Pressemitteilung: 12.649-240/21

Insolvenzen im 3. Quartal 2021 unter Vorkrisenniveau; nachlassende Dynamik bei Registrierungen

Wien, 2021-09-11 – Im 3. Quartal 2021 wurden vorläufigen Zahlen von Statistik Austria zufolge 754 Insolvenzen gezählt, 24,2% mehr als im Vergleichszeitraum des Jahres zuvor.

"Das Aussetzen der Insolvenzantragspflicht bis Ende Juni 2021, staatliche Corona-Hilfen, Steuerstundungen und Maßnahmen wie Kurzarbeit haben die befürchtete Pandemie-Pleitewelle bis jetzt verhindert: Die Zahl der Insolvenzen im 3. Quartal 2021 ist im Vergleich zum Vorjahresquartal zwar um ein Viertel gestiegen, sie liegt aber noch immer um 37,6% unter dem Vorkrisenniveau vom 3. Quartal 2019", so Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Gleichzeitig wurden im 3. Quartal 2021 13.719 Registrierungen rechtlicher Einheiten verzeichnet, 19,9% weniger als im 3. Quartal 2020 (17.128). Im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum vor der Krise, dem 3. Quartal 2019 (15.738 Registrierungen), entspricht das einem Minus von 12,8%. Die Registrierungen entwickelten sich im 3. Quartal 2021 fast über alle Branchen hinweg negativ: Die höchsten Rückgänge gegenüber dem 3. Quartal 2020 gab es im Handel (-34,4%) und bei persönlichen Dienstleistungen (-22,5%). Geringfügige Zuwächse verzeichnen die Branchen Verkehr (+3,2%) und Sachgütererzeugung (+1,0%).

Insolvenzen im Dienstleistungsbereich und Bau am höchsten

Die meisten Insolvenzen im 3. Quartal 2021 gab es bei den Finanzdienstleistungen/sonstigen Dienstleistungen (162), im Bau (142), im Handel (125) sowie in der Beherbergung und Gastronomie (107), wobei die Anzahl der Insolvenzen grundsätzlich von der Anzahl der in den einzelnen Wirtschaftsbereichen aktiven Unternehmen abhängig ist. Eine vergleichsweise geringe Anzahl an Insolvenzen weisen die Bereiche Information und Kommunikation (15), Sachgütererzeugung (42) und persönliche Dienstleistungen (61) auf. Im 3. Quartal 2020 war eine ähnliche Verteilung der Insolvenzen auf die Wirtschaftsbereiche beobachtet worden (siehe Tabelle 1).

Registrierungen im Dienstleistungsbereich am höchsten

Im 3. Quartal 2021 wurden für die Bereiche Finanzdienstleistungen/sonstige Dienstleistungen (4.124), persönliche Dienstleistungen (3.528) und Handel (2.411) die höchste Anzahl an Registrierungen gezählt. Eine relativ geringe Anzahl an Registrierungen weisen die Bereiche Verkehr (481), Beherbergung und Gastronomie (707) und Information und Kommunikation (753) auf. Eine ähnliche Verteilung der Registrierungen auf die Wirtschaftsbereiche hatte sich im 3. Quartal 2020 gezeigt (siehe Tabelle 2).

Ergebnisse bzw. weitere Informationen zu Insolvenzen und Registrierungen finden Sie auf unserer Webseite.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die Verordnung (EU) 2019/2152 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. November 2019 über europäische Unternehmensstatistiken sowie die Unternehmensdemografiestatistik-Verordnung, BGBl. II Nr. 270/2009 idF. BGBl. II Nr. 138/2021 verpflichten Statistik Austria, ab dem 1. Quartal 2021 quartalsweise Daten über Insolvenzen und Registrierungen zu erstellen. 
Um die Auswirkungen der Corona-Krise in den Daten abbilden zu können, starten die Zeitreihen bereits mit 2019. Die Statistik wird nach aggregierten Wirtschaftsbereichen (ÖNACE 2008) ausgewertet. Erfasst sind alle marktwirtschaftlichen Tätigkeiten in den Abschnitten B bis S (ohne Abschnitt O und Abteilung S94) der ÖNACE 2008. Für Einheiten, für die keine ÖNACE vorhanden ist, wird die Fachzuordnung zur WKÖ als Quelle herangezogen bzw. es erfolgt eine Schätzung anhand einer ÖNACE-Verteilung basierend auf den Neuaufnahmen in das statistische Unternehmensregister (URS). 
Die Daten der jeweils letzten vier Berichtsquartale werden als vorläufig ausgewiesen und bei der Veröffentlichung eines neuen Quartals revidiert. 
Insolvenzen 
Die Daten zu den Insolvenzen basieren auf den gerichtlichen Insolvenzverfahren. Gezählt wird die Einleitung eines Insolvenzverfahrens einer rechtlichen Einheit gemäß Insolvenzordnung – IO, RGBl. Nr. 337/1914. Berücksichtigt werden: Konkursverfahren, Konkurseröffnungsverfahren, Sanierungsverfahren mit und ohne Eigenverwaltung. Hauptdatenquelle ist die Justiz-Ediktsdatei. Die dort erfassten Daten werden Statistik Austria vom Bundesministerium für Justiz zur Verfügung gestellt, in das URS und das Unternehmensregister für Zwecke der Verwaltung (URV) eingelagert sowie mit für die Statistik notwendigen Merkmalen angereichert. Verfahrenswechsel (Einheiten, die in einem Zeitraum von 12 Monaten mehrmals in den Edikten aufscheinen) werden nicht gezählt, d. h. es kommt zu keinen Doppelzählungen. Nachtragsverteilungen werden ausgeschlossen. 
Hinweis: In Österreich gibt es vergleichbare Insolvenzzahlen u. a. vom Kreditschutzverband von 1870. Obwohl die verwendete Datenquelle ident ist, gibt es geringfügige Abweichungen zu den von Statistik Austria veröffentlichten Zahlen. Ursachen sind u. a. abweichende Erfassungsbereiche bzw. Zeitpunkte für die Auswertungen oder die Zuordnung der Einheiten zu den Wirtschaftsbereichen nach ÖNACE 2008.  
Registrierungen 
Als Registrierung wird die Aufnahme einer rechtlichen Einheit in das Unternehmensregister für Zwecke der Verwaltung (URV) gezählt. Neben dem URV stellt das URS die zentrale Datenbasis für die quartalsweise Statistik über Registrierungen von rechtlichen Einheiten dar. 
Aus dem URV werden folgende Quellen zur Bestimmung der Anzahl der Registrierungen, des Registrierungsdatums und zur Ermittlung weiterer Merkmale herangezogen:  Firmenbuch, Dachverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, Wirtschaftskammer, Kammern der freien Berufe sowie Steuergrunddaten, Umsatzsteuervoranmeldungen und Einkommensteuerdaten. Als Datum der Registrierung zählt das erste Lebenszeichen einer Einheit in den Quellen, d. h. die erste Registrierung wird gezählt.

 

Tabelle 1: Insolvenzen 2019 bis 3. Quartal 2021 nach Wirtschaftsbereichen, vorläufig
ÖNACE 200820192020Veränderung in %
2019–2020
Q3 2019Q3 2020Q3
2021
Veränderung in %
Q3/2020–Q3/2021
Veränderung in %
Q3/2019–Q3/2021
Sachgütererzeugung311186-40,2714442-4,5-40,8
Bau808560-30,72041421420,0-30,4
Handel879495-43,72109712528,9-40,5
Verkehr und Lagerei460255-44,612047100112,8-16,7
Beherbergung und Gastronomie792434-45,21886910755,1-43,1
Information und Kommunikation182106-41,85214157,1-71,2
Finanzdienstleistungen/  
Sonstige Dienstleistungen
997664-33,423513316221,8-31,1
Persönliche Dienstleistungen458293-36,012861610,0-52,3
Insgesamt4.8872.993-38,81.20860775424,2-37,6
Tabelle 2: Registrierungen 2019 bis 3. Quartal 2021 nach Wirtschaftsbereichen, vorläufig
ÖNACE 200820192020Veränderung in %
2019–2020
Q3 2019Q3 2020Q3 2021Veränderung in %
Q3/2020–Q3/2021
Veränderung in %
Q3/2019–Q3/2021
Sachgütererzeugung3.0503.1262,57498128201,09,5
Bau4.0013.688-7,89161.021895-12,3-2,3
Handel11.19012.98616,12.7433.6732.411-34,4-12,1
Verkehr und Lagerei2.1691.795-17,24894664813,2-1,6
Beherbergung und Gastronomie3.9393.027-23,2859809707-12,6-17,7
Information und Kommunikation3.0392.968-2,3722812753-7,34,3
Finanzdienstleistungen/  
Sonstige Dienstleistungen1)
18.82418.490-1,84.3554.9814.124-17,2-5,3
Persönliche Dienstleistungen19.27816.374-15,14.9054.5543.528-22,5-28,1
Insgesamt65.49062.454-4,615.73817.12813.719-19,9-12,8

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