Pressemitteilung: 12.680-271/21

Arbeitsmarkt im 3. Quartal 2021: vor dem vierten Lockdown weiter deutliche Erholung

Wien, 2021-12-09 – Im Sommer erlebte der österreichische Arbeitsmarkt, auch mit dem Einsetzen des Sommertourismus, eine weitere Phase der Erholung. So wurden laut Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung von Statistik Austria im 3. Quartal 2021 4.399.800 Erwerbstätige verzeichnet (+152.800 gegenüber dem Vorquartal), 244.800 Personen waren nach neuer EU-Definition auf Arbeitssuche (-51.600). Auch bei den offenen Stellen setzte sich der positive Trend fort: Im 3. Quartal 2021 stiegen die offenen Stellen im Vergleich zum Vorquartal um 17,2% auf 162.400. Eine – zumindest zwischenzeitliche – Rückkehr zur "Normalität" zeigte sich auch beim Arbeitsort: Nur noch jede bzw. jeder siebte Erwerbstätige hat im 3. Quartal 2021, meist coronabedingt, von zu Hause aus gearbeitet (4,9 Prozentpunkte unter dem Vorquartal). Im 4. Quartal 2021 ist aufgrund des vierten Lockdowns seit 22. November ein erneuter Anstieg der Telearbeit zu erwarten.

"Im Sommer 2021 war dem Arbeitsmarkt eine ordentliche Corona-Verschnaufpause gegönnt. Im 3. Quartal ist die Zahl der Arbeitslosen auch saisonbedingt deutlich gesunken, die Zahl der Erwerbstätigen lag sogar wieder über dem Vorkrisenniveau und die Zahl der offenen Stellen erreichte ihren Höchststand seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2009", so Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Zahl der Erwerbstätigen auf Vorkrisenniveau

Die Zahl der Erwerbstätigen ist im 3. Quartal 2021 im Vergleich zum Vorquartal um 152.800 auf 4.399.800 gestiegen. Ein Gutteil des Anstiegs gegenüber dem 2. Quartal ist auf das Einsetzen des Sommertourismus zurückzuführen. So verzeichnete allein die Branche "Beherbergung und Gastronomie" einen Anstieg von 26,3% auf 259.700 Beschäftigte gegenüber dem Vorquartal. Auch die Baubranche hat mit einem Plus von 9,2% auf 345.300 Beschäftigte deutlich angezogen.

Die Erwerbstätigenquote für das Haupterwerbsalter (15 bis 64 Jahre) betrug im 3. Quartal bei Männern 78,6%, bei Frauen 69,4% und ist damit gegenüber dem 2. Quartal um 2,5 Prozentpunkte auf insgesamt 74,0% angestiegen. Da ausländische Arbeitskräfte vergleichsweise häufig im Tourismus bzw. in der Baubranche tätig sind, ist bei ihnen mit einem Plus von 4,1 Prozentpunkten der Anstieg der Erwerbstätigenquote stärker als bei österreichischen Erwerbstätigen (+2,1 Prozentpunkte).

Arbeitslosigkeit ging weiter deutlich zurück

Ebenfalls erfreulich war im Sommer die weiter rückläufige Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Mit 244.800 Arbeitslosen nach neuer internationaler Definition gab es im 3. Quartal 2021 um 51.600 weniger Arbeitssuchende als im Vorquartal. Verglichen mit dem 1. Quartal 2021, das noch ganz im Zeichen von Corona stand, wurden sogar um 115.700 bzw. um 32,1% weniger Arbeitslose verzeichnet. Die nicht saisonbereinigte Arbeitslosenquote nach ILO-Definition war im 3. Quartal mit 5,3% (Männer: 5,2%; Frauen: 5,4%) signifikant niedriger als im 2. Quartal (gesamt: 6,5%; Männer: 6,6%; Frauen: 6,4%).

Jene Personengruppen, die zu Beginn der Corona-Krise in Österreich am stärksten von der gestiegenen Arbeitslosigkeit betroffen waren, konnten im Sommer am deutlichsten aufholen: Bei Personen mit maximal Pflichtschulabschluss sank die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vorquartal von 15,5% auf 12,1% (-3,4 Prozentpunkte), bei nicht-österreichischen Staatsangehörigen von 13,1% auf 9,1% (-4,0 Prozentpunkte).

Offene Stellen auf neuem Höchstwert

Die Zahl der offenen Stellen in Österreich erreichte laut Offene-Stellen-Erhebung im 3. Quartal 2021 mit insgesamt 162.400 Stellen ihren Höchststand seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2009. Im Vergleich zum Vorquartal, dem bisherigen Höchststand, wird dabei ein Anstieg von 17,2% verzeichnet. Im Vergleich zum Vorkrisenniveau (3. Quartal 2019) gab es damit, nach dem Einbruch des Stellenmarkts im Jahr 2020, um 26,6% mehr ausgeschriebene Stellen.

Besonders der produzierende Bereich (ÖNACE B-F; 44.800 offene Stellen) und der Dienstleistungsbereich (ÖNACE G-N; 95.700 offene Stellen) verzeichneten im Vergleich zum 3. Quartal 2019 deutlich mehr ausgeschriebene Stellen. Im produzierenden Bereich erhöhte sich die Zahl gegenüber dem Vorkrisenniveau um 43,2%, im Dienstleistungsbereich um 25,4%. Auch im öffentlichen Bereich (ÖNACE O-S) war nach der Corona-Krise wieder ein Zuwachs zu beobachten: Die offenen Stellen lagen im 3. Quartal 2021 mit 21.900 vakanten Stellen etwas über dem Vorkrisenniveau.

Homeoffice weiterhin rückläufig

Im 3. Quartal 2021 haben nur noch 15,0% der Erwerbstätigen zum Befragungszeitpunkt von zu Hause aus gearbeitet. Das entspricht einem Rückgang von 4,9 Prozentpunkten gegenüber dem Vorquartal. Dabei gaben nur 5,8% der Erwerbstätigen an, wegen Corona von zu Hause aus gearbeitet zu haben (-6,6 Prozentpunkte). 14,6% der Erwerbstätigen übten ihre Tätigkeiten in Form von Telearbeit, also mittels PC und/oder Smartphone aus (-4,9 Prozentpunkte). Es gilt nach wie vor, dass mit steigendem Bildungsniveau und mit höherer beruflicher Qualifikation häufiger von zu Hause aus gearbeitet wurde. Männer und Frauen gleichen sich immer mehr an: Männer leisteten zu 13,9% Telearbeit, Frauen zu 15,4%. Zu den Branchen mit den höchsten Telearbeit-Anteilen zählten wieder Information und Kommunikation (47,7%) und Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (42,8%). Ebenfalls überdurchschnittlich häufig wurde im Bereich Erziehung und Unterricht Telearbeit ausgeübt (28,1%). Den größten Rückgang bei Telearbeit hat die öffentliche Verwaltung gegenüber dem Vorquartal zu verzeichnen (-11,5 Prozentpunkte).

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Informationen zur Methodik, Definitionen:  
Bei der europäischen Arbeitskräfteerhebung (AKE), die in allen Mitgliedsländern der EU stattfindet, werden in zufällig ausgewählten privaten Haushalten Informationen zu Erwerbstätigkeit und Arbeitsuche in standardisierter Form erhoben. In Österreich wird die AKE im Rahmen des Mikrozensus durchgeführt – eine Stichprobenerhebung, bei der wöchentlich ca. 1.500 Haushalte befragt werden. Diese Daten werden auf die Bevölkerungszahl hochgerechnet.  
Seit 2021 gelten folgende Konzepte:  
Erwerbstätige nach internationaler Definition: Nach dem ILO-Konzept gelten Personen dann als erwerbstätig, wenn sie in der Referenzwoche mindestens eine Stunde als Unselbständige, Selbständige oder mithelfende Familienangehörige gearbeitet haben. Haben sie aufgrund von Urlaub, Zeitausgleich, Altersteilzeit, anderer Arbeitszeitregelung, Krankheit, beruflicher Aus- und Weiterbildung oder Mutterschutz/Papamonat nicht gearbeitet, gehen aber ansonsten einer Arbeit nach, gelten sie als erwerbstätig. Ebenfalls zu den Erwerbstätigen zählen: Personen, die aus einem sonstigen Grund für maximal drei Monate vom Arbeitsplatz abwesend sind; Personen in Elternkarenz (mit Bezug von Kinderbetreuungsgeld und einem Rückkehrrecht zum Arbeitgeber oder einer Karenzdauer von maximal drei Monaten); Lehrlinge; Saisonarbeitskräfte, die zwar saisonbedingt in der Referenzwoche nicht gearbeitet haben, aber in der Nebensaison regelmäßig für den Betrieb arbeiten. Präsenz- und Zivildiener sind ausgeschlossen.  
Arbeitslose nach internationaler Definition: Personen, die nicht erwerbstätig sind (s.o.) und in der Referenzwoche oder den drei vorhergehenden Wochen aktiv eine Arbeit gesucht haben. Ebenfalls als arbeitslos gelten Personen, die bereits eine Jobzusage haben und diesen Job innerhalb von drei Monaten antreten. Zusätzlich dazu müssen sie innerhalb der nächsten beiden Wochen nach der Referenzwoche eine Arbeit aufnehmen können.  
"Stille Arbeitsmarktreserve" (auch "stille Reserve") nach internationaler Definition: Nicht-Erwerbspersonen (Personen, die laut internationaler Definition weder erwerbstätig noch arbeitslos sind) im Alter von 15 bis 64 Jahren, die in der Referenzwoche und den drei Wochen davor nicht nach Arbeit gesucht haben, aber grundsätzlich gerne arbeiten würden und innerhalb der nächsten beiden Wochen nach der Referenzwoche zu arbeiten beginnen könnten. 
Telearbeit: Personen, die zumindest fallweise mit PC und/oder Smartphone von zu Hause aus gearbeitet haben. Seit Beginn des 2. Quartals 2020 wurden im Rahmen der AKE vier freiwillig zu beantwortende Zusatzfragen zur Arbeitssituation in Zeiten der COVID-19-Pandemie gestellt. Die Fragen waren an alle Personen gerichtet, die in der Referenzwoche gearbeitet haben und zusätzlich in den letzten vier Wochen von zu Hause aus gearbeitet haben. Personen, die in den letzten vier Wochen nie von zu Hause aus gearbeitet haben, wurden der Gruppe "keine Arbeit von zu Hause" zugeordnet. 
 
Aufgrund der Änderungen der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung im Zuge der neuen EU-Sozialstatistikverordnung ist ein Vergleich mit Ergebnissen vor 2021 nur sehr eingeschränkt möglich. Sämtliche Veröffentlichungen der Quartals- und Jahresergebnisse bis 2020 bleiben in der ursprünglich publizierten Form bestehen. Für die Gruppe der Erwerbstätigen und Arbeitslosen bietet Statistik Austria zusätzliche Zeitreihen für Männer und Frauen an, um zu zeigen, wie die Ergebnisse in der Vergangenheit mit der neuen Definition ab 2021 ausgesehen hätten. Damit können Erwerbstätige und Arbeitslose nach alter und neuer Definition ohne Zeitreihenbruch miteinander verglichen werden. Weitere Informationen zu den Änderungen können den FAQ (PDF 630 KB) entnommen werden.  
Offene Stellen: Die Offene-Stellen-Erhebung von Statistik Austria wird seit dem 1. Quartal 2009 für die Wirtschaftsabschnitte B bis S der ÖNACE 2008 laufend durchgeführt. Insgesamt werden pro Quartal rund 6.000 Unternehmen befragt.

 

Tabelle 1: Hauptergebnisse der Arbeitsmarktstatistik (internationale Definitionen), 3. Quartal 2021
 Einheit3. Quartal 2021Veränderung zum Vorquartal
(abs. bzw. %-Punkte)
Erwerbstätigkeit (ILO-Konzept)
Erwerbstätige (ab 15 Jahren)1.0004.399,8152,8
Erwerbstätige (15 bis 64 Jahre)1.0004.322,5143,2
Erwerbstätigenquote1) (15 bis 64 Jahre)%74,02,5
   Männer%78,62,7
   Frauen%69,42,2
   Jugendliche (15 bis 24 Jahre)%54,86,8
   Ältere (55 bis 64 Jahre)%56,51,4*
   Österreichische Staatsangehörige%75,22,1
   Ausländische Staatsangehörige%69,14,1
Unselbständig Erwerbstätige1.0003.871,2124,6
   Männer1.0002.011,562,5
   Frauen1.0001.859,662,1
Selbständig Erwerbstätige1.000458,519,9
   Männer1.000295,814,4
   Frauen1.000162,75,5*
Mithelfende1.00070,18,2*
Land- und Forstwirtschaft1.000172,818,7
Industrie und Gewerbe1.0001.138,650,0
Dienstleistungen1.0003.088,584,0
Arbeitslosigkeit (ILO-Konzept)
Arbeitslose1.000244,8-51,6
Arbeitslosenquote2)%5,3-1,3
   Männer%5,2-1,4
   Frauen%5,4-1,0
   Jugendliche (15 bis 24 Jahre)%10,2-1,4*
   Ältere (55 bis 64 Jahre)%4,1-1,7
   Österreichische Staatsangehörige%4,4-0,6
   Ausländische Staatsangehörige%9,1-4,0
Nicht-Erwerbspersonen1.0001.273,2-92,9
   Stille Arbeitsmarktreserve1.00075,9-13,7*
Offene Stellen 
Offene Stellen (ÖNACE 2008 B-S)1.000162,423,9
Offene-Stellen-Quote3)%3,80,5

 

Tabelle 2: Erwerbstätige nach Telearbeit, Geschlecht und ausgewählten Wirtschaftszweigen, 3. Quartal 2021
MerkmaleIn Referenzwoche gearbeitet insg.Keine Arbeit von zu HauseArbeit von zu Hause Darunter:
Telearbeit (mit PC bzw. Smartphone)Keine Angabe auf die Frage nach Arbeit von zu Hause
wegen
Corona
Insgesamt in 1.0003.733,52.901,7559,0215,2544,9272,8
Männer in 1.0002.052,21.606,9291,8111,1286,1153,5
Frauen in 1.0001.681,31.294,8267,2104,1258,8119,3
Insgesamt in %100,077,715,05,814,67,3
Männer in %100,078,314,25,413,97,5
Frauen in %100,077,015,96,215,47,1
Veränderung in %-Punkten zum Vorquartal
Insgesamt in %-Punkten0,06,1-4,9-6,6-4,9-1,2
Männer in %-Punkten 0,05,6-4,7-6,1-4,7-0,9
Frauen in %-Punkten0,06,7-5,2-7,2-5,1-1,5
Ausgewählte Wirtschaftszweige (ÖNACE 08); Männer und Frauen in 1.000
F Bau297,8269,617,3(4,4)17,110,9
G Handel521,5438,755,421,254,027,4
I Beherbergung und Gastronomie237,5217,310,1(x)9,310,1
J Information und Kommunikation119,838,957,228,957,123,8
K Finanz- u. Versicherungsdienst-leistungen109,447,646,828,246,815,0
O Öffentliche Verwaltung252,0200,135,919,235,316,0
P Erziehung und Unterricht201,8123,657,316,756,821,0
Q Gesundheits- und Sozialwesen394,7346,230,89,629,417,7
R Kunst, Unterhaltung und Erholung62,943,313,8(x)13,6(5,8)

Rückfragen zum Thema beantwortet das Team der Arbeitskräfteerhebung in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria, unter: ake@statistik.gv.at  

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