Pressemitteilung: 12.758-056/22

Austrian Recovery Barometer: Österreichs BIP wächst 2021 um 4,5%; Wirtschaftsleistung zum Jahresende knapp unter Vorkrisenniveau

Wien, 2022-03-04 – Die Wirtschaftsleistung in Österreich lag im 4. Quartal 2021 real um 5,5% über dem Vorjahresquartal. Der Lockdown bremste allerdings die Entwicklung gegenüber dem 3. Quartal 2021. Laut vorläufigen Berechnungen von Statistik Austria ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) real um 1,5% (saison- und kalenderbereinigt) zurück. Damit bleibt die Wirtschaftsleistung knapp unter dem Vorkrisenniveau von 2019, wuchs aber gegenüber 2020 real um 4,5%.

"Die vierte Corona-Welle und die damit einhergehenden Lockdown-Maßnahmen haben die wirtschaftliche Erholung zum Jahresende eingebremst. Betroffen hiervon waren abermals Beherbergung und Gastronomie sowie Dienstleistungen wie Friseure oder der Kulturbereich. Insgesamt stieg die Wirtschaftsleistung im Jahr 2021 um 4,5% gegenüber dem Vorjahr und lag mit Abschluss des 4. Quartals bei 99,4% des Vorkrisenniveaus – im 3. Quartal hatte sie noch bei 100,8% gelegen", erläutert Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas im Rahmen der vierten Ausgabe der "Austrian Recovery Barometer"-Pressekonferenz.

Wirtschaftliche Erholung setzt sich im 4. Quartal 2021 gegenüber Vorjahresquartal fort

Nach dem kräftigen Wachstum im 2. (+12,9%) und 3. Quartal (+5,4%) verzeichnete die österreichische Wirtschaft im 4. Quartal erneut einen realen Anstieg um 5,5% gegenüber dem jeweiligen Vorjahreszeitraum. Der neuerliche Lockdown während des 4. Quartal 2021 führte allerdings zu einer Stagnation im Erholungsprozess. Gegenüber dem 3. Quartal 2021 ging das BIP real um 1,5% zurück. Insbesondere Gastronomie und Beherbergung lagen mit 63,2% damit wieder deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Im Jahresvergleich konnten 2021 vor allem die Bereiche Industrie (102,1%) und Handel (102,8%) das Vorkrisenniveau von 2019 überschreiten.

Hochkonjunktur in Industrie und Bau setzt sich im Jänner 2022 fort

Weiter in Richtung wirtschaftlicher Erholung zeigen die Konjunktur-Frühschätzer für die Bereiche Industrie und Bau im Jänner 2022. Der Umsatzindex dieser Bereiche legt sowohl für die Industrie (+42,9%) als auch für den Bau (+15,3%) abermals kräftig zu, wobei der Vergleichsmonat des Vorjahres von der Corona-Krise gezeichnet war. Insgesamt liegt der Umsatzindex für Industrie und Bau im Jänner 2022 bereits 26,1% über dem Vorkrisenniveau vom Jänner 2019.

Außenhandel bereits deutlich über Vorkrisenniveau

Der Außenhandel mit Deutschland erzielte von Jänner bis November 2021 mit einem Plus von 14,4% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum den höchsten wertmäßigen Exportzuwachs. Die stärksten Rückgänge gab es hingegen im Handel mit der Russischen Föderation (-5,4%)
Bei den Produkten gehörte "Eisen und Stahl" zu den Exportschlagern mit den höchsten Zuwächsen (+33,7%). Den größten Exportrückgang wies "Leder, Lederwaren und zugerichtete Pelzfelle" auf (-11,4%). Österreichs Außenhandel erreichte im November 2021 bei den Importen bereits 125,5% des Vorkrisenniveaus vom November 2019, bei den Exporten wurden rund 122,9% erzielt.

Außenhandel mit der Russischen Föderation

Die Einfuhren aus der Russischen Föderation gehen seit 2018 beständig zurück. Im Jahr 2018 betrugen sie 3,29 Mrd. Euro, 2019 2,76 Mrd. Euro und im Jahr 2020 sanken sie auf 2,17 Mrd. Euro. In der Periode Jänner bis November 2021 stiegen sie jedoch auf 4,07 Mrd. Euro.

Die Ausfuhren betrugen im Jahr 2018 2,10 Mrd. Euro, 2019 stiegen sie auf 2,36 Mrd. Euro und 2020 sanken sie wieder auf 2,12 Mrd. Euro. In der Periode Jänner bis November 2021 erreichten sie nur 1,85 Mrd. Euro.

Im Jahr 2020 zählten zu den wichtigsten Importgütern aus der Russischen Föderation Gas, Erdöl und deren Erzeugnisse sowie Nichteisenmetalle. Die wichtigsten Exportgüter waren medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse, Arbeitsmaschinen und anderweitig nicht genannte Maschinen.

Steigende Treibstoff- und Energiepreise heizen Inflation an

Nachdem die Inflationsraten der vergangenen Jahrzehnte einen Abwärtstrend zeigten, zuletzt mit einem Jahresdurchschnitt von 1,4% im Jahr 2020, wies der Jahresdurchschnitt 2021 mit einem Wert von 2,8% deutlich nach oben. Besonders in der zweiten Jahreshälfte 2021 kam es durch die steigenden Energie- und Strompreise zu deutlich höheren Raten, ebenso im Jänner 2022 mit einer Steigerung von 5,0% des nationalen Verbraucherpreisindex; die Frühschätzung für Februar 2022 ergibt sogar einen Wert von 5,9%. Preistreibend sind vor allem weiterhin Treibstoffe, Heizöl, Strom und Gas.

Weiter deutliche Entspannung am Arbeitsmarkt; offene Stellen auf Höchstwert

Die Beschäftigtenverhältnisse sind laut Dachverband der Sozialversicherungsträger im Jänner 2022 um 5,3% gegenüber dem Vorjahresmonat (Jänner 2021) gestiegen. Die Beschäftigung im Jänner 2022 liegt damit sogar bereits über dem Vorkrisenniveau (+2,8% im Vergleich zu Jänner 2019).

Eine Erholung des Arbeitsmarktes zeigt sich auch bei aktuellen Arbeitslosenzahlen. Im Februar 2022 waren insgesamt 302.700 Personen beim Arbeitsmarktservice (AMS) als arbeitssuchend vorgemerkt und damit um 30,7% weniger als im Vorjahresmonat Februar 2021 mit 437.000. Sogar im Vergleich zu Februar 2019 suchen derzeit um 11,9% weniger Personen nach Arbeit. Zudem waren im Februar 2022 knapp 74.200 Personen in Schulungen des AMS. Die nationale Arbeitslosenquote lag im Februar 2022 bei 7,3% und damit sogar um 1,1 Prozentpunkte unter dem Wert vom Februar 2019.

Die offenen Stellen erreichten im 4. Quartal 2021 mit insgesamt 171.400 Stellen ihren Höchststand seit Beginn der Offen-Stellen-Erhebung durch Statistik Austria im Jahr 2009. Besonders im Dienstleistungsbereich (ÖNACE G-N) und im produzierenden Bereich (ÖNACE B-F) konnten im Vergleich zum Vorkrisenniveau (4. Quartal 2019) mit +36,3% bzw. +35,0% sehr starke Zuwächse verzeichnet werden.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen finden Sie auf unserer Webseite. Die Präsentation zum Pressegespräch vom 4. März 2022 ist als PDF (1,16 MB) verfügbar. Eine Aufzeichnung des Pressegesprächs steht auf YouTube zur Verfügung.

Information: Vierteljährlich betrachtet Statistik Austria die wirtschaftliche Entwicklung Österreichs auf dem Weg aus der Corona-Krise. Zentrale Größe ist das Barometer, das für verschiedene Indikatoren (z. B. BIP, Beschäftigung, Tourismus, Außenhandel) anzeigt, in welchem Ausmaß das Vorkrisenniveau erreicht ist (verglichen mit dem entsprechenden Zeitraum des Jahres 2019).

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