden. Wie aus der Statistik-Austria-Studie "Energiearmut in Österreich – Haushaltsenergie und Einkommen" hervorgeht, steigen absoluter Energieverbrauch und dafür anfallende Kosten mit zunehmendem Haushaltseinkommen, während zugleich der für Energie ausgegebene Anteil daran immer geringer wird.

Rund 117.000 Haushalte waren 2016 energiearm

Als energiearm gelten Haushalte, deren äquivalisiertes Haushaltseinkommen im Jahr 2016 unter der Armutsgefährdungsschwelle von 14.217 Euro lag und die gleichzeitig überdurchschnittlich hohe äquivalisierte Energiekosten (über 1.509 Euro) zu begleichen hatten. Im Jahr 2016 waren – wie auch 2014 – 3,1% der Haushalte energiearm, was hochgerechnet rund 117.000 Haushalten entspricht. Die Energiekosten energiearmer Haushalte lagen 2016 mit durchschnittlich 2.530 Euro pro Jahr um rund 40% über dem Durchschnitt von 1.790 Euro aller Haushalte.

Kleinere und bildungsferne Haushalte sind häufiger energiearm, Haushalte mit Kindern seltener

Gelten durchschnittlich 3,1% aller Haushalte als energiearm, waren Haushalte mit Personen, die höchstens über einen Pflichtschulabschluss verfügen, im Jahr 2016 zu 6,6% von Energiearmut betroffen. Auch Ein-Personen-Haushalte waren mit einem Anteil von 5,3% energiearmer Haushalte überdurchschnittlich häufig betroffen. In 61% der energiearmen Haushalte lebte nur eine Person, während von den nicht-energiearmen Haushalten nur 35% Ein-Personen-Haushalte waren. Dies liegt auch daran, dass die Energiekosten der energiearmen Haushalte äquivalisiert wurden (d. h. die Größe des Haushaltes wurde berücksichtigt). Haushalte mit Kindern unter 18 Jahren waren dagegen mit 1,6% unterdurchschnittlich häufig von Energiearmut betroffen.

Energiearme Haushalte leben häufiger in älteren Gebäuden und seltener im Eigentum

Haushalte in Gebäuden mit Baujahr bis 1960 sind überdurchschnittlich häufig (5%) von Energiearmut betroffen, Bewohnerinnen und Bewohner von ab 1991 erbauten Gebäuden dagegen nur zu 1%. Energiearme Haushalte leben deutlich häufiger in kleinen Wohnungen als nicht-energiearme: 50% der energiearmen Haushalte leben in Wohnungen bis 80 Quadratmeter, während von den nicht-energiearmen Haushalten nur 42% kleine Wohnungen haben. Zudem haben energiearme Haushalte etwas seltener eine Wohnung im Eigentum als nicht-energiearme. Der Heizenergieverbrauch der energiearmen Haushalte (rund 17.340 kWh) liegt um mehr als die Hälfte über jenem der Vergleichsgruppe (11.400 kWh), für Warmwasser wird dagegen etwas weniger Energie eingesetzt.

Energieverbrauch und Energiekosten steigen mit dem Einkommen

Der durchschnittliche Energieverbrauch von Haushalten mit niedrigem Haushaltseinkommen (unterstes Einkommensdrittel) war im Heizungsjahr 2015/2016 mit rund 14.100 kWh signifikant geringer als jener von Haushalten mit mittlerem (17.400 kWh) oder hohem Haushaltseinkommen (21.270 kWh). Dementsprechend verhielten sich auch die Energiekosten: Während Haushalte mit niedrigem Einkommen rund 1.520 Euro für Energie ausgaben, waren es bei Haushalten mit mittlerem Einkommen rund 1.810 Euro und bei jenen mit hohem Einkommen 2.070 Euro.

Im Durchschnitt wendeten Haushalte 4,2% ihres gesamten verfügbaren Haushaltseinkommens für Wohnenergie auf. Haushalte mit niedrigem Haushaltseinkommen lagen mit 7,9% signifikant darüber. Bei Haushalten mit mittlerem Einkommen betrug der Anteil der Energiekosten 4,7% und bei Haushalten mit hohem Einkommen 2,8%.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zur Energiearmut finden Sie auf unserer Webseite sowie in der Studie "Energiearmut in Österreich – Haushaltsenergie und Einkommen".

Informationen zur Methodik, Definitionen: Für den vorliegenden Bericht wurden Einkommensdaten aus Verwaltungsdaten sowie aus der Einkommenserhebung EU-SILC 2017 (EU Statistics on Income and Living Conditions, enthält Einkommensinformationen zu 2016) mit den Daten des MZ-Energie 2015/2016 (Mikrozensus-Sonderprogramm Energieeinsatz der Haushalte) verknüpft. Die verwendeten soziodemografischen Variablen wie die Haushaltsgröße oder die Größe des Wohnhauses (Anzahl der Wohnungen im Gebäude) stammen aus der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung. Für die Definition von Energiearmut in Österreich wurde ein Bericht der Energie-Control Austria (E-Control, 2013) herangezogen: "Als energiearm sollen jene Haushalte gelten, die über ein Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle verfügen, aber gleichzeitig überdurchschnittlich hohe Energiekosten zu begleichen haben."  
Das äquivalisierte (Netto-)Haushaltseinkommen ist das verfügbare Haushaltseinkommen, dividiert durch die Summe der Konsumäquivalente des Haushalts. Unterstellt wird, dass mit zunehmender Haushaltsgröße und abhängig vom Alter der Kinder eine Kostenersparnis im Haushalt durch gemeinsames Wirtschaften erzielt wird. Demzufolge wird das Haushaltseinkommen mit der sogenannten EU-Skala (modifizierte OECD-Skala) gewichtet: Für jeden Haushalt wird ein Grundbedarf angenommen, die erste erwachsene Person eines Haushalts erhält daher ein Gewicht von 1. Für jede weitere erwachsene Person wird ein Gewicht von 0,5 und für Kinder unter 14 Jahren ein Gewicht von 0,3 angenommen. Ein Haushalt mit Vater, Mutter und Kind hätte somit ein errechnetes Konsumäquivalent von 1,8 gegenüber einem Einpersonenhaushalt. Für die Äquivalisierung der Energiekosten wird analog dem Einkommen vorgegangen.

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Stabsstelle Analyse, Statistik Austria:  
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