Pressemitteilung: 12.782-080/22

Absolventinnen und Absolventen öffentlicher Universitäten gelingt rascher Einstieg in den Arbeitsmarkt

Wien, 2022-04-06 – Absolventinnen und Absolventen von öffentlichen Universitäten in Österreich gelingt ein rascher Einstieg ins Berufsleben: Etwa ein Viertel aller Graduierten nimmt bereits vor dem Studienabschluss eine erste Erwerbstätigkeit auf. Gleichzeitig bietet ein abgeschlossenes Studium einen sehr guten Schutz vor Arbeitslosigkeit. Der Anteil an arbeitslos gemeldeten Graduierten liegt 36 Monate nach Studienende bei etwa 3%. Das geht aus dem Abschlussbericht des "AbsolventInnen-Trackings" (ATRACK) hervor, den Statistik Austria gemeinsam mit der Universität Wien veröffentlicht. ATRACK, die registerbasierte Vollerhebung zur Arbeitsmarktintegration von Hochschulabsolventinnen und -absolventen, wurde von den teilnehmenden Universitäten und vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung finanziert.

"Bildung zahlt sich aus. Das Bruttomonatsgehalt der Absolventinnen und -absolventen öffentlicher Universitäten in Österreich liegt drei Jahre nach ihrem Abschluss im Mittel bei etwa 3.400 Euro, wobei das Gehalt nach Studiengang und akademischem Grad variiert. Auch sind Graduierte recht gut vor Arbeitslosigkeit geschützt: Lediglich 3% der Absolventinnen und -absolventen öffentlicher Universitäten sind drei Jahre nach ihrem Abschluss arbeitslos", so Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Graduierten gelingt ein schneller Einstieg in den Arbeitsmarkt

Etwa ein Viertel aller Graduierten öffentlicher Universitäten nimmt bereits vor dem Studienabschluss eine erste Erwerbstätigkeit auf. Insbesondere Absolventinnen und Absolventen des Ausbildungsfelds Informatik und Kommunikationstechnologie schaffen es sehr rasch, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen: Hier gehen bereits 54% vor ihrem Abschluss einer ersten Erwerbstätigkeit nach. Im Median dauert der Einstieg von Graduierten in den Arbeitsmarkt etwa zwei Monate.

Studienabschluss schützt nachhaltig vor Arbeitslosigkeit

Ganz allgemein bietet ein Studienabschluss einen sehr guten Schutz vor Arbeitslosigkeit (siehe Tabelle). Der Anteil der in Österreich arbeitslos gemeldeten Graduierten liegt 36 Monate nach Abschluss über alle Studienarten und Ausbildungsfelder hinweg betrachtet bei etwa 3%. Die Daten zeigen allerdings auch Unterschiede zwischen verschiedenen Studienarten und Ausbildungsfeldern auf. So sind es vor allem Absolventinnen und Absolventen der Informatik und Kommunikationstechnologie, die sowohl nach Bachelor-, Master- oder auch Diplom-Abschluss besonders niedrige Arbeitslosenraten aufweisen. Im Gegenzug weisen Absolventinnen und Absolventen der Geisteswissenschaften und Künste tendenziell die höchste Arbeitslosenrate auf, auch wenn diese sich auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau befindet.

Erwerbstätigenquote steigt rasch

Während die Erwerbstätigenquote zwölf Monate vor Studienabschluss bei durchschnittlich 35% liegt, erhöht sie sich zum Zeitpunkt des Abschlusses auf 42% und steigt 36 Monate nach Beendigung des Studiums auf 79%. Gleichzeitig sinkt in diesem Zeitraum der Anteil derer, die geringfügig beschäftigt sind, von 17% zwölf Monate vor Abschluss auf 2% 36 Monate nach Abschluss. Damit wird deutlich, dass Absolventinnen und Absolventen zu diesem Zeitpunkt zu großen Teilen voll in den Arbeitsmarkt integriert sind.

Verdienstmöglichkeiten von Graduierten

Im Median verdienen die Absolventinnen und Absolventen öffentlicher Universitäten 18 Monate nach Abschluss in unselbständiger Vollzeitbeschäftigung ein inflationsbereinigtes Bruttomonatsgehalt von etwa 3.100 Euro und nach 36 Monaten ca. 3.400 Euro. Das Gehalt steigt mit der Höhe des akademischen Grads.

Betrachtet man das Ausbildungsfeld, so verzeichnen Graduierte der Ausbildungsfelder Gesundheit und Sozialwesen – zu dem auch das Medizinstudium zählt – mit 4.900 Euro die im Median höchsten Bruttogehälter, gefolgt von Informatik und Kommunikationstechnologie (3.800 Euro) und Ingenieurwesen, verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe (3.800 Euro). Die Daten zeigen aber auch geschlechterspezifische Lohnunterschiede auf: Abhängig vom gewählten Stichtag verdienen weibliche Graduierte in unselbständiger Vollzeitbeschäftigung im Durchschnitt etwa 18% weniger als ihre männlichen Kollegen. Beispielsweise beträgt die Differenz der Medianeinkommen bei Absolventinnen und Absolventen des Bereichs Naturwissenschaften, Mathematik und Statistik, wo nach Abschlusszahlen beinahe Geschlechterparität besteht, immer noch etwa 450 Euro.

Den umfassenden Abschlussbericht sowie weitere Informationen finden Sie auf unserer Webseite.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen:  
Im Jahr 2017 begann Statistik Austria mit dem Aufbau eines umfangreichen Graduierten-Tracking-Systems, welches in Zusammenarbeit mit den öffentlichen Universitäten unter der Leitung der Universität Wien entwickelt und implementiert wurde. Dazu wurden von Statistik Austria Daten aus mehreren Registern miteinander verknüpft und unter strenger Wahrung des Datenschutzes zur weiteren Nutzung aufbereitet.  
Der dadurch entstandene Datenkörper stellt eine registerbasierte Vollerhebung aller Graduierten österreichischer Hochschulen dar. ATRACK beinhaltet somit personen- und studienbezogene Daten sowie Daten zu den Erwerbskarrieren aller Absolventinnen und Absolventen von öffentlichen Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogischen Hochschulen und Privatuniversitäten in anonymisierter Form.  
Insgesamt umfasst der Datensatz 661.000 Studienabschlüsse in den Studienjahren 2008/09 bis 2018/19 sowie 278.000 Studienabbrüche von 2008/09 bis 2016/17. Die Auswertungen im Abschlussbericht fokussieren sich auf die Erwerbskarrieren von Personen unter 35 Jahren mit Erstabschluss ohne weitere Ausbildung im Folgejahr. Das entspricht einer Annäherung an jene Gruppe von Graduierten, bei welcher von einem erstmaligen Einstieg in den Arbeitsmarkt ausgegangen werden kann. 
Zur Erstellung des Datenkörpers wurden Daten des Zentralen Melderegisters, des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger, des Arbeitsmarktservice, des Bildungsstandregisters, laufende Bildungsdaten, Lohnzetteldaten und die Arbeitsstättendaten des Unternehmensregisters der statistischen Einheiten mit dem bereichsspezifischen Personenkennzeichen Amtliche Statistik (bPK AS) gemäß §§ 15 und 26 des Bundesstatistikgesetzes 2000 anonymisiert zusammengeführt und aufbereitet. Zur Unkenntlichmachung von Einzelpersonen in den Ergebnissen wurde für einen festgelegten Prozentsatz der Daten das "Record Swapping" Verfahren angewendet. Dabei werden zuerst sogenannte "Risky Records" gesucht – das sind Datensätze mit seltenen Merkmalskombinationen, die daher potentiell leichter zu identifizieren wären. Einzelne Merkmale dieser Personen werden dann mit den Merkmalen anderer Personen getauscht. Dabei wird darauf geachtet, dass die wichtigsten Eckzahlen nicht verzerrt werden. Bei kleineren Zellbesetzungen (<= 30) wird daher explizit darauf hingewiesen, dass die Daten aufgrund des "Record Swapping"-Verfahrens mit Vorsicht zu interpretieren sind. Ergebnisse, die auf geringen Fallzahlen beruhen (Zellbesetzung <= 30 Fälle) dürfen daher nicht veröffentlicht werden. 
Erstabschluss: Dabei handelt es sich um den ersten Abschluss pro Person und Niveau (also der erste Bachelorabschluss und der erste Master-/Diplomabschluss und der erste Doktorats-/PhD-Abschluss).  
Arbeitsmarktstatus: Zur Ermittlung des Arbeitsmarktstatus werden überschneidungsfreie und lückenlose Erwerbskarrieren gebildet, wobei Erwerbstätigkeiten vor Arbeitslosigkeit und weiteren Ausbildungszeiten dominieren. 
Erste Erwerbstätigkeit: Die Dauer zwischen dem Bildungsabschluss und dem Beginn-Datum der ersten Erwerbstätigkeit wird taggenau bestimmt. Als erste Erwerbstätigkeit wird dabei die zeitlich erste ausgewählt, deren Ende-Datum nach dem Stichtag sechs Monate nach Abschluss bzw. Abbruch liegt. Zusätzlich kommen nur Beschäftigungen mit einer Dauer von mehr als 91 Tagen als erste Erwerbstätigkeit in Frage.  
Erwerbstätigenquote: Die Erwerbstätigenquote berechnet sich als Anteil der selbständig bzw. unselbständig Erwerbstätigen an der Gesamtmenge der Absolventinnen und Absolventen ohne die Gruppe "Kein Wohnsitz in Österreich" (es ist nicht bekannt, ob sie außerhalb Österreichs einer Erwerbstätigkeit nachgehen). 
Inflationsbereinigtes unselbständiges Bruttoeinkommen zum Stichtag: Das ausgewiesene Einkommen ermittelt sich aus dem Jahresbruttoeinkommen aus unselbständiger Beschäftigung ohne Sonderzahlungen lt. Jahreslohnzettel des Jahres, in das der Stichtag fällt. Daraus wird anhand der im Jahr tatsächlich gearbeiteten Tage ein Tageseinkommen berechnet. Durch Multiplikation mit 365/12 wird daraus ein Monatseinkommen hochgerechnet. Zur Inflationsbereinigung wird der veröffentlichte VPI (2005)-Jahresdurchschnitt herangezogen und auf das Jahr 2019 gewichtet.

 

Arbeitsmarktstatus 36 Monate nach Abschluss 1) gegliedert nach Studienart und Ausbildungsfeldern
Studienart, AusbildungsfeldArbeitsmarktstatus
Unselbständige ErwerbstätigkeitSelbständige ErwerbstätigkeitArbeits-losigkeitGeringfügige ErwerbstätigkeitWohnsitz in Österreich: Nicht-Erwerbspersonen in Österreich 2)Kein Wohnsitz in Österreich: Status unbekannt 3)
in %
Bachelor
Pädagogik54,44,12,32,017,320,0
Geisteswissenschaften und Künste39,04,64,43,920,627,4
Sozialwissenschaften, Journalismus und Informationswesen42,62,62,52,017,033,3
Wirtschaft, Verwaltung und Recht60,63,02,31,614,517,9
Naturwissenschaften, Mathematik und Statistik39,13,02,73,520,331,4
Informatik und Kommunikationstechnologie56,75,50,91,912,123,0
Ingenieurwesen, verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe35,43,12,22,522,034,8
Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei und Tiermedizin34,59,82,51,515,336,4
Gesundheit und Sozialwesen52,92,34,61,131,08,0
Dienstleistungen44,79,93,41,717,722,5
Master
Pädagogik67,53,41,41,516,110,1
Geisteswissenschaften und Künste40,47,12,81,813,034,9
Sozialwissenschaften, Journalismus und Informationswesen54,03,02,51,211,627,7
Wirtschaft, Verwaltung und Recht66,62,51,80,48,620,0
Naturwissenschaften, Mathematik und Statistik57,42,22,01,112,824,4
Informatik und Kommunikationstechnologie73,56,30,80,67,311,5
Ingenieurwesen, verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe69,52,41,40,79,216,8
Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei und Tiermedizin43,68,81,61,310,234,6
Gesundheit und Sozialwesen71,50,82,30,815,49,2
Dienstleistungen55,214,11,11,612,515,5
Diplom
Pädagogik69,81,61,71,315,110,5
Geisteswissenschaften und Künste45,711,45,63,216,317,7
Sozialwissenschaften, Journalismus und Informationswesen64,73,63,51,613,313,2
Wirtschaft, Verwaltung und Recht74,52,52,90,99,69,6
Naturwissenschaften, Mathematik und Statistik62,04,02,92,216,612,4
Informatik und Kommunikationstechnologie81,17,71,21,25,43,5
Ingenieurwesen, verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe68,95,72,11,59,912,0
Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei und Tiermedizin41,810,21,41,114,830,6
Gesundheit und Sozialwesen64,82,80,80,312,219,0
Dienstleistungen65,614,32,73,510,43,5
Doktorat/PhD
Pädagogik66,92,61,90,616,911,0
Geisteswissenschaften und Künste52,75,43,42,215,121,2
Sozialwissenschaften, Journalismus und Informationswesen59,14,01,51,716,417,4
Wirtschaft, Verwaltung und Recht66,32,51,61,418,110,1
Naturwissenschaften, Mathematik und Statistik49,31,51,80,916,330,2
Informatik und Kommunikationstechnologie57,93,90,90,710,026,5
Ingenieurwesen, verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe66,62,01,20,511,018,6
Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei und Tiermedizin45,711,72,31,416,322,5
Gesundheit und Sozialwesen56,01,72,00,514,924,9
Dienstleistungen55,414,30,01,814,314,3

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria, das Team des Fachbereichs Arbeitsmarkt & Bildung: arbeitsmarkt-bildung@statistik.gv.at

Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber:  
Bundesanstalt Statistik Österreich  
1110 Wien, Guglgasse 13, Tel.: +43 1 71128-7777  
presse@statistik.gv.at   
© STATISTIK AUSTRIA