Pressemitteilung: 12.621-212/21

Öffentliche Finanzen im 1. Halbjahr 2021: öffentliches Defizit 7,2%, öffentlicher Schuldenstand 86,2% des BIP

Wien, 2021-09-30 – Im 1. Halbjahr 2021 lag das öffentliche Defizit in Österreich laut vorläufigen Berechnungen von Statistik Austria bei 13,9 Mrd. Euro bzw. bei 7,2% des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im Vergleich zum 1. Halbjahr 2020 (12,4 Mrd. Euro bzw. 6,8% des BIP) entspricht das einem Anstieg um 1,4 Mrd. Euro. Der öffentliche Schuldenstand betrug am Ende des 2. Quartals 2021 334,7 Mrd. Euro. Die Schuldenquote – das Verhältnis der Staatsschulden zum BIP – stieg auf 86,2%.

Die Staatseinnahmen stiegen im Vergleich zum 1. Halbjahr 2020 um 6,4% bzw. 5,7 Mrd. Euro auf 94,5 Mrd. Euro. Die Staatsausgaben erhöhten sich um 7,0% bzw. 7,1 Mrd. Euro auf 108,4 Mrd.

"Österreichs Staatsverschuldung wächst und wächst. Zwar lagen die Einnahmen im ersten Halbjahr 2021 schon wieder auf Vorkrisenniveau, Subventionen und Sozialausgaben zur Eindämmung der Corona-Folgen haben die Staatsausgaben jedoch auf 15% über das Niveau des ersten Halbjahres 2019 gebracht. Insgesamt hat die Corona-Krise Österreich vom Konsolidierungspfad gedrängt. Nach der Reduktion der Staatsschuldenquote von 84,9% auf 70,6% zwischen 2015 und 2019 ist sie bis Ende Juni 2021 auf 86,2% angewachsen", so Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Staatseinnahmen im 1. Halbjahr 2021

88,2% der Staatseinnahmen im 1. Halbjahr 2021 stammen aus Steuern und Sozialbeiträgen, die in Summe 83,4 Mrd. Euro ausmachten. Das ist gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 8,2%, bzw. 6,3 Mrd. Euro, nachdem sie im 1. Halbjahr 2020 um 6,0% bzw. um 4,9 Mrd. Euro eingebrochen waren.

Der Staat nahm im 1. Halbjahr 2021 sowohl durch Steuern als auch in Form von Sozialbeiträgen wieder mehr ein als im 1. Halbjahr des Vorkrisenjahres 2019. Während sich die Einkommen- und Vermögensteuern (1. Halbjahr 2019: 24,5 Mrd. Euro, 1. Halbjahr 2021: 25,1 Mrd. Euro) – und hier vor allem die Einnahmen aus der Lohnsteuer – bereits wieder über dem Niveau vom 1. Halbjahr 2019 befanden, konnte das Vorkrisenniveau bei den Produktions- und Importabgaben (1. Halbjahr 2019: 27,4 Mrd. Euro, 1. Halbjahr 2021: 26,8 Mrd. Euro) – und hier vor allem bei der Mehrwertsteuer und der Mineralölsteuer – noch nicht wieder erreicht werden.

Staatsausgaben im 1. Halbjahr 2021

Die Dynamik im Ausgabenwachstum ist sowohl auf Mehrausgaben bei den Sozialausgaben, bei einem Anteil von 44,5%, als auch auf einen starken Zuwachs bei den staatlichen Subventionen (Anteil 9,3%) zurückzuführen. Zur Abfederung der sozialen Folgen der Pandemie zeigen die vorläufigen Ergebnisse einen Anstieg bei den monetären Sozialleistungen (Härtefallfonds, Arbeitslosengeld) um 6,2%, bzw. 2,3 Mrd. Euro. Ebenfalls stark erhöhten sich die Subventionen (19,6%, bzw. 1,6 Mrd. Euro), hierunter fallen Aufwendungen für Kurzarbeit, Fixkostenzuschuss 800.000, Ausfallsbonus und Verlustersatz.

Öffentlicher Schuldenstand am 30. Juni 2021 um 19,0 Mrd. Euro höher als Ende 2020

Ende des 2. Quartals 2021 betrug die Staatsverschuldung 334,7 Mrd. Euro oder 86,2% des BIP. Damit lag sie um 19,0 Mrd. Euro höher als Ende des 4. Quartals 2020. Die Schuldenquote, also die öffentlichen Schulden im Verhältnis zum BIP, stieg in diesem Zeitraum um 3,0 Prozentpunkte. Dieser Anstieg kann fast ausschließlich auf die Kerneinheit Bund zurückgeführt werden, da ab März 2020 erhebliche Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie sowie deren wirtschaftlichen Folgen getroffen wurden.

Detaillierte Ergebnisse 2020 bzw. weitere Informationen zum öffentlichen Defizit/öffentlichen Überschuss und zum öffentlichen Schuldenstand sowie zu den Einnahmen und Ausgaben des Staates finden Sie auf unserer Webseite.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Grundlage für das Berichtsjahr 2020 sind die endgültigen Rechnungsabschlüsse des Bundes, der Länder, Wiens und der Gemeinden, die endgültige Finanzstatistik des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger sowie Informationen zu außerbudgetären Einheiten.  
Grundlage für das erste Halbjahr 2021 sind die vorläufigen Rechnungsabschlusszahlen des Bundes, der Länder und der Gemeinden sowie die vorläufige Finanzstatistik des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger. Sonstige Einheiten des Sektors Staat werden auf Basis vorhandener Informationen geschätzt. 
Statistik Austria erstellt als Teil der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) zweimal pro Jahr Daten über den Sektor Staat und publiziert sie jeweils Ende März und Ende September. Diese Termine entsprechen auch den Verpflichtungen gemäß den EU-Verordnungen Nr. 549/2013 ("ESVG 2010") und Nr. 222/2014 ("Maastricht-Statistiken"), diese Daten sowie Statistiken über das öffentliche Defizit und den öffentlichen Schuldenstand an die Europäische Kommission (Eurostat) zu notifizieren. Die Daten gemäß der angeführten EU-Verordnungen werden erstellt für den Sektor Staat insgesamt und die vier Teilsektoren Bundesebene, Landesebene, Gemeindeebene und Sozialversicherung. Die Staatseinnahmen und -ausgaben werden nach dem Europäischen System für Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (ESVG 2010) kategorisiert. Das öffentliche Defizit bzw. der öffentliche Überschuss ergeben sich aus der Differenz von Staatseinnahmen und Staatsausgaben. Die angeführten Staatseinnahmen aus Steuern und Sozialbeiträgen beinhalten auch jene veranlagten Steuern und Sozialbeiträge, deren Einziehung unwahrscheinlich ist.

 

Tabelle 1: Öffentliche Finanzen – Eckdaten des Staates im 1. Halbjahr
 Erstes Halbjahr
1. Halbjahr 20191. Halbjahr 20201. Halbjahr 2021
Staatseinnahmen in Mrd. Euro94,288,994,5
davon
   Steuereinnahmen51,947,252,0
   Sozialbeiträge30,129,831,4
   Produktionserlöse8,58,18,1
   Sonstige3,73,73,1
Staatsausgaben in Mrd. Euro94,0101,3108,4
davon
   Sozialausgaben 43,445,148,3
          davon monetäre Sozialleistungen35,437,439,7
   Personalaufwand20,721,221,7
   Sachaufwand11,611,813,1
   Subventionen2,68,410,1
   Investitionen5,35,55,3
   Zinsausgaben2,82,62,2
   Sonstige Ausgaben7,66,77,7
Defizit/Überschuss
Defizit/Überschuss in % des BIP+0,1-6,8-7,2
BIP in Mrd. Euro194,8182,7191,4
Tabelle 2: Staatsverschuldung Ende des 4. Quartals 2020 und Ende des 2. Quartals 2021 nach Teilsektoren des Staates
Sektor / TeilsektorenEnde des Quartals
Q4/2020Q2/2021Q4/2020Q2/2021
in Mrd. Euroin % des BIP
Staat insgesamt315,6334,783,286,2
Bundesektor273,0292,172,075,3
Landesektor22,523,55,96,1
Gemeindesektor18,218,14,84,7
Sozialversicherungssektor2,00,90,50,2

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Volkswirtschaft, Statistik Austria 
Mag. Lukas DÖRFLER, Tel.: +43 1 71128-7816 bzw. lukas.doerfler@statistik.gv.at 
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