Pressemitteilung: 12.775-073/22

Konjunktur-Frühschätzung Februar 2022: Umsatzwachstum von 40,3% gegenüber Februar 2021 im Produzierenden Bereich; im Vergleich zum Vorkrisenmonat Februar 2019 Plus von 42,1%

Wien, 2022-03-30 – Für Februar 2022 zeigen die Konjunktur-Frühschätzungen für Industrie und Bau (ÖNACE B bis F) laut Statistik Austria im Vergleich zum Vorjahresmonat einen kräftigen Anstieg der Umsätze um 40,3%. Der Beschäftigtenindex verbuchte einen leichten Anstieg (+0,8%), ebenso der Index der geleisteten Arbeitsstunden (+0,3%; siehe Tabelle 1).

"Industrie und Bau haben in Österreich zu Jahresbeginn nochmal kräftig Fahrt aufgenommen: Im Februar 2022 lagen die Umsätze um 42,1% über dem Wert des Vorkrisenmonats Februar 2019, dies war zum Teil auch durch Preissteigerungen bedingt. Der Ausbruch des Kriegs in der Ukraine am 24. Februar hat die Februar-Ergebnisse hingegen noch kaum beeinflusst", so Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Die positive Entwicklung der Umsätze zeigt sich in der Frühschätzung für Februar 2022 sowohl für die Industrie (+44,5% im Vergleich zum Vorjahr) als auch für den Baubereich (+8,1%). Das Arbeitsvolumen fiel im Vorjahresvergleich in der Industrie um 0,4%, der Baubereich verzeichnete einen leichten Anstieg von 2,6 %. Beim Beschäftigungsindex gab es im Industriebereich einen leichten Zuwachs (+1,1%), der Anstieg im Baubereich war mit +0,1% moderater.

Produzierender Bereich im Dezember 2021

Im Dezember 2021 realisierten die 82.305 Unternehmen des gesamten Produzierenden Bereichs (Sachgüterbereich und Bau) mit 978.897 unselbständig Beschäftigten (+2,4%) Umsatzerlöse in Höhe von 36,2 Mrd. Euro. Das entspricht einem nominellen Umsatzplus von 37,5% gegenüber Dezember 2020, einer jener Monate, der von Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie noch immer stark geprägt war. Auch der Sachgüterbereich lag gegenüber Dezember 2020 bei nomineller Betrachtung aufgrund der überaus positiven Entwicklung des industriellen Umfelds deutlich im Plus (+43,3% auf 29,7 Mrd. Euro). Die Baukonjunktur konnte im Dezember 2021 mit der industriellen Entwicklung zwar nicht ganz mithalten, lag jedoch mit einem nominellen Plus von 15,9% auf 6,5 Mrd. Euro weiterhin auf sehr hohem Niveau.

Im gesamten Jahr 2021 wurden von den Unternehmen des Produzierenden Bereichs Umsatzerlöse in der Höhe von 350,9 Mrd. Euro erzielt. Das entspricht einem nominellen Plus von 24,6% im Vergleich zum Vorjahr. Somit setzte im Jahr 2021 ein österreichisches Unternehmen im Produzierenden Bereich durchschnittlich rund 4,3 Mio. Euro um.

Sattes Produktionsplus im Sachgüterbereich im Dezember 2021

Gegenüber dem Vorjahresmonat erhöhte sich die Produktion im gesamten Sachgüterbereich (Abschnitte B bis E der ÖNACE 2008) im Dezember 2021 nominell um beachtliche 42,5% auf 29,1 Mrd. Euro. Die mit Abstand größte Produktionssteigerung innerhalb der zehn größten Branchen des Sachgüterbereichs verzeichnete dabei – getrieben durch stark gestiegenen Energiepreise und verstärkten Energiehandelstätigkeiten – die Energieversorgung (+120,3% auf 9,7 Mrd. Euro). Stark erholt zeigten sich auch die Metallerzeugung und -bearbeitung (+51,4% auf 1,5 Mrd. Euro), die Herstellung von chemischen Erzeugnissen (+41,1% auf 866,2 Mio. Euro), die Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (+29,2% auf 1,0 Mrd. Euro) sowie der Maschinenbau (+21,9% auf 2,9 Mrd. Euro; siehe Tabelle 3).

Weitere Informationen

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zur Konjunkturerhebung im Produzierenden Bereich sowie zur Frühschätzung für Industrie und Bau finden Sie auf unserer Webseite. Einen Überblick über die Wirtschaftsentwicklung Österreichs anhand von 80 Konjunkturmerkmalen bietet der Konjunkturmonitor von Statistik Austria. Ebenso stehen eine detaillierte Darstellung und Beschreibung der wichtigsten konjunkturrelevanten nominellen Daten (PDF, 114 KB) zur Verfügung.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die gegenständlichen Hauptergebnisse basieren zum einen auf den primärstatistischen Daten der Konjunkturerhebung im Produzierenden Bereich, zum anderen auf einem modellbasierten Ansatz zur Datenergänzung (MDE). Letzterer versucht sowohl die Merkmalszusammenhänge der monatlichen Konjunkturerhebung einzubinden als auch die Informationen aus den verschiedenen Verwaltungsquellen effizient zu nutzen. Dadurch soll die Struktur der Grundgesamtheit (somit 100%) der Konjunkturstatistik im Produzierenden Bereich auf Aktivitätsebene als Kombination aus Primärdaten, Sekundärdaten und Modellrechnung dargestellt werden. Detaillierte methodische Beschreibungen finden sich auf unserer Webseite
Den Unternehmensergebnissen liegen dabei alle dem Produzierenden Bereich zuzurechnenden Ein- und Mehrbetriebsunternehmen zugrunde. Die Betriebsdaten hingegen zeigen die Ergebnisse jener Betriebe, deren Schwerpunkt im Produzierenden Bereich liegt; unabhängig des wirtschaftlichen Schwerpunkts der den Betrieben übergeordneten Unternehmen.  
Mit dem Berichtsmonat Jänner 2021 wurde im statistischen Unternehmensregister (URS) der Statistik Austria ein neues Konzept zur Aufnahme- und Löschung von statistischen Einheiten implementiert, durch das die teils hohen Veränderungen der ausgewiesenen Unternehmen und Betriebe im Vergleich zum Vorjahresmonat erklärt werden können. Für die Aufnahmen von Einheiten in das URS wurden – gemäß den europäischen Konzepten – die Schwellen entsprechend herabgesetzt. Nunmehr gelten alle Einheiten als aktiv, die einen Umsatz von 50 Euro/Monat bzw. 150 Euro/Quartal bzw. 500 Euro/Jahr aufweisen (vormals: 1.000 Euro/Monat bzw. 3.000 Euro/Quartal bzw. 10.000 Euro/Jahr). Dadurch erhöhte sich die Grundgesamtheit im Produzierenden Bereich um etwa 10.000 Unternehmen. Das Aufnahmekonzept wurde mit dem Berichtsmonat Dezember 2021 noch einmal einer qualitativen Verbesserung unterzogen. 
Konjunktur-Frühschätzung:  
Die Schätzungen basieren einerseits auf historischen Entwicklungen und Korrelationen zwischen einzelnen Variablen, zum anderen auf Meldungen, die bis zum Zeitpunkt der 30-Tage-Schätzung bereits zur Verfügung stehen. Dem Modell liegt die Annahme zugrunde, dass fehlende Meldungen eine ähnliche Entwicklung aufweisen wie die Daten der bereits eingegangenen Meldungen der Unternehmen.  
Der Begriff Industrie entspricht hier dem Produzierenden Bereich ohne Bau (ÖNACE 2008 – Abschnitte B bis E) und beinhaltet auch Gewerbebetriebe. Somit ist dieser Begriff nicht ident mit dem Begriff Industrie laut Kammersystematik der Wirtschaftskammer Österreich.  
Qualität der t+30-Schätzung: Ein wesentlicher Qualitätsaspekt für die Schätzung ist die automatische Ausreißererkennung und -korrektur. Zu t+30 sind etwa 60% aller Meldungen eingelangt, diese weisen aber – aufgrund der zu diesem Zeitpunkt noch nicht durchgeführten Plausibilitätsprüfungen – zum Teil noch Qualitätsmängel auf. Die Ausreißererkennung basiert auf einem univariaten Zeitreihenmodell. Die Sensitivität dieser Prozedur wurde heuristisch so kalibriert, dass nicht zu viele korrekt gemeldete Werte ersetzt, andererseits aber die meisten fehlerhaften Meldungen eliminiert wurden.  
Somit hängt die Qualität der t+30-Schätzung einerseits davon ab, inwiefern die wesentlichsten fehlerhaften Meldungen identifiziert und korrigiert werden konnten. Andererseits wird in dem zugrundeliegenden Modell eine Korrelation der früh und spät eingelangten Meldungen vorausgesetzt. Diese Abhängigkeit hat sich im Beobachtungszeitraum 2013–2020 nicht wesentlich geändert. Strukturbrüche, die etwa durch Krisen wie der Corona-Pandemie verursacht werden, könnten Probleme bei der Ausreißeridentifikation hervorrufen (plötzlich auftretende Nullwerte, die als Ausreißer erkannt und ersetzt werden). Weiters können aufgrund der aktuellen Situation Nachmeldungen und größere Revisionen nicht ausgeschlossen werden.

 

Tabelle 1: Konjunkturindikatoren (endgültige, vorläufige und Frühschätzungen zu t+30 für Februar 2021); Umsatz-, Beschäftigten- und Arbeitsvolumenindex im Produzierenden Bereich (Basis 2015), ÖNACE 2008
2021/2022Insgesamt (B–F)VJMIndustrie (B–E)VJMBauwesen (F)VJM
Umsatzindex1)
Dezember2)166,237,7163,343,0186,512,6
Jänner3)144,543,1153,047,385,35,4
Februar4)161,840,3168,544,5115,08,1
Beschäftigtenindex1)
Dezember2)108,21,9107,01,7112,62,6
Jänner3)106,21,1106,51,2105,21,1
Februar4)107,00,8106,61,1108,60,1
Index der geleisteten Arbeitsstunden1)
Dezember2)97,85,097,55,298,74,7
Jänner3)95,73,898,63,785,94,1
Februar4)104,70,3104,0-0,4106,92,6
Tabelle 2: Ergebnisse der Unternehmen – Dezember 2021
ÖNACE 2008-Gliederung1)UnternehmenUnselbständig BeschäftigteBrutto-VerdiensteUmsatz
Stand Ende Dezember 2021in Mio. EuroVeränderung
nom. In %2)a. b. in %3)
Dezember 2021
Sachgüterbereich38.990702.1442.744,529.660,743,340,9
Darunter
Herstellung von Waren (inkl. Bergbau)31.955652.5312.527,119.219,822,6-
Energieversorgung4.06727.646144,49.850,3118,9-
Wasserversorgung und Abfallentsorgung2.96821.96773,1590,514,5-
Bau43.315276.7531.028,46.521,915,914,0
Produzierender Bereich insgesamt82.305978.8973.772,936.182,637,535,1
Tabelle 3: Ausgewählte Branchen des Sachgüterbereichs – Wert der abgesetzten Produktion – Dezember 2021
SACHGÜTERBEREICH 
Dezember 2021
Abgesetzte Produktion in Mio. EuroVeränderung zum Vorjahr in %1)
Sachgüterbereich insgesamt29.121,142,5
darunter
Energieversorgung9.668,6120,3
Maschinenbau2.910,721,9
Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln1.721,815,6
Metallerzeugung und -bearbeitung1.548,951,4
Herstellung von Metallerzeugnissen1.462,818,4
Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen1.452,69,3
Herstellung von elektrischen Ausrüstungen1.108,09,0
Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen1.000,629,2
Herstellung von chemischen Erzeugnissen866,241,1
Herstellung von Holz-, Flecht-, Korb- und Korkwaren (ohne Möbel)799,221,5

Rückfragen zur Konjunkturstatistik beantworten in der Direktion Unternehmen, Statistik Austria:  
Florian LANG, MSc, Tel.: +43 1 71128-7431 bzw. florian.lang@statistik.gv.at 
Dr. Martin HIRSCH, Tel.: +43 1 71128-7627 bzw. martin.hirsch@statistik.gv.at 
Mag. Nina WALTNER, Tel.: +43 1 71128-7317 bzw. nina.waltner@statistik.gv.at

Rückfragen zur Konjunktur-Frühschätzung beantwortet in der Direktion Unternehmen, Statistik Austria:  
Gerhard GRASSL, Tel.: +43 1 71128-7441 bzw. gerhard.grassl@statistik.gv.at

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