Pressemitteilung: 12.780-078/22

Statistik Austria beobachtet soziale Folgen der Pandemie: jede dritte Person von Verringerung des Haushaltseinkommens betroffen, jede sechste Person von Verbesserung

Wien, 2022-04-05 – Vierteljährlich erhebt Statistik Austria im Auftrag von Eurostat und dem Sozialministerium ein umfassendes Bild der sozialen Lage in Österreich. Ende 2021 hatte demnach jede dritte 16- bis 69-Jährige Person laut eigener Angabe ein geringeres Haushaltseinkommen als zwölf Monate zuvor. Reduzierte Arbeitszeit, gesunkenes Erwerbseinkommen und Arbeitsplatzverlust waren die häufigsten Gründe. Auch die hohe Inflation wurde oft als Grund für subjektiv wahrgenommene Realeinkommensverluste angeführt. Andererseits berichtete jede sechste Person von einem Anstieg des Haushaltseinkommens in diesem Zeitraum. Die wichtigsten Gründe dafür waren Erhöhung der Arbeitszeit, Steigerungen des Erwerbseinkommens oder ein neuer Job bzw. Arbeitsplatzwechsel.

"Trotz einer massiven Ausweitung der Sozialleistungen und Subventionen hat die Corona-Krise deutliche soziale Folgen mit sich gebracht. Jede dritte Person im erwerbsfähigen Alter hatte im Jahr 2021 Einkommensverluste zu verdauen – mit teils spürbaren Auswirkungen auf Konsummöglichkeiten und Lebenszufriedenheit. Bei jeder sechsten Person hat sich die Einkommenssituation im selben Zeitraum hingegen verbessert", erklärt Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Einkommensverluste deutlich häufiger als Einkommensgewinne

Insgesamt 33% der 16- bis 69-Jährigen verzeichneten einen Rückgang des Haushaltseinkommens in den letzten zwölf Monaten. Überdurchschnittlich häufig waren Einkommensverluste bei Arbeitslosen (53%) sowie Erwerbstätigen in bestimmten Berufsgruppen wie Dienstleistungen und Verkauf (37%); Landwirtschaftsberufen (41%); Handwerksberufen (36%), Bedienung oder Montage von Anlagen und Maschinen (45%) sowie Hilfsarbeitskräften (40%).

Rund 16% der Befragten hatten hingegen von einem Anstieg des Haushaltseinkommens berichtet. Über dem Gesamtdurchschnitt lag der Anteil der Einkommensgewinner dabei unter Personen in akademischen (28%), technischen oder gleichrangigen Berufen (19%) sowie bei Führungskräften (25%).

Einkommensverluste mit weniger Konsum und geringerer Lebenszufriedenheit verbunden

Mehr als 46% der Personen mit Einkommensverlusten konnten auf Ersparnisse zurückgreifen, Geld leihen oder ein gesunkenes Einkommen auf andere Weise kompensieren. Hingegen mussten mehr als 39% ihren Konsum einschränken, indem sie Ausgaben für Essen, Kleidung und andere Waren und Dienstleistungen reduzierten. Etwa 14% haben keine besonderen Maßnahmen ergriffen.

Der Anteil der Menschen, die sich in den vier Wochen vor der Befragung nie oder selten glücklich gefühlt hatten, war bei jenen mit Einkommensverlusten (17%) mehr als doppelt so hoch wie bei jenen mit Einkommensgewinnen (8%). Der Anteil der Menschen, die sich immer oder meistens einsam gefühlt hatten, war bei einem Einkommensverlust (15%) sogar dreimal so hoch wie bei einem Anstieg des Haushaltseinkommens (5%). Der Anteil der Menschen mit sehr hoher Lebenszufriedenheit (Werte über 7 auf einer Skala von 0 bis 10) war bei Einkommensgewinnern wesentlich höher (67%) als bei Einkommensverlierern (44%).

Die Wohnkosten waren für insgesamt 825.000 Menschen eine schwere finanzielle Belastung

Unabhängig von der Einkommensentwicklung der letzten zwölf Monate hatten hochgerechnet rund 14% der Befragten zum Zeitpunkt der Befragung (große) Schwierigkeiten ihre Lebenskosten zu bewältigen. Insbesondere stellten für rund 13% oder 825.000 Menschen die Wohnkosten Ende 2021 eine schwere finanzielle Belastung dar. Insgesamt etwa 12% rechneten sogar damit, in den folgenden drei Monaten ihre Wohnkosten nicht mehr bezahlen zu können. Bei 7% kam es bereits im 3. Quartal 2021 zu Zahlungsrückständen.

Weitere Informationen finden Sie im Ergebnisbericht (PDF, 1 MB) und ausgewählten Ergebnistabellen.

Informationen zur Methodik: Die erste Welle der Datenerhebung zu "So geht’s uns heute" hat im November und Dezember 2021 stattgefunden und wurde von 3.531 Befragten zwischen 16 und 69 Jahren beantwortet. Die Studie wird gemeinsam von Eurostat und dem Sozialministerium finanziert. In ähnlicher Form führen momentan elf EU Staaten quartalsweise wiederholte Pilotstudien durch. Die aktuellen Ergebnisse in Österreich zeigen das subjektive Stimmungsbild zum Jahresende 2021. Im Mittelpunkt stehen persönlich erlebte Einkommensverluste; die subjektive Bewältigung der Lebenskosten sowie Wohlbefinden und Zufriedenheit. Ziel der quartalsweise durchgeführten Befragung ist es, die sozialen Folgen der aktuellen Pandemieentwicklungen frühzeitig erkennen zu können. Die Stichprobe wurde aus dem Zentralen Melderegister gezogen. Die unbereinigte Ausschöpfungsquote lag bei 47%. Um eine zeitnahe Erhebung der Stimmungslage in der Bevölkerung zu erzielen, wurde auf die Verwendung von Registermerkmalen verzichtet. Der Fragebogen wurde von 3.015 Personen online ausgefüllt und von 516 Personen in Papierform. Der Onlinefragebogen umfasste insgesamt 260 Fragen, wovon aufgrund von Filterführung durchschnittlich 100 Fragen beantwortet wurden. Die etwas verkürzte Papierversion enthielt maximal 75 Fragen. Der gesamte Fragebogen ist hier (PDF, 1 MB) abrufbar.

Quote der Einkommensveränderungen für ausgewählte Bevölkerungsgruppen
 Veränderungen im Haushaltseinkommen in den letzten 12 Monaten1)Gesamt (=100%)
Gestiegenes EinkommenGesunkenes Einkommenin 1.000
in 1.000Quote in %in 1.000Quote in %
Arbeitssuchend, arbeitslos--12553,2236
Ausgewählte Berufsgruppen
Führungskräfte(82)(25,4)7823,9324
Akademische Berufe23427,721225,0847
Techniker und gleichrangige nichttechnische Berufe16918,824527,3897
Bürokräfte und verwandte Berufe(73)(18,3)13734,3400
Dienstleistungsberufe und Verkäufer(74)(11,5)24137,4646
Fachkräfte in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei--(39)(41,3)94
Handwerks- und verwandte Berufe(44)(10,6)15136,3415
Bediener von Anlagen und Maschinen und Montageberufe--(98)(45,0)218
Hilfsarbeitskräfte(28)(11,7)9740,2241

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Dr. Matthias TILL, Tel.: +43 1 71128-7106 bzw. matthias.till@statistik.gv.at und  
Sarah HARTLEIB, Tel.: +43 1 71128-7510 bzw. sarah.hartleib@statistik.gv.at

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