Pressemitteilung: 12.694-285/21

Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz: neun von zehn Erwerbstätigen betroffen

Wien, 2021-12-20 – Rund 3,7 Mio. Erwerbstätige waren am Arbeitsplatz zumindest einem körperlichen und/oder psychischen Risikofaktor ausgesetzt, das entspricht rund 86% aller Erwerbstätigen. Dies geht aus den Ergebnissen einer Befragung hervor, die im Rahmen der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung von Statistik Austria im Jahr 2020 durchgeführt wurde. Acht von zehn Erwerbstätigen gaben mindestens einen körperlichen Risikofaktor an, rund 60% klagten über zumindest ein psychisches Risiko. Rund 13% aller aktuell oder früher Erwerbstätigen berichteten zudem über eine durch die Arbeit bedingte Gesundheitseinschränkung. 3,5% aller Erwerbstätigen gaben an, im Jahr vor der Befragung mindestens einen Arbeitsunfall gehabt zu haben.

Häufigste Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz: Überanstrengung der Augen und Zeitdruck

Als häufigstes körperliches Gesundheitsrisiko wurden Arbeiten genannt, bei denen eine starke Anstrengung der Augen nötig ist (von rund 40% der Erwerbstätigen). Jeweils rund ein Drittel gab an, sich wiederholende Handbewegungen ausführen oder schmerzhafte Arbeitshaltungen einnehmen zu müssen. Mit schweren Lasten zu hantieren hatte rund ein Viertel der Erwerbstätigen. Erwerbstätige in der Landwirtschaft waren mit über 90% Betroffenen am stärksten körperlichen Risiken am Arbeitsplatz ausgesetzt. In ähnlicher Größenordnung traf dies auch auf im Bauwesen (rund 89% Betroffene) sowie in der Abfallentsorgung bzw. Wasserversorgung (87%) tätige Personen zu.

Starker Zeitdruck bzw. Arbeitsüberlastung wurde am häufigsten (von beinahe 40% der Erwerbstätigen) als größtes Risiko für das psychische Wohlbefinden angegeben. Rund ein Drittel hatte Umgang mit schwierigen Personen. Psychische Belastungsfaktoren betreffen vor allem jene Branchen, in denen personenbezogene Dienstleistungen erbracht werden. Rund drei Viertel (74%) der im Gesundheitswesen Tätigen nannten zumindest einen psychischen Risikofaktor bei der Arbeit, ebenso wie 68% der im Erziehungswesen Tätigen sowie knapp zwei Drittel (65%) der Beschäftigten im öffentlichen Dienst.

Arbeitsbedingte Gesundheitsprobleme: Probleme des Bewegungsapparats, Stress, Depressionen

13,4% aller (jemals) erwerbstätigen Personen gaben zumindest ein arbeitsbedingtes Gesundheitsproblem an. Als schwerwiegendste gesundheitliche Beschwerden nannte rund ein Drittel der betroffenen Personen durch die Arbeit hervorgerufene Rückenprobleme, etwa ein Fünftel berichtete über Probleme mit Nacken, Schultern, Armen oder Händen. 14% gaben Probleme mit Hüften, Beinen oder Füßen an, knapp 7% nannten Depressionen und etwas weniger als 5% Stress als schwerwiegendste arbeitsbedingte Einschränkung.

Arbeitsunfälle: Männer wesentlich häufiger betroffen

3,5% bzw. 163.400 Erwerbstätige berichteten, im Jahr vor der Befragung mindestens einen Arbeitsunfall gehabt zu haben. Mit sieben von zehn Opfern waren Männer deutlich öfter von Arbeitsunfällen betroffen als Frauen.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zum Ad-hoc-Modul 2020 "Arbeitsunfälle" der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung finden Sie auf unserer Webseite.

 

Methodische Informationen, Definitionen: Bei den hier präsentierten Daten zu Arbeitsunfällen und arbeitsbedingten Gesundheitsproblemen handelt es sich um Ergebnisse aus dem Ad-hoc-Modul 2020 zur "Europäischen Arbeitskräfteerhebung", die in Österreich im Rahmen des Mikrozensus durchgeführt wurde. Der Mikrozensus ist eine Stichprobenerhebung in Privathaushalten, wobei im Rahmen dieses Moduls Personen im Alter von 15 und mehr Jahren befragt wurden. Dabei wurden in standardisierter Form Informationen zu den Themen Arbeitsunfälle, arbeitsbezogene Gesundheitsprobleme und Risikofaktoren am Arbeitsplatz in zufällig ausgewählten privaten Haushalten erhoben. Die Daten wurden anschließend auf die jeweilige Bevölkerungszahl hochgerechnet. Das Modul wurde in allen Mitgliedsländern der EU durchgeführt. 
Zielgruppen des Ad-hoc-Moduls 2020: Zum Thema Arbeitsunfälle wurden Personen im Alter von 15 bis 74 Jahren befragt, die zum Befragungszeitpunkt oder innerhalb des letzten Jahres erwerbstätig waren. Alle aktuell oder früher Erwerbstätigen im selben Alter wurden zu den arbeitsbedingten Gesundheitsproblemen befragt. Der Fragenblock zum Thema Risikofaktoren am Arbeitsplatz war an Personen ab 15 Jahren gerichtet, die zum Befragungszeitpunkt erwerbstätig waren.

 

Grafik 1

 

Schwerwiegendste arbeitsbezogene Gesundheitsprobleme von Frauen und Männern
Schwerwiegendstes arbeitsbezogenes  
Gesundheitsproblem
(Jemals) Erwerbstätige insgesamtMännerFrauen
in  
1.000
in % der (jemals) Erwerbstätigen 
mit mind. einem 
Gesundheitsproblem
in  
1.000
in % der (jemals) Erwerbstätigen 
mit mind. einem 
Gesundheitsproblem
in  
1.000
in % der (jemals) Erwerbstätigen 
mit mind. einem 
Gesundheitsproblem
Zumindest ein arbeitsbedingtes Gesundheitsproblem925,0100,0473,4100,0451,6100,0
Knochen-, Gelenks- oder Muskelprobleme (Rücken)301,432,6160,533,9140,931,2
Knochen-, Gelenks- oder Muskelprobleme (Nacken, Schulter, Arme, Hände)193,821,078,116,5115,725,6
Knochen-, Gelenks- oder Muskelprobleme (Hüften, Beine, Füße) 131,314,273,115,458,212,9
Depressionen, Angstzustände61,36,625,15,336,28,0
Andere Gesundheitsbeschwerden45,24,920,54,324,75,5
Stress44,04,8(18,9)(4,0)25,15,6
Herzkrankheit, Herzinfarkt, andere Herz-, Kreislaufprobleme43,14,731,56,7(11,6)(2,6)
Atemprobleme, Probleme mit der Lunge 38,64,229,26,2(9,4)(2,1)
Magen-, Leber-, Nieren- oder Verdauungsbeschwerden(15,6)(1,7)(8,6)(1,8)(x)(x)
Probleme mit dem Gehör(14,0)(1,5)(10,2)(2,2)(x)(x)
Überanstrengung der Augen(11,7)(1,3)(x)(x)(x)(x)
Infektionskrankheit  
(Virus, Bakterien etc.)
(9,7)(1,0)(x)(x)(x)(x)
Kopfschmerzen(9,5)(1,0)(x)(x)(x)(x)
Hautprobleme(x)(x)(x)(x)(x)(x)

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Barbara LEITNER, Tel.: +43 1 71128-7262 bzw. barbara.leitner@statistik.gv.at

Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber: 
Bundesanstalt Statistik Österreich 
1110 Wien, Guglgasse 13, Tel.: +43 1 71128-7777 
presse@statistik.gv.at  
© STATISTIK AUSTRIA