Pressemitteilung: 12.755-053/22

Internationaler Frauentag 2022: Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern geht zurück, bleibt mit 18,9% aber auf hohem Niveau

Wien, 2022-03-03 – Frauen verdienten 2020 in der Privatwirtschaft insgesamt um 18,9% brutto pro Stunde weniger als Männer. Vor zehn Jahren lag der Gender Pay Gap noch bei 24,0% (2010). Der Rückgang des Gender Pay Gap war in Österreich im Pandemiejahr 2020 doppelt so stark wie im Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Österreich zählt aber nach wie vor zu den Ländern mit den größten Einkommensunterschieden zwischen Frauen und Männern. Nur in Lettland und Estland war der Gender Pay Gap 2020 noch größer. Der EU-Durchschnitt lag 2020 bei 13,0%.

Die hohe Lohndifferenz beruht laut Analysen von Statistik Austria zum Teil auf geschlechtsspezifischen Unterschieden auf dem Arbeitsmarkt. Gemäß EU-Definition sind durch die Verwendung der Stundenverdienste Unterschiede in der Arbeitszeit (Teilzeit) bereits berücksichtigt. Bezieht man Merkmale wie Branche, Beruf, Beschäftigungsausmaß, Dauer der Unternehmenszugehörigkeit sowie weitere Faktoren in die Berechnung ein, dann kann fast ein Drittel des Gender Pay Gap erklärt werden.

Rückgang des Gender Pay Gap hat unterschiedliche Ursachen

Ginge es rein nach der formalen Ausbildung, dann müssten Frauen bereits mehr verdienen als Männer. Langfristig nimmt der Anteil der Frauen mit höheren Bildungsabschlüssen und damit höheren Einkommen zu. 2010 verfügten 16,2% der erwerbstätigen Frauen über einen Hochschulabschluss (Männer: 14,1%), 2020 waren es 24,1% (Männer: 18,9%).

Kurzfristig können aber auch Krisen auf dem Arbeitsmarkt die Einkommensentwicklung und damit den Gender Pay Gap beeinflussen. So blieb die Veränderung der im Durchschnitt höheren Einkommen der Männer im Zuge der COVID-19-Pandemie etwas stärker hinter jener der Frauen zurück. Der Gender Pay Gap verringerte sich damit um 1 Prozentpunkt von 19,9% (2019) auf 18,9% (2020), das war mehr als in der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 mit 0,8 Prozentpunkten und doppelt so stark wie im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre mit 0,5 Prozentpunkten pro Jahr.

Die Ursachen dafür liegen in der unterschiedlichen Arbeitsmarktstruktur. Am stärksten von der COVID-19-Krise betroffen war beispielsweise die weiblich dominierte Branche Beherbergung und Gastronomie. Hier gingen aufgrund des niedrigen Lohnniveaus vor allem gering entlohnte Arbeitsplätze verloren, dadurch verblieben verhältnismäßig mehr Frauen mit besseren Verdiensten auf dem Arbeitsmarkt. Gleichzeitig wurden in der Krise in Summe weniger Überstunden geleistet, was Männer stärker betraf als Frauen. Zudem führte Kurzarbeit vorübergehend zu Lohneinbußen in den betroffenen Branchen.

Erwerbstätigkeit 2020 sowohl bei Frauen als auch bei Männern gesunken

Insgesamt konnten Kurzarbeit und Wirtschaftshilfen einen stärkeren Abbau der Beschäftigungszahlen verhindern. Bezogen auf alle Erwerbstätigen im Alter von 15 bis 64 Jahren ist die Erwerbstätigenquote der Frauen von 2019 auf 2020 um 0,8 Prozentpunkte auf 68,3% gesunken, jene der Männer dagegen um 1,5 Prozentpunkte auf 76,5%.

Ein starker Anstieg war insgesamt bei der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Nach nationaler Definition waren im Jahr 2020 9,7% der Frauen (+2,6 Prozentpunkte) und 10,1% der Männer (+2,5 Prozentpunkte) arbeitslos. Die Zahl der Arbeitslosen ist bei den Frauen (+37,9%) stärker gestiegen als bei den Männern (+34,4%).

Teilzeit wird überwiegend von Frauen ausgeübt und bleibt bei Männern von geringer Bedeutung

Die Teilzeitquote der Frauen lag im Jahresdurchschnitt 2020 bei 47,3% (2019: 47,7%) und nahm im Vergleich zum Vorjahr geringfügig ab (-0,4 Prozentpunkte). Bei Männern betrug die Teilzeitquote 2020 nur 10,7% (2019: 10,7%) und blieb gegenüber dem Niveau vor der Krise unverändert.

Vor allem für Frauen mit Kindern unter 15 Jahren ist Teilzeitbeschäftigung die dominierende Form der Erwerbsarbeit, um Betreuungsaufgaben und Erwerbstätigkeit zu vereinbaren. Die Teilzeitquote der 25- bis 49-jährigen Frauen mit Kindern unter 15 Jahren lag im Jahr 2020 bei 72,8%. Die Teilzeitquote der Männer mit Kindern unter 15 Jahren war dagegen mit 6,9% niedriger als der Durchschnitt aller Männer in Teilzeit.

Unterschiede am Arbeitsmarkt spiegeln sich in der Höhe der Pensionen wider

Die monatlichen Alterspensionen der Frauen waren im Durchschnitt um 42,1% niedriger als jene der Männer. Bezogen auf die Daten des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger betrug die durchschnittliche Alterspension bei den Frauen 2020 1.219 Euro und bei den Männern 2.104 Euro brutto pro Monat.

Laut der Erhebung EU-SILC 2020 waren 25% der alleinlebenden Pensionistinnen und 19% der alleinlebenden Pensionisten armutsgefährdet. Ein-Eltern-Haushalte – das sind fast ausschließlich Frauen mit ihren Kindern – haben mit 31% das höchste Armutsrisiko aller Haushaltstypen.

Detaillierte Ergebnisse sowie weitere Informationen zur Gender-Statistik finden Sie auf unserer Webseite.

Informationen zur Methodik, Definitionen:  
Gender Pay Gap: Laut Eurostat misst der geschlechtsspezifische Lohnunterschied (ohne Anpassungen) die Differenz zwischen den durchschnittlichen (arithmetisches Mittel) Bruttostundenverdiensten von Frauen und Männern in Unternehmen mit zehn und mehr Beschäftigten in der Privatwirtschaft (ohne Land- und Forstwirtschaft; öffentliche Verwaltung). Basis sind Unternehmensdaten, die in der gesamten Europäischen Union alle vier Jahre nach harmonisierten Standards erhoben werden. In Österreich leisteten für das Berichtsjahr 2018 rund 11.000 Unternehmen Angaben zu rund 200.000 unselbständig Beschäftigten. Die Werte für die Jahre zwischen den Erhebungen werden geschätzt.  
Zur Methodik: Der EU-Indikator Gender Pay Gap wird unbereinigt, d.h. ohne Anpassungen an geschlechtsspezifische Unterschiede im Hinblick auf die Beschäftigungsstruktur berechnet. Mittels statistischer Verfahren (Oaxaca-Blinder-Dekomposition) können strukturelle Unterschiede herausgerechnet werden. Berücksichtigt man Merkmale wie Branche, Beruf, Ausbildung, Alter, Dauer der Unternehmenszugehörigkeit, Beschäftigungsausmaß, Art des Arbeitsvertrags, Region und Unternehmensgröße, dann sinkt der Gender Pay Gap laut Analysen von Statistik Austria für das Jahr 2018 von insgesamt 20,4% auf 14,0%, d.h. um 6,4 Prozentpunkte.  
Erwerbstätigenquote: Erwerbstätige im Alter von 15 bis 64 Jahren bezogen auf die gleichaltrige Bevölkerung.   
Teilzeitquote: Anteil der teilzeitbeschäftigten Personen an allen Erwerbstätigen nach Selbstzuordnung.  
Arbeitslose nach nationaler Definition: Die beim Arbeitsmarktservice (AMS) als arbeitslos vorgemerkten, nicht selbständig oder unselbständig erwerbstätigen Personen. Geringfügige Beschäftigungen sind hier ausgenommen, d. h. eine arbeitslose Person kann gleichzeitig geringfügig beschäftigt sein.   
Pensionen: Alterspensionen (ohne zwischenstaatliche Teilleistungen) auf Basis der Daten des Dachverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger (14 Mal pro Jahr). 
Armutsgefährdung: Gemäß der Erhebung EU-SILC werden jene Personen als armutsgefährdet bezeichnet, deren äquivalisiertes Haushaltseinkommen unter einer Armutsgefährdungsschwelle von 60% des Medians liegt. 2020 lag der Median des Äquivalenzeinkommens bei 26.555 Euro. Die Armutsgefährdungsschwelle betrug somit 15.933 Euro für einen Einpersonenhaushalt, das entspricht 1.328 Euro pro Monat (12 Mal pro Jahr).

 

Tabelle 1: Geschlechtsspezifischer Lohnunterschied (Gender Pay Gap) in %
Jahre2008200920102011201220132014201520162017201820192020
EU-271)..15,816,216,416,015,715,515,114,614,413,713,0
Österreich25,124,324,023,522,922,322,221,820,820,720,419,918,9
Tabelle 2: Erwerbstätigen- und Teilzeitquoten (ILO) in %
Jahre2008200920102011201220132014201520162017201820192020
Erwerbstätigenquoten (ILO) in %
Frauen64,8
65,2
65,7
66,1
66,7
66,9
66,9
67,1
67,7
68,2
68,6
69,2
68,3
Männer76,8
75,5
76,0
76,2
76,2
76,0
75,2
75,1
75,4
76,2
77,4
78,0
76,5
Teilzeitquoten (ILO) in %
Frauen41,6
43,1
43,8
44,1
45,1
45,6
46,9
47,4
47,7
47,7
47,5
47,7
47,3
Männer8,2
8,8
9,2
8,9
9,2
10,3
10,9
11,2
11,8
11,9
11,2
10,7
10,7
Tabelle 3: Arbeitslosenquoten (nationale Definition)
Jahre2008200920102011201220132014201520162017201820192020
Frauen5,66,46,36,36,57,07,68,38,37,97,37,19,7
Männer6,18,07,57,17,48,29,09,89,79,08,07,610,1
Tabelle 4: Aktive Teilzeitquoten (ILO) der 25- bis 49-Jährigen mit Kindern unter 15 Jahren
Jahre2008200920102011201220132014201520162017201820192020
Frauen67,4
68,5
69,0
71,7
70,9
70,5
74,3
74,5
75,1
73,4
73,0
74,3
72,8
Männer4,0
4,7
4,9
4,7
5,0
6,3
6,1
6,6
6,9
6,8
6,4
5,6
6,9

 

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Mag. Tamara GEISBERGER, Tel.: +43 1 71128-7818 bzw. tamara.geisberger@statistik.gv.at

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