Pressemitteilung: 12.809-107/22

Bildung in Zahlen 2020/21: mehr aufstiegsberechtigte Schülerinnen und Schüler; höhere Erfolgsquoten zum Matura-Haupttermin; mehr Studierende an öffentlichen Universitäten

Wien, 2022-05-12 – Wie aus der aktuellen Publikation "Bildung in Zahlen 2020/21" von Statistik Austria hervorgeht, ist der Anteil der nicht in die nächste Klasse aufstiegsberechtigten Schülerinnen und Schüler aufgrund gelockerter Aufstiegsbedingungen deutlich zurückgegangen. Zusätzlich gibt es seit dem Haupttermin 2020 einige Erleichterungen bei der Matura. Als Folge schlossen beim Haupttermin 2021 93,5% der angetretenen Schülerinnen und Schüler die Reifeprüfung erfolgreich ab und damit weit mehr als vor der Pandemie (Haupttermin 2019: 85,1%). Auch an den Hochschulen zeigen sich Einflüsse: So stieg 2020/21, im ersten Wintersemester nach Ausbruch der Pandemie, die Anzahl der ordentlichen Studierenden an öffentlichen Universitäten um 1,2% auf 268.240. Negative Effekte zeigten sich vorübergehend bei der Teilnahme an Weiterbildungen, welche 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 29% sank, im Jahr 2021 aber fast wieder auf das Ausgangsniveau vor der Pandemie zurückgekehrt ist.

"Die Corona-Pandemie hat sich im Schuljahr 2020/21 stark auf den Bildungsbereich ausgewirkt. Die kurzfristigen negativen Folgen auf den formalen Bildungserfolg konnten jedoch weitgehend abgefedert werden: So haben während der Corona-Pandemie aufgrund gelockerter Versetzungsregeln deutlich weniger Schülerinnen und Schüler eine Klasse wiederholen müssen als in den Jahren davor und bei der Zentralmatura haben Erleichterungen zu einer höheren Erfolgsquote geführt. Ob die Corona-Krise und die mit ihr verbundenen Maßnahmen auch Langfristfolgen haben werden, wird sich erst noch zeigen", so Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Bildungsniveau steigt: 19% der Personen im Haupterwerbsalter haben einen Hochschul- oder Akademieabschluss

Das Bildungsniveau der österreichischen Bevölkerung ist im letzten halben Jahrhundert beträchtlich gestiegen. Seit 1981 ist der Anteil derer, die höchstens einen Pflichtschulabschluss erreichen, an der österreichischen Wohnbevölkerung im Haupterwerbsalter von 25 bis 64 Jahren von 46,0% auf 17,6% im Jahr 2019 gesunken, während sich der Anteil der Personen mit dem Abschluss einer Hochschule oder Akademie im gleichen Zeitraum vervierfacht hat (von 4,5% auf 18,6%, siehe Tabelle 1). Damit liegt im internationalen Vergleich der Bevölkerungsanteil mit Hochschulabschluss in Österreich im Mittelfeld, jener mit höchstens Pflichtschulausbildung liegt unter dem EU 22-Schnitt.

Mehr Aufstiegsberechtigte in den Corona-Jahren

Weil aufgrund der Corona-Pandemie die Bedingungen für den Aufstieg in die nächste Klasse gelockert wurden (siehe Methodenbox), ist in allen Schultypen der Anteil der nicht aufstiegsberechtigten Schülerinnen und Schüler im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zurückgegangen.

Dabei führen die gelockerten Aufstiegsbedingungen im Schuljahr 2019/20 vor allem in der Sekundarstufe II zu einem deutlichen Rückgang der nicht Aufstiegsberechtigten. Lag der Anteil der nicht Aufstiegsberechtigten in der AHS-Oberstufe in den Vorjahren noch zwischen 8% und 10%, so ging dieser am Ende des Schuljahres 2019/20 auf 5,1% zurück. In berufsbildenden höheren Schulen (BHS) gab es einen Rückgang auf 6,7%, nachdem der Anteil in den Vorjahren noch zwischen 10% und 12% gelegen war (siehe Tabelle 2).

Hohe Erfolgsquote beim Haupttermin der standardisierten Reife- und Diplomprüfung in den ersten beiden Corona-Jahren

Seit dem Haupttermin 2020 gibt es auch bei der standardisierten Reife- und Diplomprüfung (sRDP) einige Erleichterungen (siehe Informationen zur Methodik). Mit der "Corona-Matura" stieg die Erfolgsquote zum Haupttermin (2020: 94,3%; 2021: 93,5%) im Vergleich zum Vorjahr (2019: 85,1%) deutlich an. Rund 4,3% der Kandidatinnen und Kandidaten waren zum Haupttermin 2021 in mindestens einem Fach negativ. Im Jahr 2019 (vor der Corona-Pandemie) waren es mit 12,7% rund dreimal so viele (siehe Tabelle 3).

Anstieg der Zahl der ordentlich Studierenden an öffentlichen Universitäten im Corona-Jahr

In den vergangenen 30 Jahren kennzeichneten insbesondere die stark ansteigenden Studierendenzahlen den Universitätsbereich. Die Einführung von allgemeinen Studienbeiträgen hat im Wintersemester 2001/02 zu massiv rückläufigen Studierendenzahlen an öffentlichen Universitäten geführt (-19,8%). In den Folgejahren war erneut ein stetiger Zuwachs zu beobachten, der bis zum Studienjahr 2016/17 anhielt. Seither sank die Zahl der ordentlichen Studierenden an öffentlichen Universitäten und lag 2019/20 bei 264.945. 2020/21, im ersten Wintersemester nach Ausbruch der Corona-Pandemie, stieg die Anzahl der ordentlichen Studierenden an öffentlichen Universitäten hingegen um 1,2% auf 268.240 (siehe Tabelle 4).

Deutlicher Rückgang bei Weiterbildungsteilnahmen im Jahr 2020

Im Jahr 2020 lag die Teilnahme an Weiterbildungen Corona-bedingt mit -29% deutlich unter jener von 2019. Im Jahresdurchschnitt 2020 nahmen laut Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung insgesamt 499.500 Personen (15 bis 74 Jahre) in den letzten vier Wochen vor der Befragung an Kursen und Schulungen teil. 2019 waren es noch rund 700.000 Personen. Im Jahr 2021 stieg die Zahl der Schulungsteilnehmerinnen und -teilnehmer wieder auf 697.800 Personen (15 bis 74 Jahre), ähnlich viele wie vor der Pandemie.

Spezialthema: Wegzüge nach Universitätsabschluss

Im Rahmen des Projekts "Wegzüge und Berufseinstieg von Universitätsabsolventinnen und -absolventen" im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung wurden 2021 von Statistik Austria Studienabschlüsse ordentlicher Studierender an öffentlichen Universitäten aus den Jahren 2008/09 bis 2018/19 näher betrachtet. Besondere Aufmerksamkeit in der öffentlichen Diskussion bekommen die Absolventinnen und Absolventen des Diplomstudiums Humanmedizin. Der Großteil der Absolventinnen und Absolventen dieser Gruppe, nämlich 13.123 Personen, hat die österreichische Staatsbürgerschaft, gefolgt von 2.360 deutschen Staatsangehörigen. Während von den Österreicherinnen und Österreichern im Schnitt 8,0% innerhalb von drei Jahren ins Ausland ziehen, sind es bei den deutschen Staatsangehörigen mit durchschnittlich 76,9% deutlich mehr (Abschlussjahrgänge 2008/09 bis 2016/17).

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zur Bildungsstatistik finden Sie in der Publikation Bildung in Zahlen 2020/21, im dazugehörigen Tabellenband sowie auf unserer Webseite, Ergebnisse zu Wegzügen im Bericht "Wegzüge und Berufseinstieg von Universitätsabsolventinnen und -absolventen 2021" (PDF, 2 MB).

 

Informationen zur Methodik, Definitionen:  
Bildungsstand: Die Daten über den Bildungsstand der österreichischen Bevölkerung im Haupterwerbsalter entstammen den nationalen Volkszählungen und dem Bildungsstandregister.  
EU22: Für einige internationale Indikatoren wurde der EU22-Durchschnitt gerechnet. Dieser entspricht dem ungewichteten Mittel der 22 OECD-Staaten, welche gleichzeitig Teil der EU 27-Staaten sind: Österreich, Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, die Niederlande, Polen, Portugal, die Slowakische Republik, Slowenien, Spanien, Schweden, die Tschechische Republik und Ungarn. 
Standardisierte Reife- und Diplomprüfung (SRDP): Die Ergebnisse der standardisierten Reife- und Diplomprüfungen der Haupttermine und der Nebentermine wurden von Statistik Austria im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) österreichweit erhoben und aufbereitet. Zum Haupttermin 2021 wurden standardisierte Prüfungen im Mai 2021 und mündliche Prüfungen im Juni bzw. Juli 2021 durchgeführt. Die Nebentermine des Schuljahres 2019/20 fanden im Herbst 2020 (September - Oktober) und im Winter 2020/21 (Jänner - Februar) statt.  
Erfolgsquote: Anteil der Kandidatinnen und Kandidaten mit erfolgreich bestandener Reife- und Diplomprüfung an allen angetretenen Kandidatinnen und Kandidaten. 
Pandemiebedingte rechtliche Anpassungen: Aufgrund der Anfang 2020 beginnenden Covid19-Pandemie wurden während des Schul- bzw. Studienjahres 2019/20 folgende rechtliche Anpassungen vorgenommen: 
Aufstiegsbedingungen am Schuljahresende: Auch aufgrund der weit verringerten Anzahl an Unterrichtstagen vor Ort an den Schulen wurde hinsichtlich der Aufstiegsberechtigung die Erleichterung getroffen, dass nach dem Schuljahr 2019/20 alle Schülerinnen und Schüler mit einem "Nicht genügend" und alle Volksschülerinnen und Volksschüler automatisch aufstiegsberechtigt waren; zusätzlich entschied bei Schülerinnen und Schülern mit zwei oder mehr "Nicht genügend" die Klassen- bzw. Schulkonferenz, ob das Aufsteigen in die nächste Klasse möglich war. 
Matura (Reife- und Diplomprüfung): Zum Haupttermin 2020 war im Rahmen der Reife- und Diplomprüfung der mündliche Teil ebenso wie die Präsentation der vorwissenschaftlichen Arbeiten bzw. Diplomarbeiten nur freiwillig. Die Anzahl der Themenbereiche bei den mündlichen Prüfungen wurde eingeschränkt. Beim schriftlichen Teil, der "standardisierten Reife- und Diplomprüfung (sRDP)", wurde einerseits die Arbeitszeit um 60 Minuten verlängert, andererseits konnte bei der Wahl von vier schriftlichen Prüfungen eine abgewählt werden. Außerdem wurden die Noten der letzten Schulstufe(n) in die Benotung der sRDP miteinbezogen. Diese Veränderungen blieben größtenteils auch für den Haupttermin 2021 erhalten. Zusätzlich muss seit dem Haupttermin 2021 bei der schriftlichen Prüfung ein Schwellenwert erreicht bzw. die Kompensationsprüfung bestanden werden, damit die Leistung der letzten Schulstufe(n) einbezogen werden kann. Bei der Reife- und Diplomprüfung im Sommer 2022 ist der mündliche Teil und auch die Präsentation der vorwissenschaftlichen Arbeiten bzw. Diplomarbeiten wieder verpflichtend und es kann keine schriftliche Prüfung abgewählt werden. Die Anzahl der Themenbereiche bei den mündlichen Prüfungen kann eingeschränkt werden.  
Hochschulzugang: Aufgrund der COVID-19-Hochschul-Aufnahmeverordnung des BMBWF war es den Hochschulen erlaubt, Termine und Regelungen für die Durchführung von Eignungs-, Aufnahme- und Auswahlverfahren für das Studienjahr 2020/21 abzuändern bzw. neu festzulegen. 
Weiterbildungsteilnahme: Die Daten stammen aus der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung und beziehen sich auf die Teilnahme an Kursen und Schulungen in den letzten vier Wochen.

 

Tabelle 1: Entwicklung des formalen Bildungsniveaus in Prozent der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren
Höchster BildungsabschlussJahr
1981199120012016201720182019
Pflichtschule46,034,226,218,318,017,917,6
Lehre31,037,039,434,434,233,733,4
Mittlere und höhere Schule18,421,924,630,230,330,330,4
Hochschule und Akademie4,56,99,917,117,518,118,6
Tabelle 2: Entwicklung des Anteils der nicht aufstiegsberechtigten Schülerinnen und Schüler in Prozent
Schultyp2011/122012/132013/142014/152015/162016/172017/182018/192019/20
Hauptschulen,  Neue Mittelschulen1,41,71,71,82,12,53,03,31,9
AHS-Unterstufe3,73,63,43,23,23,63,63,61,1
AHS-Oberstufe9,49,48,28,810,010,29,89,85,1
BMS12,413,011,612,813,314,414,314,79,8
BHS9,610,810,111,311,712,111,711,66,7
Tabelle 3: Ergebnisse der standardisierten Reife- und Diplomprüfung der angetretenen Kandidatinnen und Kandidaten zum Haupttermin in Prozent
AHS und BHS1) zusammen
HauptterminInsgesamt bestanden2)Ausgezeichneter ErfolgGuter ErfolgBestandenNicht bestandenUnvollständig3)
201786,216,919,649,612,31,5
201884,515,016,053,513,52,0
201985,115,917,651,612,72,2
202094,318,618,557,23,42,3
202193,523,620,449,54,32,2

 

Tabelle 4: Entwicklung der Zahl der ordentlichen Studierenden an öffentlichen Universitäten
Wintersemester
Zahl der ordentlichen Studierenden
1990/91193.479
1995/96220.341
2000/01227.948
2005/06203.453
2010/11265.030
2015/16280.445
2016/17280.783
2017/18278.052
2018/19268.586
2019/20264.945
2020/21268.240

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Regina RADINGER, Tel.: +43 1 71128-7457 bzw. regina.radinger@statistik.gv.at und  
MMag. Guido SOMMER-BINDER, Tel.: +43 1 71128-7349 bzw. guido.sommer-binder@statistik.gv.at

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