Pressemitteilung: 12.752-050/22

Leiharbeit während Corona-Pandemie deutlich zurückgegangen

Wien, 2022-03-01 – Im Zeitraum 1. Juli 2020 bis 30. Juni 2021 ist die Leih- oder Zeitarbeit in Österreich gegenüber den entsprechenden Vorjahresperioden deutlich zurückgegangen. Laut der Erhebung zur Arbeitskräfteüberlassung von Statistik Austria wurden in diesem Zeitraum, dem Erhebungsjahr 2021, rund 167.400 Arbeitskräfte von Personaldienstleistern in verschiedene Branchen "verliehen". Damit lag der Anteil der überlassenen Arbeitskräfte an der Gesamtzahl der in diesem Zeitraum laut Dachverband der Sozialversicherungsträger im Schnitt unselbständig Beschäftigten bei rund 4%. Insgesamt gab es 373.900 Überlassungsepisoden (siehe Tabelle 1) mit einer durchschnittlichen Dauer von 88 Tagen. Mehr als die Hälfte der Überlassungen (55%) dauerte kürzer als einen Monat.

"Leiharbeit erfüllt für Unternehmen oftmals die Funktion eines Puffers, mit dem Arbeitskräfte je nach Auftragslage flexibel eingesetzt werden. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben dabei zu einem deutlichen Rückgang der Arbeitskräfteüberlassungen geführt: Wurde von Juli 2018 bis Juni 2019 noch 523.500 Mal Leiharbeit eingesetzt, so war es im vergleichbaren Zeitraum Juli 2020 bis Juni 2021 lediglich 373.900 Mal. Das entspricht einem Rückgang um 29%. Das größte Minus an überlassenen Arbeitskräften wurde in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft verbucht", so Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Größtes Minus an überlassenen Arbeitskräften in Tourismus- und Freizeitwirtschaft

Die Sparten mit den höchsten Jahresdurchschnittsbeständen überlassener Arbeitskräfte waren die Industrie (31.200), Gewerbe und Handwerk (28.200) sowie der Handel (5.400). Besonders betroffen von der Corona-Pandemie war die Tourismus- und Freizeitwirtschaft. Der Jahresdurchschnitt an überlassenen Arbeitskräften sank in dieser Sparte von 2.300 im Erhebungsjahr 2019 auf 980 im Erhebungsjahr 2021 (siehe Tabelle 2). Dies entspricht einem Rückgang von 57%. Den größten Anstieg an überlassenen Arbeitskräften verzeichnete die Sparte Transport und Verkehr mit einem Plus von 9% im Vergleich zu vor der Corona-Pandemie. Hier wurden im Erhebungsjahr 2021 durchschnittlich 4.900 Arbeitskräfte überlassen (2019: 4.500).

Die Anzahl an Überlassungen hat sich bei weiblichen Leiharbeitskräften wesentlich stärker reduziert als bei männlichen. Regional betrachtet erfolgten die meisten Überlassungen in das Bundesland Oberösterreich mit einem Jahresdurchschnitt von 20.000 überlassenen Arbeitskräften, gefolgt von Wien (17.800) und der Steiermark (12.500).

Bedeutend weniger aus dem EWR-Ausland überlassene Arbeitskräfte

Aus dem EWR-Ausland wurden im Zeitraum von 1. Juli 2020 bis 30. Juni 2021 rund 5.900 Arbeitskräfte an österreichische Unternehmen überlassen. Die Zahl der Überlassungsepisoden sank seit dem Erhebungsjahr 2019 kontinuierlich von 16.500 auf 14.600 (2020) und 9.000 (2021). Dies entspricht im Erhebungsjahr 2021 einem Rückgang von 45% im Vergleich zum Vor-Corona-Erhebungsjahr 2019.

Im Erhebungsjahr 2021 wurden im Jahresdurchschnitt mit 640 die meisten Personen von slowenischen Unternehmen an österreichische Betriebe verliehen, gefolgt von deutschen (420) und ungarischen Unternehmen (350).

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zu den Erhebungen Arbeitskräfteüberlassung und Beschäftigung von aus dem EWR überlassenen Arbeitskräften finden Sie auf unserer Webseite.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die Erhebungen zur Arbeitskräfteüberlassung sowie Beschäftigung von aus dem EWR überlassenen Arbeitskräften werden jährlich im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit durchgeführt. Mitteilungspflichtig sind Unternehmen mit einer Gewerbeberechtigung für die Überlassung von Arbeitskräften bzw. Unternehmen, die in der Berichtsperiode von aus dem ausländischen EWR überlassene Personen beschäftigt haben. Der Berichtszeitraum bezieht sich auf den Zeitraum 1. Juli des Vorjahres bis 30. Juni des aktuellen Jahres, somit entspricht das Erhebungsjahr 2021 einem Berichtszeitraum von 1. Juli 2020 bis 30. Juni 2021. 
Eine Überlassungsepisode ist ein Überlassungsvorgang zwischen einem Unternehmen mit der Gewerbeberechtigung für die Überlassung von Arbeitskräften und dem beschäftigenden Unternehmen. Eine Arbeitskraft kann mehrmals überlassen werden und somit mehrere Überlassungsepisoden aufweisen. 
Die durchschnittliche Überlassungsdauer basiert auf dem Mittelwert.

Tabelle 1: Anzahl der überlassenen Arbeitskräfte und Überlassungsepisoden für den Zeitraum 1. Juli des Vorjahres bis 30. Juni des Erhebungsjahres
 Anzahl in 1.000
Erhebungsjahr 2019Erhebungsjahr 2020Erhebungsjahr 2021
Überlassene Arbeitskräfte178,5172,3167,4
Überlassungsepisoden523,5446,5373,9
Tabelle 2: Jahresdurchschnittsbestand der überlassenen Arbeitskräfte nach Sparten für den Zeitraum 1. Juli des Vorjahres bis 30. Juni des Erhebungsjahres
Sparte laut WirtschaftskammersystematikJahresdurchschnittsbestand in 1.0001)
Erhebungsjahr 2019Erhebungsjahr 2020Erhebungsjahr 2021
Gewerbe, Handwerk27,527,128,2
Industrie32,932,531,2
Handel5,65,55,4
Bank und Versicherung1,11,21,1
Transport und Verkehr4,55,04,9
Tourismus und Freizeitwirtschaft2,31,61,0
Information und Consulting4,14,03,6
Sonstige Interessensvertretungen2,53,22,4
Insgesamt80,580,177,8

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Christine Jurenich, MSc, Tel.: +43 1 71128-7929 bzw. christine.jurenich@statistik.gv.at

Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber: 
Bundesanstalt Statistik Österreich 
1110 Wien, Guglgasse 13, Tel.: +43 1 71128-7777 
presse@statistik.gv.at  
© STATISTIK AUSTRIA