Pressemitteilung: 12.796-094/21

Konjunktur-Frühschätzung März 2022: Umsätze im Produzierenden Bereich deutlich über Vorkrisenniveau (+54,9%); Zunahme im Transportaufkommen auf der Straße im 1. Quartal 2022

Wien, 2022-04-28 – Für März 2022 zeigen die Konjunktur-Frühschätzungen zu Industrie und Bau (ÖNACE B bis F) laut Statistik Austria im Vergleich zum Vorjahresmonat einen Anstieg der Umsätze um 37,5%. Der Beschäftigtenindex verbuchte einen Anstieg (+1,7%), der Index der geleisteten Arbeitsstunden eine rückläufige Veränderung (-1,0%; siehe Tabelle 1).

"Trotz Ukraine-Krise stehen in Österreichs Industrie und Bau auch im März 2022 die Signale weiterhin auf Grün. Die Umsätze lagen 54,9% über dem Vorkrisenniveau vom März 2019, was teilweise durch massive Preissteigerungen vor allem im Energiesektor bedingt ist. Insgesamt ist der Produzierende Bereich allerdings nach wie vor auf Wachstumskurs", so Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Den vorliegenden nominellen Daten für Jänner 2022 lagen die Ergebnisse von 82.418 Unternehmen des gesamten Produzierenden Bereichs (Sachgüterbereich und Bau) zugrunde. Diese realisierten mit 970.514 unselbständig Beschäftigten (+2,9%) Umsatzerlöse in Höhe von 31,3 Mrd. Euro. Das entspricht einem nominellen Umsatzplus von 46,2% gegenüber Jänner 2021, einem jener Monate, der in Österreich von Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie besonders betroffen war. Auch der Sachgüterbereich lag gegenüber Jänner 2021 bei nomineller Betrachtung aufgrund der überaus positiven Entwicklung des industriellen Umfelds deutlich im Plus (+49,8% auf 28,1 Mrd. Euro). Auch die Baukonjunkturampel stand im Jänner 2022 weiterhin auf Grün (+20,5% auf 3,2 Mrd. Euro; siehe Tabelle 2).

Die Frühschätzung für das Transportaufkommen österreichischer Unternehmen im Straßengüterverkehr zeigte für das 1. Quartal 2022 einen Anstieg um 2,3% gegenüber dem Vorjahresquartal (87,3 Mio. t) auf 89,3 Millionen Tonnen.

Sattes Produktionsplus im Sachgüterbereich im Jänner 2022

Gegenüber dem Vorjahresmonat erhöhte sich die abgesetzte Produktion im gesamten Sachgüterbereich (Abschnitte B bis E der ÖNACE 2008) im Jänner 2022 nominell um 49,1% auf 27,8 Mrd. Euro. Die mit Abstand größte Produktionssteigerung innerhalb der zehn größten Branchen des Sachgüterbereichs verzeichnete die "Energieversorgung" (+120,8% auf 10,5 Mrd. Euro) – auch aufgrund der aktuellen Energiepreise und des massiv gestiegenen Energiehandels. Stark erholt zeigten sich weiterhin auch die "Metallerzeugung und -bearbeitung" (+53,1% auf 2,0 Mrd. Euro) sowie die "Herstellung von chemischen Erzeugnissen" (+31,1% auf 787,7 Mio. Euro; siehe Tabelle 3).

Konjunktur-Frühschätzungen März 2022: kräftige Erholung bei den Umsätzen in Industrie und Bau

Die Frühschätzung für März 2022 zu Industrie und Bau zeigt sowohl für die Industrie (+42,0% im Vergleich zum Vorjahr) als auch für den Baubereich (+8,2%) eine positive Entwicklung der Umsätze. Verglichen mit dem Vorkrisenniveau im März 2019 stieg der Umsatzindex in der Industrie um 57,4% und im Bauwesen um 36,6%. Für den gesamten Produzierenden Bereich ergab sich ein Plus von 54,9% gegenüber März 2019. Das Arbeitsvolumen ging im Vergleich zum Vorjahresmonat März 2021 in der Industrie um 1,3% und im Baubereich um 0,1% zurück. Beim Beschäftigungsindex gab es in der Industrie einen leichten Zuwachs von 1,5%, im Baubereich war der Anstieg mit +2,1% kräftiger.

Straßengüterverkehr-Frühschätzungen 1. Quartal 2022: Zunahme beim Straßengüterverkehr österreichischer Unternehmen

Die Frühschätzung für das Transportaufkommen österreichischer Unternehmen im Straßengüterverkehr ergab für das 1. Quartal 2022 mit 89,3 Millionen Tonnen (Mio. t) einen Anstieg um 2,3% gegenüber dem Vorjahresquartal (87,3 Mio. t). Dabei stieg die Transportleistung im In- und Ausland um 3,9% auf 6,9 Milliarden Tonnenkilometer (Mrd. tkm), die Anzahl der beladenen Fahrten erhöhte sich um 0,1% auf 6,4 Mio. Die Transportleistung innerhalb des Bundesgebietes nahm um 3,3% auf 4,8 Mrd. tkm zu und jene außerhalb Österreichs stieg um 5,2% auf 2,1 Mrd. tkm.

Auch im Vergleich zu dem Referenzquartal vor der Corona-Krise, also dem 1. Quartal 2019, wurden Zunahmen registriert. Das Transportaufkommen erhöhte sich verglichen mit dem 1. Quartal 2019 um 11,7% auf 89,3 Mio. t, die Gesamttransportleistung stieg im selben Zeitraum von 6,2 Mrd. tkm um 11,0% auf 6,9 Mrd. tkm. Auf der Inlandstrecke erhöhte sich die Transportleistung von 4,3 Mrd. tkm um 13,7% auf 4,8 Mrd. tkm, im Ausland von 2,0 Mrd. tkm um 5,1% auf 2,1 Mrd. tkm.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zur Konjunkturerhebung im Produzierenden Bereich sowie zur Frühschätzung für Industrie und Bau finden Sie auf unserer Webseite. Detaillierte Ergebnisse zum Straßengüterverkehr österreichischer Unternehmen stehen ebenfalls auf unserer Webseite zur Verfügung. Einen Überblick über die Wirtschaftsentwicklung Österreichs anhand von 80 Konjunkturmerkmalen bietet der Konjunkturmonitor von Statistik Austria. Ebenso stehen eine detaillierte Darstellung und Beschreibung der wichtigsten konjunkturrelevanten nominellen Daten (PDF, 223 KB) zur Verfügung.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die gegenständlichen Hauptergebnisse basieren zum einen auf den primärstatistischen Daten der Konjunkturerhebung im Produzierenden Bereich, zum anderen auf einem modellbasierten Ansatz zur Datenergänzung (MDE). Letzterer versucht sowohl die Merkmalszusammenhänge der monatlichen Konjunkturerhebung einzubinden als auch die Informationen aus den verschiedenen Verwaltungsquellen effizient zu nutzen. Dadurch soll die Struktur der Grundgesamtheit (somit 100%) der Konjunkturstatistik im Produzierenden Bereich auf Aktivitätsebene als Kombination aus Primärdaten, Sekundärdaten und Modellrechnung dargestellt werden. Detaillierte methodische Beschreibungen finden sich auf unserer Webseite
Mit dem Berichtsmonat Jänner 2021 wurde im statistischen Unternehmensregister (URS) der Statistik Austria ein neues Konzept zur Aufnahme- und Löschung von statistischen Einheiten implementiert, durch das die teils hohen Veränderungen der ausgewiesenen Unternehmen und Betriebe im Vergleich zum Vorjahresmonat erklärt werden können. Für die Aufnahmen von Einheiten in das URS wurden – gemäß den europäischen Konzepten – die Schwellen entsprechend herabgesetzt. Nunmehr gelten alle Einheiten als aktiv, die einen Umsatz von 50 Euro/Monat bzw. 150 Euro/Quartal bzw. 500 Euro/Jahr aufweisen (vormals: 1.000 Euro/Monat bzw. 3.000 Euro/Quartal bzw. 10.000 Euro/Jahr). Dadurch erhöhte sich die Grundgesamtheit im Produzierenden Bereich um etwa 10.000 Unternehmen. Das Aufnahmekonzept wurde mit dem Berichtsmonat Dezember 2021 aufgrund der laufenden Verbesserung der Anbindung an die Verwaltungsdatenquellen noch einmal einer qualitativen Verbesserung unterzogen. 
Die Erhebungsform des Straßengüterverkehrs
ist eine kombinierte Zeit- und Fahrzeugstichprobe. Die ausgewählten Kraftfahrzeuge eines Fahrzeughalters erhalten dabei dieselbe Berichtswoche zugewiesen, sodass dieser maximal einmal pro Quartal für eine Berichtswoche meldepflichtig ist. Die Auswahl der Kraftfahrzeuge (Lastkraftwagen mit zwei und mehr Tonnen Nutzlast bzw. Sattelzugmaschinen) erfolgte bis inklusive 2015 gesondert für jedes Quartal. Ab dem Berichtsjahr 2016 erfolgt die Stichprobenziehung einmal jährlich, wobei es im Falle von Ausfällen quartalsweise zu Ergänzungen kommt. Durch die neue Vorgehensweise wird der Stichprobenfehler deutlich verringert. 
Transportaufkommen:
Menge der beförderten Güter in Tonnen. 
Transportleistung: Produkt aus Transportaufkommen und der zurückgelegten Wegstrecke in Kilometern. 
Konjunktur-Frühschätzung:  
Die Schätzungen basieren einerseits auf historischen Entwicklungen und Korrelationen zwischen einzelnen Variablen, zum anderen auf Meldungen, die bis zum Zeitpunkt der 30-Tage-Schätzung bereits zur Verfügung stehen. Dem Modell liegt die Annahme zugrunde, dass fehlende Meldungen eine ähnliche Entwicklung aufweisen wie die Daten der bereits eingegangenen Meldungen der Unternehmen.  
Der Begriff Industrie entspricht hier dem Produzierenden Bereich ohne Bau (ÖNACE 2008 – Abschnitte B bis E) und beinhaltet auch Gewerbebetriebe. Somit ist dieser Begriff nicht ident mit dem Begriff Industrie laut Kammersystematik der Wirtschaftskammer Österreich.  
Qualität der t+30-Schätzung: Ein wesentlicher Qualitätsaspekt für die Schätzung ist die automatische Ausreißererkennung und -korrektur. Zu t+30 sind etwa 60% aller Meldungen eingelangt, diese weisen aber – aufgrund der zu diesem Zeitpunkt noch nicht durchgeführten Plausibilitätsprüfungen – zum Teil noch Qualitätsmängel auf. Die Ausreißererkennung basiert auf einem univariaten Zeitreihenmodell. Die Sensitivität dieser Prozedur wurde heuristisch so kalibriert, dass nicht zu viele korrekt gemeldete Werte ersetzt, andererseits aber die meisten fehlerhaften Meldungen eliminiert wurden.  
Somit hängt die Qualität der t+30-Schätzung einerseits davon ab, inwiefern die wesentlichsten fehlerhaften Meldungen identifiziert und korrigiert werden konnten. Andererseits wird in dem zugrundeliegenden Modell eine Korrelation der früh und spät eingelangten Meldungen vorausgesetzt. Diese Abhängigkeit hat sich im Beobachtungszeitraum 2013–2020 nicht wesentlich geändert. Strukturbrüche, die etwa durch Krisen wie der Corona-Pandemie verursacht werden, könnten Probleme bei der Ausreißeridentifikation hervorrufen (plötzlich auftretende Nullwerte, die als Ausreißer erkannt und ersetzt werden). Weiters können aufgrund der aktuellen Situation Nachmeldungen und größere Revisionen nicht ausgeschlossen werden. 
Straßengüterverkehr-Frühschätzung:
 
Ab November 2017 publiziert Statistik Austria Schnellschätzer (flash estimates) zum Transportaufkommen und zur Transportleistung im Straßengüterverkehr österreichischer Unternehmen. Diese Schätzer werden einen Monat nach Ende des Berichtsquartals auf der Webseite veröffentlicht. Detaillierte Ergebnisse erscheinen wie bisher fünf Monate nach Ende des Berichtsquartals. Details zur Entwicklung dieser Schnellschätzer finden sich in dem Artikel „Erhebung zum Straßengüterverkehr – Neuer Stichprobenplan und Entwicklung von Schnellschätzern“ von Karner, T., Weninger, B., Schuster, S. und Fleck, S. in den Statistischen Nachrichten, Heft 4, 2018 (PDF, 0,4 MB).

 

Tabelle 1: Konjunkturindikatoren (endgültige, vorläufige und Frühschätzungen zu t+30 für März 2022); Umsatz-, Beschäftigten- und Arbeitsvolumenindex im Produzierenden Bereich (Basis 2015), ÖNACE 2008
2022Insgesamt (B–F)VJMIndustrie (B–E)VJMBauwesen (F)VJM
Umsatzindex1)
Jänner2)148,046,5155,549,795,918,5
Februar3)155,034,4159,937,1120,613,3
März 4)193,337,5197,842,0162,28,2
Beschäftigtenindex1)
Jänner2)107,42,3106,91,6109,14,8
Februar3)108,82,5107,31,8113,84,9
März 4)110,71,7107,61,5121,22,1
Index der geleisteten Arbeitsstunden1)
Jänner2)98,44,498,63,797,57,4
Februar3)105,00,6104,40,0106,82,5
März4)117,6-1,0114,1-1,3129,4-0,1
Tabelle 2: Ergebnisse der Unternehmen – Jänner 2022
ÖNACE 2008-Gliederung1)UnternehmenUnselbständig BeschäftigteBrutto-VerdiensteUmsatz
Stand Ende Jänner 2022in Mio. EuroVeränderung
nom. In %2)a. b. in %3)
Jänner 2022
Sachgüterbereich36.079705.5142.920,627.352,749,846,3
Darunter
Herstellung von Waren (inkl. Bergbau)32.105652.3922.315,917.037,725,0-
Energieversorgung4.03827.761130,210.532,0125,7-
Wasserversorgung und Abfallentsorgung2.96321.76667,2555,917,9-
Bau43.312268.595842,33.201,720,516,6
Produzierender Bereich insgesamt82.418970.5143.355,631.327,446,242,6
Tabelle 3: Ausgewählte Branchen des Sachgüterbereichs – Wert der abgesetzten Produktion – Jänner 2022
SACHGÜTERBEREICH 
Jänner 2022
Abgesetzte Produktion in Mio. EuroVeränderung zum Vorjahr in %1)
Sachgüterbereich insgesamt27.767,049,1
darunter
Energieversorgung10.457,7120,8
Metallerzeugung und -bearbeitung2.010,353,1
Maschinenbau1.867,221,8
Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln1.525,520,4
Herstellung von Metallerzeugnissen1.391,522,2
Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen1.252,20,6
Herstellung von elektrischen Ausrüstungen987,411,1
Herstellung von chemischen Erzeugnissen974,344,9
Herstellung von Holz-, Flecht-, Korb- und Korkwaren (ohne Möbel)787,731,1
Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen779,625,9
Tabelle 4: Quartalsergebnisse des Transportaufkommens im Straßengüterverkehr von österreichischen Unternehmen 2018 bis 2022
BerichtsjahrTransportaufkommen in Mio. t
1. Quartal2. Quartal3. Quartal4. QuartalGesamt
20221)89,3---.
Vergleich zum Vorjahr in %2,3---.
20211)87,3106,5112,297,1403,2
Vergleich zum Vorjahr in %15,719,83,4-5,37,3
202075,588,9108,5102,6375,6
Vergleich zum Vorjahr in %-5,5-15,8-2,9-2,3-6,6
201979,9105,6111,7105,0402,2
Vergleich zum Vorjahr in %0,3-2,65,26,02,3
201879,6108,4106,299,1393,3
Vergleich zum Vorjahr in %1,86,2-0,9-0,31,7

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