Pressemitteilung: 12.778-076/22

Öffentliche Finanzen 2021: öffentliches Defizit 5,9%, öffentlicher Schuldenstand 82,8% des BIP

Wien, 2022-04-01 – Im Jahr 2021 betrug das öffentliche Defizit 5,9% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bzw. 23,9 Mrd. Euro (2020: Defizit von 8,0% des BIP bzw. 30,5 Mrd. Euro). Wie aus vorläufigen Ergebnissen von Statistik Austria hervorgeht, stiegen die Staatsausgaben im Vergleich zu 2020 um 4,4% bzw. 9,4 Mrd. Euro, die Staatseinnahmen erhöhten sich um 8,7% bzw. 16,1 Mrd. Euro. 2021 erhöhte sich der öffentliche Schuldenstand in absoluten Zahlen um 18,1 Mrd. Euro und betrug am Jahresende 334,1 Mrd. Euro. Die Schuldenquote – das Verhältnis der Staatsschulden zum BIP – fiel jedoch durch einen noch stärkeren Anstieg des BIP auf 82,8% (Ende 2020: 83,3% des BIP bzw. 316,0 Mrd. Euro).

"Mit der kräftigen Wirtschaftserholung 2021 sind die Staatseinnahmen im zweiten Pandemiejahr im Vergleich zu 2020 um 16,1 Milliarden Euro gestiegen. Gleichzeitig hat die Gesundheitskrise aber auch die Staatsausgaben weiter anwachsen lassen, u. a. für COVID-19-Testungen und -Impfungen. Das Budgetdefizit mit 5,9% war im Jahr 2021 noch immer auf Krisenniveau, wenn auch auf dem Weg der Besserung. Im Vorjahr hatte es 8,0% betragen", so Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Staatsausgaben 2021 steigen weiter an

Die Staatsausgaben stiegen im Jahr 2021 gegenüber dem Vorjahr um 4,4% oder 9,4 Mrd. Euro auf insgesamt 225,7 Mrd. Euro. Die deutlichste Steigerung ist beim Sachaufwand zu beobachten (+4,1 Mrd. Euro bzw. +15,8%). Dies ist zu einem großen Teil auf Ausgaben für COVID-19-Testungen, aber auch COVID-19-Impfungen zurückzuführen.

43% der Ausgaben des Staates entfielen 2021 auf die Sozialausgaben, die gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 4,1% aufwiesen. Die nächstgrößeren Positionen waren mit einigem Abstand der Personalaufwand mit rund 20% (+2,9% bzw. +1,3 Mrd. Euro) und der Sachaufwand mit rund 13% (+15,8% bzw. +4,1 Mrd. Euro). Die Subventionen blieben auch 2021 auf sehr hohem Niveau (18,1 Mrd. Euro), waren jedoch im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig (-4,7% bzw. -0,9 Mrd. Euro). Die Investitionen zeigten 2021 einen Anstieg um 1,1 Mrd. Euro auf 14,0 Mrd. Euro. Die Zinsausgaben waren auch 2021 rückläufig (-11,0% bzw. -0,6 Mrd. Euro).

Staatseinnahmen 2021 deutlich angestiegen

Die Staatseinnahmen 2021 betrugen insgesamt 201,8 Mrd. Euro und stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 16,1 Mrd. Euro (+8,7%). Damit lagen die Einnahmen wieder über dem Niveau von 2019. Der stärkste Anstieg ist mit 14,8 Mrd. Euro bei den Steuern und Sozialbeiträgen zu beobachten, die 2021 177,0 Mrd. Euro ausmachen. Die Einnahmen aus Einkommen- und Vermögensteuern zeigten 2021 einen deutlichen Anstieg von 14,8% bzw. 7,3 Mrd. Euro. Dieser ist vor allem auf höhere Einnahmen aus der Körperschaftsteuer (+2,7 Mrd. Euro) und aus der Lohnsteuer (+2,4 Mrd. Euro) zurückzuführen. Die Produktions- und Importabgaben erhöhten sich um 8,5% bzw. 4,4 Mrd. Euro; vor allem die Mehrwertsteuer stieg um 2,6 Mrd. Euro.

Defizit in drei von vier Teilsektoren des Staates

Im Jahr 2021 verzeichneten drei von vier Teilsektoren des Staates ein Defizit. Die Bundesebene (Gebietskörperschaft, Bundeskammern und sonstige Bundeseinheiten) erzielte mit 21,1 Mrd. Euro ein Defizit (2020: Defizit von 27,4 Mrd. Euro). Auf der Landesebene (Gebietskörperschaft, Landeskammern und sonstige Landeseinheiten) ist ein Defizit von 2,2 Mrd. Euro zu beobachten (2020: Defizit von 2,0 Mrd. Euro). Die Gemeindeebene einschließlich Wien verzeichnete ein Defizit von 763 Mio. Euro (2020: Defizit von 1,1 Mrd. Euro). Ein Überschuss von 118 Mio. Euro ist beim Sektor Sozialversicherung zu beobachten (2020: Defizit von 79 Mio. Euro).

Schuldenstand in absoluten Werten auf 334,1 Mrd. Euro gestiegen

Ende 2021 betrug der öffentliche Schuldenstand 334,1 Mrd. Euro oder 82,8% des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Damit lag die Staatsverschuldung um 18,1 Mrd. Euro über dem Vorjahreswert, das entspricht jedoch einer Verringerung der Schuldenquote – dem Verhältnis der Staatsschulden zum BIP – um 0,5 Prozentpunkte. Von der Art der Verschuldung entfielen im Jahr 2021 1,8 Mrd. Euro auf Einlagen, 287,5 Mrd. Euro auf Anleihen und 44,8 Mrd. Euro auf Kredite.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zum öffentlichen Defizit/öffentlichen Überschuss und zum öffentlichen Schuldenstand sowie zu den Einnahmen und Ausgaben des Staates finden Sie auf unserer Webseite. Die Präsentation ist als PDF (1,14 MB) verfügbar.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Grundlage für das Berichtsjahr 2021 sind der vorläufige Rechnungsabschluss des Bundes, die Quartalsdaten der Länder und Gemeinden, die vorläufige Finanzstatistik des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger sowie erste Informationen zu außerbudgetären Einheiten. Statistik Austria erstellt als Teil der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) zweimal pro Jahr Daten über den Sektor Staat und publiziert sie jeweils Ende März und Ende September. Diese Termine entsprechen auch den Verpflichtungen gemäß den EU-Verordnungen Nr. 549/2013 ("ESVG 2010") und Nr. 222/2014 ("Maastricht-Statistiken"), diese Daten sowie Statistiken über das öffentliche Defizit und den öffentlichen Schuldenstand an die Europäische Kommission (Eurostat) zu notifizieren. Die Daten gemäß der angeführten EU-Verordnungen werden erstellt für den Sektor Staat insgesamt und die vier Teilsektoren Bundesebene, Landesebene, Gemeindeebene und Sozialversicherung. Die Staatseinnahmen und -ausgaben werden nach dem Europäischen System für Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (ESVG 2010) kategorisiert. Das öffentliche Defizit bzw. der öffentliche Überschuss ergeben sich aus der Differenz von Staatseinnahmen und Staatsausgaben.

 

Tabelle 1: Öffentliche Finanzen – Hauptergebnisse des Staates 2020/2021
 Jahr
20202021
Staatseinnahmen in Mrd. Euro185,7201,8
davon  
   Steuereinnahmen101,1112,8
   Sozialbeiträge61,164,2
   Produktionserlöse16,717,5
   Sonstige6,87,3
Staatsausgaben in Mrd. Euro216,2225,7
davon  
   Sozialausgaben93,397,1
   Personalaufwand43,144,3
   Sachaufwand25,930,0
   Subventionen19,018,1
   Investitionen12,914,0
   Zinsen5,04,5
   Sonstige17,117,7
Defizit/Überschuss und Schuldenstand
Defizit/Überschuss in % des BIP-8,0-5,9
Schuldenstand in % des BIP83,382,8
BIP in Mrd. Euro379,3403,4
Tabelle 2: Staatsverschuldung 2020/2021 nach Teilsektoren
Sektor / TeilsektorenEnde des Jahres
2020202120202021
 in Mrd. Euroin % des BIP
Staat insgesamt316,0334,183,382,8
Bundesektor273,2288,972,071,6
Landessektor22,624,25,96,0
Gemeindesektor18,219,84,84,9
Sozialversicherungssektor2,01,20,50,3

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Volkswirtschaft, Statistik Austria:  
Mag. Agnes SINGER-PESAU, Tel.: +43 1 71128-7169 bzw. agnes.singer-pesau@statistik.gv.at und  
Mag. Lukas DÖRFLER, Tel.: +43 1 71128-7816 bzw. lukas.doerfler@statistik.gv.at 
Mag. Kerstin Gruber, Tel.:+431 71128-7875 bzw. kerstin.gruber@statistik.gv.at

Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber: 
Bundesanstalt Statistik Österreich 
1110 Wien, Guglgasse 13, Tel.: +43 1 71128-7777 
presse@statistik.gv.at  
© STATISTIK AUSTRIA