Pressemitteilung: 12.573-164/21

Kinder- und Jugendhilfe betreute 2020 38.489 Minderjährige in der Familie, 12.678 außerhalb der Familie

Wien, 2021-07-28 – Im Jahr 2020 wurden laut Statistik Austria 38.489 Kinder und Jugendliche in ihren Familien unterstützt, das waren um 1.980 (+5,4%) mehr als im Vorjahr (siehe Tabelle 1). Die Unterstützung der Erziehung geschieht etwa durch Familienintensivbetreuung, sozialpädagogische Familienhilfe, Elterntraining oder Einzelbetreuung. Kann der Verbleib in der Familie nicht mehr aufrechterhalten werden, wird von der Kinder- und Jugendhilfe die sogenannte volle Erziehung angeordnet. Im Jahr 2020 wurden 12.678 Minderjährige im Rahmen der vollen Erziehung von außerfamiliären Pflegepersonen oder in sozialpädagogischen Einrichtungen betreut, um 107 (-0,8%) weniger als im Vorjahr. 60,5% dieser Kinder und Jugendlichen lebten in Einrichtungen, 39,5% bei Pflegepersonen.

Sowohl in der Unterstützung der Erziehung (54,3%) als auch in der vollen Erziehung (53,2%) lag der Anteil der Buben über jenem der Mädchen. Nach Altersgruppen unterschieden, war im Rahmen der Unterstützung der Erziehung mehr als die Hälfte (51,5%) der betreuten Kinder und Jugendlichen sechs bis unter 14 Jahre alt (14 bis unter 18 Jahre: 25,3%, unter sechs Jahre: 23,2%). In der vollen Erziehung entfiel auf die Sechs- bis unter 14-Jährigen (43,8%) und die 14- bis unter 18-Jährigen (40,8%) ein annähernd gleich hoher Anteil, während die Jüngsten nur 15,4% ausmachten.

2.188 junge Erwachsene außerhalb, 1.315 im Rahmen der Familie weiter unterstützt

Bereits von der Kinder- und Jugendhilfe unterstützte Jugendliche können nach Erreichen der Volljährigkeit im Bedarfsfall weiter Hilfe erhalten. Im Jahr 2020 wurden 2.188 junge Erwachsene (18- bis unter 21-Jährige) in sozialpädagogischen Einrichtungen oder von Pflegepersonen betreut und 1.315 derselben Altersgruppe in der Familie (ambulant) unterstützt (siehe Tabelle 2). Bei dieser Form der zeitlich verlängerten Hilfestellung, auf die kein Rechtsanspruch besteht, ist die Anzahl der Betreuten gegenüber dem Vorjahr deutlich angestiegen (außerfamiliär/stationär: +140 bzw. +6,8%; familiär/ambulant: +73 bzw. +5,9%). Anders als bei den Minderjährigen war bei den jungen Erwachsenen der Anteil der weiblichen Unterstützten höher als jener der männlichen (ambulant: 51,0%, stationär: 50,1%).

Große Bundesländer-Unterschiede bei den Betreuungsquoten

Während im Bereich der Unterstützung der Erziehung Niederösterreich mit 22,1% den höchsten Anteil betreuter Kinder und Jugendlicher hatte, lag bei der vollen Erziehung Wien mit 32,1% deutlich vor den anderen Bundesländern. Wird die Anzahl der betreuten unter 18-Jährigen in Relation zur gleichaltrigen Wohnbevölkerung gesetzt, zeigt sich eine große Bandbreite bei den Betreuungsquoten (siehe Tabelle 1): Bei der Unterstützung der Erziehung kamen in Kärnten 2020 auf 1.000 Minderjährige 35,2, in Oberösterreich hingegen nur 17,5 betreute Kinder und Jugendliche (Bundesländerdurchschnitt: 25,0). In der vollen Erziehung reichte dieser Wert von 12,3 in Wien bis 5,9 in Oberösterreich (Durchschnitt: 8,2).

Auch bei der Zuerkennung der Hilfen für junge Erwachsene gab es 2020 deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern: Erhielten in Tirol 14,2 von 1.000 18- bis unter 21-Jährigen weiterhin professionelle Unterstützung, während sie in ihrer Herkunftsfamilie lebten, kam eine solche Unterstützung in Niederösterreich und Wien praktisch nicht zur Anwendung. Im Bereich der außerfamiliären Betreuung lag die Quote zwischen 12,7 (Kärnten) und 5,3 (Burgenland) jungen Erwachsenen.

702,3 Mio. Euro Ausgaben für Erziehungshilfen

Die Ausgaben für Erziehungshilfen (Unterstützung der Erziehung, volle Erziehung, Hilfen für junge Erwachsene) betrugen im Jahr 2020 insgesamt 702,3 Mio. Euro (+27,1 Mio. Euro bzw. +4,0% gegenüber dem Vorjahr); unter Berücksichtigung der Einnahmen aus Kostenersätzen durch Unterhaltspflichtige (41,5 Mio. Euro) verblieben den Ländern und Gemeinden Nettoausgaben von 660,8 Mio. Euro (siehe Tabelle 3). Wien hatte den größten Anteil daran (21,9%), gefolgt von der Steiermark (16,5%) sowie Nieder- und Oberösterreich (15,2% bzw. 15,1%). Drei Viertel der Ausgaben insgesamt entfielen auf die volle Erziehung, ein Viertel wurde für Unterstützung der Erziehung ausgegeben (beide jeweils einschließlich der Hilfen für junge Erwachsene).

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zur Kinder- und Jugendhilfestatistik finden Sie auf unserer Webseite.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die Kinder- und Jugendhilfestatistik (KJH-Statistik) löste den bis zum Berichtsjahr 2014 vom Familienministerium erstellten Jugendwohlfahrts- bzw. Kinder- und Jugendhilfebericht ab. Sie basiert wie dieser auf den tabellarischen Meldungen der Bundesländer. 2020 ist nach 2015, 2016, 2017, 2018 und 2019 das sechste Berichtsjahr der Kinder- und Jugendhilfestatistik. 
Das Bundes-Kinder- und Jugendhilfegesetz (B-KJHG ) 2013 (mit Ablauf vom 31.12.2019 außer Kraft getreten) sieht vor, dass eine Reihe von statistischen Daten zu den Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe zu erheben und zu veröffentlichen ist (siehe dazu § 15 Abs. 1 B-KJHG 2013). Die konkrete Festlegung und Definition der zu erfassenden Leistungsbereiche und Erhebungsmerkmale obliegt der vom Ministerium (derzeit: Bundeskanzleramt) eingerichteten Arbeitsgruppe KJH-Statistik, dem auch die Bundesländer und Statistik Austria angehören. Die KJH-Statistik informiert im Wesentlichen über die Anzahl der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den Bereichen Unterstützung der Erziehung, volle Erziehung, Hilfen für junge Erwachsene, Mitwirkung an Adoptionen und Rechtsvertretungen, über die Anzahl von Leistungen in den Bereichen Gefährdungsabklärungen, Erziehungshilfen und Sozialen Diensten sowie über die Summe der Ausgaben für Unterstützung der Erziehung, volle Erziehung und Hilfen für junge Erwachsene bzw. die Summe der Einnahmen aus Kostenersätzen in den Erziehungshilfen insgesamt. Die detaillierten inhaltlichen Vorgaben für die KJH-Statistik 2020 sind im dafür erstellten Handbuch zu finden, das unter www.statistik.at > Fragebögen > Öffentliche Einrichtungen > Kinder- und Jugendhilfestatistik abrufbar ist.  
Unterschiede des Erhebungsprogramms der KJH-Statistik zum Jugendwohlfahrts- bzw. Kinder- und Jugendhilfebericht des Ministeriums bestehen in einer Reihe von Punkten: Einerseits sind Soziale Dienste, Gefährdungsabklärungen, grenzüberschreitende Adoptionen, Ausgaben und Einnahmen neu einbezogen worden und werden die Hilfen für junge Erwachsene anders erfasst. Andererseits ist die Erhebung der Dauer der Unterstützung, einzelner Rechtsvertretungen und sonstiger Tätigkeiten der KJH entfallen. Bei der Erfassung der unterstützten Kinder und Jugendlichen wurde vom Stichtag (31.12.) abgegangen und auf die Jahressumme umgestellt. Hier gilt grundsätzlich und soweit nicht anders vorgesehen, dass die Person bei mehr als einmaligem Bezug einer Leistung (derselben zu erfassenden Leistungskategorie) innerhalb des Berichtsjahres nur einmal zu zählen ist (Vermeidung von Doppel- bzw. Mehrfachzählungen). Die Ergebnisse der KJH-Statistik sind mit jenen des Jugendwohlfahrts- bzw. Kinder- und Jugendhilfeberichts somit großteils nicht vergleichbar bzw. als Zeitreihen (z.B. zur Anzahl der unterstützten Kinder und Jugendlichen in den Bereichen Unterstützung der Erziehung und volle Erziehung) nicht konsistent fortführbar. 
Sämtliche Daten der KJH-Statistik 2015-2020 sind im Tabellen-Anhang des Berichts zur KJH-Statistik 2020 zu finden, der auf der Webseite unter Weitere Informationen abrufbar ist.

 

Tabelle 1: Betreute Kinder und Jugendliche1) der Kinder- und Jugendhilfe 2019 und 2020
BundeslandAnzahl2)Veränderung 2019-2020Betreuungsquote3)
20192020absolutin %20192020
Unterstützung der Erziehung4)
Burgenland1.5391.381-158-10,332,829,4
Kärnten3.1583.185270,934,735,2
Niederösterreich7.5188.49597713,025,628,8
Oberösterreich4.7454.75270,117,617,5
Salzburg2.1142.34122710,721,523,8
Steiermark5.9206.70478413,229,533,3
Tirol3.3563.5371815,425,426,7
Vorarlberg1.8431.84740,224,224,2
Wien6.3166.247-69-1,119,218,9
Insgesamt36.50938.4891.9805,423,725,0
Volle Erziehung5)
Burgenland383370-13-3,48,27,9
Kärnten1.0521.036-16-1,511,611,4
Niederösterreich2.0502.029-21-1,07,06,9
Oberösterreich1.7051.590-115-6,76,35,9
Salzburg68168540,66,97,0
Steiermark1.5411.576352,37,77,8
Tirol79279970,96,06,0
Vorarlberg534524-10-1,97,06,9
Wien4.0474.069220,512,312,3
Insgesamt12.78512.678-107-0,88,38,2

 

Tabelle 2: Betreute junge Erwachsene1) der Kinder- und Jugendhilfe 2019 und 2020
BundeslandAnzahl2)Veränderung 2019–2020Betreuungsquote3)
20192020absolutin %20192020
Stationäre Hilfen4)
Burgenland5343-10-18,96,55,3
Kärnten20320410,512,412,7
Niederösterreich313307-6-1,96,16,1
Oberösterreich306257-49-16,06,55,5
Salzburg175185105,79,810,6
Steiermark3334188525,59,011,7
Tirol2412662510,410,211,6
Vorarlberg879255,76,67,1
Wien3374167923,45,66,9
Insgesamt2.0482.1881406,87,48,1
Ambulante Hilfen5)
Burgenland1318538,51,62,2
Kärnten137128-9-6,68,48,0
Niederösterreich3433-1-2,90,70,7
Oberösterreich129121-8-6,22,72,6
Salzburg8776-11-12,64,94,3
Steiermark3454399427,29,312,2
Tirol303326237,612,814,2
Vorarlberg140108-32-22,910,78,3
Wien54661222,20,91,1
Insgesamt1.2421.315735,94,54,9

 

Tabelle 3: Ausgaben der Kinder- und Jugendhilfe für Erziehungshilfen1) 2019 und 2020, in 1.000
Bundesland20192020Veränderung 2019–2020
Ausgaben insgesamt2)Netto-ausgaben3)Ausgaben insgesamt2)Netto-ausgaben3)Ausgaben insgesamtNetto-ausgaben
Burgenland4)26.50125.98324.43623.863-2.065-2.120
Kärnten56.62254.92457.81556.1991.1941.275
Niederösterreich103.456100.615102.972100.221-484-394
Oberösterreich5)114.84095.257120.43799.8275.5974.570
Salzburg4)39.37637.32544.74642.8755.3705.550
Steiermark4)113.105107.658114.464108.7461.3591.088
Tirol4)47.95846.80454.55553.3166.5976.512
Vorarlberg32.25030.88532.66031.333411448
Wien141.050134.292150.209144.4379.15910.145
Insgesamt675.158633.743702.294660.81727.13627.074

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