Pressemitteilung: 12.599-190/21

Austrian Recovery Barometer - Wirtschaft gelingt Turnaround im 2. Quartal 2021

Wien, 2021-09-02 – Nach dem schwersten Einbruch der Wirtschaftsleistung der Nachkriegszeit erholt sich die österreichische Wirtschaft im 2. Quartal 2021 deutlich. Laut vorläufigen Berechnungen von Statistik Austria steigt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach fünf rückläufigen Quartalen in Folge nunmehr im Vergleich zum 2. Quartal 2020 real um 12,0%. Im Vergleich zum 1. Quartal 2021 lag der Anstieg bei 3,6% (saison- und arbeitstagbereinigt).

"Österreichs Wirtschaft ist im 2. Quartal 2021 der Turnaround gelungen. Das BIP ist im Vergleich zum Vorjahresquartal erstmals seit Beginn der Corona-Krise gestiegen, und zwar um ganze 12,0%. Damit liegt die Wirtschaftsleistung Österreichs insgesamt bereits bei 97,6% des Vorkrisenniveaus, bezogen auf das 2. Quartal 2019. Viele Bereiche der Wirtschaft haben die Krise inzwischen deutlich hinter sich gelassen, so z. B. Industrie und insbesondere Bau, Banken und Versicherungen sowie der Handel. Beherbergung und Gastronomie haben hingegen noch einen weiten Weg aus der Krise vor sich: Hier lag die Wertschöpfung im Vergleich zum Vorkrisenniveau bei 47,7%", erläutert Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas im Rahmen der zweiten "Austrian Recovery Barometer"-Pressekonferenz. Vierteljährlich bietet Statistik Austria mit diesem Format einen Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung Österreichs auf dem Weg aus der Corona-Krise. Zentrale Größe ist das Barometer, welches für verschiedene Indikatoren (z. B. BIP, Beschäftigung, Tourismus, Außenhandel) anzeigt, in welchem Ausmaß das Vorkrisenniveau erreicht ist (verglichen mit dem entsprechenden Zeitraum des Jahres 2019).

Kräftiger Anstieg der Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2021

Nach durchwegs starken Rückgängen der Wirtschaftsleistung in den Vorquartalen (Q2 2020: -12,8%; Q3 2020: -3,7%; Q4 2020: -5,4%; Q1 2021: -4,8%; jeweils real zum Vorjahresquartal) ist das Bruttoinlandsprodukt im 2. Quartal 2021 erstmals wieder um 12,0% im Vergleich zum Vorjahresquartal gestiegen. Die Bereiche Handel, Verkehr, Gastronomie und Beherbergung konnten nach Ende des dritten Lockdowns erstmalig ein deutliches Wachstum verbuchen (20,1% real zum Vorjahresquartal). Ebenfalls positive Impulse kamen wieder von der Industrie (+19,7%). Insgesamt lag die Wirtschaftsleistung damit im Vergleich zum 2. Quartal 2019 auf 97,6% des Vorkrisenniveaus.

Konjunktur-Frühschätzung für Industrie und Bau bereits über Vorkrisenniveau

Weiter in Richtung wirtschaftlicher Erholung zeigen die Konjunktur-Frühschätzer für die Bereiche Industrie und Bau im Juli 2021. Der Umsatzindex dieser Bereiche legt sowohl für die Industrie (+18,4%) als auch für den Bau (+9,4%) abermals kräftig zu, wobei der Vergleichsmonat des Vorjahres von der Corona-Krise gezeichnet war. Insgesamt liegt der Umsatzindex für Industrie und Bau im Juli 2021 bereits 10,0% über dem Vorkrisenniveau (Juli 2019).

Außenhandel besonders seit März 2021 mit starker Erholung

Der Außenhandel mit Deutschland erzielte von Jänner bis Mai 2021 mit einem Plus von fast 18% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum den höchsten wertmäßigen Exportzuwachs. Bei den Produkten gehörten Straßenfahrzeuge zu den Exportschlagern mit den höchsten Zuwächsen (+43,5%). Die stärksten Rückgänge gab es hingegen im Handel mit Frankreich (-15,4%) und der Russischen Föderation (-8,5%). Im Hinblick auf die Produkte war der höchste Exportrückgang bei medizinischen und pharmazeutischen Erzeugnissen zu verzeichnen (-6,2%). Österreichs Außenhandel erreichte im Mai 2021 bei den Importen bereits 101,1% des Vorkrisenniveaus (Mai 2019), bei den Exporten wurden rund 98% erzielt.

Deutliche Entspannung am Arbeitsmarkt

Die Beschäftigtenverhältnisse sind laut Dachverband der Sozialversicherungsträger im Juni 2021 um rund 4% und im Juli 2021 um knapp 3% gegenüber den Vorjahresmonaten gestiegen. Die Beschäftigung im Juli 2021 liegt damit erstmalig wieder auf dem Vorkrisenniveau (Juli 2019), wobei hier auch weiterhin die Kurzarbeit eine Rolle spielt. Eine Entspannung ist auch bei den Arbeitslosenzahlen zu vermerken: Im August 2021 waren insgesamt 286.300 Personen beim Arbeitsmarktservice (AMS) als arbeitssuchend vorgemerkt und damit nur noch um 3% mehr als im August 2019. Zudem waren 61.000 Personen in Schulungen des AMS. Die nationale Arbeitslosenquote lag im August 2021 bei 6,9% und damit nur noch 0,1 Prozentpunkte über dem Vorkrisenniveau (August 2019).

Die offenen Stellen erreichten im 2. Quartal 2021 mit insgesamt 138.563 Stellen ihren Höchststand seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2009. Besonders im produzierenden Bereich (ÖNACE B-F) und im Dienstleistungsbereich (ÖNACE G-N) konnten im Vergleich zum Vorkrisenniveau (2. Quartal 2019) mit +18,9% bzw. +4,1% starke Zuwächse verzeichnet werden.

Allerdings bestehen am Arbeitsmarkt weiterhin besondere Herausforderungen: Insbesondere die Langzeitarbeitslosigkeit ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen und wurde durch die Corona-Krise verschärft. Im August 2021 ist die Zahl der Personen mit einer seit mind. zwölf Monaten durchgehend bestehenden AMS-Vormerkung im Vergleich zum Vorkrisenniveau (August 2019) um rund 58% erhöht. Auch wenn seit Sommerbeginn erste positive Tendenzen zu erkennen sind, bleibt die Langzeitarbeitslosigkeit hoch.

Erste Hälfte der Sommersaison 2021 noch um ein Drittel unter dem Vorkrisenniveau, im Juli mehr inländische Gästenächtigungen

Die bisherige Tourismus-Sommersaison (Mai bis Juli 2021) erreichte 25,8 Mio. Nächtigungen und ist damit um ein Fünftel (+19,5%) über dem Ergebnis derselben Vorjahresperiode. Die Nächtigungen liegen allerdings noch um ein Drittel (33,6%) unter dem Niveau des entsprechenden Vorkrisenzeitraums 2019. Aufgrund der unterschiedlichen Zeiträume von pandemiebedingten Betriebs- und Grenzschließungen in beiden bisherigen Sommersaisonen sind die Entwicklungen jedoch nur bedingt vergleichbar.

Im Juli 2021 wurden 15,44 Mio. Nächtigungen in österreichischen Beherbergungsbetrieben gemeldet. Gegenüber Juli 2020 sind die Nächtigungen somit um 0,8% leicht gesunken und liegen noch um 17,7% unter dem Vorkrisenniveau von Juli 2019. Die Nächtigungen ausländischer Gäste blieben um 28,6% unter dem Ergebnis von Juli 2019, während jene der inländischen Gäste um 13,7% darüber liegen. Die inländischen Nächtigungen übertrafen erstmals sowohl im aktuellen wie im Juli des Vorjahres die 5-Millionen-Marke (5,5 bzw. 5,6 Mio.).

Luftfahrt: Frachtverkehr im Juli 2021 weiterhin beinahe auf Vorkrisenniveau, Passagieraufkommen bei fast 45%

Im Juli 2021 lag der Frachtverkehr auf den sechs österreichischen Flughäfen mit 95,7% nahezu auf Vorkrisenniveau (Juli 2019). Das Passagieraufkommen erreichte hingegen nur 44,6% des Vorkrisenniveaus. Allerdings ist im Vergleich zum Vormonat eine Erholung aufgrund verstärkter Sommerreisen erkennbar: Im Juni 2021 hatte das Passagieraufkommen noch bei 22,5% des Vorkrisenniveaus (Juni 2019) gelegen, das Frachtaufkommen bei 89,8%.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen finden Sie auf unserer Website. Eine Aufzeichnung des Online-Pressegespräch vom 2. September 2021 steht auf Youtube zur Verfügung. Die Präsentation zum Pressegespräch ist als PDF (1 MB) verfügbar

 

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