Pressemitteilung: 12.655-246/21

Rekordtief bei Verkehrstoten im 1. Halbjahr 2021; Höchststand bei verunglückten Radfahrerinnen und Radfahrern

Wien, 2021-11-11 – Im 1. Halbjahr 2021 kamen in Österreich laut Statistik Austria 151 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben, 17.585 weitere Personen wurden verletzt. Die Zahl der Verkehrstoten war damit so gering wie in keinem anderen 1. Halbjahr der vergangenen 60 Jahre. Sogar im Pandemiejahr 2020 lag die Zahl geringfügig höher (1. Halbjahr 2020: 152 Getötete, 1. Halbjahr 2019: 196 Getötete; siehe Tabelle 1). Im Gegensatz dazu erreichte die Zahl verunglückter Radfahrerinnen und Radfahrer mit knapp über 4.000 einen Höchstwert.

Lockdowns spiegeln sich in den Unfallzahlen wider

Im April 2021, während des verschärften Lockdowns in Wien und Niederösterreich, sank die Zahl der Verunglückten um je 37% im Vergleich zum entsprechenden Vorkrisenmonat April 2019. In den restlichen Bundesländern, in denen "Lockdown light" galt, lagen die Rückgänge hingegen nur zwischen 7% und 30%. Im Gegensatz dazu stieg im "Lockdown-freien" Juni 2021 die Zahl der Verunglückten stark an und lag mit 5.338 Personen so hoch wie seit 2007 nicht mehr.

Noch nie so viele verunglückte Radfahrerinnen und Radfahrer; fast die Hälfte bei Alleinunfällen

Nachdem bereits im Jahr 2020 bei der Anzahl verunglückter Radfahrerinnen und Radfahrer Rekordwerte verzeichnet wurden, setzte sich dieser Trend fort: Im 1. Halbjahr 2021 verunglückten 4.079 Radfahrerinnen und Radfahrer im Straßenverkehr, dies ist der höchste Wert in den vergangenen 30 Jahren (1. Halbjahr 2020: 3.640, 1. Halbjahr 2019: 3.352 Personen, siehe Tabelle 2). Von den insgesamt 4.079 verunglückten Radfahrerinnen und Radfahrern kamen 23 ums Leben (1. Halbjahr 2020: 17 Tote, 1. Halbjahr 2019: 16 Tote). Damit waren 15% aller im Straßenverkehr Getöteten mit einem Fahrrad unterwegs. Dies ist der höchste Anteil der vergangenen 30 Jahre (1. Halbjahr 2020: 11%, 1. Halbjahr 2019: 8%). 61% der tödlich verunglückten Radfahrerinnen und Radfahrer, 14 Personen, waren mit einem E-Bike unterwegs.

Das Durchschnittsalter der verunglückten E-Bike-Fahrerinnen und –fahrer lag bei 50 Jahren, wobei dieses in den vergangenen Jahren kontinuierlich sank, von 58 Jahren im 1. Halbjahr 2018 auf 54 Jahre im 1. Halbjahr 2020. Im Vergleich dazu lag das Durchschnittsalter der verunglückten Radfahrerinnen und Radfahrer ohne Antrieb im 1. Halbjahr 2021 bei 44 Jahren (siehe Tabelle 3).

44% der verunglückten Radfahrerinnen und Radfahrer waren im 1. Halbjahr 2021 auf Alleinunfälle zurückzuführen. Neben den sechs Getöteten bei Alleinunfällen, waren weitere sieben getötete Radfahrerinnen und Radfahrer für den Unfall verantwortlich. Somit waren insgesamt 57% der getöteten Radfahrerinnen und Radfahrer Hauptunfallverursacher.

257 Lenkerinnen und Lenker von Fahrrädern waren im 1. Halbjahr 2021 alkoholisiert in einen Verkehrsunfall verwickelt. Damit waren 5,8% aller an einem Unfall beteiligten Radlenkerinnen und -lenker alkoholisiert, bei den E-Bikes waren es sogar 7,6% aller Lenkerinnen und Lenker. Der Anteil lag somit deutlich höher als bei anderen Verkehrsarten (Pkw: 3,8%, Motorräder: 1,7%).

Detaillierte Ergebnisse sowie zusätzliche Informationen finden Sie im "Schnellbericht" (mit weiterführenden Beschreibungen und Tabellen) und auf unserer Webseite.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen: Statistik Austria erstellt und veröffentlicht seit 1961 die Statistik der Straßenverkehrsunfälle mit Personenschaden. Die Verkehrsunfälle werden durch die Polizeiorgane elektronisch erfasst und über ein Webservice an Statistik Austria übermittelt. Die aktuell veröffentlichten Halbjahresergebnisse sind bis zum Vorliegen der endgültigen Jahresergebnisse als vorläufig zu betrachten, da nachträglich bekannt gewordene Änderungen der Unfalldaten (z. B. nachträgliche Verletzungsanzeigen) durch das Bundesministerium für Inneres bzw. die Polizeiorgane noch möglich sind. 
Ein Straßenverkehrsunfall mit Personenschaden liegt vor, wenn infolge des Straßenverkehrs auf Straßen mit öffentlichem Verkehr Personen verletzt oder getötet wurden und daran zumindest ein in Bewegung befindliches Fahrzeug beteiligt war. 
Als Verunglückte zählen Personen, die bei und in Folge eines Unfalles verletzt oder getötet wurden.  
Als Verkehrstote gelten Personen, die entweder am Unfallort oder innerhalb von 30 Tagen, gerechnet ab dem Unfallereignis, an den Unfallfolgen verstorben sind. 
Die Verkehrsart Fahrrad umfasst ebenso Elektrofahrräder und Elektro-Scooter. 
Eine Lenkerin bzw. ein Lenker eines Fahrrads gilt als alkoholisiert, wenn eine Beeinträchtigung durch Alkohol gemäß StVO festgestellt wurde (Alkoholisierungsgrad von größer oder gleich 0,8 Promille im Blut). 
Die Angaben zum vermutlichen Hauptunfallverursacher erfolgen nach Einschätzung der Polizeiorgane, welche die Erhebung des Unfalles vornehmen.

 

Tabelle 1: Unfälle und Verunglückte (Verletzte oder Getötete), 1. Halbjahr 2018 bis 2021
 2018201920202021Veränderung 2020/2021 in %
Unfälle17.14516.18712.52514.06512,3
Verunglückte22.01820.79815.67617.73613,1
Verletzte21.82120.60215.52417.58513,3
Getötete197196152151-0,7
Tabelle 2: Verunglückte Radfahrerinnen und -fahrer nach Antriebsart, 1. Halbjahr 2018 bis 2021
 2018201920202021Veränderung 2020/2021 in %
Verunglückte3.6253.3523.6404.07912,1
Elektrisch43352467999546,5
Muskelkraft3.1922.8282.9613.0844,2
Verletzte3.6103.3363.6234.05612,0
Elektrisch42552167098146,4
Muskelkraft3.1852.8152.9533.0754,1
Getötete1516172335,3
Elektrisch8391455,6
Muskelkraft7138912,5
Tabelle 3: Durchschnittsalter verunglückter Radfahrerinnen und -fahrer in Jahren nach Antriebsart, 1. Halbjahr 2018 bis 2021
Antriebsart2018201920202021
Elektrisch58555450
Muskelkraft44444544

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DI Brigitte ALLEX, Tel.: +43 1 71128-7553 bzw. brigitte.allex@statistik.gv.at  
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